Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Ich nutze das alte Philosophenstübchen kaum noch, sondern lege auch längere Texte hier ab (meist in verschiedene Beiträge unterteilt). Hier kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei 😉

(Weniger Freude dürfte das neue Protokoll einer Selbst-Zerstörung bringen…)

Viele Grüße
von Annette

P.S. Von aller Werbung auf meinen Seiten distanziere ich mich!
(Die wird eingeblendet, weil ich nicht bereit bin, für den Verzicht auf Werbung noch zahlen zu  müssen…)

 

Wie weit darf man gehen, um die Welt zu retten?

Um diese Frage geht es im Klima-Thriller „Klima. Deine Zeit läuft ab“ von David Klass. Im Jahr 2020 ist das Buch auf Englisch erschienen und nach eigenen Aussagen haben ihn Gespräche mit seiner Tochter über den Klimawandel inspiriert.

In seinem Roman gibt es vorerst noch keine politische Klimabewegung wie die „Fridays for Future“. Es gibt, wie schon lange, viele Gruppen, die sich für Umweltschutz einsetzen. Aber angesichts der Gefahr, wie sie jetzt fast unabwendbar auf uns zukommt, reicht das offensichtlich nicht. Deshalb geht ein Öko-Aktivist weiter und es kommt zu Opfern, die auch er nicht bringen wollte. Es gibt ein Gedankenexperiment aus der Ethik, in dem danach gefragt wird, wie man für einen heranbrausenden nichtbremsbaren Zug die Weiche stellen würde: Ohne Eingreifen würde er in eine größere Menschengruppe fahren – wenn ich die Weiche herumreiße, würde nur ein einziger Mensch sterben. Was tun? Und wie mit dem Wissen um die Folgen leben?

Im Roman „Klima. Deine Zeit läuft ab“ bewegen sich der Öko-Terrorist und ein FBI-Ermittler unaufhaltsam aufeinander zu. Der FBI-Ermittler kann sich gespenstig gut in den „Green Man“ einfühlen und man verwünscht dies beim Lesen fast. Auch er selbst ist nicht so glücklich damit, denn er kann es nicht verhindern, dass ihn die Argumente von „Green Man“ für die Erdrettung überzeugen. Sie treffen tatsächlich aufeinander und nur einer verlässt den das brennende Fracking-Ölfeld.

Heute fand nach längeren Vorbereitungen eines Vorbereitungsteams die Eröffnung der Kampagne zum Klimaentscheid für ein klimaneutrales Jena im Jahr 2035 statt.

Wir wissen wohl inzwischen alle, was wir in den nächsten Jahrzehnten verlieren werden, wenn sich nicht bald etwas tut auf dem Weg zu mehr Klimaschutz und Klimagerechtigkeit. Häufig seufzen wir dann und drehen uns weg von dem Thema, denn WAS KÖNNEN WIR DENN SCHON TUN???

Mindestens können wir uns in unserem Ort einsetzen für ein Bürger*innenbegehren bzw. einen Bürger*innenentscheid dafür, in der eigenen Region mehr fürs Klima zu tun. In Jena geht es jetzt damit los, es haben sich Arbeitsgruppen gebildet, z.B. für das Ansprechen von Menschen, um ausreichend viele Unterschriften zu bekommen, damit ein Bürger*innenbegehren zustande kommt.

Ich selbst bin ja schon angesichts des Ziels skeptisch. Damit eine Stadt wirklich klimaneutral sein könnte, dürften keine Produkte in ihr hergestellt werden, die dem Klima und vielleicht sogar dem Frieden schaden (mit Beiträgen zur Rüstungsproduktion), jeder Arbeitsplatz müsste auf den Prüfstand, ob auf ihm wirklich menschliche Bedürfnisse befriedigt oder z.B. im Marketing bloß zugunsten des Profits erzeugt werden. Und niemand sollte mehr Dinge herstellen müssen, die schnell kaputt gehen, nicht reparaturfreundlich sind und bei der Rohstoffversorgung, der Herstellung oder Entsorgung der Natur und dem Klima schaden. Und wir müssten nicht durch soziale Not erpresst werden können, alle möglichen solche Arbeiten machen zu müssen. Und wir müssten nicht jede*r einzeln zig Kilometer mit dem eigenen Auto hinfahren müssen und … und … und… Und es müssten jene Anteile der Umwelt- und Klimaschäden mit berücksichtigt werden, die wir mit hergeschafften Produkten mit verursachen und mit unserer Lebensweise überhaupt, die gar nicht direkt unserem Ort zuschreibbar sind, aber eben unserer Lebens- und Arbeitsweise. Wenn man das mit einrechnet, müsste sich seeeeeehr viel mehr ändern, als im Klimaentscheid diskutiert wird.

