Berichte


… aber verurteilt.

Fein ausgedacht, diese “Lösung”: Ende der unsäglichen Haft und des für die Anklage peinlichen Prozesses, aber eine Verurteilung von Josef, um “recht zu behalten”. Ich freue mich natürlich über die “Enthaftung”, die Verurteilung ist aber ein handfester Skandal.

Beweise für eine Tat? Braucht ein östereichisches Gericht nicht. Wer glaubt da noch an den “Rechtstaat” im real existierenden Kapitalismus?

Hier ein Bericht aus der Süddeutschen dazu.

Freiheit für Josef

Es gibt nun auch von Josef selbst Informationen darüber, wie es ihm derzeit geht. “Ja, es hat sich gelohnt”, sagt er trotz allem, was hier nachgelesen werden kann.

An den nächsten beiden Prozesstagen, dem 21. und 22. Juli fährt ein ganzer Bus mit Unterstützer*innen von Jena nach Wien und man kann sich hier noch anmelden.

Anstatt anderen die Schuld zuzuschreiben, wenn mirs schlecht geht, anstatt mich bloß defensiv zu rechtfertigen, wenn ich mich falsch verstanden fühle, anstatt mich auf scheinbar widerspruchsfreien Lösungen hier und sofort zu versteifen, kann mir die Soziale Selbstverständigung mit anderen weiter helfen.

Zwar haben auch die anderen Menschen ihre jeweils sehr individuellen Gründe, sich so oder so zu verhalten – aber wir leben in derselben Welt mit den gleichen gesellschaftlichen Verhältnissen und haben ähnliche Lebensprobleme zu bewältigen. Aus diesem Grund können Gespräche zu allgemeinen Erkenntnissen führen, die wiederum mir in meiner ganz individuellen Lebensführung helfen können. (mehr…)

Hiddinghausen 2014_4 Unsere Lebensführung spielt sich jedenfalls noch in einer besonderen gesellschaftlichen Form ab, die mit dem Wort „Kapitalismus“ zu kennzeichnen ist. In dem ersten Input wurde ausgeführt, inwieweit der sich als Dominanz der Exklusionslogik zeigt.

Bei der In- und Exklusion geht es jeweils um einen Ein- und Ausschluss von Einzelnen oder Gruppen. Dabei kann man nicht davon ausgehen, dass Inklusion und Exklusion starr voneinander getrennt wären und etwa dem Kapitalismus die Exklusion entspräche und der freien Gesellschaft die Inklusion. Nein, letztlich sind sie keine getrennten Zustände, sondern sie „bilden ein (meistens dynamisches) Verhältnis“. Im Kapitalismus jedoch ist die Inklusion der Exklusion untergeordnet. Inklusion ist häufig Mittel zur erfolgreichen Exklusion (man tut sich im Internehmen zusammen, um gegen andere zu konkurrieren; die Gemeinschaft der Familie schließt andere Beziehungsformen aus…). Typisch für den Kapitalismus ist jedenfalls ein dynamisches Verhältnis von In- und Exklusion, bei dem sich die einen systematisch auf Kosten der anderen durchsetzen. (mehr…)

Am Freitag Vormittag des Seminarwochenendes in Hiddinghausen legten zwei Inputs die inhaltlichen Grundlagen. Der erste Input brachte die Themen des vorigen Jahrestreffens in Hiddinghausen in Erinnerung, als es um das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft mit seinen vielfältigen Vermittlungen und die Zielbestimmung einer commonbasierten bzw. commonsschaffenden Wirtschaft ging.

Interessant fand ich die Betrachtungsweise, die den Kommunismus nicht erst als Phase nach dem Kapitalismus, sondern bereits in aller Geschichte als vorhanden ansieht. Der Begriff des Kommunismus bezieht sich dabei auf menschliche Potenzen. Hiddinghausen 2014_3

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Am Donnerstag Abend, also am 29. Mai, waren fast alle gut angekommen, hatten ihre Betten bzw. Matratzen in Beschlag genommen, gut gegessen und dann gings schon los mit dem ersten Beisammensein. Insgesamt war eine interessante Mischung an Menschen gekommen. Eigentlich alle kannten schon einige andere.

