Rezension


Wer sagt uns eigentlich, daß die scheinbare Welt weniger wert sein muß als die wahre? Widerspricht nicht unser Instinkt diesem Urteile? Schafft sich nicht ewig der Mensch eine fingierte Welt, weil er eine bessere Welt haben will als die Realität? (Nietzsche)

Nach anstrengenden Arbeitstagen in der real existierenden kapitalistischen Wirtschaftswelt konnte ich mich in der vorigen Woche mehrere Abende lang auf eine spannende Reise begeben. Ich las eine Anthologie, bei der nicht nur fertige Erzählungen verschiedener Autor_innen zusammengestellt wurden, sondern bei der die Autor_innen die Welt, in der ihre Geschichten spielen, gemeinsam entwickelt haben. Schon dieses Prinzip „Gemeinsame Weltenschöpfung und individuelles Schreiben“ ist recht innovativ.

Das gemeinsame explizite Thema ist das städtische Leben der Zukunft. Implizit wird der Inhalt jedoch vom Übergang zu einer neuen Produktions- und Lebensweise nach dem Zusammenbruch der jetzigen kapitalistischen Zivilisation bestimmt.
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Normalerweise vertiefe ich mich nicht so sehr in die Auswertungen der kommunistischen Vergangenheit in Ost oder West. Zu viel gilt es in der Gegenwart zu regeln und erst aus begründeten neuen konkreten Utopien heraus wird einerseits das Unzureichende der Befreiungsversuche des 20. Jahrhunderts klarer zu bewerten sein und andererseits die damaligen historischen Bedingungen auch umfassend gewürdigt werden. Trotzdem gehörte das Buch „Offene Fragen in der geschlossenen Abteilung“ von Harald Werner zu meinen Bestellungen beim Weihnachtsmann und… ich habs noch am Weihnachtsabend gelesen!Harald Werner (mehr…)

Holloway hat Recht mit seiner Beschreibung der Widersprüchlichkeit zwischen den Anforderungen, die die Wirtschaftswelt an uns stellt und den darüber hinaus schießenden menschlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Aber diese Widersprüchlichkeit begrifflich an den „Doppelcharakter der Arbeit“ nach Marx zu binden, verkürzt die Marxsche Theorie unzulässig. (mehr…)

Vorbemerkung

John Holloways Buch aus dem Jahr 2002 trägt den Titel „Die Welt verändern ohne die Macht zu übernehmen“. Dieser Titel bezeichnet treffend, worin sich die meisten der neueren Befreiungsbewegungen seit Ende der 90er Jahre von früheren antikapitalistischen Bewegungen und Parteien unterscheiden. (siehe auch mein Text dazu)

Ich lese nun seit einiger Zeit das neue Buch: „Kapitalismus aufbrechen”. Ich werde dabei auf eine eigenartige Weise hin und hergerissen. Das meiste, was als politische Handlungsstrategie beschrieben wird, ist mir überaus sympathisch. Holloway findet für komplexe Zusammenhänge wunderschöne Metaphern. Die gehen runter wie Öl… Aber in meinem Hinterkopf tickert so etwas wie das theoretische Gewissen. Vor allem die Kapitalstudien der letzten Monate haben da Spuren hinterlassen, die sich hartnäckig in Erinnerung rufen, sobald Holloway in den Bereich der Theorie, der Analyse und der begrifflichen Einordnung seiner politischen Haltung innerhalb eines „offenen Marxismus“ kommt. „Das stimmt doch so gar nicht!“ ruft der kleine Teufel von da hinten und sät Zweifel. Soll ich ihn zum Schweigen bringen?

Wer „Ja“ sagt, braucht bloß den 1. Teil zu lesen ;-)
Wer „Nein“ sagt, sollte dann noch weiter durchhalten…

Texte zu Holloway:

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Immer noch aus dem Heft „Neue Technik und Sozialismus“:

Technologie als Machtfaktor

Wissenschaft und Technologie erfordern ab einem gewissen Entwicklungsstand ganz enorme gesellschaftliche Aufwendungen. So schätzte R. Tomovic (für die beginnenden 80er Jahre) ein, dass erst ein Land mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 3000 Dollar die Mittel für eine unabhängige Entwicklung einer kompletten Technologie für Kfz, verarbeitende oder pharmazeutische Industrie aufbringen kann. (S. 83) Dadurch entsteht eine „technologische Macht“, durch die die „großen und militärisch-industriellen Komplexe“ eine Übermacht gewinnen, die stärker wirkt als die „Herrschaft durch Eigentum oder militärische Eroberung“ (ebd.: 84).

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Es geht weiter mit einem Lesebericht des Heftes „Neue Technik und Sozialismus“:

Technologie im Kapitalismus

Angesichts wichtiger krisenhafter Umstrukturierungen im real existierenden Kapitalismus der beginnenden 80er Jahre wurde besonders intensiv über die Rolle von Wissenschaft und Technik diskutiert. Es wurde konstatiert, dass wohl erstmalig dauerhaft durch die Computerisierung mehr Arbeitsplätze vernichtet werden als neu geschaffen (Holland, S. 40). Und während Holland vermutete, dass es zu keiner Produkterneuerung kommen kann, sondern nur zu Neuerungen bei Produktionstechniken und –prozessen (S. 41), sah Altvater in den Neuen Medien auch künftige neue Märkte (S. 48).

Taylorismus und Automation im Kapitalismus als Feld widersprüchlicher Tendenzen

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Ich kann es nicht lassen, immer wieder alte Bücher und Broschüren zu lesen anstatt nur in den schnelllebigen Neuen Medien zu surfen. Weil wir uns gerade mal wieder mit dem Thema Produktivkräfte/Technik beschäftigen, fiel mir die Broschüre „Neue Technik und Sozialismus“ in die Hände. Die Beiträge entstanden vor immerhin 30 Jahren und trotzdem (mehr…)

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