Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Ich nutze das alte Philosophenstübchen kaum noch, sondern lege auch längere Texte hier ab (meist in verschiedene Beiträge unterteilt). Hier kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei 😉

(Weniger Freude dürfte das neue Protokoll einer Selbst-Zerstörung bringen…)

Zum schnelleren Wiederfinden dieses Blogs können Sie sich merken: https://tinyurl.com/Schlemm. Oder auch: https://kurzelinks.de/Philostube.

Viele Grüße
von Annette

P.S. Von aller Werbung auf meinen Seiten distanziere ich mich!
(Die wird eingeblendet, weil ich nicht bereit bin, für den Verzicht auf Werbung noch zahlen zu  müssen…)

 

Auch die kapitalistisch orientierten Wirtschaftswissenschaften müssen sich wohl oder übel mit dem Klimawandel als „ultimative[r] Herausforderung für die Wirtschaft“ beschäftigen. Der Nobelpreisträger William D. Nordhaus verwendete diese Formulierung in seinem Preisvortrag von 2018, von dem ich im Folgenden berichten möchte.

Mögliche Regulierung der Nutzung „öffentlicher Güter“?

Nordhaus sieht das Problem des Klimawandels darin, dass das Klima ein öffentliches Gut ist und damit eine Externalität in Bezug auf die Wirtschaft. Das heißt, dass seine Kosten „außerhalb des Marktes anfallen“ und sie „nicht durch Marktpreise erfasst“ werden. Die „Klimawandelökonomie“ will sich diesem Problem widmen. Dabei zeigt es sich, dass aus dieser ökonomischen Perspektive heraus solche „harten“ Ziele wie unter einer global durchschnittlichen Temperaturerhöhung von 1,5 oder 2 Grad zu bleiben, nicht zielführend seien, weil sie die Kosten der dazu nötigen Maßnahmen außer Acht lassen. Eine Alternative dazu zeigt Nordhaus am Ende des Beitrags auf.

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Annette vom Klimanotstands-Zentrum hielt heute einen Vortrag beim Netzwerktreffen Care Revolution. Die Präsentation gibts hier online:

Zum Thema Solidarität hab ich auch noch mal einen Artikel von mir „Commoning als strukturelle Solidarität“ hochgeladen.

Es war ein ziemliches Mistwetter in Jena, aber es fanden sich Menschen zur heutigen Demo, zu der Friday for Future aufgerufen hatte, ein. Ich habe für unsere Gruppe „Klimanotstands-Zentrum“ einen kleinen Redebeitrag gehalten.

Auch Jena TV berichtete über die Demo.

Der kleinste Teilnehmer auf der Demo in Jena.

Hier gehts zum Redetext. Die Einladung, über dieses Thema zu sprechen, gilt auch über den Kontakt über dieses Blog und andere Kanäle zu mir.

Der Krieg in der Ukraine zeigt unübersehbar die Zerstörungen und Verluste, die sonst „irgendwo auf der Welt“ vor unseren Augen – aber doch meist übersehen – stattfinden.

Mit dem Krieg in der Ukraine verfestigt sich auch wieder ein kultureller Ungeist, der keine Alternative mehr zu militärischen Eingriffen in laufende Kriege sieht. Wer Rüstungslieferungen in Frage stellt, wird als Feind der Verteidiger in der Ukraine dargestellt. Was bei dieser scheinbaren Alternative: Entweder Russland oder die Ukraine zu unterstützen, völlig aus dem Blick gerät, sind Alternativen der friedlichen Konfliktbearbeitung. Dabei müssten allerdings echte Interessen in den Blick genommen werden, statt eine Seite zu verteufeln. Auch beim Hitlerfaschismus ging es nie nur um Hitler, sondern um die Interessen der Kapitalseite, die Hitler überhaupt erst zu seiner Macht verholfen hatten.

