Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Ich nutze das alte Philosophenstübchen kaum noch, sondern lege auch längere Texte hier ab (meist in verschiedene Beiträge unterteilt). Hier kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei 😉

Viele Grüße
von Annette


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Ich war nach Dresden eingeladen, um in einer Veranstaltungsreihe anlässlich des Geburtstages von Karl Marx mit dem Motto „…an allem ist zu zweifeln!“ vorzutragen. Als Titel habe ich gewählt: „Täuscht die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“

Von der Notwendigkeit des Fortschritts sind wir längst nicht mehr so überzeugt wie früher. Können wir wenigstens Hoffnung auf den »dialektischen Gang der Geschichte« haben? Was geschah, als Marx und Engels die Hegelsche Dialektik materialistisch »umstülpten« und welche Probleme sind damit verbunden? Der drohende Klima-Umbruch der nächsten Jahrzehnte und vielleicht Jahrhunderte sollte uns Geschichtsphilosophien überdenken lassen, die sich bisher allzu leicht von der Hoffnung auf die Dialektik tragen ließen.

Hier gibt es die Präsentation auf Slideshare.

 

 

 

 

– ein Gasttext von Christian Schorsch –

Am ersten Juniwochenende lud man ins idyllisch gelegene thüringische Pfarrkesslar zum Seminar „Anders wirtschaften“ ein. Hier wollte nicht nur das Konzeptwerk Neue Ökonomie die Idee von Degrowth näher bringen, es wurden auch Zielsetzungen und Perspektiven des „Buen Vivir“ thematisiert und die Commons sollten einen Raum zur Vorstellung finden. Letzterer Aufgabe widmete sich die in der Szene bekannte Commons-Aktivistin Silke Helfrich persönlich, was auch für mich eine zusätzliche Motivation darstellte, das Seminar zu besuchen, um sie persönlich kennenzulernen. Schließlich beschäftigte ich mich schon länger mit den Commons und war bereits für deren transformatives Potenzial sensibilisiert.

Mein persönliches Anliegen war dabei, nicht nur eine Reihe von gesammelten Fragen an die langjährig erfahrene Referentin zu richten, sondern auch die Spannung darauf, wie man in der nur sehr knappen Zeit von ca. drei Stunden Menschen, die damit noch keine bewusste Berührung hatten, eine Commonswelt eröffnet und vielleicht sogar schmackhaft macht, denn ich hielt dies für ein fast aussichtsloses Vorhaben.
(mehr …)

In wenigen Wochen sitzen wir wieder in Jena bei einem „Vereins-, Umwelt und Radfahrtag“ rum und warten auf interessierte Menschen, mit denen wir über die Veränderung des Klimas sprechen  können. Letztes Jahr lernten wir eine Frau kennen, deren afrikanischer Mann schon vor Jahrzehnten über die besondere Rolle der Frauen in prekären Umweltbedingungen berichtet hat. Jemand anders berichtete und über die gegenwärtige Situation, die sich so verschärft  hat, dass Mädchen kaum noch die Schule besuchen können, weil die Wege zu den nächsten Wasserquellen immer länger werden…

Wen dieses Thema nicht schon von vornherein interessierte, schaute konsequent weg und suchte mit den Kindern den nächsten Stand zum Gesichtsbemalen oder Bälle-Werfen…

Ja, es ist schon nicht einfach, zu diesem Thema ins Gespräch zu kommen, auch wenn man „zu den Leuten  hinkommt“. Deshalb beschäftigen sich Leute mit dem Thema „Klimakommunikation“ und geben  Ratschläge dazu. Z.B. hier:

Ein interessantes Beispiel für musikalisch Interessierte ist die Umsetzung der Temperaturkurve der letzten Jahrzehnte in musikalische Töne:

Tipps zu mehr oder weniger geeigneten Bildern zu Illustration des Klimwandels gibts hier:

Bei diesem Thema wird es, wenn es ernst wird, auch unerwartete Allianzen geben (müssen), denn vor allem

Diese düstere Vorausschau von 2009 scheint sich leider zu bestätigen…

Auf der Suche nach neuen Vermittlungsformen
(Version 1.3.1, März 2018)

