Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Ich nutze das alte Philosophenstübchen kaum noch, sondern lege auch längere Texte hier ab (meist in verschiedene Beiträge unterteilt). Hier kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei 😉

(Weniger Freude dürfte das neue Protokoll einer Selbst-Zerstörung bringen…)

Viele Grüße
von Annette

P.S. Von aller Werbung auf meinen Seiten distanziere ich mich!
(Die wird eingeblendet, weil ich nicht bereit bin, für den Verzicht auf Werbung noch zahlen zu  müssen…)

 

Wer ist hier der Schneemann?

Diese Literatur gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Wie an der folgenden Auflistung zu sehen ist, war das Buch von Godelier tatsächlich „nur“ die Anregung, mich mit den vorgestellten Themen auch anhand anderer Literatur ausgiebig zu beschäftigen:


Adamczak, Bini (2017): Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende. Berlin: Suhr-kamp 2016.

Anderson, Perry (1978/2015): Von der Antike zum Feudalismus. Spuren der Übergangsgesellschaften. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

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Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Die materielle Reproduktion der Gesellschaftsmitglieder und der Gesellschaft ist der für die Gesellschaft wesentliche Prozess; sie ist aber nicht zu reduzieren auf materielle Wechselwirkungen. Georg Lukács verwies 1919 auf den „methodischen Irrtum des vulgären Materialismus“, der darin bestünde, „daß nämlich die wirtschaftlichen Formationen ewig erstrangig blieben gegenüber den ideologischen Gebilden“ (Lukács 1919/1975: 119).[1]

Menschliche Praxis ist mindestens immer über Ideelles vermittelt, darüber, dass Menschen eine „›gnostische‹ Welt- und Selbstbeziehung“ (Holzkamp 1983: 234) haben. Dies gilt auch für die unmittelbare Produktion. Es ist nicht so, als wäre diese unabhängig von ideellen Vorstellungen „rein-materiell“, sondern auch sie ist durchdrungen von Ideellem. Denn es gilt, „… daß kein materieller Eingriff des Menschen in die Natur, das heißt kein intentionaler, von ihm gewollter Eingriff, erfolgen kann, ohne von Anfang an im Bereich des Intentionalen „Ideelles“ hervorzurufen, Vorstellungen, Urteile, Prinzipien des Denkens, die keinesfalls nur materielle Verhältnisse im Denken widerspiegeln, weil sie unabhängig von ihm, vor ihm oder ohne es, entstanden wären“ (Godelier 1990: 22). Nach Lukács unterscheiden sich überholte Marxismusvorstellungen von angemessenen gerade dadurch, dass erstere die ökonomische Wirklichkeit als „Sein ohne Bewußtsein“ auffassen, während in Marxens Ontologie nach Lukács „jedes gesellschaftliche Sein mit Bewußtseinsakten (mit alternativen Setzungen) untrennbar verbunden ist“ (Lukács 1984: 675).

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Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Auch im Kapitalismus sind es wieder die Eigentumsverhältnisse, die die Produktions- und damit die gesellschaftlichen Verhältnisse als Ganzes wesentlich bestimmen. Man kann kaum sagen, dass je ein bestimmtes Eigentumsverhältnis für je eine Gesellschaftsformation dominant ist. In jeder Gesellschaftsformation wirken verschiedene Eigentumsverhältnisse zusammen. Das persönliche bzw. haushaltbezogene Eigentum an Werkzeugen, Waffen sowie Vieh und die gemeinschaftliche Verfügung über das Territorium verweisen aufeinander. Dass diese Kombination so häufig auftritt, hat wohl den Grund darin, dass Vieh leicht ausgetauscht werden kann, Boden dagegen nicht (vgl. Godelier 1990: 122). Gemeinschaftlich genutzte Allmenderessourcen stützen häufig feudale Ausbeutungsverhältnisse. Die Selbstverwaltung der Dorfgemeinschaften enthebt die Feudalherren der direkten Einflussnahme und ermöglicht trotzdem oder auch gerade dadurch die Erhebung von Abgaben. Gemeinschaft geht mit „Flurzwang“ zusammen. Die sog. „asiatische“ und die feudale Gesellschaftsformation unterscheiden sich nach Godelier übrigens dadurch, dass in Asien der Staat oberster Eigentümer des Bodens blieb und Grundrente und Steuer zusammenfallen, während im Feudalismus Grundrente (an den  Grundherrn) und Steuer (an den Staat) unterschieden sind (Godelier 1990: 126). Die Trennung des Eigentums an Produktionsmitteln und Arbeitskräften im Kapitalismus ermöglicht vorher unglaubliche Kooperationseffekte im konkreten Arbeitsprozess, deren Triebkraft sich von den unmittelbaren Bedürfnissen der Menschen abkoppelt. Gleichzeitig entstehen klassenspezifische Interessen, die jeweils mit ihrem spezifischen Eigentumspositionen im Zusammenhang stehen. Die gesellschaftlichen Strukturen, wie die Eigentumsverhältnisse wirken nicht nur als „Nahelegungen“ auf das individuelle Verhalten, sondern dieses ist in bestimmter Weise interessiert und auf diese Weise auch verständlich. (mehr …)

Dieser Text gehört zum Projekt „Anregungen von Maurice Godelier“


Karl Polanyi[1] untersuchte, wie bestimmte Märkte dazu führen, dass die Gesellschaft nur noch als „Anhängsel des Marktes“ (Polanyi 1944/1978: 88) zu verstehen ist:

„Die Wirtschaft ist nicht mehr in die sozialen Beziehungen eingebettet, sondern die sozialen Beziehungen sind in das Wirtschaftssystem eingebettet.“ (ebd.: 88-89)

Er unterscheidet dabei zwischen „einzelnen Märkten“, die in andere Gesellschaftsfunktionen eingebettet sein können und einer „Marktwirtschaft“, in der die „auch die Gesellschaft selbst so gestaltet werden [muß], daß das System im Einklang mit seinen eigenen Gesetzen funktionieren kann“ (ebd.: 89). Märkte auf Fernhandels- oder auch lokaler Basis begleiten die Menschheit fast überall und immer – nur auf europäischem Gebiet wurde „durch das Eingreifen des Staates“ (ebd.: 96) eine neue Form von Märkten geschaffen. Zuerst durch nationalstaatliche Maßnahmen zur Aufhebung der traditionellen Schranken, danach durch die Ermöglichung[2] „eines einzigen großen, selbstregulierenden Marktes“ (ebd.: 101). Die daraus entstehende „Marktwirtschaft ist ein ökonomisches System, das ausschließlich von Märkten kontrolliert, geregelt und gesteuert wird; die Ordnung der Warenproduktion und -distribution wird diesem selbstregulierenden Mechanismus überlassen“ (ebd.: 102).[23] Das erfordert, „daß die gesamte Produktion auf dem Markt zum Verkauf steht und daß alle Einkommen aus diesen Verkäufen entstehen“ (ebd.: 103). Auch Arbeit, Boden und Geld werden nun zu Waren. Da diese Produktionsfaktoren aber nicht direkt für den Verkauf hergestellt wurden, nennt Polanyi sie „fiktive Waren“ (ebd.: 107f.). Verbunden mit dem Gebrauch dieser Faktoren als Waren ist die Tendenz ihrer Zerstörung, deshalb müssen sie geschützt werden (ebd.: 109), was jeweils durch unterschiedliche Kräfte und Institutionen in der Gesellschaft reguliert wird. Auf diese Weise sind die anderen, vor allem die politischen Kräfte in der Gesellschaft auch wesentlich für die Gesellschaft, dominant wird jedoch die Eigenlogik des Wirtschaftlichen.[4] Ab jetzt musste sich „die Organisierung der Arbeit den Entwicklungen des Marktsystems anpassen“ (ebd.: 111) und damit „war die menschliche Gesellschaft zu einem Beiwerk des Wirtschaftssystems herabgesunken“ (ebd.). (mehr …)

Natürlich hab ich auch über die Feiertage fleißig weiter gearbeitet. Die Zugriffszahlen zum Blog gingen rasant runter, was mir zeigt, dass viele andere vieles andere zu tun hatten, als in Blogs zu schauen… 😉

Ich habe zum Kapitel „Eigentum“ aus der Auswertung des Buches von Godelier mittlerweile noch einige längere Einfügungen gemacht. Die empfehle ich jetzt auch, erst mal zu lesen. Demnächst kommt dann auch wieder Neues hier im Blog.

Ich habe natürlich auch in den letzten Tagen gearbeitet, die Beitragsreihe „Zu Godelier“ wird in den nächsten Tagen fortgesetzt und beendet. Zwischendurch bastle ich schon an einem neuen Thema und dafür ist mir eine neue Darstellung eingefallen:

Das kann ich natürlich nicht mal „auf die Schnelle“ erklären. Neu ist die Sortierung der Schlussformen entlang der Zwischenglieder der Vermittlung (das Besondere, das Einzelne oder das Allgemeine vermittelt).

Mehr zur Schlusslogik kann man z.B. an entsprechender Stelle im Hegel-System entnehmen, Poster dazu gibts hier bereits.

wünsche ich allen Leserinnen und Lesern meines Blogs.

Als kleinen Jahresrückblick empfehle ich, sich nicht auf Corona zu fokussieren, sondern sich an 2020 als Jahr weiterer Schritte in den Klima-Umbruch zu erinnern:

Wenn die Covid-19-Zeit so weit ins Geschichtliche gerutscht ist, wie z.B. die Spanische Grippe zu Beginn des 20. Jahrhunderts, werden die Folgen des Klima-Umbruchs unseren Nachfahren noch lange Zeit zu schaffen machen…

Ich bin wenig optimistisch, dass sich die Ansätze wie der Europäische Green New Deal, die Wandlungen in der US-Politik durch den neuen Präsidenten etc. wirklich im ausreichenden Maß auswirken können, weil die maßgeblichen Gründe in der unökologischen, auf Profit und Wachstum ausgerichteten kapitalistischen Wirtschaft noch nicht beseitigt sind. Wir werden auch 2021 und so weiter auf mehrfachen Ebenen mannigfaltige Problemfelder bearbeiten müssen.

Ich wünsche allen ausreichend Kraft und vor allem liebe Freundinnen und Freunde und wenn möglich auch eine starke Familie und auch sonst alles, alles Gute dafür. Gerade wenns drauf ankommt, lohnt sich das Leben! Wie wir es leben, macht historisch einen Unterschied! Was will man mehr für seine Zeit auf Erden?

Hier gibts noch ein kleines Allzeit-Ersatz-Feuerwerk:

… wünsche ich allen meinen regelmäßigen oder gelegentlichen Leserinnen und Lesern. Was auch immer Ihr macht, soll es eine schöne Zeit sein. Ich schicke Euch einen Gruß von Cara, die nun schon über ein Jahr bei uns lebt:

Auch fürs nächste Jahr wünsche ich alles Gute!