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		<title>3.2.2 Drei Erkenntnisschritte</title>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 12:16:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir erinnern uns, dass beim verständigen Erkennen bzw. Denken Unterschiedliches voneinander geschieden wird und Abstraktionen stattfinden. Angemessene Differenzierungen und Abstraktionen sind aber nicht grundsätzlich falsch, sondern sie sind „ein notwendiges Moment des vernünftigen Denkens“ (HW 10: 286). Zur Vernunft kommt der Verstand aber erst, wenn die Abstraktion aufgegeben wird und die inneren und äußeren Differenzen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5342&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir erinnern uns, dass beim verständigen Erkennen bzw. Denken Unterschiedliches voneinander geschieden wird und Abstraktionen stattfinden. Angemessene Differenzierungen und Abstraktionen sind aber nicht grundsätzlich falsch, sondern sie sind „ein notwendiges Moment des vernünftigen Denkens“ (HW 10: 286). Zur Vernunft kommt der Verstand aber erst, wenn die Abstraktion aufgegeben wird und die inneren und äußeren Differenzen der jeweiligen Bestimmungen inhaltlich konkret <em>begriffen </em>werden. Das Wort „begriffen“ verweist nicht zufällig auf die von Hegel besonders hervorgehobene „Begriffslogik“, die die höchste Stufe der Logik nach dem Durchlaufen der Seins- und Wesenslogik darstellt (vgl. Schlemm 2002 und Schlemm 2005: 133ff.). </p>
<p>Zeigen wir das an einem Beispiel:<br />
<img alt="" src="http://www.thur.de/philo/hegel/ds1.gif" class="aligncenter" width="265" height="181" /><span id="more-5342"></span></p>
<p>Wir wollen einen bestimmten Gegenstand begreifen (den ich in der Abbildung mit „Etwas“ bezeichnet habe). In der ersten Erkenntnisstufe ist es noch völlig getrennt von Anderem, d.h. entweder sinnlich wahrgenommen oder auch als mit sich identisches, aber beziehungslos Gedachtes (1.). Wenn wir nun Beziehungen zu Anderem mit hinzudenken, befinden wir uns im Reicht des Verstandes. Das &#8222;Etwas&#8220; ist eine Rose und diese ist „rot“. Die allgemeine Farbbezeichnung „rot“ wird in Bezug auf die einzelne „Rose“ gesetzt. Wir können die Rose als „das Rote dort drüben“ oder das Rote als „wie diese Rose hier“ näher bestimmen. </p>
<blockquote><p>„Die Tätigkeit des Verstandes besteht überhaupt darin, ihrem Inhalt die Form der Allgemeinheit zu erteilen, und zwar ist das durch den Verstand gesetzte Allgemeine ein abstrakt Allgemeines, welches als solches dem Besonderen gegenüber festgehalten [...] wird.“ (HW 8: 169)</p></blockquote>
<p>Dabei kann eine Rose aber auch weiß sein und etwas anderes als eine Rose kann rot sein. </p>
<p>Anders bei einem anderen Beispiel, dem Leben: Der einzelne lebende Organismus ist unmittelbar wahrnehmbar (1.). Wenn wir genauer über den Prozess des Lebens nachdenken, fällt uns auf, dass Leben im Gegensatz zum Tod steht: „Der lebendige Körper steht immer auf dem Sprunge, zum chemischen Prozess überzugehen: Sauerstoff, Wasser, Salz will immer hervortreten, wird aber immer wieder aufgehoben […].Das Lebendige begibt sich immer in Gefahr, hat immer ein Anderes an ihm, verträgt aber diesen Widerspruch, was das Anorganische nicht kann.“ (HW 9: 338). Lebendes wehrt sich gegen den Tod, der Tod ist das Ende des Lebens -beide Seiten negieren sich (2.). Erst wenn wir das Lebendige als Prozess der Aufeinanderfolge der Generationen begreifen, erweisen sich Leben und Tod als notwendige Bestandteile dieses Prozesses (3.). Während der Verstand auf je einer Seite des Gegensatzes stehen bleibt und zwar eine Beziehung zum Gegenüber sieht, aber nur eine negative und damit den Gegensatz festhält, begreift die Vernunft den übergreifenden Prozess, der beide Gegensätze erst hervorbringt. Die vorher als fest angenommenen Gegensätze sind „vielmehr an und für sich selbst das Übergehen“ (HW6: 560). </p>
<blockquote><p>„Solche festgewordene Gegensätze aufzuheben, ist das einzige Interesse der Vernunft. [...].Vernunft setzt sich gegen das absolute Fixieren der Entzweiung durch den Verstand.“ (HW 2: 21,22)</p></blockquote>
<p>Begriffen ist deshalb etwas erst, wenn es als widersprüchliche Einheit seiner differenzierten Momente verstanden wird. Dabei ist zu zeigen, inwiefern die Differenzen nicht beliebig sind, sondern genau jene Differenzen sind, die (inhaltlich konkret) aus der Einheit selbst notwendigerweise folgen. Indem gesehen wird, wieso die Einheit selbst die Grundlage für die Differenzierung ist, stehen die vorher differenzierten Momente nicht mehr (abstrakt) unvermittelt nebeneinander, sondern sind in ihrer (konkreten) Vermittlung begriffen. Bei dem Beispiel mit der roten Rose wäre zu fragen, ob diese Rosensorte nur in der roten Farbe vorkommt. Dann ist die Röte der Rose in ihrem Wesen verankert &#8211; wenn die Rose dagegen auch andere Farben annehmen kann, liegt nur ein äußerer, zufälliger Zusammenhang vor.<br />
Wenn man sagt, Dialektik ist das Denken in Beziehungen und Zusammenhängen, so ist hier noch genauer zu unterscheiden. Wenn wir lediglich nacheinander von jeder Seite her, die als fest angenommen wird, das jeweils Andere betrachten, so können wir zwar den jeweiligen Zusammenhang zum Anderen <em>verstehen</em>. Aber wir können noch nicht den diese Hin- und Herbewegung konstituierenden gemeinsamen Prozess <em>(vernünftig) begreifen</em>. Es muss von einer äußeren Reflexivität noch der Schritt zur Selbstreflexivität gemacht werden.<a href="http://philosophenstuebchen.files.wordpress.com/2012/01/verstand_vernunft.gif"><img src="http://philosophenstuebchen.files.wordpress.com/2012/01/verstand_vernunft.gif?w=300&#038;h=196" alt="" title="verstand_vernunft" width="300" height="196" class="aligncenter size-medium wp-image-5345" /></a></p>
<p>Wenn wir etwas <em>verstehen </em>wollen, genügt es, es aus äußeren Ursachen abzuleiten (Entstehungsbedingungen, Umstände…). Das <em>vernünftige Begreifen </em>zielt jedoch auf die Erklärung aus sich selbst heraus ab, auf den inneren Zusammenhang, die inneren Struktur, aus der heraus sich die einzelnen Momente erklären. Jedes dieser Momente ist dann nicht nur äußerlich an das andere gebunden, sondern es ist selbst identisch mit seinem Gegenteil. </p>
<blockquote><p>„Das was existiert, soll nicht nur einfach als existierend, als rein zufällig betrachtet werden, sondern vielmehr als die Manifestation eines durch und durch systematischen Netzes notwendiger Beziehungen.“ (Taylor 1998: 338)</p></blockquote>
<p>Wenn wir eine Rose auch nur ansatzweise begreifen wollen, genügt es nicht, sie als „rot“ zu beschreiben, sondern wir müssen sie als notwendigen Bestandteil des entsprechenden ökologischen Netzwerkes verstehen oder von innen heraus als konkrete Ausformung der genetischen Anlagen unter den jeweils gegebenen Bedingungen. Zusammenfassend kann man mit Hegel das Verhältnis von Verstand und Vernunft folgendermaßen ausdrücken:</p>
<blockquote><p>„Der <u>Verstand bestimmt</u> und hält die Bestimmungen fest; die Vernunft ist negativ und <u>dialektisch</u>, weil sie die Bestimmungen des Verstands in nichts auflöst; sie ist <u>positiv</u>, weil sie das <u>Allgemeine</u> erzeugt und das Besondere darin begreift.“ (HW 5: 16) </p></blockquote>