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Zu den Fakten: jeder Stau ist gefährlich, jedes Rasen ist gefährlich, der Autoverkehr selbst ist gefährlich. Einerseits im direkten Sinne, wenn Autos und LKWs andere Menschen umfahren und andererseits indirekt als Mitverursacher des menschengemachten Klima-Umbruchs. Und ja, auch die aktuellen Klimaproteste derer, die sich auf der Straße festkleben, verursachen Staus. In einem solchen Stau wurden Rettungskräfte aufgehalten, die einer Frau helfen wollten, die mit dem Fahrrad unter einen Betonmischer geraten war. Es gibt inzwischen eine Debatte darum, ob der Rettungswagen, der den Betonmischer anheben sollte um die Frau zu befreien, überhaupt eingesetzt werden sollte (die Ärztin sagt nein), oder ob es ohne den Stau mehr (nur recht vage benannte) Möglichkeiten zur Rettung gegeben hätte (das sagt die Feuerwehr). Ich kann mich noch erinnern, dass die Bewegung „Extinction Rebellion“ einst (vor ca. 2 Jahren) sog. „Schwarmings“ durchführte, bei dem Straßenübergänge mit den eigenen Körpern blockiert wurden, es aber kein Festkleben gab[1] und die Straße nach wenigen Minuten wieder freigegeben wurde. Aber das hat, wie alle anderen weniger störenden Aktionen nichts und wieder nichts verändert. Deshalb kann ich verstehen, dass die Aktionen an Radikalität zunehmen. Es ist sonst einfach nicht mehr auszuhalten. Ob die Bedachtsamkeit mit der Verzweiflung mitwächst, dürfte jedoch zu bezweifeln sein.

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Der neue Bericht an den Club of Rome als „Survivalguide für unseren Planeten“

(Mit meinem Einverständnis stark gekürzt und verändert
veröffentlicht in „unsere zeit“ vom 4.11.2022)

Warnungen seit einem halben Jahrhundert

Viele Erzählungen über den Beginn der Umweltkrisen und globalen Probleme beginnen mit dem berühmten Bericht an den Club of Rome mit dem vielsagenden Titel: „Die Grenzen des Wachstums“ (Meadows u.a. 1973). Dieser Bericht erschien 1972, also vor genau 50 Jahren. Nach 20 Jahren wurde überprüft, inwieweit die im ersten Bericht ermittelten Entwicklungstrends eingetreten sind. Bereits damals wurde festgestellt, „daß die Nutzung zahlreicher Ressourcen und die Akkumulation von Umweltgiften bereits die Grenzen des langfristig Zuträglichen überschritten haben“ (Meadows u.a. 1992: 11). Damals zeigten sich die Umweltprobleme vor allem in vereinzelter Weise, der Ozonabbau hatte nichts direkt mit dem Waldsterben im Erzgebirge zu tun. Und die Gesellschaftsform schien auch keinen Unterschied zu machen, im Westen wie im Osten hatte die rasante Industrialisierung, bevor die besonders „dreckigen“ Industrien aus dem Westen in andere Weltregionen exportiert wurden, schlimme lokale Auswirkungen. Die Erkenntnisse von Karl Marx und Friedrich Engels zur Einbettung der wirtschaftlichen Aktivitäten der Menschen in ökologische Zusammenhänge wurden leider weitgehend (nicht vollständig, siehe Schlemm 2015) ignoriert und das Konzept der „Grenzen des Wachstums“ lediglich als Erscheinung des untergehenden, keine Auswege mehr sehenden Kapitalismus abgewertet. Die Natur kümmert solche ideologischen Debatten nicht, sie zeigt uns, „daß wir keineswegs die Natur beherrschen, wie ein Eroberer ein fremdes Volk beherrscht“ (Engels MEW 20: 453).

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Es ist überfällig, bei den Treibhausemissionen, vor allem den CO2-Emissionen, „in den Knick“ zu kommen: von dauerndem Ansteigen der Emissionen zu radikalen Senkungen der Emissionen bis auf Null in wenigen Jahren. Man braucht eigentlich keine Wissenschaftler*innen von Scientist Rebellion, die auf die Offenbarung des Versagens bei der Rettung der Welt vor der Klimakatastrophe drängen. Man kann es an alltäglichen Meldungen selber sehen, dass wir in die fundamental falsche Richtung rennen – wir im Sinne auch aller „normalen“ Menschen, die jeden Tag in ihre Jobs gehen und das Spiel mitspielen, in den Jobs wie auch in den Shopping-Malls.

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Ich habe in den letzten Monaten in Jena das „Klimanotstands-Zentrum“ mitgegründet. Wir haben noch keinen festen Raum, aber wir treffen uns regelmäßig, beteiligen uns an der Klimabewegung in Jena, halten Vorträge usw.. Oft werden wir dann gefragt, warum wir uns KlimaNOTSTANDS-Zentrum nennen.