1. Die Grenzen von System- und Selbstorganisationstheorien als Entwicklungstheorien

Im „Keimform“-Blog wurde im vorigen Jahr über die Suche nach neuen gesellschaftlichen Vermittlungsformen diskutiert. Etwas Aufregung kam in die Debatte, als die Systemtheorie ins Spiel gebracht wurde. Ich habe den damit verbundenen Anspruch, die bis dahin diskutierten Inhalte einfach durch Systemtheorie zu ersetzen, zurückgewiesen. Letztlich vollziehe ich damit meine eigene Selbstkritik noch einmal. Denn auch ich war ja in den späten 80ern angetreten mit dem Versuch, die damals neueren Erkenntnisse der Selbstorganisationstheorie zur Erneuerung der Dialektik zu nutzen um dann von daher auch gesellschaftstheoretisches Neuland betreten zu können (siehe meinen Beitrag zum Philosophenkongress 1989). Als ich mich dann konkret daran machte, speziell die Entwicklungsprozesse in allen Bereichen (Kosmos, Lebendiges, Gesellschaft) daraufhin zu untersuchen, wie ihn ihnen Selbstorganisationsprozesse ablaufen, kam ich schnell an die Grenzen der System- und Selbstorganisationstheorien, die vor allem in ihrer Abstraktheit liegen. Biologische Evolution kann ich nur verstehen, wenn ich mich mit biologischen Themen selbst beschäftige (wie in meinem ersten Buch). Beschreiben kann ich ihre allgemeinsten Strukturen dann auf abstrakte Weise auch systemtheoretisch. Aus den Systemtheorien können auch heuristische Hinweise kommen, worauf ich bei den fachspezifischen Untersuchungen achten sollte (z.B. auf Wechselwirkungen zwischen Teilen und Ganzem…). Aber allgemeine Systemtheorie kann die besonderen Theorien der besonderen Untersuchungsgegenstände nicht ersetzen. Das gilt in besonderem Maße für die Gesellschaftstheorie, deren Gegenstand bei einer abstrakt systemtheoretischen Methode völlig verfehlt würde. Das merkte ich auch, und beschloss mein zweites Buch mein zweites Buch (über die Gesellschaft, 1999) damit zu beginnen, einen solchen sys-temtheoretischen Zugang zu kritisieren. Auch später blieb ich diesem Abschied von den Systemtheorien für meine Fragestellungen treu, bzw. begründete ihn immer wieder.

  • siehe z.B. die Antwort auf die Frage „Bei welchen systemtheoretischen Vergleichen gerät man in Teufels Küche?“ in diesem Interview
  • siehe dazu auch den grundsätzlichen Text: „Ersetzt Selbstorganisationsdenken die Dialektik?“
    Trotzdem ist es natürlich sinnvoll, sich hin und wieder zu fragen, inwieweit das systemtheoretische Denken heuristische Hinweise für bestimmte Probleme liefern kann. …

Weiter lesen in der pdf-Datei…


Ich bin nicht bei Facebook und lebe auch sonst „datensparsam“ (ich habe auch aus diesem Grund hier im Blog die  „Like“-Funktion abgeschaltet, damit die mich ggf. Likenden nicht nachverfolgt werden können). Mich kann man nicht manipulieren, mich geht das nichts an…. Aber das stimmt nicht: Wenn mit Facebook-Daten Wahlen in einem der für die Weltpolitik bedeutungsvollsten Ländern manipuliert werden, dann verändert das die Welt als Ganzes.
Not f'd — you won't find me on Facebook

Reiner schrieb für den Zukunftswerkstatt-Blog einen Text über das Facebook-Geschäftsmodell:


Die Wellen schlugen hoch, als bekannt wurde, dass Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern extern abgegriffen und weiterverarbeitet wurden. Meldungen dazu u. a. bei Tagesschau oder heise.de.

Hier gehts weiter…

Fernsehen bildet manchmal doch. Oder merkt man den Zusammenhang nicht? Gestern abend schaute ich eine schöne Dokumentation über die Ozeane der Erde (Titel: „Der Blaue Planet“). Gegen Ende der Sendung wurden auch das Sterben der Korallen gezeigt; ich habe zum ersten Mal gesehen, wie die farbigen Algen abgestoßen werden. Die übrig bleibenden Korallen-Polypen können später wieder durch Algen besiedelt werden, aber nur, wenn die Ursachen der Korallenbleiche verschwinden, sich die Weltmeere also nicht weiter erwärmen.

Heute dann kamen die Nachrichten mit der „guten“ Botschaft, dass nach der Bereitschaft des grünen Staatssekretärs Baake, seinen Posten aufzugeben, weil er mit der Groko keinen Weg in eine einigermaßen aussichtsreiche Energiewende mehr sieht, die Aktienkurse von RWE und EON steigen. Na prima. In dieser Meldung wurde dies als gute Nachricht für die Aktionäre, die Firmen und natürlich die „Arbeitnehmer“ dargestellt.

Kann die Menschheit wirklich so blöd sein? Vielleicht bleibt dieses Zusammentreffen von Wissen über das Verhängis und Weigerung, es ernst zu nehmen, in den Archiven erhalten, so dass unsere Nachfahren nachlesen können, warum wir ihnen so ein schweres, kaum überlebensmögliches Erbe hinterlassen… Eine Zivilisation, die im vollen Wissen dessen, was sie da anstellt, trotzdem weiter macht, hat wohl wirklich nichts Besseres verdient!
Schlimm genug, dass es zuerst Menschen, die nicht von der zerstörerischen Wirtschaftspolitik profitieren und unsere Nachkommen treffen wird, während wir so tun, als hätten wir nichts damit zu tun. Nach uns die Sündflut und der Klima-Umbruch…

Die Zeiten, in denen in den Medien verstärkt über den Klimawandel berichtet wurden, sind nach dem letzten Klima-Gipfel wieder vorbei. Es läuft alles wie immmer…

Nicht wie immer war die Sendung „Die Anstalt“ vom 27. Februar. Die wurde nämlich diesmal von der Mannschaft der „Enterprise“ geentert, wobei vor allem Spock das, was wir auf der Erde gerade anrichten, mal nicht mehr „faszinierend“ fand, sondern „tödlich“.

Wie kann man darüber noch Witze machen??? Das kann man sich noch ein Jahr lang anschauen in der Videothek des ZDF und sei hiermit nachdrücklich empfohlen: