
Nein, der Titel bezieht sich nicht auf das explosionsartige Sprießen des jungen Grüns in diesem schönen Frühling…, sondern um schnöde Politik.
In der Diskussion zu meinem vorletzten Artikel ging es wieder einmal um die Frage, welche Aussagen man über die Chancen treffen kann, dass trotz kapitalistischer Produktionsweise eine für das Überleben der menschlichen Zivilisation ausreichende Ökologisierung gelingen könnte oder ob doch diese Gesellschaftsordnung mit all ihren Grundlagen (Privateigentum an Produktionsmitteln, Umwandlung aller Güter, auch der Natur, in Waren etc….) in Frage gestellt und durch eine andere ersetzt werden muss.
Mehrere Beiträge hier im Blog beschäftigen sich bereits mit diesem Problem (eine Auswahl ist unten noch mal verlinkt).
In Kürze findet in Erfurt, also ganz in der Nähe, der nächste BUKO-Kongress statt. Ich weiß zwar noch gar nicht, ob ich wenigstens eine Zeitlang teilnehmen kann, aber in diesem Zusammenhang fiel mir ein Text des Arbeitsschwerpunkts Gesellschaftliche Naturverhältnisse (GesNat) der BUKO in die Hände. Ich möchte diesen Text hier empfehlen für die Frage, was an der “Grünen Ökonomie” (Green Economy) auszusetzen ist.
“Nach dem Scheitern der Green Economy.
10 Thesen zur Kritik der Grünen Ökonomie.”

Hier noch die Links zu den früheren Beiträgen zum Thema:
- Ist Wachstumskritik identisch mit Kapitalismuskritik?
- Reichen individuelle Verhaltensänderungen oder müssen wir strukturelle Verhältnisse brechen?
- Welche Alternativen zum Wachstum gibt es? Teil I: Grüne Reformen
- Die Reproduktionskrise weist über den Kapitalismus hinaus
Mai 14, 2012 at 6:17 nachmittags
Das ist allerdings eine gänzlich in die Irre führende Konstruktion einer Scheinalternative. Das beginnt mit der Bestimmung dessen, um was es bei der scheinbaren Alternative “Kapitalismus oder …? ” (Ja, was eigentlich?) gehen soll. Das Überleben der menschlichen Zivilisation?
Was ist die derzeitige Zivilisation anders als genau die privateigentümlich vergesellschaftete Geldbürgerschafft, die sich angesichts ihrer Unfähigkeit, sich ohne selbstmörderischen Raubbau zu reproduzieren und weiter zu entwickeln, überlebt hat, und der man doch wohl schleunigst ein Ende bereiten sollte. “Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt!”
Falls danach gefragt war, was die gefährliche Verstärkung des Treibhauseffeltes, die Überfischung, die gigantische Zerstörung von fruchtbaren Böden oder Wäldern und der dramatische Verlust biologischer Vielfalt nebst der Unfähigkeit, Hunger zu überwinden, allen ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen und andere soziale “Zivilisationskrankheiten” überwinden könnte, stellt sich mir die Frage, wieso das “trotz” Kapitalismus nicht gelingen sollte. Das wird nicht “trotz” Kapitalismus nicht gelingen sondern höchstens deshalb, weil die kapitalistische Art des Füreinanders nicht rechtzeituig überwunden werden kann.
Und leider tragen gebetsmühlenhaft vorgetragene Belehrungen über die Unmöglichkeit, bei Beibehaltung “des Kapitalismus” zu befriedigenden Ergebnissen zu kommen (diese hier womöglich eingeschlössen), eher zur Verharrungskraft des kapitalistischen Way of Produktion (Genusses, Verantwortung zu tragen, Mittel und Zwecke des Produzierens und Konsumierens zu bestimmen etc bzw. von all dem ausgeschlossen zu sein) bei.
