Ferienuni 2014_1Für mich stand der heutige Tag der Ferienuni Kritische Psychologie unter dem Motto „Kritische Psychologie in eigener Sache“. Diese Formulierung stammt von Kurt Bader, einem Plenumsteilnehmer auf dem ersten Workshop.

Dies war der Workshop „Keine richtige Lebensführung im Falschen“. Aktive der AG Lebensführung berichteten darüber, wie sie in verschiedenen Gruppen und Projekten nicht mehr nur theoretisch über ein Denken und Handeln debattieren, das Behinderungen und mögliche Überschreitungen benennt, sondern die vorhandenen Kategorien und Konzepte der Kritischen Psychologie auf ihr eigenes Handeln anwenden. Dies scheint für die Kritische Psychologie nicht so selbstverständlich zu sein, was für mich sehr verwunderlich ist, denn dieses Anliegen der Selbstanwendung des Konzepts auf die eigene Praxis war für mich von vornherein selbstverständlich und ich war bei den vorigen Ferienunis etwas konsterniert, dass das vielen Aktiven in diesem Bereich ziemlich fremd zu sein schien. Auch jetzt ist diese Sichtweise und die Praktizierung der „Kritischen Psychologie in eigener Sache“ nur die Sache einer wohl nicht allzu großen Gruppe. (mehr…)

Eröffnung

Es ging heute angenehm locker los bei der Ferienuni Kritische Psychologie 2014, die seit heute 5 Tage lang an der FU Berlin stattfindet. Die Begrüßung durch das Vorbereitungsteam war begleitet durch Fragen an die ca. 200 Teilnehmenden an der Auftaktveranstaltungen. Dabei wurde deutlich, dass die allermeisten zum ersten Mal an einer solchen Ferienuni teilnehmen und Psychologiestudierende sind. Ich war etwas erstaunt, dass insbesondere die beiden letzten Ferienunis, die vor 2 und vor 4 Jahren nach einer längeren Pause stattfanden, nicht mehr damals Teilnehmende heute auch wieder angelockt haben. (mehr…)

Das Vorgehen bei Gesprächen zur Sozialen Selbstverständigung sollte drei Hauptphasen enthalten. Zuerst wird das Problem im Bereich des Erfahrbaren, des Unmittelbaren vorgestellt. Danach erfolgt im Gespräch die Überwindung des Unmittelbaren und die vermittelte Bezugnahme auf allgemeinere gesellschaftliche Bedingungen. Im Lichte der erkannten verallgemeinerten Möglichkeitsräume zeigt sich auch das Unmittelbare danach in einem neuen Licht. Kurz formuliert geht es „vom Unmittelbaren ins Abstrakte und weiter in die begriffene Unmittelbarkeit“ (vgl. Wetzel 1999: 209).

1. Beginn (mehr…)

Wenn wir in einer Welt leben, die kurz vor einem Umbruch steht, und wenn wir wollen, das Menschen zu wirklichen Subjekten ihrer Weltveränderung und -gestaltung im gesamtgesellschaftlichen Maßstab werden, dann geht es nicht ohne eine Praxis der Vermittlung zwischen Individuum und Welt, die zumindest nicht zurückfällt hinter das, was ich aus der Kritischen Psychologie als konzeptionelle und kategoriale Inhalte kennen gelernt habe.

1. Bedingungen (mehr…)

Für andere Methoden der Kommunikation oder Kooperation in Gruppen gibt es z.T. recht ausgefeilte methodische Vorgaben, so z.B. beim Sokratischen Gespräch oder der Gewaltfreien Kommunikation. Die Ansprüche an die Soziale Selbstverständigung sind ebenfalls sehr hoch. Damit sich alle Beteiligten auch als Subjekte ihres eigenen Selbstverständnisses entlang der Kategorien der Kritischen Psychologie verstehen und artikulieren können und dabei die individuell gegebene Unmittelbarkeit überschreiten können, reicht „einfach mal reden“ auf keinen Fall. Gleichzeitig besteht das Bedürfnis, nicht zu viel vorgeben zu wollen.

Einige bisherige Ansätze, die Konzepte und Kategorien der Kritischen Psychologie praktisch zu nutzen, habe ich bereits im Wiki gesammelt. Im Folgenden notiere ich nun einige Gedanken, die möglichst umfassend und vollständig alle mir wichtig erscheinenden Aspekte für die Soziale Selbstverständigung vereinen. Eine wichtige Quelle dazu ist u.a. ein unveröffentlichter aktueller Vordruck zur Dokumentation „Praxisreflexion“ der Berliner AG Berufspraxis und die Erfahrungen mit den Gesprächsrunden in Hiddinghausen. Meine eigenen Erfahrungen erwachsen aus ca. 25 Jahren Gesprächsführung in theoretischen Wochenendseminaren, moderierten Zukunftswerkstätten, Worldcafés und Sokratischen Gesprächen.

Zum ersten Versuch in Hiddinghausen
(mehr…)

Die auf der Kritischen Psychologie basierende Methode der Sozialen Selbstverständigung unterscheidet sich vor allem durch drei miteinander zusammenhängende Prinzipien von anderen psychologisch orientierten Methoden:

  1. Bezug auf gesellschaftliche Verhältnisse: Die menschliche Gesellschaft ist die Voraussetzung für die Entfaltung der jeweiligen Individualität. Gleichzeitig sind durch die Bedingungen, die aus ihrer Gestaltung erwachsen, auch Schranken für die individuellen Verhaltensmöglichkeiten.
  2. Doppelte Möglichkeitsbeziehung: In Bezug auf diese Schranken haben menschliche Individuen immer verschiedene Möglichkeiten zu handeln. Menschen sind den Bedingungen nicht unmittelbar unterworfen, sondern sie handeln begründet. Die jeweils individuellen, aber kommunizierbaren Gründe orientieren sich in beschränkenden Verhältnissen im Spannungsfeld zweier möglicher Richtungen: dem Sich-Einrichten innerhalb des Gegebenen oder der Suche nach Überschreitung des Gegebenen. Beide Verhaltensrichtungen können für jedes Individuum in bestimmten Positionen und Lebenslagen sinnvoll sein, es geht in der Kritischen Psychologie vor allem darum, die zweite Möglichkeit systematisch ins Bewusstsein zu bringen, um den Entscheidungsraum zu vergrößern.
  3. Subjektstandpunkt: Die Begründung des Handelns ist eine individuelle Angelegenheit. Niemand kann für andere oder von außen Gründe setzen oder erkennen. Jeweils individuelle Befindlichkeiten, Problemlagen oder Gründe können deshalb nicht von außen, durch andere, angemessen erkannt oder beeinflusst werden. Deshalb ist die Kritische Psychologie ein Konzept zur Klärung von je meiner Befindlichkeit, vor allem im Falle von Problemen und Krisen. Sie behandelt Individuen nicht als Objekte der Einflussnahme durch andere, sondern die Individuen treten in einen intersubjektiven Dialog und erschließen sich gegenseitig ihre Handlungsgründe, wodurch es auch möglich wird, herauszufinden, inwieweit es verallgemeinerbare Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten in der Welt gibt. Das Ziel subjektwissenschaftlichen Forschens ist es, „die jeweils eigenen Probleme in ihrem gesellschaftlichen Kontext zu begreifen“ (Osterkamp 2001: 26), und auf diese Grundlage durch weiter reichende Handlungsstrategien lösen zu können.

Zu 1. und 2:
(mehr…)

Ich bin schon in Berlin und bereite mich auf ein weiteres Thema vor, über das ich mich mit Teilnehmenden der Ferienuni “Kritische Psychologie” austauschen möchte: die Methode der Sozialen Selbstverständigung. Dazu werde ich, wenn ich es schaffe (und jeweils Internetanschluss finde) fast täglich etwas online stellen. Heute beginne ich mit dem Kapitel “Konzeptionelle und kategoriale Voraussetzungen der Sozialen Selbstverständigung”.
(mehr…)

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 41 Followern an