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Ausbremsen der Photovoltaik durch das Energiekonzept
Aufgrund des EEG wurde die BRD in den letzten Jahren zu einem Haupteinsatzort für photovoltaische Stromerzeugung. Die neu installierte Leistung stieg von Jahr zu Jahr:
Damit verbunden sanken die Modulpreise bis zum September im Jahr 2009 um ganze 30% (während die Einspeisevergütung in diesem Jahr nur um 8% gesunken war). (Kreutzmann PHOTON September 2009)
Inwieweit die Preissenkung tatsächlich eine Folge von Produktionskosteneinsparungen sind, oder eher Marktfaktoren eine Rolle spielen (vorheriger Aufbau von Produktionsüberkapazitäten und Nachfragerückgang durch Krise), ist mir noch nicht ganz klar.
„Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt davor, die Spielräume für Einschnitte zu überschätzen. Der konjunkturbedingte Preisrutsch bei Photovoltaikanlagen in den vergangenen Monaten sei keinesfalls gleichzusetzen mit entsprechenden Senkungen der Herstellungskosten.“ (Quelle)
Auf jeden Fall muss auch konstatiert werden, dass die Herstellungskosten in Fernost um ein Drittel unter jenen in Europa liegen.
Für die (potentiellen) Betreiber von Solaranlagen gibt es auf jeden Fall jetzt sinkende Preise.

Die Einspeisevergütung kann zwei Effekte haben, erstens als erwünschte die Förderung der Anzahl von PV-Anlagen, zweitens aber auch den Effekt, dass die PV-Hersteller Kostensenkungen nicht an die Preise weiter geben, sondern die Preise auf Grundlage der Einspeisevergütung „künstlich“ hochgehalten werden. Dieses „künstliche“ Hochhalten hat aber nicht nur etwas mit Profitstreben zu tun, sondern auch mit notwendigen Investitionen und der Finanzierung von Forschung und Entwicklung.
Für das Jahr 2009 liegen für die PV-Installationen zwar noch keine präzisen Zahlen, vor, aber bereits im Oktober erklärte die Bundesnetzagentur den Korridorwert von 1 500 MW für 2009 als überboten.
Dementsprechend gilt also entsprechend der Gesetzeslage für 2010 eine um 1% stärkere Senkung der Vergütung, das bedeutet, weil 9% bereits für 2009 veranschlagt sind, eine Senkung um 10% für Anlagen, die 2010 gebaut werden. Nun wird aber immer wieder an Forderungen einer Senkung um 30% erinnert und 15-16% stehen wohl ernsthaft zur Debatte.
Anne Kreutzmann von der Zeitschrift PHOTON geht für 2009 sogar von einer neu installierten Leistung von zwischen 3 bis 4 GW aus. (Anne Kreutzmann, PHOTON, Dezember 2009, S. 3)
Die bisherigen Vergütungssenkungspläne, also auch das „neue EEG“ mit dem Korridorparagraphen rechnen mit einer sehr viel kleineren Neuinstallation. Der Zubau von Photovoltaikanlagen überscheitet das vom Bundesumweltministerium prognostizierte Wachstum, das in seiner “Leitstudie 2008″ den Ausbau für 2009 lediglich auf 1.300 MW veranschlagt hatte (S. 171), sehr stark. Diese Diskrepanz spielt eine große Rolle in der gegenwärtigen Debatte um die stärkere Senkung der Einspeisevergütung:
Einerseits möchten viele Industrievertreter so lange wie möglich so viel Förderung wie möglich durch eine nicht stark sinkende Einspeisevergütung. Für diese ist ein „Kleinschreiben“ der Prognosen günstig. Bisher lagen die Zuwachsprognosen auch immer unter den tatsächlich erreichten Zuwächsen.

Abb. 8: Prognosen für PV-Ausbau liegen – wie jene hier dargestellten für Erneuerbare Energien insgesamt – niedriger als tatsächliche Entwicklung (Quelle)
In der ARD wurde gemutmaßt, dass diese Unterschätzung eine bewusste Täuschung darstellt, um die Vergütungssätze nicht in die Diskussion zu bringen.