Es ist ersteinmal ganz unerheblich, wie oft und wie laut vor Illusionen in einen “grünen Kapitalismus” gewarnt wird. Die (kapitalistischen) Verhältnisse nötigen die Menschen ganz unabhngig von frommen Aufklärern, sich innerhalb dieser Verhältnisse zu bewegen. Weder mit idealistischem Protestquarken noch mit linker Besserwisserei kommt man da weiter. Illusionen können der sozialen Emanzipation förderlich oder hinderlich sein. Sie werden allerdngs nicht vorher vergehen, bevor nicht alles an möglichen Spielräumen und Spielraumerweiterungen auch wirklich ausgetestet und die wesentlichen Kräfte der Gesellschaft (große Mehrheiten!) nach Alternativen verlangen was wiederum voraussetzt, dass dies von einer weltweiten Massenbewegung getragen wird, und die entwickelten Alternativen auch wirklich gegangen, d.h. plausibel gemacht und durchgesetzt werden können.
Mit einem der “nachhaltigen Entwicklung” verpflichteten Green New Deal wäre überhaupt erst die Chance auf eine breite gesellschaftliche Debatte um eine ökologisch refektierte soziale Steuerung der Weltproduktion eröffnet, die einmal NICHT auf den winzigen Kreis derer beschränkt wäre, die mit dem guten Leben im Kapitalismus – ideologisch – schon ganz abgeschlossen haben. Ohne ein wirklich breites Streben in die “grüne” Richtung kann eine Alternative zum Kapitalismus nicht heranwachsen. Die “radikalen” BUKOisten und ihre Freunde verhalten sich so als ob sie werdende Eltern davor warnen, Kinder in die Welt zu setzen, weil die dann später ja viel zu klein sein werden, um sich im Leben zu behaupten.
Gruß hh
PS. Vielleicht bräuchten wir jetzt so etwas wie eine Welt-Zukunftskonferenz einer idealen Diskursgemeinschaft bestehend aus Changemakern aus Wissenschaft, und sozialer Emanzipationsbewegung – auf der einmal ein paar Monate ganz von den Kräfteverhältnissen und ökonomischen Zwängen abgesehen wird. Und von ermittelten Notwendigkeiten ausgehend nach Möglichkeiten gesucht und nicht umgekehrt von den aktuellen (Un-)Möglichkeiten ausgehend nur ideologische Suppenkaspereien zu begehen.
hh
Mai 14, 2012 at 9:52 nachmittags
bitte eine Fassung für Laien wie mich hinzufügen, danke
Mai 15, 2012 at 5:39 vormittags
Dazu müsste die Nachfrage etwas präziser sein. Wenn ich nicht weiß, was in deinen Augen nicht nachvollziehbar gewesen war, weiß ich auch nicht, wie ich das anders beschreiben sollte.
Aber ich formuliere bei der Gelegenheit mal einen Abschnitt um der mir im Eifer etwas entglitten war.
Falls mit dem Hinweis auf die “trotz kapitalistischer Produktionsweise bedrohte Zivilisation” danach gefragt war, was helfen könnte, Zivilisationskrankheiten zu überwinden wie Hunger, unwürdige Wohnverhältnisse, die gefährliche Verstärkung des Treibhauseffeltes, die Überfischung, die gigantische Zerstörung von fruchtbaren Böden oder Wäldern und der dramatische Verlust biologischer Vielfalt, stellt sich mir die Frage, wieso das “trotz” Kapitalismus nicht gelingen sollte. Das wird nicht “trotz” Kapitalismus nicht gelingen sondern höchstens deshalb, weil die kapitalistische Art des Füreinanders nicht rechtzeituig überwunden werden kann.
Mai 15, 2012 at 7:33 nachmittags
will sagen: geht es auch mit einfachen Satzkonstruktionen, ohne doppelte Verneinung?
Mai 15, 2012 at 9:20 nachmittags
“Trotz Kapitalismus…” finde ich auch in der einfachen Verneinung unverständlich.
Mai 14, 2012 at 7:05 nachmittags
“Nach dem Scheitern der Green Economy.
10 Thesen zur Kritik der Grünen Ökonomie.”
Da lese ich:
Denunziatorische Unterstellung statt Dialektik?
Das erinnert an Engels Einordnung solcher Sichtweisen:
Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft, MEW Bd. 20, S. 21
Mai 15, 2012 at 9:00 nachmittags
“Denunziatorische Unterstellung statt Dialektik?”
Du findest also, der zuvor zitierte Satz sei eine denunziatorische Unterstellung, d.h. mindestens er sei inhaltlich falsch. Meinst Du also, das Konzept der Nachhaltigkeit hätte dafür gestanden bzw. stünde dafür, dass sich wirklich etwas an unseren Wirtschafts- und Lebendweisen ändern müsste?
Mai 15, 2012 at 9:36 nachmittags
Wofür steht eigentlich das Konzept, dass sich in unserem Wirtschaftssystem etwas ändert?
Über die gemeinsame Entwicklungsperspektive der nachhaltigen Entwicklung informiert WIKIPEDIA oder auch das Lexikon der Nachhaltigkeit.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nachhaltige_Entwicklung
http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/nachhaltigkeit_1398.htm
Mai 16, 2012 at 10:29 vormittags
Das Problem: An unserer Wirtschaftsweise ändert sich täglich ETWAS. Das ist gerade eines ihrer Wesensmerkmale. Das als das eigene Gegenkonzept bzw. Ziel der eigenen, alternativen Mühen auszugeben und der Ende der 1980er neuen UN-Entwicklungsphilosophie einer nachhaltigen Entwicklung ENTGEGEN zu stellen, hilft einfach kein Stück weiiter. Im Gegenteil. Es blockiert Emanzipationsstreben und damit auch die notwendige Entwicklung realer Möglichkeiten, die kapitalistische Produktionsweise zu überwinden. Was bekanntlich nur in weltweiter Interaktion gelingen kann, wie Marx / Engels es ja schon in Ihrer Krtitik der “Deutschen Ideologie” (der Junghegelianer!) erkannt hatten.
http://oekohumanismus.wordpress.com/damit-die-entfremdung-eine-unertragliche-macht-wird/ .
Es ist einfach ein historischer Fakt: “Nachhaltige Entwicklung” war und ist die historische Kompromissformel, die der gesellschaftlichen Notwendigkeit entsprang und immer noch tagtäglich entspringt, bestehende Zielkoflikte einzuebnen zwischen
a) Wohlstandsentwicklung (per wachsender Kaufkraft),
b) deren Globalisierung und
c) der damit einhergehenden Zerstörung von Ackerböden, Fischgründen und Wäldern sowie dem Verlust an Klimastabilität, biologischen Vielfalt und anderer Lebensgrundlagen (nicht zuletzt auch traditionell an den regionalen ökologischen Bedingungen angepassten Kulturen so genannter “indigener Völker”), was die Ziele a) und b) zunichte zu machen drohen, also deren Nachhaltigeit bedrohen.
Dass eine Versammlung erzkapitalistischer Nationalstaaten diese Prinzipen zu ihrem Entwicklungsleitbild erklärt(e) und deren Tun oder Nichttun sich nun daran auch messen lassen, ist das eigentlich interessante, denn sie (die Prinzipien) sind ja von der Anlage her durchaus weltkommunistische Prinzipen. Deren Einhaltung macht am Ende eine Transformation der Naturgewalt Kapitalismus in Richtung eines (welt-)kommunistischen Miteinanders zwingend notwendig, das heißt ein Miteinander, das sehr viel kultiviertere Formen der Teilung von Arbeit, Genuss, Verantwortung und Zweckbestmmungsvermögen erlaubt als die von der Kaufkraft gesteuerte. Mit deren Hilfe sich die Globaliserten dieser Erde in die Lage versetzen, ihre Bedürfnisse und die (nicht in Geld ausdrückbaren) Kosten (soziale bzw. ökologischer Natur) miteinander ins Benehmen zu setzen.
Kein Wunder, dass sich die alten Kräfte der unbekümmerten (freiheitlich-diktatorischen) Ausbeutung sich zur neoliberalen Gegenoffensive formierten. Die wesentlichen gesellschaftlichen Gegenpole der vergangenen zwei Jahrzehnte waren denn auch – so meine These – das in Richtung “Nachhaltigkeit” Strebende und der Neoloberalismus.
Und in diesem Kräftemessen spielen nun die von (analog zum realen Sozialismus) reinen Delegitimierungsabsichten beseelten Linken mit ihren Warnungen vor einem “grün angestrichenen Kapitalismus” hinein und zeigen damit im Übrigen auch ieines ihrer größten Mängel, nämlich deren ihre große Marxferne bzw. Unlust, an dessen kommunistische Perspektiven.