<hr />
<ul>
<li>Weiter mit &#8222;3.2.3 Das konkret Allgemeine und das Besondere&#8220;</li>
<li><a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/20/literatur/">Literatur</a></li>
</ul>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/philosophenstuebchen.wordpress.com/5342/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5342&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>3.2 Vernunft</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Jan 2012 12:04:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
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		<description><![CDATA[Der Verstand betrachtet miteinander wechselwirkende Phänomene noch als einander äußerlich und auch sich selbst als außerhalb der Phänomene. An dem Beispiel mit den Naturgesetzen wird folgendes deutlich: Wir sind es, die die entsprechenden Messgrößen bilden und sie für die Naturerkenntnis verwenden. Wenn wir unsere eigene wissenschaftliche Praxis begreifen wollen, müssen wir unsere eigene Aktivität mit [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5338&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Verstand betrachtet miteinander wechselwirkende Phänomene noch als einander äußerlich und auch sich selbst als außerhalb der Phänomene. An dem <a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/26/verstand-vernunft-8/">Beispiel mit den Naturgesetzen</a> wird folgendes deutlich: <em>Wir </em>sind es, die die entsprechenden Messgrößen bilden und sie für die Naturerkenntnis verwenden. Wenn wir unsere eigene wissenschaftliche Praxis begreifen wollen, müssen wir unsere eigene Aktivität mit berücksichtigen. Dann ist es nicht mehr ausreichend, getrennt über „die Natur da draußen“ und „uns“ zu sprechen. </p>
<p><em>Wissenschaft </em>sagt nicht nur etwas aus über die Welt da draußen, sondern sie ist unser Bemühen, ihre <em>Veränderbarkeit durch uns zu erforschen</em>. Wissenschaft wird jetzt bestimmt als „<em>objektive </em>Erforschung der Veränderbarkeit der Welt <em>durch uns</em>“ (leicht verändert nach Laitko 1979: 84, vgl. Schlemm 2005: 218). <span id="more-5338"></span></p>
<p>Was hat sich seit der <a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/26/verstand-vernunft-8/">Betrachtung des Verstandes</a> verändert? Es ist eine zusätzliche Reflexionsstufe hinzugekommen: Wir schauen nicht nur auf die Natur, sondern wir schauen auf die Natur <em>und </em>sind uns dabei bewusst, dass wir es sind, die es auf ganz spezifische Weise tun. In der Gesellschaftstheorie würden dementsprechend die eigenen spezifischen Erkenntnisinteressen (die mit dem, was wir untersuchen, nämlich der Verfasstheit der Gesellschaft, zusammenhängen) mit thematisiert. </p>
<p>Nicht ganz zufällig haben jene Philosophien, die den zusätzlichen Reflexionsschritt vollziehen, die also die wirkliche <em>Praxis </em>der menschlichen Erkenntnis <em>mit reflektieren</em>, den Anschein eines „Idealismus“ in dem Sinne, dass sie die „Welt da draußen“ nicht unabhängig von unserer Erkenntnispraxis thematisieren. </p>
<p><strong>3.2.1 Vernunft statt verständigem naiven Realismus und Weltflucht </strong></p>
<p>Auch bei Hegel verläuft der Argumentationsgang hin zur Vernunft über die Thematisierung des Selbstbewusstseins (HW 3: 137). Über verschiedene, letztlich unzureichende Zwischenschritte gelangen wir zur Vernunft. In den Zwischenschritten thematisiert Hegel zuerst einen Standpunkt (die stoische Weltsicht), bei dem das Selbstbewusstsein sich über das natürliche Dasein erhebt, aber es dabei nicht verändert, sondern gleichgültig dagegen bleibt (ebd.: 157f.). Das Gegenteil davon ist der Skeptizismus, bei dem ich alles in Frage stelle und dadurch nie handlungsfähig werde (die skeptische Weltsicht). Den Ausweg aus dem Dilemma dieser beiden Weltanschauungen bietet die Vernunft, die einen „Ausgleich zwischen objektiver Wahrheit und subjektiver Gewißheit“ (Hoffmann 2004: 267) bildet. </p>
<blockquote><p>Vernunftgewißheit „ist das Zutrauen, daß ich nicht eigentlich ein Fremder unter meinesgleichen und in der Welt bin, sondern mich selbst im Anderen wiederzufinden vermag.“ (ebd.)</p></blockquote>
<p>Dabei kommt es nicht zu einem Verschwinden der Unterschiede. Die Verschiedenheit zwischen mir und der Welt wird nicht beendet, aber es wird eine Einheit <em>in </em>dieser Unterscheidung gefunden. Wie kann das gelingen? Vorher betrachteten (und verstanden) wir entweder die Welt in ihrer Eigengesetzlichkeit (ohne uns) oder wir betrachteten (und verstanden) das Eigene, das verschieden von der Welt ist. In der vernünftigen Betrachtung wird jeweils eine rückkoppelnde Beziehung begriffen: Das Ich ist nicht mehr fremd in der Welt, sondern „es ist gewiß, nur sich darin zu erfahren“ (HW 3: 179). Und die Welt ist diese Welt nur durch meine bzw. in meiner Betrachtung/Praxis. Damit entsteht so etwas wie ein „Ausgleich“ zwischen dem vorher voneinander Getrennten.</p>
<p>Das ich diese Betrachtung nicht als individuelles Wesen vollziehe, sondern als Teil der menschlichen Gattung, wird übrigens bei später im Begriff des „Geistes“ weiter behandelt.<br />
Warum bietet die Vernunft den Ausgleich? Mit Vernunft begreife ich, dass die vorher unterschiedenen Komponenten (z.B. die Messgrößen, die Unterscheidung von Akteurs- und Systemsicht) aus einer einzigen Quelle herrühren, sie entstammen nämlich meinem Erkenntnisprozess der Welt. Es sind Menschen, die die Messgrößen verwenden in ihrer wissenschaftlichen Praxis (die Größe Masse wurde erstmals von Galilei genauer bestimmt), insofern hat die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_%28Philosophie%29">konstruktivistische Wissenschaftstheorie</a> auch ihre Berechtigung. Aber wir bilden die Größen ja gerade so, dass wir Bewegungen in der realen Welt damit richtig (reproduzierbar, objektiv, praktisch nutzbar…) abbilden können &#8211; dies ist der Anteil des Materialismus/<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftlicher_Realismus">Realismus</a>. In der Vernunft stellt sich das Unterschiedene nicht mehr als Getrennte, Isoliertes und nur äußerlich aufeinander Einwirkendes vor, sondern: wir begreifen, dass die unterschiedenen Momente letztlich Momente einer Einheit sind &#8211; entweder einer ontologischen Einheit („in der Welt da draußen“) oder unseres Erkenntnisprozesses. </p>
<p>Die räumliche Bewegung „in der Welt da draußen“ ist gekennzeichnet vom Widerspruch, dass ein Objekt gleichzeitig an einem Ort ist und schon nicht mehr an diesem Ort ist. Das wird häufig auch „objektiver Widerspruch“ genannt und im Gegensatz gegen die „idealistische Weltanschauung“ als „materialistische Weltsicht“ betont. Hegel ist insofern „Idealist“, als er die Eigenständigkeit der objektiven Welt durchaus anerkennt, aber in seiner Philosophie über „<em>unsere </em>Erkenntnis der Welt“ spricht, denn <em>wir </em>kennen die Welt nur in unserer Praxis und durch unsere Praxis, die durch eine vollständige Erkenntnis deshalb immer mit reflektiert werden muss.  </p>