Solange der Hauptmarkt innerhalb Deutschlands liegt (und Q-Cells verkauft noch 65 % seiner Solarzellen in Deutschland), macht es für die PV-Hersteller auch Sinn, möglichst hohe Vergütungssätze zu haben. Andererseits muss die bundesdeutsche Solarindustrie sich an der Welt orientieren und ein einspeisevergütet-finanziertes „Ruhekissen“ für die deutsche Solarindustrie würde ihre Spitzenposition auf dem Weltmarkt gefährden. Wie wir aus dem Alltagleben wissen: Aus jeder Medizin wird, zuviel genommen, Gift. Dies ist der Hintergrund für die unterschiedliche Verteilung von PV-Vertretern am Seilziehen.
Die einen warnen vor verhängnisvollen Folgen einer zu schnellen und abrupten Absenkung der Einspeisevergütung:
„Berlin, 15. Januar 2010: Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) und Analysten warnen eindringlich vor einer zu schnellen Absenkung der Solarstromförderung. Eine zusätzliche Reduktion der Fördersätze für Photovoltaikanlagen im zweistelligen Prozentbereich noch in diesem Jahr würden große Teile der deutschen Solarwirtschaft nicht überleben. Rund 50.000 Arbeitsplätze stünden für diesen Fall in Deutschland auf dem Spiel.“ (Quelle)
Jene, die an den alten, moderaten Senkungen der Einspeisevergütung festhalten wollen, argumentieren mit folgenden Argumenten:
- Die Einspeisevergütung ist auch ein Mittel zur Konjunkturstimulierung
- An jeder Solaranlage verdient der Staat die Hälfte an Steuern
- Die Vergütung kostet den Staat nichts, weil die Kosten auf den Strompreis aufgeschlagen werden.
- Mehr Strom über PV führt zu mehr Stromüberangebot und dieses zu Preissenkung (winziger Überschuss lässt Preis stark sinken)
Die Zeitschrift PHOTON macht sich bei diesen Solarindustrievertretern unbeliebt. Schon im Septemberheft votierte die Chefredakteurin für eine „Anpassung der Vergütung an die gesunkenen Preise“ (PHOTON September 2009, S. 3). Sie meint, eine stärkere Absenkung der Vergütung sei notwendig, um das EEG überhaupt in der derzeitigen Form zu retten. Der Hintergrund ist, dass sie von einem viel stärkeren PV-Wachstum ausgeht, als die anderen Prognosen. Bisher lag sie damit eher richtig.
„Eine stärkere Absenkung der Vergütung ist daher wünschenswert und reduziert das Risiko, dass ein sehr hoher Zubau an Photovoltaikleistung die Strompreise explodieren lässt. Das nämlich würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass die Politik noch weit rigider eingreift und den Solarstromausbau gesetzlich einschränkt.“ (Anne Kreutzmann PHOTON November 2009)
Der Kommentar von PHOTON zu den geplanten Änderungen vom 2.1.2010 lautet demnach:
Reduzierung der Vergütung um 15 Prozent für Dachanlagen und um 15 bis 25 Prozent für Freiflächenanlagen: Die außerplanmäßige Absenkung war nötig geworden, weil die Weltproduktion an Solarmodulen wesentlich schneller gewachsen ist, als bei Einführung des EEG absehbar war. Die Produktionskosten sind damit schneller gesunken als die Vergütungssätze im EEG. Angemessen wäre nach PHOTON-Recherchen eine Reduzierung von 20 Prozent gewesen. Die 15 Prozent sind somit für die Industrie leicht zu verkraften. Die neuen Vergütungssätze werden den Zubau voraussichtlich nicht bremsen. Bei Anlagen auf Ackerflächen, welche 25 Prozent weniger Vergütung bekommen sollen, dürfte sich dagegen die Spreu vom Weizen trennen. Dieser Markt wird damit vor allem den besonders effizient produzierenden Firmen zur Verfügung stehen, die damit zeigen können, wie günstig Solarstrom heute schon erzeugt werden kann. (Schüßler)
Eine längere Diskussion, auch in der Zeitschrift selbst, hatte verschiedene Fragestellungen aufgeworfen. So wurde darauf hingewiesen, dass die PV-Industrie inzwischen allein aus Gründen des Marktes zur Verbilligung ihrer Produkte gezwungen ist, so dass sie von höheren Einspeisevergütungen nicht mehr profitieren kann. (Anne Kreutzmann PHOTON September 2009) Die von den Warnern befürchteten Problem für die deutsche PV-Industrie, die sich deutlich in Problemen von Q-Cells zeigt, nimmt sie hin: Die teure Solarzellenproduktion in Deutschland stehe auch ohne die Vergütungssenkung vor dem Aus, „zumal die meisten Arbeitsplätze in der Photovoltaik ohnehin im Handwerk zu finden sind und nicht in der Produktion“ (A. Kreutzmann Nov/09).