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Ich war vom 28.-30. Oktober in Leipzig beim „System Change“-Kongress des SDS, weil ich selbst als Referentin eingeladen war. Ich nehme bei solchen Gelegenheiten eigentlich immer die gesamte Zeit teil. Diesmal habe ich aber nur an der Hälfte der möglichen Workshops oder Plena teilgenommen, weil ich zwischendurch viele schöne und spannende Gespräche hatte, die wir nicht abbrechen wollten. Aber einiges Interessante habe ich doch mitgekriegt, wovon ich hier erzählen will. Also jetzt zur 4-Schwerpunkte-Matrix zur Selbstverständigung und politisch orientierten Gruppen und Bündnissen:

Leonor Canadas und Joao Camargo von der spanischen Gruppe Climaximo stellten ein Konzept vor, das auf einer „Theory of Change and Conflict Escalation“ (Theorie des Wandels und Konflikt-Eskalation) beruht. Ein Tool zur Orientierung dabei ist die 4-Schwerpunkte-Matrix. Diese kann einerseits (I) genutzt werden, um sich selbst die eigenen Schwerpunkte klarer zu machen, als auch andererseits (II) dazu, die Dynamik von politischen Aktivitäten zu verdeutlichen. Die Darstellung beruht lediglich auf dem, was ich von der Veranstaltung mitgenommen habe und Verkürzungen etc. sind mit anzulasten. Soweit ich mitbekommen habe, gibt es mit diesen und weiteren Inhalten ganze Schulungskampagnen…

I) Orientierung in Gruppen, Organisationen, Bewegungen…

Die folgende Abbildung zeigt, wie sich 4 typische Schwerpunktsetzungen entlang von zwei Dimensionen darstellen lassen:

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Ich habe heute einen Offenen Brief unterzeichnet, in dem Wissenschaftler*innen aus aller Welt verkünden:

„Die Behauptung, 1,5 °C seien noch zu schaffen, ist nicht mehr vertretbar…“

Schon, um unter 2 Grad zu bleiben, sind äußerste Anstrengungen notwendig. Zu dem, was zu tun ist gehört im Sinne der KlimaGERECHTIGKEIT auch, dass die reichen Länder ihre Zusage, die ärmeren Länder bei der Bewältigung des Klimawandels mit 100 Milliarden Dollar pro Jahr zu unterstützen, einhalten müssen.

In dem Brief wird eine Studie von vor einem Jahr unter IPCC-Autor*innen erwähnt, die zeigt, dass viele von ihnen befürchten, dass wir im Jahr 2100 eine Erwärmung von 3 Grad erleben werden. Die folgende Abbildung zeigt, wie viele der Antworten sich auf die jeweiligen Temperaturerhöhungswerte verteilten. Die Frage war: Wieviel Erwärmung (über dem vorindustriellen Wert) werden 2100 wahrscheinlich erreicht?

88% der Antwortenden meinen, die Welt ist bereits in einer „Klima-Krise“ und fast ebenso viele (82%) meinten, dass sie noch in ihrer Lebenszeit „katastrophale Folgen des Klimawandels“ erleben werden. Über 60% berichten von Angst, Trauer und Stress deswegen.

In zwei meiner Workshops zum Thema: „Klima-Umbruch: Das ändert (fast) alles“, in denen ich danach gefragt habe, sahen es ebenfalls alle Teilnehmenden als sehr wahrscheinlich an, dass sich in ihrer Lebenszeit noch etwas größeres Katastrophales, Kollapsartiges ereignen wird.

Diese Hälfte der Menschen wird völlig allein gelassen, wenn weiterhin euphorisch-hoffnungsvoll getönt wird, dass alles noch gut und gar besser werden könne. Die Zeit dafür ist vorbei, das „Pfeifen im Walde“ hilft nicht mehr, nun müssen wir auch die Augen vor der harten Wahrheit öffnen, dass wir um große Verwerfungen und dauerhaft verschlechterte natürliche Lebensbedingungen nicht herum kommen und TROTZ und WEGEN diesen Aussichten vernünftige und solidarische Auswege für uns alle finden müssen.


P.S. Wer meine Vorträge aus den letzten Jahren kennt, weiß, dass ich schon lange ziemlich desillusioniert war und auch (hoffentlich vorsichtig genug) zu überhöhte Hoffnungen enttäuschen musste. Eine Broschüre, die auf die Folgen dieser Situation für zu optimistische Utopien hinweisen soll, stammt aus dem Jahr 2013: „Schönwetter-Utopien im Crashtest“.