Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Ich nutze das alte Philosophenstübchen kaum noch, sondern lege auch längere Texte hier ab (meist in verschiedene Beiträge unterteilt). Hier kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei 😉

(Weniger Freude dürfte das neue Protokoll einer Selbst-Zerstörung bringen…)

Zum schnelleren Wiederfinden dieses Blogs können Sie sich merken: https://tinyurl.com/Schlemm.

Viele Grüße
von Annette

P.S. Von aller Werbung auf meinen Seiten distanziere ich mich!
(Die wird eingeblendet, weil ich nicht bereit bin, für den Verzicht auf Werbung noch zahlen zu  müssen…)

 

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland hat eine Pressemitteilung zum Koalitionsvertrag erarbeitet. Darin meint er: „Der große Wurf muss noch folgen“.

Für den Ausbau der Nutzung der sich erneuernden Energiequellen gibt es einige Fortschritte, die aber noch längst nicht der absolut notwendige „große Wurf“ sind:

  • Es sollen bis 2030 200 GW Photovoltaikleistung ausgebaut werden (vorhanden sind derzeit 59 GW).
  • Es sollen Vereinfachungen beim Netzanschluss und eine Anpassung der Vergütungssätze vorgenommen werden.
  • Kritisiert wird vom SFV, dass noch längst nicht die Deckel beseitigt und „klare Signale für einen gesicherten wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen gesetzt“ wurden.

Kohleausstieg:

  • Es wird gesagt, dass der Preis der europäischen Emissionszertifikate nicht unter 60 Euro je Tonne sinken soll – das ist der Wert, der derzeit gilt.
  • Der SFV sagt dazu: „Wir verstehen nicht, dass ein Emissionspreis von 60 Euro je Tonne CO2, der heute einen rentablen Betrieb der Kohlekraftwerke ermöglicht, sie bis 2030 aus dem Markt gedrängt haben soll.“
  • Deshalb wird gefordert, dass die CO2-Bepreisung die durch die Allgemeinheit getragenen Klimaschäden der Treibhausgase vollständig abdecken muss (wobei der Wert von 180 Euro pro Tonne angegeben wird) [AS: Eine Kritik der Bepreisung/Besteuerung gibts hier]

So sehr scheinbar sich alle auf die Bedeutung des Klimathemas geeinigt haben, so bleiben die Vorhaben weit hinter dem zurück, was notwendig wäre, um auf die Notbremse zu steigen.

Mensch Silke, geh nicht! … Über Raum und Zeit hinweg möchte ich das schreien: Mensch Silke, pass auf! Tritt nicht daneben!

Der Abend ist grau, der grad noch sonnengelb leuchtende Kastanienbaum vor meinem Fenster wurde abrupt zu einer schwarzen Silhouette. Ich habe erfahren, dass unsere Freundin Silke Helfrich am Mittwoch bei einer Bergwanderung umgekommen ist. Grad noch war sie Mitautorin unseres Artikels über „Resilienz durch Commoning“ gewesen. Grad hatten wir noch überlegt, wie wir an diesem Thema weiter arbeiten könnten. Grad hatte sie noch so viel vor!

Ja, hier gilt das Wort vom „Mitten aus dem Leben gerissen“. Und aus was für einem! Selten trifft die Rede von einem unersetzlichen Verlust so zu wie für sie. Strahlend, reich gestikulierend riss sie uns wie viele andere mit auf dem Weg zu einem glücklichen, gemeinschaffenden Leben. Sie war der Quell vieler Ideen, sie war gleichzeitig das Herz der Commoning-Bewegung. Sie war international berühmt, aber in keiner Weise abgehoben. Geerdet in ihrer Hoffnung, die vielen noch kleinen Commoning-Praxen aufleben zu sehen, mit Zukunftsvorstellungen, die den Horizont der meisten weit übertrafen.

Ich möchte noch ein Gedichtchen ergänzen, das ich innerhalb der „Schreibwerkstatt“ in der Sommerschule „Commoning“, geschrieben hatte (diese Sommerschulen entstammen auch Silkes Initiative):

Himmelhochjauchzend ist vorbei.
Trauerflor überzieht alles
wie Schimmel.
Trauerflor, samt und weich
Liebevoll.

Hier gibt es einen Abschiedstext vom Commons-Institut, in dem mehr von ihrem Leben steht, mit dem wundervollen  Titel: „Abschied nehmen und in Verbindung bleiben“.

Heute vor 190 Jahren ist Hegel gestorben. Das erinnert mich daran, dass ich einen im Netz verschollenen Text von mir zur Frage, warum ich mich für Hegel interessiere, noch einmal suchen und die Frage beantworten wollte. Ich hab nicht den verschollenen Text (aus einem Forum, das es nicht mehr gibt) gefunden, aber die Erkärung, warum mir Hegel wichtig ist, in einem anderen Text von 2007, den ich hier teilen möchte:

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Zu DDR-Zeiten kannten wir solche Themen wie die „Planetaren Belastungsgrenzen“ auch schon, das wurde damals „Globale Probleme der Menschheit“ genannt. Ich habe mich damals im Rahmen der FDJ-Arbeit damit beschäftigt. Wir hatten ja gehofft, dass eine geplante, sozialistische Gesellschaft mit Umweltproblemen letztlich besser zurecht kommen kann als die anarchische, sich nicht insgesamt optimierende Produktionsweise im Kapitalismus.