Das bekräftigt auch Dieter Manz von einem Maschinenbau-Zulieferer der PV-Industrie:
„Der Aufbau einer Fertigungsstätte ist in Asien nun einmal um die Hälfte billiger.“ (Manz)
„Schuld“ daran wäre dann weder die Färbung der Regierung, sondern ganz einfach der übergroße Erfolg der PV-Industrie, die deutschlandweit alle Zubauprognosen weit übertroffen hat und weltweit zu einer starken Kostenkonkurrenz führt.
Für die Industrie selbst ist diese ganze Situation durchaus eine Herausforderung, aber eine für kapitalistische Verhältnisse ganz normale.
„Die Solarbranche wird sich neu ordnen müssen. Viele der kleineren, unrentablen Unternehmen werden vom Markt verschwinden, weil sie ohne die Geschenke von Vater Staat nicht über die Runden kommen. Die großen Solarunternehmen mit etwas Geld in der Kasse, Solarworld etwa oder Phoenix Solar, werden sich vergleichsweise günstig einkaufen können und weiter wachsen – auch ohne die staatliche Geschenke.“ (Handelsblatt)
Für all jene, die sich noch überlegen, eine PV-Solaranlage anzuschaffen, steht deshalb das Problem, sich eventuell noch sehr schnell, bis Mitte dieses Jahres, entscheiden zu müssen, bevor die weiteren Senkungen in Kraft treten. Die entsprechenden Handwerks- und Industriebetriebe müssen mit den entsprechenden Unsicherheiten leben. Wer es bis Mitte des Jahres nicht schafft, ist wohl etwas schlechter dran – aber auf jeden Fall lohnt sich ein Dranbleiben. Die neuen Regelungen fördern den Eigenverbrauch stärker als die Netzeinspeisung und es wird nicht mehr lange dauern, dann ist der Strom vom eigenen Dach wirklich billiger als der aus dem Netz gezogene, ob nun die Vergütungssätze einige Prozente mehr oder weniger bringen. Glücklich, wer jetzt genug Dachfläche besitzt…
Februar 1, 2010 at 8:36 vormittags
Nochmal zur Kostensenkung: die Modulpreise sollen um 40 % gesunken sein, Eine Hausdachanlage kostet Anfang 2010 zwischen 2 500 und 2 700 Euro netto je Kilowatt. (PHOTON Januar 2010).
Verbaut werden immer weniger Zellen aus Deutschland und die Frage ist, aus welcher Art Kostensenkung die Preissenkung herrührt. Fernostbillig-Bedingungen?, Verkauf aus vollen Lagern? Oder wirklich technologische Kostensenkung???
Auf jeden Fall erzwingen die gefallenen Preise wohl nun eine Kostensenkung “koste es was es wolle”.
Für die Solarindustrie stehen harte Zeiten an (trotz oder wegen des Booms: Konkurrenzdruck, den nicht alle überleben werden) – für potentielle Betreiber ein goldenes halbes Jahr, wahrscheinlich das Beste bisher (trotz bereits geringerer Einspeisevergütung sind die Preise so günstig, dass eine Rendit von 10 % versprochen wird)…
März 5, 2010 at 5:37 vormittags
Die Einspeisevergütung ist auch ein Mittel zur Konjunkturstimulierung
An jeder Solaranlage verdient der Staat die Hälfte an Steuern
Die Vergütung kostet den Staat nichts, weil die Kosten auf den Strompreis aufgeschlagen werden.
Mehr Strom über PV führt zu mehr Stromüberangebot und dieses zu Preissenkung (winziger Überschuss lässt Preis stark sinken)
März 5, 2010 at 6:45 nachmittags
Noch führt es realistischerweise wohl eher nicht zu einem Stromüberangebot… Aber in der Zukunft, nach Überschreiten der Grid Parity, wäre das schon ein Ziel, dass es so kommt.
Dass ein winziger Überschuss die Preise stark sinken lässt, habe ich schon gehört. Ich frage mich nur, ob das stimmt. Es gibt ja dauernd Überschüsse aus den Kernkraftwerken, solch kleine Überschussmengen im unter-Prozentbereich, wie die PV (derzeit noch/schon) bringt, machen sich doch da eher nicht direkt bemerkbar oder? Können Sie dazu eine Quelle nennen bzw. verlinken?