Aber fangen wir erst mal an damit an, das, was unsere demokratisch gewählten Vertreter*innen auf ihren Posten in unserem Interesse tun können, zu beeinflussen! Wer sich langfristig intensiv damit beschäftigen will, kann sich in Jena auch beim „Runden Tisch Klima und Umwelt“ engagieren, der ein Ergebnis der andauernden Demonstrationen von „Fridays for Future“ und ihrer Verbündeten ist.

Wer sich außer an Demos nun weiter aktiv engagieren möchte, ist herzlich eingeladen, beim Klimaentscheid nicht nur einmal zu unterschreiben, sondern die ganze Kampagne aktiv zu unterstützen. Diese Initiative gibt es nicht nur in Jena, in allen Regionen sollten sie mittlerweile zu finden sein. Startpagen (statt „googeln“) hilft!

Man könnte denken, sie kapierens langsam. Auf der tagesschau-Website wird über die Intiative „KLIMA vor acht“ informiert. Es gibt dazu einen Offenen Brief, der gern noch weiter unterschrieben werden kann!!!, darin steht u.a.:

Wir, die Vertreter:innen und Unterstützer:innen der Initiative KLIMA° vor acht, fordern Sie auf, eine wissenschaftlich fundierte und verständliche Klimaberichterstattung anzubieten, täglich und zur besten Sendezeit.

Während zum Thema „Wirtschaft“, inclusive „Börse vor acht“ 618 Beiträge gesendet wurden, gab es bei der ARD nur 128 Sendungen mit dem Begriff „Klima“ im Titel. Was brauchen wir dringender zum Überleben, eine intakte Umwelt oder die Börse? Bewahrheitet es sich, dass sich Menschen eher einen kaputten Planeten Erde vorstellen können, als einen Wechsel unserer Wirtschaftsordnung zugunsten von bisher ausgebeuteten Menschen und der Mit-Welt? Die Dominanz des Börsenthemas in den Medien bestärkt dies.

Dagegen nun das Thema der Umwelt- bzw. Klimagefahren aufzubringen, ist nun laut Antwort des gesschäftsführenden Redakteurs bei der ARD „erstmal eine parteiische Interessengruppe“. Und der Journalismus soll ja „unabhängig“ bleiben. Wie unparteiisch die Folgen des schon beginnenden Klima-Umbruchs zuschlagen, erleben ja nun mittlerweile auch wir und immer öfter berichten alle Medien über diese Folgen in den alltäglichen Katastrophenmeldungen. Davon wird sich niemand „unabhängig“ halten können.

Über die existentiellen Gefahren der ökologischen- und Klimagefahren Alarm zu schlagen, ist längst nicht mehr nur „Interessengruppen-„Vertretung! Es geht uns alle an, deshalb geht es um unser aller Interessen!!!

Deshalb: KLIMA vor Acht – immer und überall!

Hier dokumentiere ich für eine gerade laufende Debatte einen Teil eines umfassenderen Textes zu einem anderen Thema aus dem Jahr 2007:


Peter Ruben und Camilla Warnke veröffentlichten 1979 einen Text, der sich gegen eine ihrer Ansicht nach einseitige Bestimmung der menschlichen Arbeit richtet. Georg Lukács hatte als Bestimmung der menschlichen Arbeit vor allem ihre Zielgerichtetheit betont. Für ihn beruhte die Arbeit auf einer „fortlaufenden Verwirklichung teleologischer Setzungen“ (zit. in Ruben, Warnke 1979: 21).
Dem stellten Ruben und Warnke eine umfassende eigene Bestimmung der Arbeit entgegen, bei der das umfassende Wissen Camilla Warnkes über die philosophische (Hegelsche) Dialektik und Peter Rubens über die analytische Verdinglichung als einer reduzierenden Denkmethode zur vollen Wirkung kommt. Auch die menschliche Arbeit kann unter diesen beiden Sichtweisen betrachtet werden, der dialektischen und der analytischen.

