Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Längere Texte werden also nach wie vor im Philosophenstübchen abgelegt, aber hier gibts aktuelle Infos, womit ich mich gerade beschäftige. Und es kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei ;-)

Viele Grüße
von Annette


Wir erinnern uns, dass beim verständigen Erkennen bzw. Denken Unterschiedliches voneinander geschieden wird und Abstraktionen stattfinden. Angemessene Differenzierungen und Abstraktionen sind aber nicht grundsätzlich falsch, sondern sie sind „ein notwendiges Moment des vernünftigen Denkens“ (HW 10: 286). Zur Vernunft kommt der Verstand aber erst, wenn die Abstraktion aufgegeben wird und die inneren und äußeren Differenzen der jeweiligen Bestimmungen inhaltlich konkret begriffen werden. Das Wort „begriffen“ verweist nicht zufällig auf die von Hegel besonders hervorgehobene „Begriffslogik“, die die höchste Stufe der Logik nach dem Durchlaufen der Seins- und Wesenslogik darstellt (vgl. Schlemm 2002 und Schlemm 2005: 133ff.).

Zeigen wir das an einem Beispiel:
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Der Verstand betrachtet miteinander wechselwirkende Phänomene noch als einander äußerlich und auch sich selbst als außerhalb der Phänomene. An dem Beispiel mit den Naturgesetzen wird folgendes deutlich: Wir sind es, die die entsprechenden Messgrößen bilden und sie für die Naturerkenntnis verwenden. Wenn wir unsere eigene wissenschaftliche Praxis begreifen wollen, müssen wir unsere eigene Aktivität mit berücksichtigen. Dann ist es nicht mehr ausreichend, getrennt über „die Natur da draußen“ und „uns“ zu sprechen.

Wissenschaft sagt nicht nur etwas aus über die Welt da draußen, sondern sie ist unser Bemühen, ihre Veränderbarkeit durch uns zu erforschen. Wissenschaft wird jetzt bestimmt als „objektive Erforschung der Veränderbarkeit der Welt durch uns“ (leicht verändert nach Laitko 1979: 84, vgl. Schlemm 2005: 218). (weiterlesen…)

„Die Philosophie erkennt das, was ist, und insofern ist ihr Inhalt nicht jenseits, nicht von dem verschieden, was sich auch dem Sinne, dem äußeren und inneren Gefühl darstellt, was der Verstand erfaßt und sich bestimmt. – Aber wie es wahrhaft ist, stellt es sich nur der denkenden Vernunft dar […].“ (HW 10: 405)

Es wird sich zeigen, dass der Verstand eine wichtige Form des Denkens ist, die jedoch noch nicht ausreichend zum Begreifen der Welt ist. Dies gelingt erst der Vernunft. Aus der Fülle dessen, was Vernunft ausmacht, zeigt sich auch die Beschränktheit des Verstandes.

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Das eben Geschriebene gilt übrigens auch für den absoluten Geist. Der ist keine starre Krone über allem, kein toter Kristall, der alle Bewegung und Lebendigkeit abtöten würde. Bei Hegel ist er so etwas wie die Gesamtheit der Welt, die sich selbst erkennt (siehe dazu mehr hier und zur Methode des Hegelschen Philosophierens auch hier (bezogen auf die „Phänomenologie“) und hier (bezogen auf die „Logik“)).

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„Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider.
Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft,
während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung,
sie passten auch heute noch.“ (George Bernard Shaw)

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Wenn wir davon ausgehen, dass die wirkliche Welt von nichtlinearen, d.h. rückbezüglichen Wechselwirkungsprozessen durchzogen ist, dass gegensätzliche Phänomene aufeinander einwirken, dass sich Qualitäten allmählich, aber auch häufig sehr sprunghaft verändern, so wären Erkenntnis- bzw. Denkformen nicht angemessen, die entweder das Besondere unter gemeinsames Allgemeines subsumieren oder in dualen Vorstellungen verhaftet bleiben. Allerdings ist das Auffinden von unterscheidbaren und bestimmten Phänomenen und auch von identitätsstiftenden zuschreibbaren Bestimmungen ebenfalls wichtig, um nicht orientierungslos zu bleiben. (weiterlesen…)

Angesichts der „schweren Kost“, die ich hier grad produziere, grüße ich alle meine Leser_innen mit einer kleinen Momentaufnahme:

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Der wichtige Unterschied zwischen genauer Festlegung und Richtungsangabe wird häufig außer Acht gelassen, wenn Hegels Geschichts- bzw. Gesellschaftsphilosophie diskutiert wird. Dieser Unterschied steckt auch in dem viel diskutierten Zitat

„Was vernünftig ist, das ist wirklich;
und was wirklich ist, das ist vernünftig.“ (HW 7: 24)

An anderer Stelle schreibt Hegel selbst: „[…] wer wäre nicht so klug, um in seiner Umgebung vieles zu sehen, was in der Tat nicht so ist, wie es sein soll?“ (HW 8: 49). Und in der Vorlesung von 1821/22 sagt er noch deutlicher: „Man muß das Unausgebildete und das Überreife nur nicht wirklich nennen.“ (PR 1821/22: 37).

Wenn wir verstehen wollen, wie die „Arbeit der Vernunft der Sache“ funktioniert, müssen wir eigentlich die gesamte Hegelsche Philosophie reproduzieren. Wer eine Vorstellung von Dialektik hat, hat schon eine Ahnung davon. (weiterlesen…)

Die Hegelsche Philosophie, und damit auch Hegels Verstandes- und Vernunftbegriff setzen voraus, dass die Vernunft nichts der Welt Fremdes oder Äußerliches ist. Die Welt ist (zumindest der Möglichkeit nach) vernünftig und die Welt zu begreifen ist vernünftig. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die gesamte Hegelsche Philosophie. Wer diese Ansicht nicht teilt, dem hat Hegel nichts zu sagen. Bevor man aber weiß, ob man zu ihnen gehört, oder ob man mehr damit anfangen kann, sollte man aber mehr darüber wissen, was das eigentlich im Hegelschen Sinne bedeutet. (weiterlesen…)

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