<p>Immer dann, wenn die verschiedenen Momente nicht mehr als Gegebenes hingenommen und durch jeweils äußere Ursachen bedingt werden, sondern wenn das übergeordnete Ganze als Grund der Entfaltung der Momente begriffen wird, ist die Vernunft am Werke und nicht mehr der Verstand. Die beiden oben genannten Praxismomente, nämlich einerseits das durch bestimmte Bedingungen erzeugte, also das Existierende als Gegebenes zu erkennen (das Gegebene annehmende, stoische Moment) und andererseits als Subjekte selbst Zwecke setzen zu können (das das Gegebene in Frage stellende, skeptische Moment) bilden im wirklichen praktischen Handeln eine Einheit. Wir wären nicht wirkmächtig, würden wir nicht auf die <em>tatsächlich existierenden</em> Gegebenheiten einwirken können und wir wären nicht als Subjekte tätig, wenn wir keine <em>eigenen Zwecke </em>realisieren würden. Vernunft begreift die Welt als eine, die von uns in ihren Gegebenheiten <em>erkannt </em>und <em>verändert </em>werden kann, sie entkommt den Sackgassen des Stoizismus und des Skeptizismus, also der Verabsolutierung ihrer verständigen Momente. </p>
<p>Gegen jede Verselbständigung von mir und der Welt bzw. von Denken und Wirklichkeit ist Vernunft nun das, was jeweils die Einheit bildet und aus dem heraus sich die Unterschiede erst setzen.<br />
Der Übergang vom Verstand zur Vernunft nimmt auch die Kritik von Adorno gegen das (abstrakt-)Identische vorweg. Die Individualität ist etwas, das Allgemeinheit und Einzelheit nicht nur äußerlich zusammen bringt (wie das Urteil), sondern in der die unterschiedlichen Momente jeweils auch das andere sind: </p>
<blockquote><p>„Diese Individualität ist aber gerade dies, <u>ebensowohl</u> das <u>Allgemeine</u> zu sein und daher auf eine ruhige unmittelbare Weise mit dem <u>vorhandenen</u> Allgemeinen, den Sitten, Gewohnheiten usf. zusammenzufließen und ihnen gemäß zu werden, <u>als</u> sich entgegengesetzt gegen sie zu verhalten und sie vielmehr zu verkehren &#8211; sowie gegen sie in ihrer Einzelheit ganz gleichgültig sich zu verhalten, sie nicht auf sich einwirken zu lassen und nicht gegen sie tätig zu sein.“ (HW 3: 231)</p></blockquote>
<p>In Hegels „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften“ (HW 10) ist die Argumentation etwas anders. Hier durchläuft das sich zur Vernunft entwickelnde Selbstbewusstsein die Stufen der Begierde (die das Andere zum Eigenen werden lässt) und der gegenseitigen Anerkennung (womit er auf das Herr-Knecht-Verhältnis aus der „Phänomenologie“ zurückgreift) (HW 10: 215 ff.). Hier gibt es die spannenden Sätze:</p>
<blockquote><p>„[…] so bin ich wahrhaft frei nur dann, wen auch der andere frei ist und von mir als frei anerkannt wird. Diese Freiheit des <u>einen</u> im <u>anderen</u> vereinigt die Menschen auf innerliche Weise, wogegen das <u>Bedürfnis</u> und die <u>Not</u> dieselben nur äußerlich zusammenbringt.“ (ebd.: 220) </p></blockquote>
<hr />
<ul>
<li>Weiter mit &#8222;3.2.2 Drei Erkenntnisschritte&#8220;</li>
<li><a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/20/literatur/">Literatur</a></li>
</ul>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/philosophenstuebchen.wordpress.com/5338/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5338&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>3 Verstand und Vernunft bei Hegel</title>
		<link>http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/26/verstand-vernunft-8/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Jan 2012 12:55:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[„Die Philosophie erkennt das, was ist, und insofern ist ihr Inhalt nicht jenseits, nicht von dem verschieden, was sich auch dem Sinne, dem äußeren und inneren Gefühl darstellt, was der Verstand erfaßt und sich bestimmt. &#8211; Aber wie es wahrhaft ist, stellt es sich nur der denkenden Vernunft dar […].“ (HW 10: 405) Es wird [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5316&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table>
<tbody>
<tr>
<td>
<p style="text-align:center;"><em>„Die Philosophie erkennt das, was <span style="text-decoration:underline;">ist</span>, und insofern ist ihr Inhalt nicht jenseits, nicht von dem verschieden, was sich auch dem Sinne, dem äußeren und inneren Gefühl darstellt, was der Verstand erfaßt und sich bestimmt. &#8211; Aber wie es wahrhaft ist, stellt es sich nur der denkenden Vernunft dar […].“ (HW 10: 405)</em></p>
<p style="text-align:center;">
<p>Es wird sich zeigen, dass der Verstand eine wichtige Form des Denkens ist, die jedoch noch nicht ausreichend zum Begreifen der Welt ist. Dies gelingt erst der Vernunft. Aus der Fülle dessen, was Vernunft ausmacht, zeigt sich auch die Beschränktheit des Verstandes.</td>
<td><img class="alignright wp-image-5317" title="vernunft" src="http://philosophenstuebchen.files.wordpress.com/2012/01/vernunft.jpg?w=126&#038;h=210" alt="" width="126" height="210" /></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><span id="more-5316"></span><br />
<strong><br />
3.1 Differenzierender und abstrahierender Verstand</strong></p>
<p>Erinnern wir uns daran, dass die Bedeutung eines Begriffs sich aus seiner Rolle im Entwicklungsgang erklärt. Verstand und Vernunft sind aufeinander folgende Stufen des sich entwickelnden Bewusstseins. Sie tauchen als Lösung von vorherigen Widersprüchen auf, enthalten selbst Widersprüche und werden deshalb aufgehoben (negiert, höher gehoben, aufbewahrt) in der weiteren Entwicklung.<br />
Verstand und Vernunft werden bei Hegel in der Entwicklung des Bewusstseins eines Individuums abgehandelt. Dies geschieht in der Schrift „Phänomenologie des Geistes“ (HW 3) und, etwas verändert, im dritten Teil der „Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse“ (HW 10).</p>
<p>Bevor wir verständig denken können, haben wir unmittelbare sinnliche <em>Empfindungen</em>. Diese <em>nehmen </em>wir <em>wahr</em>, sobald wir qualitativ inhaltlich bestimmen können, <em>WAS </em>wir da wahrnehmen. Wir bilden die Vorstellung von Dingen und Eigenschaften, indem wir die gegenseitige Vermittlung dieser qualitativen Bestimmungen erfassen. Wahrnehmung ist aufgrund der <em>Vermitteltheit des Wahrgenommenen</em> eine höhere Form des Bewusstseins als die bloß<em> unmittelbare Empfindung</em> (vgl. HW 3: 82 ff., HW 10: 207f.). Wir beginnen das Wahrgenommene zu <em>verstehen</em>, wenn wir lernen, die Vielfalt der Erscheinungen auf etwas den Erscheinungen gemeinsam Zugrundeliegendes zu beziehen. Verschiedene einzelne Phänomene haben etwas miteinander gemein, sie werden durch etwas Allgemeines vereint. Insbesondere das Verstehen der Phänomene als Wirkung von Kräften ist eine Leistung des Verstandes. Der Verstand erkennt auch die jeweiligen inneren Gesetze, die bei allem Wandel identisch bleiben.</p>
<blockquote><p>„Der Verstand [….] bringt es zuwege, dem Allgemeinen aus dem beständigen Wechsel des sinnlich Wahrnehmbaren heraus Festigkeit („fixes Bestehen“) zu verleihen. Das bedeutet eine große Errungenschaft…“ (Taylor 1998: 401)</p></blockquote>
<p>Etwas zu <em>verstehen </em>bedeutet schon, unter/hinter/über den sinnlichen Erscheinungen etwas Grundlegenderes zu erkennen, das nicht mehr direkt sinnlich wahrnehmbar ist, das „übersinnlich“ ist. Kräfte und Gesetze kann man nicht direkt sehen oder fühlen. Den Menschen ist aber die Fähigkeit gegeben, sie zu erkennen. Dabei entsprechen die Erkenntnisformen der Welt durchaus den Ordnungsstrukturen der äußeren Welt: </p>