Mai 16, 2012 at 10:37 vormittags
Ich bitte die im Eifer übersehenen Rechtschreibfehler und verunglückten Satzbaukorrekturen zu entschuldigen. Einfach übersehen.
Mai 14, 2012 at 9:50 nachmittags
Die 10 Thesen (im Text sind es tatsächlich 11 – was die Frage aufwirft, ob man/frau jemandem/r trauen soll, der/die nicht zählen kann
erscheinen mir Laien politökonomisch konsequent. Sie erinnern mich außerdem an Robert Havemanns Thesen, weshalb der Kapitalismus (und – aus anderen Gründen – auch der sog. “real existierende Sozialismus”) nicht imstande ist, derartige Probleme zu lösen. – Danke für den Hinweis!
Mai 15, 2012 at 12:32 vormittags
Politökonomisch konsequent? Nein, höchstens politideologisch konsequent. Politideologisch konsequente Schmalhanskost. Einfach unsäglich. 100 Mal aufsagen: “Es muss sich wirklich etwas an unserer Wirtschaftsordnung ändern” statt Sozialismus!
Nachhaltige Entwicklung stand zunächst einmal für den Versuch, die Blockaden gegen Umweltschutz aufzuweichen vor allem von Seiten einer stattlichen Anzahl so genannter “Entwicklungs- und Schwellenländer” der 1980er und 1990er Jahre (meist Entwicklungsdiktaturen), die Umweltschutz als Öko-Protektionismus und damit Ökokolonialismus diffamierten (wie heute wieder gegenüber der Green Economy aus der Mottenkiste geholt). Mit dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung verbindet sich vor allem eine neue, nämlich eine gemeinsame Entwicklungsperspektive, In der im Übrigen 100000 mal mehr Kommunismus steckt als in den Schlaumeiereien all der hilflosen Kapitalismugegner, die sich bitterlich darüber zu beschweren scheinen, dass die kapitalistischen Nationalstaaten nicht auf der Stelle den Weltkommunismus einführen – ohne selbst auch nur den Hauch einer Ahnung zu besitzen, was das überhaupt sein könnte.
Zum Thema Green New deal siehe auch http://oekohumanismus.wordpress.com/2009/02/05/okologischer-new-deal/http://oekohumanismus.wordpress.com/2009/02/05/okologischer-new-deal/
Mai 15, 2012 at 9:01 nachmittags
Bitte finde doch ein paar mehr sachliche Argumente als selbst in Redewendungen zu verfallen, die ich zumindest hier im Blog zu vermeiden suche wie: “Schlaumeiereien all der hilflosen Kapitalismugegner”
Mai 15, 2012 at 9:04 nachmittags
“Nachhaltige Entwicklung stand zunächst einmal für den Versuch…”
Ich habe den deutlichen Eindruck, dass zumindest wir beide ganz, ganz unterschiedliche Quellen haben für das, was sich “Nachhaltigkeit” nennt. Ich habe ein ganzes Bücherregalbrett mit entsprechender Literatur aus den 90er Jahren, wo ich Zitat für Zitat nachweisen könnte, was ich daran kritisiere…
Du scheinst dagegen Deine eigene Wunschvorstellung in die anderen Konzepte mit diesem Titel hinein zu projizieren und fühlst Dich deshalb immer angegriffen, wenn andere das “Konzept der Nachhaltigkeit” in irgend einer Weise kritisieren.
Mai 15, 2012 at 9:48 nachmittags
Nachhaltige Entwicklung stand zunächst einmal für den Versuch, die Blockaden gegen Umweltschutz aufzuweichen, vor allem von Seiten einer stattlichen Anzahl so genannter “Entwicklungs- und Schwellenländer” der 1980er und 1990er Jahre (meist Entwicklungsdiktaturen), die Umweltschutz als Öko-Protektionismus und damit Ökokolonialismus diffamierten (wie heute wieder gegenüber der Green Economy aus der Mottenkiste geholt).
Mit dem Begriff der nachhaltigen Entwicklung verbindet sich vor allem eine neue, nämlich eine gemeinsame Entwicklungsperspektive, In der im Übrigen 100000 mal mehr Kommunismus steckt als in ach so “radikalen” Kampf gegen den Begriff der Nachhaltigkeit, wie er von Kapitalismusgegner vorgebracht wurde. Die kommen mir so vor, als beschwerten sie sich bitterlich darüber, dass die kapitalistischen Nationalstaaten nicht auf der Stelle den Weltkommunismus einführen – ohne selbst auch nur den Hauch einer Ahnung zu besitzen, was das überhaupt sein könnte.
Mai 15, 2012 at 10:17 nachmittags
“Nachhaltige Entwicklung stand zunächst einmal für den Versuch…”
Ich habe den deutlichen Eindruck, dass zumindest wir beide ganz, ganz unterschiedliche Quellen haben für das, was sich “Nachhaltigkeit” nennt. Ich habe ein ganzes Bücherregalbrett mit entsprechender Literatur aus den 90er Jahren, wo ich Zitat für Zitat nachweisen könnte, was ich daran kritisiere…
Ich fände es besser, wenn du inhaltlich auf meinen Einwand eingehen würdest. Mir scheint, dein Bücherbrett steht voller Bücher von Christoph Spehr, Ulrich Brandt und so weiter, die sich mit gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen und wie sich darin trotz alledem Fortschritte in Richtung eines weltgemeinschaftlichen Miteinanders herstellen, nichts wissen wollen.
Du scheinst dagegen Deine eigene Wunschvorstellung in die anderen Konzepte mit diesem Titel hinein zu projizieren und fühlst Dich deshalb immer angegriffen, wenn andere das “Konzept der Nachhaltigkeit” in irgend einer Weise kritisieren.
Da erscheint dir aber was ganz falsch. Ich nutze Begriffe als Mittel der Verständigung. Sie sind die Griffe, die wir der Wirklichkeit anheften um sie für uns handhabbar zu machen, nicht die Wirklichkeit selbst. Ich sehe in Begriffen weder Heilige noch Teufel. Wenn ich hier meinen Ärger zum Ausdruck bringe, dann nicht, weil ich mich persönlich angegriffen fühle, sondern weil ich den Schaden erkenne, den diese Haltung anrichtet.
Mai 16, 2012 at 12:23 vormittags
Mit den Büchern im Bücherschrank meine ich an dieser Stelle die ganzen mehr oder weniger offiziellen Schriften vom Wuppertal-Institut, von Weizsäcker/Lovins, dieentsprechenden Sachen von der EU und den Bundesministerien zur Agenda 21, Texte vom BUND, Konzepte von der EXPO 2000… – also all die Sachen mit den schönen Versprechen.
Ich nehme den Begriff der “Nachhaltigkeit” so, wie sie ihn prägen. Sie haben das als Mittel ihrer Verständigung gewählt und ich nehme sie dabei ernst. In Begriffen sehe ich auch nichts Heiliges oder Teufliges – aber Handlungen von Leuten, die mit bestimmten Worten unser Gehirn und unsere klare Sicht vernebeln wollen, sehe ich als kritisierbar an.
Mai 16, 2012 at 1:08 vormittags
Magst du mal eines dieser schlimmen Versprechen zitieren?
Tut mir Leid, aber mir kommt es so vor, als ob sich ein Kind über falsche Versprechen der Eltern beschwert. Da habe ich es als ganz grundsätzlich Ungläubiger sicher einfacher. Ich schaue danach, wie weit das Bewusstsein und die Ideen, Forderungen, Vorschläge usw. hier und dort reichen und dann, was das noch weiter voran bringen könnte.
Wer meint, Kapitalismus könne durch die kleine Schaar derer überwunden werden, die anscheinend alle schon fix und fertig als Kapitalismusgegner auf die Welt gekommen sind, der ordnet sich auf der Skala zwischen Problem und dessen Lösung wohl irgendwie falsch ein.
Mai 16, 2012 at 10:56 vormittags
“kleine Schar derer…, die anscheinend alle schon fix und fertig als Kapitalismusgegner auf die Welt gekommen sind”, “Schlaumeiereien all der hilflosen Kapitalismugegner”, “fromme Aufklärer”, “idealistisches Protestquarken”, “inke Besserwisserei”, “Denunziatorische Unterstellung” (wenigstens mit Fragezeichen), “ideologische Suppenkaspereien” – hörst Du Dir manchmal noch selber zu?
