Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das “Tagebuch”, das zum “Virtuellen Philosophenstübchen” gehört. Längere Texte werden also nach wie vor im Philosophenstübchen abgelegt, aber hier gibts aktuelle Infos, womit ich mich gerade beschäftige. Und es kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei ;-)

Viele Grüße
von Annette


… aber verurteilt.

Fein ausgedacht, diese “Lösung”: Ende der unsäglichen Haft und des für die Anklage peinlichen Prozesses, aber eine Verurteilung von Josef, um “recht zu behalten”. Ich freue mich natürlich über die “Enthaftung”, die Verurteilung ist aber ein handfester Skandal.

Beweise für eine Tat? Braucht ein östereichisches Gericht nicht. Wer glaubt da noch an den “Rechtstaat” im real existierenden Kapitalismus?

Hier ein Bericht aus der Süddeutschen dazu.

Freiheit für Josef

Es gibt nun auch von Josef selbst Informationen darüber, wie es ihm derzeit geht. “Ja, es hat sich gelohnt”, sagt er trotz allem, was hier nachgelesen werden kann.

An den nächsten beiden Prozesstagen, dem 21. und 22. Juli fährt ein ganzer Bus mit Unterstützer*innen von Jena nach Wien und man kann sich hier noch anmelden.

realitaet
In der aktuellen Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ (Heft 7/14) fragt der Titelbeitrag „Was ist Realität?“. Er wurde von Meinard Kuhlmann, einem Professor für Philosophie in Bielefeld geschrieben. Der Artikel schließt mit einem Aufruf zu einem besseren Zusammenwirken von Naturwissenschaftlern, speziell den Physikern, und Philosophen.

Damit hat er unbedingt Recht. Nachdem in „Spektrum“ schon recht ominöse Interpretationen der Quantentheorie aufgetaucht waren, ist dieser Beitrag wohltuend sachlich. Fachlich exakt, gleichzeitig schön erläuternd und er bringt auch einen Teil der Lösung der Titelfrage: „Was ist Realität?“

Trotzdem möchte ich hier ergänzend darauf eingehen, denn erstens ist die Frage falsch gestellt und zweitens gibt es bessere Antworten zu dem Thema schon seit 30 Jahren. (mehr…)

Gespräch Mit der Grundlegung der Kritischen Psychologie entwickelte Klaus Holzkamp einen konzeptionellen Rahmen und Kategorien, die es ermöglichen sollen, die eigenen Beziehungen zur Welt besser verstehen zu können. Dabei wird ein menschliches Individuum nicht als eindeutig bestimmt von den objektiven Bedingungen gesetzt, aber auch nicht als bedingungslos freischwebend vorgestellt, sondern es wird vorgeschlagen, bestimmte Vermittlungsmomente zwischen mir als Individuum und der Welt genauer zu analysieren.

Der Gegenstand der Kritischen Psychologie ist dabei „nicht das Subjekt, sondern dessen Welt, wie sie von ihm empfindend, denkend und handelnd erfahren wird.“ (www.kritische-psychologie.de, vgl. Markard 2009: 55)
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Eine Möglichkeit, mir und meinen mich selbst behindernden Selbstkonstruktionen auf die Schliche zu kommen, entwickelte Frigga Haug mit der sog. „Erinnerungsarbeit“. Erinnerung zeigt nie „wie es wirklich war“, sondern sie ist konstruiert, sie ist durch die herrschende Meinung, den eigenen Widerstand und verschiedene Nahelegungen gegangen. Sie ist jedoch ein „Material, das uns erlaubt, die Archäologie unserer gesellschaftlichen Selbstformung zu studieren.“ (Haug 2003: 229)

Frigga Haug arbeitete jahrelang mit ihren Studentinnen mit dieser Methode. Gleichzeitig war sie zuerst unwillig, die Methode als solche zu stark festzulegen. „Dies widerspricht im Grunde meiner Vorstellung, den Prozess methodisch offen zu halten und so einen Freiraum zu lassen für innovatives Eingreifen.“ (Haug 1999: 7)
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Leider ist es nur ein Mythos, dass „wir die Guten“ sind, auch wenn dieses Denkmuster gerade bei Linken und Alternativen weit verbreitet zu sein scheint. Leider sind wir viel stärker in die objektiven Unterdrückungs- und Ausgrenzungspraktiken verwoben, als wir es subjektiv möchten. Der Arbeitsplatz, den ich gerade habe, könnte einem anderen erwerbslosen Menschen zu einem Einkommen verhelfen; der bundesdeutsche Pass, den ich habe, gestattet es mir, hier zu leben statt sonstwohin geschickt zu werden wie andere. Ich habe so oder so immer wieder mein Abendbrot verdient und so das System mit reproduziert.

Es fällt mir schwer, das Wissen über meine objektive Beteiligung an der Unterdrückung anderer zu ertragen. Aber ich tue es, irgendwie. Wie ich das mache, kennzeichnet meine Persönlichkeit, macht mein „Ich“ aus. Frigga Haug (1982) spricht davon, dass wir dabei „die Verhältnisse in uns einbauen“.
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Wir reden schnell von Handlungsgründen, aber uns ist oft nicht bewusst, dass wir damit auf eine Entscheidungsfreiheit verweisen, die sich deutlich unterscheidet von einem ebenfalls allgegenwärtigen Bedingtheitsdenken. Gerade das oben erwähnte Opferschema geht z.B. davon aus, dass die Opfer unter den gegebenen Bedingungen Opfer sein müssen. Die Bedingungen führen zu diesem oder jenem Handeln, eigentlich nur zur bestimmten Reaktionen. Die Kritische Psychologie setzt gegen diesen Bedingtheitsdiskurs den sog. Begründungsdiskurs. Natürlich gibt es in letzter Instanz objektive Bedingungen für menschliches Handeln. Menschen setzten sich dazu jedoch in ein bewusstes Verhältnis, sie entscheiden, ob und wie sie sich den Bedingungen anschmiegen bzw. sie zu verändern suchen. Dies geschieht über mehrere Vermittlungsebenen. So sind die objektiven Bedingungen von den Bedeutungen zu unterscheiden, die diese für das jeweilige Individuum haben. Die Begründungen sind im Unterschied zu den Bedingungen jeweils nicht von außen zu ergründen und zu erklären, sondern dies kann nur das Individuum selbst nachvollziehen. Kritisch-Psychologische Praxis kann deshalb nur eine intersubjektive Praxis sein, niemals von Experten für andere gemacht werden.
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