Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Längere Texte werden also nach wie vor im Philosophenstübchen abgelegt, aber hier gibts aktuelle Infos, womit ich mich gerade beschäftige. Und es kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei😉

Viele Grüße
von Annette


Die Ferienuni „Kritische Psychologie“ rief und über 800 Menschen meldeten sich an. Die Räumlichkeiten in der Alice Salomon Hochschule boten nicht so viel Platz wie die Freie Universität bei den letzten Ferienunis. Aber es war viel los.
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Es fanden täglich echte einführende Veranstaltungen in Holzkamps „Grundlegung der Psychologie“ entlang der auch online vorhandenen Einführung von Stefan Meretz statt. Andere Vorträge befassten sich mit philosophischen Grundlagen oder dem Verhältnis zum Marxismus und dessen neueren Entwicklungen. Im Programm gab es auch für die PraktikerInnen viel Raum. Das betraf vor allem die vielfältige Berufspraxis von PsychologInnen. Neu war der Versuch, die Praxis der Kollektiven Selbstverständigung auf der Ferienuni zu beleben und auch durchzuführen. Hier wird der Anspruch der Kritischen Psychologie, Begriffe „für Menschen zur Klärung/Verallgemeinerung je meiner Welt- und Selbsterfahrung“ (Holzkamp) bereitzustellen, ernst genommen. (mehr …)

Ich bin wieder in Berlin bei der Ferienuni Kritische Psychologie. Diese findet vom 13.-17.September 2016 an der Alice Salomon-Hochschule in Berlin statt.

Ferienuni 2016
Bei meinem Vortrag geht es um die Dialektik bei der Begründung der Kategorien der Kritischen Psychologie durch Klaus Holzkamp.

Er findet am 14.09.2016 von 10.00 bis 12.00 Uhr statt.
(Ankündigung der Veranstaltung)

Ich beteilige mich auch an der Führung und Auswertung von Gesprächen der Kollektiven Selbstverständigung. Ich war ja bei der vorigen Ferienuni (2014) etwas traurig gewesen, weil meine Versuche, Interesse an der Weiterentwicklung der Sozialen Selbstverständigungs-Praxen zu finden, auf nicht viel Resonanz gestoßen war (siehe meine damalige Sicht darauf). Aber siehe da… es gab dann von mir unabhängig mehrere Ansätze dazu, die sich schließlich im diesjährigen Treffen in Hiddinghausen fokussierten. Dieser Schwung wird nun auch in die Ferienuni mitgenommen und ich bin gespannt, was wir hier erleben und gestalten können…

Was, Ihr kennt die beste Fernsehserie namens „Starfarers“ auch nicht? Dann geht es Euch wie den Anwesenden einer SF Convention, bei der (schon vor einigen Jahrzehnten) wieder einmal über die schlechte Qualität der SF-Serien gejammert wurde. Nur eine SF-Autorin widersprach. „Ja kennt Ihr denn nicht „Starfarers“? Die Serie, die eigentlich erst beginnt, als das Raumfahrtprogramm beendet ist und das bereits vorbereitete Sternenschiff „Starfarers“ der militärischen Erdüberwachung zugeteilt werden soll. Die Serie, die zeigt, was geschieht, als deren Besatzung sich einfach ohne Genehmigung (und ausreichende Vorbereitung) auf den Weg zu den Sternen macht…“

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Klaus Holzkamp legte Wert darauf, dass das Methodische zu gemeinsamen Selbstverständigungsprozessen nicht zu einem festen Ablaufplan gerinnt. Denn die Beteiligten sollen selbst den Fahrplan schreiben. Das Ganze soll aber auch nicht einfach mit einem „Gut, dass wir mal drüber gesprochen haben…“ enden. Wenn schon die Begrifflichkeit der Kritischen Psychologie nicht trivial ist, so ist ihre Verwendung im gemeinsamen Gespräch sicher nicht einfacher.

