Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Längere Texte werden also nach wie vor im Philosophenstübchen abgelegt, aber hier gibts aktuelle Infos, womit ich mich gerade beschäftige. Und es kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei ;-)

Viele Grüße
von Annette


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„Vorausgesetzt ist die Lust des tätigen Lernens. Die Lust dieser Mühe ist mehr als je unumgänglich; wer auf See will, muß die Schifferknoten verstehen.“ (SO: 11)

Ja, diese Lust erlebe ich gerade sehr aktiv. Ich beschäftige mich mit einer Anfrage von St.Mz. zu meiner Fetisch-Zusammenfassung, und muss dann endlich wieder wechseln zur Arbeit an meinen Bloch-Glossar-Themen (für das Buch). Deshalb werde ich wohl einige Zeit keinen neuen Blogbeitrag schreiben. Die Ergebnisse vor allem zum Fetischteil gibts dann aber auch hier…

Wer mir über die Schulter schauen möchte und viel Lust zum Lernen hat: im Moment lese ich einen Text von Robert Kurz von 1987.

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Das Wort „Mensch“ wurde als Adjektiv (männisch) ab 1594 dem „mann“ zugeordnet, aber ab dem 15. Jahrhundert auch schon bezogen auf Frauen verwendet.

Die einfache Frage, was Menschen sind, ist eine der kompliziertesten und die Antwort darauf begründet jeweils das wesentliche Fundament einer Weltanschauung. Ernst Bloch zitiert häufig Aussagen, die die Frage, was Menschen sind, an ihrem Unterschied zu Tieren festmacht. Dadurch ergeben sich einige Fähigkeiten, die das Menschsein durchaus kennzeichnen. Gerade aus dem Festhalten der Unterschiede zu den Tieren wird sich das entscheidende Merkmal des Menschseins als „Nicht-Festgehaltensein“ heraus stellen.
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Das Wort „Front“ deutet eine Grenzziehung an. Militärisch ist es die Grenze zum Gegner, aber auch in der Meteorologie wird dieses Wort als Grenzscheide zwischen verschiedenen Luftmassen verwendet. Um den militärischen Kontext etwas abzustreifen sei an die lateinische Bedeutung von „frons“ erinnert, was einfach „Stirn, Vorderseite“ bedeutet.

Für Ernst Bloch ist die Welt, in der wir leben und die zum Gegenstand unserer Erkenntnis und unseres Tuns wird, ein unabgeschlossener Prozess und die Situation, in der wir gerade leben, ist dadurch ausgezeichnet, dass in ihr wichtige Veränderungen stattfinden und Entscheidungen getroffen werden, die entscheidend für die weitere Zukunft sein werden. In diesem Prozess geht es um etwas, nämlich den „Umbau der Welt zur Heimat.“ (Bloch PH: 334). Dieser Umbau kann gelingen oder versäumt werden. Diese Entscheidung zwischen dem Gelingen und der Vereitelung kann nur in der gerade gegebenen Situation, in der Jetztzeit, erfolgen – hier ist die Front, als der „vorderste Seinsabschnitt der bewegten, utopisch offenen Materie“ (PH: 230). Sie ist der „Ort des Weltgeschehens, an dem um alles oder nichts gekämpft wird“ (Holz 1955: 142).
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Heimat wird in Wikipedia umschrieben als „Gesamtheit der Lebensumstände, in denen ein Mensch aufwächst“. Gleichzeitig ist dieses Wort nicht nur biographisch in die Vergangenheit zu projizieren, sondern:

„Als Gegenüber der Fremde wird Heimat im utopischen Sinne auch als der erst noch herzustellende Ort in einer Welt jenseits der Entfremdung verstanden“ (ebd.).

Die Kategorie „Heimat“ bei Ernst Bloch meint wesentlich diese zweite genannte Bedeutung. Jenseits der Entfremdung, nicht fremd – dies sind die wichtigsten inhaltlichen Bedeutungen des Heimatbegriffs.