Das „Kennenlernspiel“ bestand nun darin, ein Seil jeweils von einer Person zu einer anderen zu werfen, und die werfende erzählte dann, woher sie die andere, zu der sie das Seil geworfen hatte, kennt. Am Schluss waren wir alle miteinander verbunden, alte und neue Bekannte. Das Netz zwischen uns war ein schönes, tragfähiges Bild. (mehr…)

Hiddinghausen 2014_0

“Hiddinghausen” ist zum Zeichen geworden für eine besondere Tankstelle, an der man Lebensfreude und spannendes neues Wissen tanken kann. Fast jedes Jahr, zu Himmelfahrt oder Pfingsten, treffen sich in einem urigen ehemaligen Gasthaus im Ort namens Hiddinghausen zwei Dutzend Menschen auf der Suche nach intensiven menschlichen Kontakten, nach Selbstorganisierung und spannenden Seminaren zum Themenkreis Kritische Psychologie und gesellschaftliche Transformation.

In diesem Jahr hieß das Thema „Lebensführung und Emanzipation“. (mehr…)

Hiddinghausen 2014_1

An dieser Stelle sammle ich die Links zu den folgenden Beiträgen über das Wochenende zum Thema “Lebensführung und Emanzipation” in Hiddinghausen 2014:

Ich würde zwar lieber über das phantastische Himmelfahrtswochenende zum Thema “Lebensführung und Emanzipation” in Hiddinghausen berichten, aber eine andere Sache geht heute vor: der Prozess gegen Josef läuft und ich möchte ein Statement kritischer Psycholog*innen dazu verbreiten. Hier ist es:


Seit den Protesten gegen den rechten „Akademikerball“ (ehem. WKR-Ball)
in Wien am 24.01.2014 sitzt der Demonstrationsteilnehmer Josef S. aus
Deutschland in Untersuchungshaft. Vorgeworfen wird ihm
Landfriedensbruch, versuchte schwere Körperverletzung und schwere
Sachbeschädigung. Als „Rädelsführer“ soll er auf diese Weise für alle
Straftaten dieses Abends verantwortlich gemacht werden. Am Freitag
(06.06.2014) beginnt der Gerichtsprozess gegen Josef am Landesgericht Wien.
Die Beweislage ist sehr brüchig. Auf der einen Seite ein Polizeizeuge,
der seine Aussage anpasst, nachdem ein anderes Beweismittel seine erste
Aussage widerlegt hat. Dann die These der Ermittler*innen, dass die
weiße Aufschrift „Boykott“ auf Josefs schwarzem Sweatshirt ein
Erkennungszeichen dafür war, dass Josef ein „Anführer“ auf der
Demonstration war. (mehr…)

Josef sitzt immer noch in Haft. Am 6. Juni soll sein Prozess stattfinden.

Inzwischen gibt es auch eine Vorlage für Flyer, die gern ausgedruckt und verteilt werden können (Vorlagen in A4 gibts hier):

Ich finde es fast gruselig, die desinteressierte Stimmung der Leute zu spüren gegenüber diesem Thema. Gleichzeitig erinnere ich mich an die prompte Empörung, wenn zu DDR-Zeiten mal wieder was passiert war.

In wirklich krisenhaften Zeiten reichen scheinbar kleine Anlässe, um die Stimmung hochzukochen, manchmal auch zu Gunsten von verfolgten Menschen. Dieselben Menschen, die sich sonst moralisch so empören können, bleiben so kalt und gelassen, wenns ihnen selbst wohl genug geht. Oder sind sie selber so beschäftigt mit ihrem Alltagsstress, dass sie die Relationen nicht mehr sehen, wenn es um das Unglück anderer geht? Oder glauben sie gar, dass in diesem Falle alles mit “rechten” Dingen zugeht und dass das gut so ist…?

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