Das Konzept der Kritischen Psychologie setzt z.B. voraus, dass die gesellschaftlichen Bezüge herausgearbeitet werden, wobei diese aber vom Standpunkt und die Perspektive des individuellen Subjekts aus betrachtet und diskutiert werden. Es wird davon ausgegangen, dass das Handeln und dessen Begründung innerhalb von Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnissen widersprüchlich sind und deshalb nicht eindeutig und offensichtlich zu erfassen sind. Diese Widersprüchlichkeit führt vor allem dazu, dass wir erst – und das oft gegen einen verständlichen Widerstand – herausarbeiten müssen, wie die gängigen und häufig verwendeten Begründungsmuster den Lebensentwürfen des Individuums sogar entgegen wirken, obwohl sie in ihrer Anwendung erst einmal auch „subjektiv funktional“ sind. Dies erfordert schon einige methodische Vorüberlegungen. Außerdem bauen jeweils folgende Phasen und Schritte auf vorherigen auf, deshalb ist die Reihenfolge auch nicht beliebig. (mehr …)

Es gibt viele Gründe, einfach das zu tun, was man die letzte Zeit auch schon immer getan hat. Irgendwie wird es schon weiter gehen… Aber manchmal kommen sogar die Hamsterräder ins Stocken oder sie kollidieren. Oder die Lust und Kraft zum Treten lässt nach. Dann entsteht ein Problem.
Solange dann Routinen zur Problemlösung noch funktionieren, ist es auch gut – aber das klappt nicht immer und oft auch nicht für immer. (mehr …)

Das 21. Jahrhundert ist voll von Problemen. Zwar ist die Menschheit so reich wie nie. Reich an produktiven Kräften, an technischen Errungenschaften, an Konsumgütern wie keine Generation vorher – das bezahlen wir aber mit dem Verlust einer intakten ökologischen Umwelt und wir schaffen es nicht einmal, dass alle Menschen dieser Erde daran partizipieren können.

Wohlstand ist bisher nur zu erreichen auf Kosten natürlicher Ressourcen und auf Kosten des Lebensniveaus anderer Menschen. Egal wie wir über diese Gesellschaft denken – wir können unser Leben nur fristen in Kooperation mit anderen; wir brauchen Ressourcen und Leistungen anderer und können diese derzeit aber nur über das Medium Geld erreichen, das wir nur bekommen, wenn wir uns beteiligen an der Aufrechterhaltung der herrschenden Wirtschaftsordnung. Die Allermeisten stecken den größten Teil ihres Lebens in Hamsterrädern, egal ob auf der Arbeit, dem Hobby oder den alltäglichen Verrichtungen. Das weit verbreitete Stöhnen über den Montag und das Warten auf Freitag zeigt, wie sehr sich viele wenigstens über einen kurzzeitigen Ausstieg aus einem der Räder freuen… Kann das schon alles sein, was wir im Leben erreichen können? (mehr …)

Die Kritische Psychologie stellt konzeptionelle Gedanken und Begriffe zur Verfügung, um die eigene Lebensführung zu durchdenken. Wenn alles gut läuft, braucht man sich meist nicht viele Gedanken machen – aber wenn es Probleme gibt, beginnt das Grübeln.

Die Suche nach Alternativen beginnt und bleibt dann allzuoft stecken in der Erfahrung, dass es ja doch nicht anders geht, als sich zusammen zu reißen und einfach irgendwie weiter zu machen.

Die traditionelle psychologisch orientierte Ratgebung versucht das Öl im Lager des Hamsterrades zu erneuern. Oder sie malt das Gestänge bunt an, damit das Tretmühlentreten interessanter wirkt. Oder besser noch: sie leitet die Betroffenen, d.h. die Klienten oder gar Patienten dazu an, selber Farbe in die Hand zu nehmen.
Stolz
Im Sinne der Kritischen Psychologie werden Probleme anders angegangen. Hier setzen sich Menschen zusammen, denen es um ähnliche Probleme geht. Sie beschäftigen sich mit Grundprinzipien und -begriffen, mit denen sie ihre psychischen Befindlichkeiten und Handlungsalternativen diskutieren können, ohne dass sie von anderen manipuliert oder gegängelt werden. Das bedeutet aber auch, dass sie sich selbst auf den Weg machen und die Ungewissheiten erkunden und ausprobieren, wie man außerhalb des Hamsterrades vorankommt. Das kann zum Tanz auf schwankendem Seil werden… (mehr …)