<blockquote><p>„Die Gesetze sind die Bestimmungen des der Welt selber innewohnenden Verstandes; in ihnen findet daher das verständige Bewußtsein seine eigene Natur wieder und wird somit sich selber gegenständlich.“ (HW 10: 211)</p></blockquote>
<p>Der Verstand arbeitet vor allem <em>abstrahierend</em>. Er unterscheidet das Wesentliche vom unwesentlich-Zufälligen. Da es im praktischen Handeln sehr bedeutsam ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, so ist der Verstand „durchaus in seinem Rechte“ (ebd.: 286). Hegel lobt den „gesunden Menschenverstand“ für seinen „Sinn für das Wesentliche“ (ebd.). </p>
<p>Die zweite Aufgabe des Verstandes ist das <em>Urteilen</em>. Ein Urteil benennt die Identität von zwei selbständigen Bestimmungen: einem Subjekt (dem Namen dessen, um was es hier geht) und einem Prädikat (das ausdrückt, <em>was </em>das Subjekt ist) (HW 6: 302f.). Ein Urteil unterscheidet sich von einem einfachen Satz dadurch, dass nicht zwei <em>einzelne </em>Bestimmungen miteinander identifiziert werden (wie z.B. im Satz: „Aristoteles ist mit 73 Jahren verstorben“), sondern sich immer ein Einzelnes bzw. <em>Besonderes im Verhältnis zu einem Allgemeinen</em> befindet (z.B. „Aristoteles ist sterblich“). Im verständigen Denken betrachten wir beim Einzelnen nur das, was mit dem betrachteten Allgemeinen identisch ist; vom dem, was nicht damit übereinstimmt, wird abstrahiert (HW 5: 93). Diese Eigenart des verständigen Urteilens und Verallgemeinerns ist es auch, die dem Denken ganz allgemein häufig vorgeworfen. T.W. Adorno etwa betont immer wieder das Recht des Nicht-Identischen. Aus Hegels Sicht ist ein Einzelnes, das bei der Verallgemeinerung seine nicht mit dem Allgemeinen übereinstimmenden Besonderheiten verliert, ein „abstraktes Einzelnes“ und es entsteht ein „abstrakt Allgemeines“. </p>
<p>Im Verstand wird das, was doch im Gegenstand miteinander verbunden ist, zuerst voneinander getrennt und in unterschiedlichen Bestimmungen erfasst: Subjekt und Prädikat. Im verständigen Urteil werden die beiden wieder zusammen gebracht (vermittelt)- aber auf noch unvollkommene Weise. </p>
<blockquote><p>„Die Tätigkeit des Verstandes besteht überhaupt darin, ihrem Inhalt die Form der Allgemeinheit zu erteilen, und zwar ist das durch den Verstand gesetzte Allgemeine ein abstrakt Allgemeines, welches als solches dem Besonderen gegenüber festgehalten [...] wird. (Hegel HW 8: 169)</p></blockquote>
<p>Das verständige Vorgehen kennzeichnet insbesondere die Methoden der Naturwissenschaften. Die jeweiligen Grundgrößen der Einzelwissenschaft (speziell der mathematisierten) werden so gebildet, dass eine logisch widerspruchsfreie mathematische Darstellung möglich wird. (Ruben 1969; Borzeszkowski, Wahsner 1989; vgl. auch Schlemm 2005: 181ff., <a href="http://www.thur.de/philo/project/goettingen.htm">Schlemm 2006</a>). Die untersuchten Gegenstände werden so präpariert, dass nur jene Erscheinungsweisen untersucht werden, die jeweils Erscheinungen bestimmter innerer Ordnungsstrukturen, also der Gesetze sind. Wir beziehen uns auf die sinnliche Erscheinung, fassen sie aber als Erscheinung eines Wesens, dessen Kenntnis unser Ziel ist. Das im Gesetz erkannte Wesen ist hier das Allgemeine, unter dem die einzelne Erscheinung gefasst wird. Die Erscheinung wird nur als Erscheinungsform des Allgemeinen betrachtet, wobei andere ihrer Momente ausgeblendet werden. Der Trend zur „Vereinheitlichung“ beispielsweise in der Physik wird dadurch angetrieben, dass immer wieder versucht wird, vorher ausgeblendete Momente in neue Gesetze „hineinzuholen“. Aber auch die Summe aller Naturgesetze wird etwas Verständiges bleiben, nicht etwas Vernünftiges.</p>
<p>Es gilt hier die oben genannte Eigenart des verständigen Vorgehens, bei dem dasjenige, was in der Wirklichkeit durchaus eine widersprüchliche Einheit bildet, in klar unterschiedene (und vor allem algebraisch voneinander unabhängige) Variablen aufgeteilt wird und dann im Naturgesetz auf äußerliche Weise wieder zusammen gebracht wird. Dabei gilt dieses Naturgesetz durchaus in der realen Natur &#8211; aber nur insofern wir es mit den entsprechenden Messgrößen beschreiben. </p>
<p>Wir finden die verständige Denkform auch in einer Gesellschaftstheorie, bei der auf der einen Seite die Interaktionen der Akteure betrachtet werden, auf der anderen Seite die entstehende überindividuelle Struktur systematisch untersucht wird.<br />
<img src="http://philosophenstuebchen.files.wordpress.com/2012/01/akteure_strukturen.gif?w=510" alt="" title="akteure_strukturen"   class="aligncenter size-full wp-image-5318" /></p>
<p>Wie Karl Marx betont, bleibt vor allem der „gesunde Menschenverstand“ gefangen in einem unentschlossenen Entweder &#8211; Oder dieser beiden Sichtweisen, weil er „da, wo es ihm gelingt, den Unterschied zu sehen, die Einheit nicht sieht, und [...] da, wo er die Einheit sieht, den Unterschied nicht sieht“ (Marx 1847: 339). Beides, was miteinander wechselwirkend, einander konstituierend betrachtet wird, wird jeweils als <em>äußerlicher </em>Faktor gegenüber dem anderen betrachtet. Dies wird sich beim vernünftigen Begreifen nach Hegel ändern. </p>
<p>Obgleich Hegel die Beschränktheit des bloß Verständigen sieht (und überwindet ), schätzt er seine Bedeutung hoch ein. Er spricht vom Verstand als der „der verwundersamsten und größten oder vielmehr der absoluten Macht.“ (HW 3: 34f.) und sieht in ihm „ein notwendiges Moment des vernünftigen Denkens“ (HW 10: 286).</p>
<hr />
<ul>
<li>Weiter mit <a href="3.2 Vernunft ">&#8222;3.2 Vernunft&#8220;</a></li>
<li><a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/20/literatur/">Literatur</a></li>
</ul>
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		<title>2.2 Das Absolute</title>
		<link>http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/25/verstand-vernunft-7/</link>
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		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 12:42:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
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		<description><![CDATA[Das eben Geschriebene gilt übrigens auch für den absoluten Geist. Der ist keine starre Krone über allem, kein toter Kristall, der alle Bewegung und Lebendigkeit abtöten würde. Bei Hegel ist er so etwas wie die Gesamtheit der Welt, die sich selbst erkennt (siehe dazu mehr hier und zur Methode des Hegelschen Philosophierens auch hier (bezogen [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5311&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
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<td>Das eben Geschriebene gilt übrigens auch für den <em>absoluten Geist</em>. Der ist keine starre Krone über allem, kein toter Kristall, der alle Bewegung und Lebendigkeit abtöten würde. Bei Hegel ist er so etwas wie die Gesamtheit der Welt, die sich selbst erkennt (siehe dazu mehr <a href="http://www.thur.de/philo/hegel/hegel31.htm">hier</a> und zur Methode des Hegelschen Philosophierens auch <a href="http://www.thur.de/philo/hegel/hegel27.htm">hier</a> (bezogen auf die „Phänomenologie“) und <a href="http://www.thur.de/philo/hegel/hegel35.htm">hier</a> (bezogen auf die „Logik“)). </td>
