Ich bin schon in Berlin und bereite mich auf ein weiteres Thema vor, über das ich mich mit Teilnehmenden der Ferienuni “Kritische Psychologie” austauschen möchte: die Methode der Sozialen Selbstverständigung. Dazu werde ich, wenn ich es schaffe (und jeweils Internetanschluss finde) fast täglich etwas online stellen. Heute beginne ich mit dem Kapitel “Konzeptionelle und kategoriale Voraussetzungen der Sozialen Selbstverständigung”.
(mehr…)

Ferienuni 2014 2
Ich werde in zwei Wochen, u.a. als Referentin, an der Ferienuni Kritische Psychologie teilnehmen. Die Ferienuni hat diesmal das Motto “Den Gegenstrom schwimmen” und findet vom 16.-20.09.2014 statt.

Vortrag über Dialektik

Mein Vortrag findet am Freitag, dem 19.9.2014 von 10 -12 Uhr statt, Veranstaltungsort ist die FU Berlin (“Rost- und Silberlaube”). Inhaltlich geht es um die Dialektik. Sie war ja ein wichtiger inhaltlicher Ausgangspunkt für die funktional-historische Methode, mit der Holzkamp die Begriffe der Kritischen Psychologie grundlegte. Schon Holzkamp beteilgte sich intensiv an einer Debatte über die sog. “logisch-systematische” vs. “logisch-historische” Interpretation der Dialektik im marxistischen Kontext. Was können wir heute dazu sagen? Für uns ist die logisch-historische Interpretation längst nicht mehr so nahe gelegt, wie früher.

Ich versuche, dazu einiges zu sagen, ohne allzutief in die verwickelten Streitdebatten dazu einzusteigen.

Soziale Selbstverständigung
(mehr…)

Gespräch Mit der Grundlegung der Kritischen Psychologie entwickelte Klaus Holzkamp einen konzeptionellen Rahmen und Kategorien, die es ermöglichen sollen, die eigenen Beziehungen zur Welt besser verstehen zu können. Dabei wird ein menschliches Individuum nicht als eindeutig bestimmt von den objektiven Bedingungen gesetzt, aber auch nicht als bedingungslos freischwebend vorgestellt, sondern es wird vorgeschlagen, bestimmte Vermittlungsmomente zwischen mir als Individuum und der Welt genauer zu analysieren.

Der Gegenstand der Kritischen Psychologie ist dabei „nicht das Subjekt, sondern dessen Welt, wie sie von ihm empfindend, denkend und handelnd erfahren wird.“ (www.kritische-psychologie.de, vgl. Markard 2009: 55)
(mehr…)

Leider ist es nur ein Mythos, dass „wir die Guten“ sind, auch wenn dieses Denkmuster gerade bei Linken und Alternativen weit verbreitet zu sein scheint. Leider sind wir viel stärker in die objektiven Unterdrückungs- und Ausgrenzungspraktiken verwoben, als wir es subjektiv möchten. Der Arbeitsplatz, den ich gerade habe, könnte einem anderen erwerbslosen Menschen zu einem Einkommen verhelfen; der bundesdeutsche Pass, den ich habe, gestattet es mir, hier zu leben statt sonstwohin geschickt zu werden wie andere. Ich habe so oder so immer wieder mein Abendbrot verdient und so das System mit reproduziert.

Es fällt mir schwer, das Wissen über meine objektive Beteiligung an der Unterdrückung anderer zu ertragen. Aber ich tue es, irgendwie. Wie ich das mache, kennzeichnet meine Persönlichkeit, macht mein „Ich“ aus. Frigga Haug (1982) spricht davon, dass wir dabei „die Verhältnisse in uns einbauen“.
(mehr…)

Wir reden schnell von Handlungsgründen, aber uns ist oft nicht bewusst, dass wir damit auf eine Entscheidungsfreiheit verweisen, die sich deutlich unterscheidet von einem ebenfalls allgegenwärtigen Bedingtheitsdenken. Gerade das oben erwähnte Opferschema geht z.B. davon aus, dass die Opfer unter den gegebenen Bedingungen Opfer sein müssen. Die Bedingungen führen zu diesem oder jenem Handeln, eigentlich nur zur bestimmten Reaktionen. Die Kritische Psychologie setzt gegen diesen Bedingtheitsdiskurs den sog. Begründungsdiskurs. Natürlich gibt es in letzter Instanz objektive Bedingungen für menschliches Handeln. Menschen setzten sich dazu jedoch in ein bewusstes Verhältnis, sie entscheiden, ob und wie sie sich den Bedingungen anschmiegen bzw. sie zu verändern suchen. Dies geschieht über mehrere Vermittlungsebenen. So sind die objektiven Bedingungen von den Bedeutungen zu unterscheiden, die diese für das jeweilige Individuum haben. Die Begründungen sind im Unterschied zu den Bedingungen jeweils nicht von außen zu ergründen und zu erklären, sondern dies kann nur das Individuum selbst nachvollziehen. Kritisch-Psychologische Praxis kann deshalb nur eine intersubjektive Praxis sein, niemals von Experten für andere gemacht werden.
(mehr…)

Im Zusammenhang mit der Suche nach Praxisbezügen der Kritischen Psychologie bin ich schon vor Jahren in einem Seminar auf die “Erinnerungsarbeit” nach Frigga Haug gestoßen. Wir haben in diesem Seminar die Methode ausprobiert und danach habe ich mich durch ihre Texte dazu gelesen. Erinnerungsarbeit

Das Wichtigste möchte ich jetzt zusammenfassen, damit es aufgenommen werden kann in die neueren Versuche, Soziale Selbstverständigung zu praktizieren.

Die Erinnerungsarbeit nach Frigga Haug betrifft nicht die geschichtliche Erinnerung, sondern ist eine Methode, die eigene Person und das eigene Handeln im gesellschaftlichen Kontext besser zu verstehen, um Behinderungen und Beschränkungen überwinden zu können. (mehr…)

Anstatt anderen die Schuld zuzuschreiben, wenn mirs schlecht geht, anstatt mich bloß defensiv zu rechtfertigen, wenn ich mich falsch verstanden fühle, anstatt mich auf scheinbar widerspruchsfreien Lösungen hier und sofort zu versteifen, kann mir die Soziale Selbstverständigung mit anderen weiter helfen.

Zwar haben auch die anderen Menschen ihre jeweils sehr individuellen Gründe, sich so oder so zu verhalten – aber wir leben in derselben Welt mit den gleichen gesellschaftlichen Verhältnissen und haben ähnliche Lebensprobleme zu bewältigen. Aus diesem Grund können Gespräche zu allgemeinen Erkenntnissen führen, die wiederum mir in meiner ganz individuellen Lebensführung helfen können. (mehr…)

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 38 Followern an