Absolut selbstverständlich war damals jedoch, dass das „ERSTE Globale Problem“ immer die Frage der Bedrohung des Friedens durch KRIEGE war. Heutzutage jedoch verschwindet dieses Problem hinter den direkt umweltbezogenen Themen, die Umwelt- bzw. auch die Klimabewegungen nahmen in den letzten Jahren einigen Aufschwung, die Friedensbewegungen gehen da leider in der Aufmerksamkeit ziemlich unter. Sogar bei mir.

Zur Erinnerung hier zwei Vorträge zum aktuellen Stand dazu hier in Europa. Neben der DIREKTEN nach wie vor sich auch verschärfenden KONFRONTATION vor allem im Osten Europas ist auch die direkte VERURSACHUNG von CO2-EMISSIONEN durch das Militär. Hier habe ich aus dem Mitschnitt dieser Veranstaltung gelernt:

  • Das US-Militär hat 2017 ganz 50 Millionen Tonnen CO2 emittiert, das ist mehr als ein Land wie Schweden in einem Jahr emittiert (2019: 50,9 Millionen Tonnen)
  • Der durch Militärübungen im Jahr 2018 ausgelöste und 4 Wochen andauernde Moorbrand in Meppen hat so viel CO2 in die Atmosphäre gebracht, wie 50 000 Haushalte in einem Jahr. Was nützt also jegliches individuelles Engagement, wenn es an anderer Stelle dermaßen konterkariert wird. Dabei ist auch der Verbrauch von fossilen Energien im Normalbetrieb des Militärs enorm.

Hier also der Link zum Video:

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist imi-1.png.

Wer keine Geduld hat, hier schon mal ein Einblick in die erschreckende Dynamik der Kosten der weiteren Militarisierung der BRD:

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Es gibt eine neue Broschüre von mir beim Packpapier-Verlag:

Sie kann für 2 Euro beim Packpapier-Verlag bestellt werden (auch wenn diese Broschüre noch nicht auf der Website dort steht).

Wer gleich noch mehr von mir bestellen möchte, hier ist eine Übersicht:

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Um nicht vor Wut zu schreien, verlinke ich hier ein bißchen Web-Kultur zu diesem Thema:

… und jetzt noch Videos (Englisch):

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Annette Schlemm zum zweiten Mal zur Vorbereitung eines Seminars
des Gesprächskreises Dialektik & Materialismus mit Fritz Reusswig

Am 12.11.2021 findet online ein Seminar mit Dr. Fritz Reusswig vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) statt. Dieses Seminar wird vom Gesprächskreis Dialektik & Materialismus gestaltet. Ich habe bereits einen Text von F. Reusswig referiert und eigene Ergänzungen angefügt (Schlemm 2021a). Zu diesem Thema, das zwei meiner Hauptinteressengebiete vereint, fühlte ich mich nun herausgefordert, selbst nachzudenken. Dies ist der Inhalt meines zweiten Textes zur Vorbereitung des Seminars.


Natürlich liegt es nahe, zuerst darzulegen, was eigentlich Klima- Umbruch und was Dialektik ist, wenn man sie in Beziehung bringen will. Zum Klima-Umbruch gibt’s sehr viel von mir (Schlemm 2009ff.). Zur Dialektik auch. Aber zusammengedacht hatte ich das noch nie so explizit. Was Klima-Umbruch ist, thematisiere ich hier nicht, aber auf den Begriff der Dialektik kommt es schon an.

Dialektik wurde häufig als Denken in Widersprüchen verstanden, wobei eine Position in die andere umkippen kann. Ein Beispiel dafür ist Homer Simpson: Angesichts der Schneemassen vor seiner Haustür sagt er höhnisch: „Es sieht ganz so aus, als ob ich morgen drei Meter globale Erwärmung wegschaufeln muss!“. Seine Tochter erklärt ihm den realen Umschlag ins Gegenteil im Klimageschehen: Globale Erwärmung verursacht extreme Wetterlagen, auch in Richtung von zeitweiser extremer Kälte.[1] Homer ist nun ganz verwirrt: „Du sagst also, die Erwärmung macht es kälter. Du bist die Königin vom Irrenland: Alles ist das Gegenteil von dem, was es ist!“

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Von Kim Stanley Robinsons Themenwahl bin ich immer wieder begeistert. Zwischen 1992 und 1995 hatte er die berühmten drei Marsromane (Roter Mars, Grüner Mars, Blauer Mars) geschrieben, in denen er die Utopie einer letztlich kommunistischen Welt nicht aufgibt, sondern für eine Besiedlung des Mars neu durchdenkt. Aber dann wechselt er das Thema. Er geht zurück auf die Erde und behandelt in drei Romanen zwischen 2004 und 2007 den drohenden gefährlichen und menschlich verursachten Klimawandel (Forty Signs of Rain, Fifty Degrees Below, Sixty Days and Counting, nicht ins Deutsche übersetzt). Im Roman „2312“ aus dem Jahr 2021 schließlich taucht ein unverzichtbares Motiv aller künftigen Zukunfts-SF auf: Für das im Titel angegebene Jahr wird nur noch fast nebenbei erwähnt, dass es keine Eisdecke mehr gibt auf der Erde, dass weite Küstenbereiche überschwemmt sind, dass das Ausbringen von Schwefeldioxid in die Atmosphäre auch nicht mehr viel genützt hat… und es immer noch Reste des Kapitalismus gibt. In New York „schimmerten… die braunen Umrisse der versunkenen Halbinsel Florida unter der Meeresoberfläche“. Das Zeitalter der Climate-Fiction ist nicht mehr aufzuhalten. Alle Zukunftsvorstellungen müssen beinhalten, was mit ziemlicher Sicherheit passieren wird in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten und die Bedingungen dafür sind weniger utopisch als dystopisch. Ich kann mich noch erinnern, dass dieses Bild der künftigen Vergangenheit aller Zukunftsoptionen für mich auch der Auslöser war, 2013 die Broschüre „Schönwetter-Utopien im Crashtest“ drucken zu lassen. Genau jetzt – am historischen Verzweigungspunkt, da es noch möglich scheint, das Schlimmste aufzuhalten, bleibt Robinson mit seinem neuen Buch „Das Ministerium für die Zukunft“ nah dran an unsrer Gegenwart. Alles dort Beschriebene könnte hier und heute beginnen.

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Zu einem Artikel von Fritz Reusswig zu diesem Thema

Annette Schlemm zur Vorbereitung eines Seminars
des Gesprächskreises Dialektik & Materialismus mit Fritz Reusswig

Am 12.11.2021 findet online ein Seminar mit Dr. Fritz Reusswig vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) statt. Dieses Seminar wird vom Gesprächskreis Dialektik & Materialismus gestaltet. Beteiligte am Seminar bereiten sich bereits vorher auf das Thema vor und mein folgender Text ist ein Teil davon. Ich werde im Folgenden vor allem einen Text von Fritz Reusswig referieren und Ergänzungen aus meiner Sicht einfügen, die vor allem an Kritiken an Hegels Naturphilosophie von Renate Wahsner anknüpfen.


1 Fritz Reusswig zu Hegel und dem Klimaproblem

1.1 Die Bedeutung von Philosophie

Die Bedeutung von Philosophie für bestimmte Problembereiche hat Hegel selbst thematisiert. Er schrieb in seiner „Differenzschrift“ von 1802:“ Wenn die Macht der Vereinigung aus dem Leben der Menschen verschwindet […], entsteht das Bedürfnis der Philosophie“ (HW 2: 22). Reusswig konstatiert: „In der Klimadebatte ist es jetzt soweit: der Geist der Vereinigung – wenn es ihn je gab – hat dem Geist der Entzweiung Platz gemacht“ (Reusswig 2020). Fritz Reusswig sieht dabei insbesondere das dialektische Denken als einen der „Ansatzpunkte, um die Herausforderungen, die der anthropogene Klimawandel für Natur und Gesellschaft bietet, kognitiv und dann auch politisch-praktisch besser zu bewältigen“ (Reusswig 2013: 1). Für jede Gesellschaftstheorie habe die „normative Generalthese“ zu gelten, die „Gesellschaft so zu denken, dass ihre physische Reproduktion über die Zeit (und unter Einschluss des guten Lebens aller Gesellschaftsmitglieder) möglich bleibt“ (ebd.: 2). Leider herrsche derzeit eher eine „Krise einer naturvergessenen Sozialwissenschaft“ (ebd.).

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In trauriger Erinnerung an Silke.

In der Zeitschrift politische ökologie 166 ist ein Beitrag erschienen, den ich gemeinsam mit Johannes Euler und Silke Helfrich verfasst habe. Wir haben uns mit dem Thema beschäftigt, ob und wie Commoning uns zu mehr Resilienz (flexible Widerstandsfähigkeit) gegenüber den schon vorhandenen und sich verstärkenden ökologischen und sozialen Krisen verhelfen kann.

Wir haben dazu auch mit Teilnehmenden der Sommerschule „Commoning“ 2021 in Bechstedt sprechen können. Leider war der Platz natürlich wie immer viel zu gering, um alles darlegen zu können. Wer zu dem Text mit uns, bzw. mit mir ins Gespräch kommen will, bitte gerne schreiben…