</tr>
</table>
<p><span id="more-5311"></span><br />
Man kann das auch „materialistischer“ interpretieren, dann benennt der absolute Geist die ständige Tätigkeit der Rekapitulation des realen und geistigen Entwicklungswegs der Menschheit durch die Menschheit (vgl. Lukács 1986: 583) bzw. aller sich ihrer selbst bewussten kosmischen Zivilisationen.</p>
<p>Keine endliche Menge an Wissensinhalten könnte dies alles jemals umfassen. Alle Bereiche des Wirklichen, vor allem jene, die sich und ihre Rolle in der Welt selbst mit reflektieren können (also bewusste, vernünftige Wesen) in ihrer sich ständig wandelnden Vielfalt, stellen dieses Absolute dar. Bei Hegel wird die Wirklichkeit nicht unter begriffliche Schemata subsumiert. Das ist auch der Grund, weswegen das Zitat von Shaw den vorigen Beitrag einleitete. Jedes Problem muss neu durchdacht werden, während andere hoffen, mit einem Wort oder einem Schema die unermessliche Fülle der Komplexität erschlagen zu können. </p>
<p>Im Zusammenhang mit den Überlegungen zur <a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/04/ambiguitaet-im-islam/">Ambiguität im Islam</a> möchte ich dazu noch eine Interpretation von T.S. Hoffmann zum Absoluten bei Hegel zitieren: </p>
<blockquote><p>„Dieses Absolute meint hier nicht, daß eine Philosophie den gleichsam definitiven Standpunkt, die Antwort auf alle Fragen erreichte oder etwas dergleichen auch nur anstrebte. Es bedeutet vielmehr, daß jede Philosophie eine Einladung ist, an einer Vernunft zu partizipieren, die zwar in unendlicher Variation dargestellt sein kann, aber in diesen Darstellungen doch auch immer dasselbe Unendliche ist &#8211; vom Unendlichen gibt es kein Plural […].“ (Hofmann 2004: 127)</p></blockquote>
<p>Die Unterscheidung von Endlichem und Unendlichen kann einen Vorbegriff für verstandesmäßiges und vernünftiges Denken bei Hegel geben. Während der <strong>Verstand </strong>sich lediglich mit endlichen Dingen beschäftigt, zielt die <strong>Vernunft </strong>auf das Unendliche. Dies ist nicht nur eine Summe aus ganz, ganz vielen endlichen Phänomenen, sondern es erfordert eine <em>neue Denkstruktur</em>. Warum ist es überhaupt notwendig, sich derart anzustrengen? Weil die Welt in ihrer Größe, aber auch in der unerschöpflichen inneren Struktur jedes einzelnen Bereiches unerschöpflich, also unendlich ist. Warum sollten wir bei der unvollkommenen Vorstellung einer bloß verständigen Aufreihung von Endlichem stehen bleiben, wenn wir doch in der Praxis dazu angehalten sind und auch das Vermögen dazu haben, die komplizierteren Methoden des vernünftigen Begreifens zu erlernen? (Das gilt nicht als Zwang für jeden einzelnen Menschen, aber für die Menschheit als Gattung &#8211; was sich in Gestalt bestimmter Menschen, die das gern tun, verkörpert.)</p>
<hr />
<ul>
<li>Weiter mit <a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/26/verstand-vernunft-8/">&#8222;3 Verstand und Vernunft bei Hegel&#8220;</a></li>
<li><a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/20/literatur/">Literatur</a></li>
</ul>
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	</item>
		<item>
		<title>2 Der Hegelsche Weg zur Vernunft</title>
		<link>http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/24/verstand-vernunft-6/</link>
		<comments>http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/24/verstand-vernunft-6/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 12:35:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[„Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider. Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie passten auch heute noch.“ (George Bernard Shaw) 2.1 Die Besonderheit der Hegelschen Kategorien Um die Hegelschen Argumente nachvollziehen zu können, ist es ganz [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5306&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table>
<tbody>
<tr>
<td style="text-align:center;"><img class="alignleft size-full wp-image-5307" title="wegweiser" src="http://philosophenstuebchen.files.wordpress.com/2012/01/wegweiser.gif?w=510" alt=""   /></td>
<td style="text-align:center;"><em>„Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider.<br />
Er nimmt jedes Mal neu Maß, wenn er mich trifft,<br />
während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung,<br />
sie passten auch heute noch.“ (George Bernard Shaw)</em></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><span id="more-5306"></span><br />
<strong>2.1 Die Besonderheit der Hegelschen Kategorien</strong></p>
<p>Um die Hegelschen Argumente nachvollziehen zu können, ist es ganz wichtig, die Worte nicht einfach nur in ihren Alltagsbedeutungen zu nehmen oder sie aus anderen Kontexten einfach zu übertragen. Kant unterscheidet z.B. ebenfalls Verstand und Vernunft, bestimmt ihre Inhalte aber anders als Hegel. (Spruch aus Knischek 2009: 93)<br />
<img class="aligncenter size-full wp-image-5308" title="verstand" src="http://philosophenstuebchen.files.wordpress.com/2012/01/verstand.gif?w=510" alt=""   /></p>
<p>Philosophie hat wie jede Wissenschaft ihre eigene Fachsprache und über die Jahrtausende und Jahrhunderte hinweg hat sich eine Menge Wissen in die verwendeten Begriffe „eingeschrieben“. Es wäre sehr verschwenderisch, sich diese nicht aneignen zu wollen &#8211; auch wenn das anstrengend ist &#8211; sondern alles neu erfinden zu müssen. Man kann auch nicht erwarten, durch das Lesen einer kurz gefassten Zusammenfassung (wie in Wikipedia) ließe sich das Studium der Wissenschaft selbst ersparen (bei der höheren Mathematik oder etwa der Stringtheorie würde das keiner erwarten, warum so oft bei der Philosophie?). Das bedeutet natürlich nicht, dass alle Menschen die gesamte Philosophie zu studieren müssen &#8211; jedoch erwarte ich das bei denen, die der Meinung sind ihre Ergebnisse angemessen be- oder gar verurteilen zu können. </p>
<p>Die Hegelsche Philosophie hat gegenüber anderen den Vorteil, dass die Bedeutung aller von ihm verwendeten fachlichen Begriffe in Hegels Philosophie selbst entwickelt und dargestellt wird. Der Nachteil ist, dass seine Art zu philosophieren keine starren Definitionen verträgt, die man in der Art „Dies und jenes = das und das“ festschreiben könnte. Die Bedeutung eines Begriffs enthält den gesamten Denkweg zu ihm hin und aus ihm ergeben sich (bis hin zum absoluten Geist) neue Fragestellungen und Widersprüche, die über das Erreichte hinaus führen. Ich habe die Bedeutung eines Begriffes erst dann begriffen, wenn ich weiß, auf welche Fragen er in welcher Weise eine Antwort gibt und wie es über ihn hinaus weiter geht. Ich muss das gesamte Gedankennetzwerk kennen, um die Bedeutung jedes Knotens aus seiner Rolle im Netzwerk ableiten zu können. Die inhaltliche Bedeutung erhält sich im denkenden Mitvollzug der gegenseitigen Beziehungen, nicht in aufgeschriebenen toten Definitionen. Der Prozess des <em>Erkennens </em>lässt sich nicht ersetzen durch bloße <em>Kenntnis </em>des einst von anderen Gedachten.</p>