Heimat als Gegenbegriff zur Fremde

Heimat ist für Ernst Bloch „ein philosophischer Begriff gegen die Entfremdung.“ (Bloch TLU: 220) Sie ist jene „Welt…, wo das Objekt nicht mehr behaftet ist mit einem ihm Fremden“ (Bloch 1974a: 76) Hier findet das menschliche Individuen zur „Identität des zu sich gekommenen Menschen mit seiner für ihn gelungenen Welt“ (PH: 368).
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Das berühmte Fetischkapitel im Kapital wird immer wieder herangezogen. Aber es ist doch nicht ganz einfach zu verstehen. Wir werden uns morgen in unserem Kapital-Seminar damit beschäftigen. Ein Handout gibts schon mal:

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„Wir sehnen uns nach etwas, wir suchen etwas, wir gehen auf etwas zu. Wir gehen in ein großes Warenhaus (dem entspricht die Geschichte der Wissenschaften), und da wird alles mögliche angeboten. Wir aber wollen etwas, ohne schon zu wissen, was es sei.

Das hat Brecht in Mahagonny ausgedrückt mit dem kurzen Satz: Etwas fehlt. Was fehlte, konnte Jimmy nicht sagen; aber etwas fehlt, und das sucht er, das ist es, worauf er aus ist. Dann werden ihm also Cord-Hosen angeboten und Schuhe und Pfeifen und Schränke und Tabak und Zigaretten und Häuser und Eigentumswohnungen. Doch auf all das waren seine Wünsche gar nicht gerichtet.

Und er weiß immer noch nicht, was wer will, was er kaufen will. Irgend etwas wird ihm schließlich aufgeredet, das gerade vorrätig ist. Und da er ganz und gar schon abgetrieben ist von seinem Erstaunen, seinem Erregtsein, seinem Verwundern, so bescheidet er sich und geht weg. Die Urfrage, die er hatte, ist vergessen.“ (Bloch 1974b: 165)

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Die alte Frage „Reformen oder Revolution“ spaltet immer wieder alle Bewegungen. Letztlich brauchen wir den Streit nicht theoretisch zu führen. Wie beim Ende der Mauer und damit der DDR entscheidet die Praxis. Höchstwahrscheinlich werden es nicht mal die Gipfelstürmer sein, die Kopenhagen zu Fall bringen, sondern die innere Logik der Unmöglichkeit der Quadratur des Kreises, bzw. der Ökologisierung des Kapitalismus. Nicht nur in der „Frankfurter Rundschau“ wird das Scheitern der Verhandlungen vorher gesehen und die Beschwörung der dänischen Klima- und Energieministerin, die die Präsidentschaft auf dem Gipfel übernehmen wird: „Ein Scheitern von Kopenhagen ist keine Option“ mutet genau so hilflos an wie einst Honeckers: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.“
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Rein praktisch zeigt sich das auch daran, dass die politischen Handlungsspielräume immer kleiner werden. Fast war ich schon versucht, unserer Angela Merkel zu wünschen, dass sie die Scherereien der krisenhaften Entwicklung jetzt auch auslöffeln muss und sich nicht nach einer anscheinend gelungenen Politik mit Ehren überhäuft zurückziehen kann. Nachdem ich erfahren habe, dass die neue Große Koalition ihre Wahlversprechen durch eine enorm hohe Schuldenaufnahme erfüllen will, beginne ich zu fürchten, dass es ihr gelingt, damit noch durch die nächsten 4 Jahre (oder bis zu vorgezogenen Neuwahlen) durchzukommen und den ganzen Schlamassel dann wieder an rosa-rote Krisenverwalter und Buh-Leute abzugeben. Vorher werden schnell noch einige „Schalter“ umgelegt: die auf starre Grundlastversorgung orientierte Energiepolitik blockiert den weiteren Ausbau der Erneuerbaren und mit dem Ende von Hartz IV werden noch brutalere Erpressungsmechanismen für die Ärmsten installiert.

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Ein erfahrener Zukunfts- und Utopienerforscher, Rolf Schwendter, arbeitet weiter an einem alten Projekt und stellte hierfür bereits vor 14 Jahren seine „30 Thesen“ vor. In diesen Thesen analysiert er die Entwicklung des real existierenden Kapitalismus und die Gegenbewegungen, denen ja seine Sympathie und auch viel Engagement gilt.

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“Wer leben will, muß sich irgendwie stets belügen.
Es gibt keinen Menschen, der ohne die wohltätigen Folgen des Träumens auch nur einen Schritt gehen könnte oder gar imstande wäre, sich zu seiner Tagesarbeit zu erheben.“ (Bloch: GU: 55)

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