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Das Wort „Front“ deutet eine Grenzziehung an. Militärisch ist es die Grenze zum Gegner, aber auch in der Meteorologie wird dieses Wort als Grenzscheide zwischen verschiedenen Luftmassen verwendet. Um den militärischen Kontext etwas abzustreifen sei an die lateinische Bedeutung von „frons“ erinnert, was einfach „Stirn, Vorderseite“ bedeutet.

Für Ernst Bloch ist die Welt, in der wir leben und die zum Gegenstand unserer Erkenntnis und unseres Tuns wird, ein unabgeschlossener Prozess und die Situation, in der wir gerade leben, ist dadurch ausgezeichnet, dass in ihr wichtige Veränderungen stattfinden und Entscheidungen getroffen werden, die entscheidend für die weitere Zukunft sein werden. In diesem Prozess geht es um etwas, nämlich den „Umbau der Welt zur Heimat.“ (Bloch PH: 334). Dieser Umbau kann gelingen oder versäumt werden. Diese Entscheidung zwischen dem Gelingen und der Vereitelung kann nur in der gerade gegebenen Situation, in der Jetztzeit, erfolgen – hier ist die Front, als der „vorderste Seinsabschnitt der bewegten, utopisch offenen Materie“ (PH: 230). Sie ist der „Ort des Weltgeschehens, an dem um alles oder nichts gekämpft wird“ (Holz 1955: 142).

Die Front bestimmt die Grenze zwischen dem, was als Sedimentiertes hinter uns liegt und jenem, dessen Zukunft von unserem Handeln abhängt. Dieser Begriff ist nicht qualitätslos wie das Wort „Gegenwart“, sondern gefüllt mit der inhaltlichen Aufforderung, selbst „Stellung zu beziehen“ und zu verstehen, dass unser Tun und auch unser Lassen etwas entscheidet.

„Wir Menschen stehen an der Front des Weltprozesses, und wenn wir den subjektiven Faktor, der wir sind, den Faktor der Tat, die sich mit uns selbst verwirklicht, nicht einsetzen, dann allerdings entsteht nichts.“ (Bloch 1976: 144)

Unserer Tat kommt die Materie als „aktives Substrat der objektiv-realen, ja objekthaft-utopischen Möglichkeit schlechthin“ (Bloch EM: 229) entgegen.

„In den Dingen ist ein Treiben, worin unsere Angelegenheiten noch betrieben werden können, eine Front, worin unsere Zukunft, gerade diese, entschieden werden kann.“ (PH: 335)

Ihre und unsere Möglichkeiten verschränken sich und es ist nicht vorentschieden, was geschehen wird. Weder ist ausgemacht, dass die Heimat, „worin sich weder der Mensch zur Welt noch aber auch die Welt zum Menschen verhalten als zu einem Fremden“ (PH: 241) erreicht und nicht verfehlt wird, noch ist bereits ausgestaltet, wie dieser Zustand ganz konkret verwirklichen werden wird.

„An der Front ihres Prozesses ist der Zielinhalt selber in Gärung und realer Möglichkeit.“ (PH: 223)

Trotzdem geschieht nichts völlig willkürlich, sondern „nach Möglichkeit“. Unsere Einflussnahme geschieht über die Gestaltung der Bedingungen für Möglichkeiten und wie wir dies an dieser Front tun, entscheidet über unsere und die Zukunft der Welt.