<blockquote><p>„Der lebendige Geist, der in einer Philosophie wohnt, verlangt, um sich zu enthüllen, durch einen verwandten Geist geboren zu werden.“ (HW 2: 16)</p></blockquote>
<p>Jenen, die „aus irgendeinem Interesse auf Kenntnisse von Meinungen“ aus sind, wird dieser lebendige Geist „als ein fremdes Phänomen vorüber“ ziehen und sein Innerstes nicht offenbaren (ebd.). Ich fürchte, so geht es vielen Wikipedia-Leser_innen beim Überfliegen der entsprechenden Zusammenfassungen. (Mich erinnert das immer an das Zitat aus dem „Faust“: „Du gleichst dem Geist, dem Du begreifst &#8211; , nicht mir!“)</p>
<hr />
<ul>
<li>Weiter mit <a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/25/verstand-vernunft-7/">&#8222;2.2 Das Absolute&#8220;</a></li>
<li><a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/20/literatur/">Literatur</a></li>
</ul>
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	</item>
		<item>
		<title>1.3 Prozess- und Strukturordnung begreifen</title>
		<link>http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/23/verstand-vernunft-5/</link>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 12:28:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn wir davon ausgehen, dass die wirkliche Welt von nichtlinearen, d.h. rückbezüglichen Wechselwirkungsprozessen durchzogen ist, dass gegensätzliche Phänomene aufeinander einwirken, dass sich Qualitäten allmählich, aber auch häufig sehr sprunghaft verändern, so wären Erkenntnis- bzw. Denkformen nicht angemessen, die entweder das Besondere unter gemeinsames Allgemeines subsumieren oder in dualen Vorstellungen verhaftet bleiben. Allerdings ist das Auffinden [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5299&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir davon ausgehen, dass die wirkliche Welt von nichtlinearen, d.h. rückbezüglichen Wechselwirkungsprozessen durchzogen ist, dass gegensätzliche Phänomene aufeinander einwirken, dass sich Qualitäten allmählich, aber auch häufig sehr sprunghaft verändern, so wären Erkenntnis- bzw. Denkformen nicht angemessen, die entweder das Besondere unter gemeinsames Allgemeines subsumieren oder in dualen Vorstellungen verhaftet bleiben. Allerdings ist das Auffinden von unterscheidbaren und bestimmten Phänomenen und auch von identitätsstiftenden zuschreibbaren Bestimmungen ebenfalls wichtig, um nicht orientierungslos zu bleiben. <span id="more-5299"></span></p>
<p>Angesichts dieser Herausforderungen haben sich im Verlauf der Kulturentwicklung viele Methoden entwickelt, von denen Hegel die wohl wichtigsten aufgreift und verwendet, um die zu seiner Zeit höchstmögliche Einheit dieser teilweise auch gegensätzlichen Methoden zu finden. Er verwendet bestimmte Methoden (z.B. unterscheidend zu analysieren und synthetisierend zu vereinheitlichen), die, wenn man sie verabsolutiert, vereinseitigte Extreme wären. Und er verwendet sie so, dass ihre Unterschiede erhalten bleiben, sie aber in ihrer Kombination eine tiefere Erkenntnis der jeweils der Dynamik zugrunde liegenden Prozess- und Strukturordnungen ermöglichen. </p>
<p>Diese Prozess- und Strukturordnungen sind einerseits die Ausgangsbasis des Erkennens, um ein praktisches Eingreifen durch die Menschen zu ermöglichen, andererseits stellen Menschen selbst zweckmäßige neue Prozess- und Strukturordnungen her. In diesem Wechselspiel des Ausgehens von Gegebenem und dem Schaffen von Neuem vereinen sich auch Vernunft und Freiheit. Es ist nicht sinnvoll zu denken, die Vernunft analysiere nur das Gegebene (und unterwerfe sich diesem im Zweifelsfalle) &#8211; während die Freiheit das Gegebene zurückweist und überschreitet, sondern beide Momente: das Erkennen des Gegebenen und das Überschreiten, bedürfen einander. </p>
<p>Angesichts der zu Hegels Zeiten bereits vorhandenen Fülle an kulturellen, insbesondere begrifflichen Vorarbeiten und die durch Hegel vorgenommene konkrete inhaltliche Präzisierung machen das alles tatsächlich recht kompliziert &#8211; insbesondere wenn man nicht viel Zeit zum Studium der gesamten Kultur- und Philosophiegeschichte hat. Dabei liegt die Kompliziertheit der entsprechenden Texte nicht unbedingt am sprachlichen Unvermögen derer, die über Philosophie schreiben, sondern an der vertrackten, vielschichtigen Verschlungenheit der Phänomene dieser Welt. (Hiermit möchte ich insb. Hegel verteidigen &#8211; sollte es mir selbst schlecht gelingen, mich zu artikulieren, so bin ich über entsprechende Hinweise und Verbesserungen durchaus dankbar). </p>
<hr />
<ul>
<li>Weiter mit &#8222;2 Der Hegelsche Weg zur Vernunft&#8220;</li>
<li><a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/20/literatur/">Literatur</a></li>
</ul>
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	</item>
		<item>
		<title>Kleiner Sonntagsgruß&#8230;</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 15:57:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Lebenskunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Angesichts der &#8222;schweren Kost&#8220;, die ich hier grad produziere, grüße ich alle meine Leser_innen mit einer kleinen Momentaufnahme:<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5326&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Angesichts der &#8222;schweren Kost&#8220;, die ich hier grad produziere, grüße ich alle meine Leser_innen mit einer kleinen Momentaufnahme:</p>
<p><a href="http://philosophenstuebchen.files.wordpress.com/2012/01/moritz_freiheit_groc39f.jpg"><img src="http://philosophenstuebchen.files.wordpress.com/2012/01/moritz_freiheit_klein.jpg?w=510" alt="" title="moritz_freiheit_klein"   class="aligncenter size-full wp-image-5330" /></a></p>
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	</item>
		<item>
		<title>1.2 Was vernünftig ist, das ist wirklich…</title>
		<link>http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/22/verstand-vernunft-4/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 12:50:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Der wichtige Unterschied zwischen genauer Festlegung und Richtungsangabe wird häufig außer Acht gelassen, wenn Hegels Geschichts- bzw. Gesellschaftsphilosophie diskutiert wird. Dieser Unterschied steckt auch in dem viel diskutierten Zitat „Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig.“ (HW 7: 24) An anderer Stelle schreibt Hegel selbst: „[…] wer wäre nicht [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5284&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table>
<tbody>
<tr>
<td>Der wichtige Unterschied zwischen genauer Festlegung und Richtungsangabe wird häufig außer Acht gelassen, wenn Hegels Geschichts- bzw. Gesellschaftsphilosophie diskutiert wird. Dieser Unterschied steckt auch in dem viel diskutierten Zitat</p>
<p style="text-align:center;">„Was vernünftig ist, das ist wirklich;<br />
und was wirklich ist, das ist vernünftig.“ (HW 7: 24)</p>
<p>An anderer Stelle schreibt Hegel selbst: „[…] wer wäre nicht so klug, um in seiner Umgebung vieles zu sehen, was in der Tat nicht so ist, wie es sein soll?“ (HW 8: 49). Und in der Vorlesung von 1821/22 sagt er noch deutlicher: „Man muß das Unausgebildete und das Überreife nur nicht wirklich nennen.“ (PR 1821/22: 37).