Mai 16, 2012 at 12:51 nachmittags
Wenn das Delegitimationsbedürfnis sehr im Vordergrund steht, wird die Wahrnehmung entsprechend selektiv. Das gilt für die Kapitalismuskritik der Marx fernen Linken aber sicher auch allgemein.
Statt “Protestquarken” hätte ich natürlich besser “freiwilliges Verharren in der Froschperspektive” schreiben sollen, statt “von ideologischen Suppenkaspereien” von “in Delegiemierungsabsichten befangene Wahrnehmungsblockaden” (im Hinblichk auf das enthaltene Potenzial) sprechen, statt “von frommen Aufklärern” lieber über “die Formen der Regeliösität und des Moarlismus als Kehrseiten der Nichtbeachtung historisch-materialistischer Entwicklungsgrundlagen” und statt meinen Ärger über “Schlaumeiereien und Besserwissereien” gegenüber denen, die sich immerhin bemühen, das unter den bestehenden (kapitalistischen) Umstnden Beste zu bewirken, hätte es gewiss (wie an ander Stelle ja auch geschehen) ein zarter Hinweis darauf getan, dass sich Kaitalismus nicht durch Aufklärung im Sinne von Belehrung überwinden lässt, sondern nur durch das Wachsen und Gedeihen realer sozialer Bewegungen, die aber ersteinmal genötigt sind, sich auf Basis kapitalistischer Verhältnisse zu bewegen (und sich die damit nuneinmal verbundenen Bewusstseinsformen auch nur nach und nach im Laufe ihrer weiteren – realen – Erfahrungen nach ud nach entledigen können).
Kapitalismus lässt sich nur überwinden, wenn wesentliche Teile der Weltbevölkerung das will und auch eine Vorstellung davon hat, was das heißt und wie man dabei eine neue Rude “Realsozialismus” vermeiden kann, und die anderen dem zumindest nicht mehr wirklich etwas entgegensetzen können. Im Bewusstsein dessen, dürfte es einem doch als wenig rational vorkommen, seine geistige Produktivkraft auf das Aussprechungen von Warnungen vor einem “falschen Bewusstsein” zu fokussieren.
Mai 16, 2012 at 11:33 vormittags
Lieber HHH, um noch mal sachlich zu werden. Wir kennen uns ja nun eine Weile und dass wir weiter schlagabtauschen, statt voneinander abzulassen, muss ja damit zusammen hängen, dass wir irgendwie auch spüren, dass wir uns was zu sagen haben (außer Beleidigungen…). Kannst Du mal versuchen, folgende Fragen zu durchdenken?
1. Was sind Konzepte und Gedanken die wir beide teilen? (was am Marxismus, Dialektik, Ökologieorientierung…)
2. Worin bestehen die Differenzen zwischen uns?
Mai 16, 2012 at 1:26 nachmittags
Bin jetzt selbst ein wenig unzufrieden, weil ich sehe, (nicht nur an der überriebenen Polemik sondern auch an den vielen ärgerlichen Schreibfehlern und unvollendet gebliebenen Sätzen), dass ich mir mit den Antworten hätte sehr viel mehr Zeit nehmen sollen. Und im Ärger sollte man sowieso nichts öffentlich Kund tun.
Zeigt mir auch: Ich muss mich verstärkt den eigenen Projekten zuwenden und das spontaneistische freie Assoziieren etwas zurückschrauben.
Nur so viel:
Einig sind wir uns sicher in der Gewissheit, dass die kapitalistischen Behauptungsbedingungen, also die kapitalistische Art der Teilung von Arbeit, Genuss, Zweckbestimmungsvermögen und Verantwortung (= sich zu sorgen) keine vertretbare Perspektiven (mehr) bilden und am Ende (ich würde sagen: MINDESTENS in den nächsten beiden Jahrzehnten) bessere Formen des globalen Miteinanders elabiert werden müssen.
Einig scheinen wir uns auch darin zu sein, dass uns Marx in der Hinsicht einiges zu sagen hat und ganz allgemein, dass Dialektik, also die Dinge in ihren Zusammenhängen, Widerspüchen, möglichen Verlaufsforen und insbesondere auf Möglichkeiten ihrer Aufhebung hin zu betrachten ein notwendiges Mittel der Wahrnehmung und Perspektivbilung ist.