Eine dialektische Sicht auf die Arbeit muss die konkrete Einheit ihrer Momente erfassen. Dabei sind die Momente zwar kategorial unterschieden, aber in ihrer Existenz untrennbar miteinander verknüpft. Dies gilt, wenn wir die unmittelbare, aktuelle Existenz eines Arbeitsvorganges betrachten. Dabei eignet sich ein Arbeitssubjekt das Arbeitsobjekt an und bildet es um. Das Subjekt ist als solches nur bestimmt in der konkreten Einheit mit dem Objekt – das Objekt in der Einheit mit dem Subjekt.


Eine Trennung dieser Momente ist durch die gedankliche Analyse möglich, das „Subjekt“ arbeitet dann aber nicht mehr, sondern wird zu einem abstrakten, verdinglichten Arbeitsvermögen und das „Objekt“ steht diesem Vermögen äußerlich, z. B. als Naturgegenstand, gegenüber.


Ein wirkliches Subjekt und ein wirkliches Objekt gibt es nur in der dialektischen Relation in der wirklichen, konkreten Beziehung. In einer analytischen Sichtweise werden (potentielle) „Subjekte“ und (potentielle) „Objekte“ zu vergleichbaren Gegenständen in einer nicht mehr dialektischen, sondern in einer binären Relation. Beide werden als in ihrer Existenz voneinander unabhängige Dinge unterstellt und zwischen ihnen werden analytische Vergleiche möglich (so können zwischen aufgewandtem subjektiven Arbeitsvermögen – Aufwand – und dem konsumierbaren vergegenständlichten Arbeitsvermögen – Nutzen – ökonomische Vergleiche stattfinden).

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So langsam krieg ich ein Déjà-vus. Bei wievielen Klimastreiks war ich schon dabei? Heute ist wieder ein Klima-Streiktag, zur Kundgebung noch Jena fahre ich gleich. Hier aber erst noch mein inhaltlicher Beitrag zum Thema für heute:

Klassenkampf scheint sich heutzutage oft auf Klassismus-Debatten zu reduzieren. Und die globalen Öko- und Klimaprobleme sind noch mal was anderes, oder? Tatsächlich jedoch zeigt sich auch in diesen fortschreitenden katastrophalen Verhältnissen das für die kapitalistische Seite noch zu erfolgreiche Klassenverhältnis. Als Klassen stehen sich im Kapitalismus jene Kräfte gegenüber, die sich selbst auf Grund ihrer Verfügung über die Produktionsmittel selbst reproduzieren, und denen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um über den Umweg des erarbeiteten Lohns zu ihren Existenzmitteln zu kommen. Die über die Produktionsmittel verfügen, bestimmen auch über den Zweck der Produktion und als einzelne Kapitalist*innen unterliegen sie dem Zwang, dabei so viel Profit zu machen, dass sie die gesellschaftliche Durchschnittsprofitrate nicht unterschreiten. Wenn sie das nicht schaffen, gehen sie pleite, so dass nur jene übrig bleiben, die – gemessen an der Durchschnittsprofitrate und nicht etwa ihrem Maß an Gier – genügend Profit erwirtschaften.

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Ich lese mich seit einigen Wochen durch die Texte zur „Sozialistischen Kalkulationsdebatte“ und zu Erfahrungen der realsozialistischen Länder. Mir war bewusst geworden, dass viele Konzepte zu einer Welt nach dem Kapitalismus wahrscheinlich viele Probleme, die dabei zu beachten sind, einfach nicht im Blick haben. Wenn man die Probleme gar nicht erst sieht, erscheinen die eigenen Lösungen unabweisbar und überzeugend. Schön, wenn sich Leute drüber freuen können… aber so richtig ernst wird’s erst, wenn wir versuchen würden, das umzusetzen. Und alle Konzeptschreiber*innen gehen davon aus, dass sie guten Grund haben, die früheren Konzepte verwerfen zu können – oft unbesehen oder nur auf der Suche nach Fehlern, die sie ja nie machen würden. Was spricht dann dagegen, diese alten Sachen einfach zu verwerfen? „Hat sich nicht bewährt, weg damit!“. Der Roman „Deutsche Demokratische Rechnung“ von Dietmar Dath endet mit solchen Aussagen wie „Liebe Linke und Linksradikale, nennt euch nicht Kommunisten, das war ein Irrweg – nennt euch, was ihr wollt, tretet ein in die Wirklichkeit und lasst die Toten unter der Erde“.