</td>
<td><img class="alignleft size-full wp-image-5285" title="hegel2" src="http://philosophenstuebchen.files.wordpress.com/2012/01/hegel2.jpg?w=510" alt=""   /></td>
<p><span id="more-5284"></span><br />
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Um solche diffizilen Probleme sprachlich präzise zu erfassen, hat Hegel sich viel Mühe bei seinen Begriffsbestimmungen gegeben, die uns so viel Beschwerlichkeit bringen und die es verbieten, einfach irgendwelche Assoziationen hineinzuinterpretieren. Hegel unterscheidet ganz genau zwischen „<em>Existenz</em>“ (=das Erscheinende, unter dem Aspekt betrachtet, dass es aus einem Grund hervorgegangen, d.h. bedingt ist) und „<em>Wirklichkeit</em>“ (=konkrete wesentliche Existenz, die das Mögliche in sich enthält). Daraus ergibt sich für das obige Zitat, dass dasjenige, das dem Trend zur Verwirklichung des Bewusstseins der Freiheit nicht folgt, „nur faule Existenz“ (HW 12: 53) ist und keine Wirklichkeit. Das heißt also, etwas kann auch nur <em>existieren</em>, das heißt durch irgendwelche Bedingungen entstanden sein &#8211; aber wenn es keine Möglichkeit zur Vervollkommnung des Ganzen in sich trägt, ist es nicht <em>wirklich</em>. Es kommt aber darauf an, unterscheiden zu lernen zwischen dem Existierenden und dem Wirklichen und dann das Wirkliche als Wirkliches zu begreifen, d.h. es vernünftig zu betrachten. </p>
<p>Es sind inzwischen auch mehrere Mitschriften von Hegels Vorlesungen bekannt, bei denen er den oben genannten Satz öfter variiert und ergänzt. Zum ersten Mal taucht der Satz wohl in einer Vorlesungsmitschrift von 1817/1818 auf. Hier wird formuliert:</p>
<blockquote><p><strong>„Was vernünftig ist, muss geschehen.“</strong> (VL 17/18: 192)</p></blockquote>
<p>In der Vorrede zur Vorlesung im Wintersemester 1818/19 erwartete Hegel: „Es ist mit weiteren Verwirklichungsprozessen des an sich schon realisierten vernünftigen Begriff des Rechts zu rechnen.“ Hier haben wir es noch recht offen mit einer auf die Zukunft bezogenen Aussage zu tun. </p>
<p>In der nächsten Formulierung <strong>„Was vernünftig ist, wird wirklich und das Wirkliche wird vernünftig“</strong> aus der Vorlesung von 1819/20 (PR 1819/20) könnte das Wort „wird“ historisch, aber auch rein entwicklungslogisch zu verstehen sein. Im veröffentlichten Text der Grundlinien der Philosophie des Rechts von 1820 verschwindet sogar noch dieses entwicklungsbezogene Verbund macht dem feststellenden „ist“ Platz:<strong> „Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig“</strong> (HW 7: 2)4. Dass das „ist“ nicht mehr prozessual zu verstehen ist, verdeutlichte Hegel noch einmal konsequent:</p>
<blockquote><p>„Um noch über das <u>Belehren</u>, wie die Welt sein soll, ein Wort zu sagen, so kommt dazu ohnehin die Philosophie immer zu spät. Als der <u>Gedanke</u> der Welt erscheint sie erst in der Zeit, nachdem die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß vollendet und sich fertig gemacht hat.“ (ebd.: 27f.)</p></blockquote>
<p>Fast gleichlautend wurde in seiner Vorlesung von 1821/22 mitgeschrieben: <strong>„Das Vernünftige ist wirklich, und das Wirkliche ist vernünftig“</strong> (PR 21/22: 37). Hier machte Hegel aber eine wichtige Ergänzung: „Man muß das Unausgebildete und das Überreife nur nicht wirklich nennen“ (ebd.). Die verweist wiederum auf den Entwicklungskontext, diesmal sogar recht eindeutig im historischen Sinn. In einem späteren Paragraphen sagte er ausdrücklich: <strong>„Das Vernünftige soll gelten“</strong> (ebd.: 234) und <strong>„das weitere ist der Zeit zu überlassen“</strong> (ebd.: 235). </p>
<p>Hegel nahm selbst Bezug auf die „Anfeindungen“, die der Satz gefunden hat. Als Antwort darauf formulierte er noch einmal explizit die Bedeutung der „Wirklichkeit“, die wir oben erläutert hatten:</p>
<blockquote><p>„Was aber den philosophischen Sinn betrifft, so ist so viel Bildung vorauszusetzen, daß man wisse, nicht nur daß Gott wirklich, &#8211; daß er das Wirklichste, daß er allein wahrhaft wirklich ist, sondern auch, in Ansehung des Formellen, <strong>daß überhaupt das Dasein zum Teil <u>Erscheinung</u> und nur zum Teil Wirklichkeit ist.</strong> Im gemeinen Leben nennt man etwa jeden Einfall, den Irrtum, das Böse und was auf diese Seite gehört, sowie jede noch so verkümmerte und vergängliche Existenz zufälligerweise eine <u>Wirklichkeit</u>. Aber auch schon einem gewöhnlichen Gefühl wird eine <strong>zufällige Existenz nicht den emphatischen Namen eines Wirklichen verdienen</strong>; &#8211; das Zufällige ist eine Existenz, die keinen größeren Wert als den eines <u>Möglichen</u> hat, die so gut <u>nicht sein</u> kann, als sie ist.“ (HW 8: 47f., fett von A.S.) </p></blockquote>
<p>Auch für das Recht bedeutet das, dass nicht alles Existierende diese Vernunft zeigen muss. Es gibt durchaus Zustände, die sich aus eher historischen Ursachen heraus begründen lassen, die aber nicht entlang der Linie der Entwicklung zu immer mehr Vernunft liegen müssen:</p>
<blockquote><p>„&#8230;eine Rechtsbestimmung kann sich aus den <u>Umständen</u> und <u>vorhandenen</u> Rechtsinstitutionen als vollkommen <u>gegründet</u> und <u>konsequent</u> zeigen lassen und doch an und für sich unrechtlich und unvernünftig sein&#8230;“ (HW 7: 37; vgl. auch HW 10: 324)</p></blockquote>
<p>Aus einem Bericht von Heinrich Heine ist bekannt, dass Hegel nicht grundsätzlich von der zuerst genannten Formulierung, wonach der Satz eher als Aufforderung zum Handeln verstanden werden kann, abgegangen ist. </p>
<blockquote><p>„Als ich einst unmutig war über das Wort: „Alles, was ist, ist vernünftig“, lächelte er sonderbar und bemerkte: „Es könnte auch heißen: &#8222;Alles, was vernünftig ist, muß sein&#8220;“. (Heine: 208) </p></blockquote>
<hr />
<ul>
<li>Weiter mit <a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/23/verstand-vernunft-5/">&#8222;Prozess- und Strukturordnung begreifen</a>&#8222;</li>
<li><a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/20/literatur/">Literatur</a></li>
</ul>
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	</item>
		<item>
		<title>1.1 Die Möglichkeit als Triebkraft</title>
		<link>http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/21/verstand-vernunft-3/</link>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 12:44:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn wir verstehen wollen, wie die „Arbeit der Vernunft der Sache“ funktioniert, müssen wir eigentlich die gesamte Hegelsche Philosophie reproduzieren. Wer eine Vorstellung von Dialektik hat, hat schon eine Ahnung davon. Es geht dabei um die Selbstentwicklung von Etwas, das sich über die Entfaltung von Widersprüchen verändert, etwas Anderes wird usw. usf. Dabei verwirklichen sich [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5280&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir verstehen wollen, wie die „Arbeit der Vernunft der Sache“ funktioniert, müssen wir eigentlich die gesamte Hegelsche Philosophie reproduzieren. Wer eine Vorstellung von Dialektik hat, hat schon eine Ahnung davon.<span id="more-5280"></span></p>
<p>Es geht dabei um die Selbstentwicklung von Etwas, das sich über die Entfaltung von Widersprüchen verändert, etwas Anderes wird usw. usf. Dabei verwirklichen sich Potenzen, die vorher nur der Möglichkeit nach vorhanden waren. „Der Möglichkeit nach“ ist eine ganz gute „Übersetzung“ für den Terminus „an sich“. Wenn Hegel schreibt „Das Ansich regiert den Verlauf“ (HW 18: 40), bezieht er sich auf diese Bestimmung der Entwicklung aus der Möglichkeit heraus. </p>