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Ich dokumentiere hier einen Text von mir aus dem Jahr 2009, als wir in der Jenaer „Zukunftswerkstatt“ eine 7 Jahre dauernde Kapital-Lektüre begannen. Die damaligen Unterlagen und Handouts sind leider aus dem Internet verschwunden, so dass ich dieses, was ich gerade zur Beantwortung einer Frage brauche, wenigstens aus meiner Textdatei heraus rekonstruiere, ohne inhaltlich noch mal drüber zu gehen.

Minka (R.I.P.) und das „Kapital“ (immer noch lebendig)

Der Kapitalismus erscheint nicht mehr als das Ende der Geschichte und neue Kapitalstudien[1] beginnen. Wohl noch nie gab es eine derartig lange Pause in der Bildungsgeschichte zum „Kapital“. Fast 20 Jahre lang war das Marxsche „Kapital“ out. Die sich noch darauf beziehenden westlichen Linken verhakten sich in ihren alten Streitigkeiten und im Osten landeten die blauen Bände im Altpapier. Eine neue Generation nimmt es nun auf sich, wieder von vorn zu beginnen. Im günstigsten Fall sollen alle gleichberechtigt beim Studieren des Textes des „Kapitals“ von Marx voran kommen, ohne „Besserwisser“ und ohne an Autoritäten glauben zu müssen. Einige Tutorinnen und Tutoren, die den Kursen hilfreich zur Seite stehen, wurden benannt.

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Es zieht sich diesmal hin, ich habe lange nichts im Blog zu berichten, obwohl ich täglich intensiv arbeite.

Ich will wenigstens verraten, woran ich gerade arbeite: an einer Veröffentlichung mit folgender Zusammenfassung:

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Individuellem, Kollektivem und Gesamtgesellschaftlichen in der theoretischen und praktischen Tradition des Sozialismus/Kommunismus. Dieses Verhältnis ist von Anfang an ein widersprüchliches. Können diese Widersprüche die Entwicklung vorantreiben, statt sie zu blockieren wie beim ersten Versuch der Verwirklichung sozialistischer Verhältnisse? Im ersten Teil werde ich Überlegungen zu diesem Thema vor den Revolutionen und ihre bürgerliche Kritik vorstellen, im zweiten Teil müssen sich diese und weitere theoretische Überlegungen dem Praxistest unterziehen. Ich gehe davon aus, dass die dabei vorgestellten theoretischen und praktischen historischen Erfahrungen auch heute noch für alle Vorstellungen einer nachkapitalistischen Zukunft wichtig sind.

Ein kleiner Text ist dazu schon entstanden:


„Sozialistisch rechnen lernen“ –
über D.Daths Buch „Deutsche Demokratische Rechnung“

Meinen Vortrag zum Trans- und Posthumanismus gibts jetzt bei Youtube zum Nachschauen:

Hier die Beschreibung vom Forum Soziale Technikgestaltung:

Videoaufzeichnung (82 Min.) der politischen Online-Vorlesung von Dr. Annette Schlemm, Physikerin und Philosophin, Universität Bonn, Ernst-Bloch-Assoziation mit anschließender Diskussion (2. März 2021). Begrüßung Annette Goerlich, Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg. Moderation: Welf Schröter, „Forum Soziale Technikgestaltung“, Redaktion „Latenz“. Der Abend war Teil der Online-Veranstaltungsreihe „Kristalle der Hoffnung – Kristalle der Utopie“. In Erinnerung an den Naturwissenschaftler, „Umweltbildner“ und Philosophen Jan Robert Bloch (1937–2010) anlässlich des dreißigjährigen Bestehens des „Forum Soziale Technikgestaltung“. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg.

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Am 2.3.2021 gabs von mir wieder einen Online-Vortrag. Diesmal zum Thema:
„Das Leben künstlich oder die Welt menschlich machen? – Kritik des Transhumanismus“
und hier gibts die Folien:

Der Vortrag fand im Rahmen der einer Veranstaltungsreihe in Erinnerung an den Naturwissenschaftlier, „Umweltbildner“ und Philosophen Jan Robert Bloch statt.


Am 16. 3.2021 findet in dieser Reihe der nächste Vortrag zum Thema „Ungleichzeitigkeiten im Wandel der Arbeitswelt“ statt.