<blockquote><p>„So im Keim der Pflanze. Es ist dem Keime nichts anzusehen. Er hat den Trieb, sich zu entwickeln; er kann es nicht aushalten, nur an sich zu sein. Der Trieb ist der Widerspruch, daß er nur an sich ist und es doch nicht sein soll. Der Trieb setzt in die Existenz heraus. Es kommt vielfaches hervor; das ist aber alles im Keime schon enthalten, freilich nicht entwickelt, sondern eingehüllt und ideell. Die Vollendung dieses Heraussetzens tritt ein, es setze sich ein Ziel. Das höchste Außersichkommen, das vorherbestimmte Ende ist die Frucht, d. h. die Hervorbringung des Keims, die Rückkehr zum ersten Zustande. Der Keim will sich selbst hervorbringen, zu sich selbst zurückkehren. Was darin ist, wird auseinandergesetzt und nimmt sich dann wieder in die Einheit zurück, wovon es ausgegangen.“ (ebd.: 41)</p></blockquote>
<p>Bei dieser Aufeinanderfolge der Verwirklichung dessen, was vorher jeweils nur den Status des Möglichen hatte, schreitet auch die Bewegung in der Geschichte fort vom Unvollkommenen zum Vollkommeneren, wobei das Unvollkommene „das sogenannte Vollkommene, als Keim, als Trieb in sich hat“ (HW 12: 78).</p>
<p>Was das Vollkommene ganz genau ist, wie die „vollkommene Welt“ aussieht, gibt Hegel nicht vor. Es spricht von „Perfektibilität“, das „beinahe etwas so Bestimmungsloses als die Veränderlichkeit überhaupt [ist]; sie ist ohne Zweck und Ziel wie ohne Maßstab für die Veränderung: das Bessere, das Vollkommnere, worauf sie gehen soll, ist ein ganz Unbestimmtes“ (ebd.: 75). </p>
<p>Trotzdem gibt es eine <em>Richtung </em>der geschichtlichen Entwicklung, ob etwas vollkommener als das andere ist, lässt sich an einem <em>Kriterium </em>messen. Dieses Kriterium ist der sog. „Endzweck der Welt“ und dieser ist “das Bewußtsein des Geistes von seiner Freiheit und ebendamit die Wirklichkeit seiner Freiheit überhaupt“ (ebd.: 32).</p>
<hr />
<ul>
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</ul>
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		<title>1 Dass Vernunft in der Welt und im Begreifen sei…</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 22:05:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Annette Schlemm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Hegel]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Hegelsche Philosophie, und damit auch Hegels Verstandes- und Vernunftbegriff setzen voraus, dass die Vernunft nichts der Welt Fremdes oder Äußerliches ist. Die Welt ist (zumindest der Möglichkeit nach) vernünftig und die Welt zu begreifen ist vernünftig. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die gesamte Hegelsche Philosophie. Wer diese Ansicht nicht teilt, dem hat Hegel [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=philosophenstuebchen.wordpress.com&amp;blog=5217227&amp;post=5274&amp;subd=philosophenstuebchen&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Hegelsche Philosophie, und damit auch Hegels Verstandes- und Vernunftbegriff setzen voraus, dass die Vernunft nichts der Welt Fremdes oder Äußerliches ist. Die Welt ist (zumindest der Möglichkeit nach) vernünftig und die Welt zu begreifen ist vernünftig. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die gesamte Hegelsche Philosophie. Wer diese Ansicht nicht teilt, dem hat Hegel nichts zu sagen. Bevor man aber weiß, ob man zu ihnen gehört, oder ob man mehr damit anfangen kann, sollte man aber mehr darüber wissen, was das eigentlich im Hegelschen Sinne bedeutet. <span id="more-5274"></span></p>
<p>Die einfachste Vorstellung, was damit gemeint sein könnte, gibt ein Schüler von Hegel, J.E. Erdmann, in einer Vorlesung. Für ihn lässt sich der Satz „In der Welt ist „Vernunft““ übersetzen als „In der Welt ist (objectiver) Zusammenhang“ (Erdmann § 7, 1: 4). Wir würden heute davon sprechen, dass Strukturen und Prozesse in geordneter Weise vorliegen und ablaufen und auch dramatische Veränderungen dieser Ordnungen nicht völlig beliebig ablaufen, sondern selbst wieder Ordnungsstrukturen zeigen. Diese Annahme findet heute insbesondere durch die <a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2011/12/24/komplexer-als-gedacht/">Komplexitätstheorien</a> wieder deutliche Bestätigungen.  </p>
<p>Da wir selbst in die objektiven Zusammenhänge eingebunden sind, wäre es unvernünftig anzunehmen, das Universum wäre uns fremd. Wir sind ein Produkt der natürlichen Entwicklung und wir wirken selbst immer stärker auf die uns umgebenden Weltbereiche ein, sind also selbst Faktor ihrer Entwicklung. Für die materielle Realität ist das sicher leichter einzusehen als für das, auf was sich Hegel bezieht: den Geist. „<em>Geist</em>“ ist bei Hegel aber nichts gespenstig-Mystisches, sondern hat immer etwas mit <em>Selbst</em>erschaffung und <em>Selbst</em>erkenntnis zu tun. Angesichts der modernen Erkenntnisse über die <em>Selbst</em>organisierung in allen Strukturniveaus der Materie muss gar keine so große Kluft mehr angenommen werden zwischen „rein materiellen“ Evolutionsprozessen und dem menschlich-(geistig)-Ideellen. Wenn wir <em>Geist als die immer weiter fortschreitende Entfaltung von Möglichkeiten im Universum </em>verstehen, dann kann auch der folgende Satz akzeptiert werden, mit dem Charles Taylor die Hegelsche Position beschreibt: </p>
<blockquote><p>„Mit einer geistigen Ordnung des Universums können wir uns […] identifizieren, indem wir uns als ihre Emanation erkennen.“ (Taylor 1998: 244)</p></blockquote>
<p>Es gibt durchaus Entgegensetzungen, Widersprüche und auch wir finden uns häufig der Welt entgegenstehend. Für Hegel kommt es jedoch darauf an, mit dem vernünftigen Erkennen und dem vernünftigen Tun solches Gegeneinander aufzuheben. Da Menschen durch (die Möglichkeit der) Vernunft bestimmt sind, wäre es eine unangemessen trennende Annahme, der Welt keine (wenigstens potentielle) Vernünftigkeit zuzuerkennen. Genau das nimmt Hegel für seine Philosophie in Anspruch: Die Vernunft in der Welt zu erkennen:</p>
<blockquote><p>„Etwas vernünftig betrachten heißt, nicht an den Gegenstand von außen her eine Vernunft hinzubringen und ihn dadurch bearbeiten, sondern der Gegenstand ist für sich selbst vernünftig […].“ (HW 7: 85).</p></blockquote>
<p>Zu dem recht bekannten Spruch <em>„was wirklich ist, das ist vernünftig&#8230;“</em> kommen wir im übernächsten Beitrag. Unter dieser Voraussetzung gilt: „Wer die Welt vernünftig ansieht, den sieht sie auch vernünftig an, beides ist in Wechselbestimmung“ (HW 12: 23). Dies gilt auch für die Geschichte. Geschichtsphilosophie (und bewusstes Tun) wären völlig sinnlos, wenn wir nicht annehmen könnten, „…daß überhaupt <em>Vernunft </em>in der Geschichte sei“ (HW 10: 348, vgl. ebd., 352, HW 12: 23). Das heißt: </p>
<blockquote><p>„Der einzige Gedanke, den die Philosophie mitbringt, ist aber der einfache Gedanke der Vernunft, daß die <u>Vernunft</u> die Welt beherrsche, daß es also auch in der Weltgeschichte vernünftig zugegangen sei.“ (HW 20: 20)</p></blockquote>
<p>Wie kann man nun die Vernunft nicht „von außen her hineinbringen“? Ganz einfach: „[…] die Wissenschaft hat nur das Geschäft, diese eigene Arbeit der Vernunft der Sache zum Bewußtsein zu bringen&#8220; (HW 7: 85). </p>
<hr />
<ul>
<li> (Später) Weiter zu: <a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/21/verstand-vernunft-3/">1.1 Die Möglichkeit als Triebkraft</a></li>
<li><a href="http://philosophenstuebchen.wordpress.com/2012/01/20/literatur/">Literatur</a></li>
</ul>
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