Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Ich nutze das alte Philosophenstübchen kaum noch, sondern lege auch längere Texte hier ab (meist in verschiedene Beiträge unterteilt). Hier kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei 😉

(Weniger Freude dürfte das neue Protokoll einer Selbst-Zerstörung bringen…)

Viele Grüße
von Annette

P.S. Von aller Werbung auf meinen Seiten distanziere ich mich!
(Die wird eingeblendet, weil ich nicht bereit bin, für den Verzicht auf Werbung noch zahlen zu  müssen…)

 

In Jena wurde bei der letzten Stadtratssitzung kein Klimanotstand beschlossen. Der OB spricht in kleinerer Runde von einer  „Klima-Krise“, aber wichtiger wären, so auch die Meinung vieler anderer, echte Maßnahmen. Die Einrichtung von Gremien, die den Stadtrat in irgend einer Weise beraten, beginnt.

Jena steht bei der Senkung von Treibhausgasen seit 1990 auch gar nicht so schlecht da. Entsprechend eines „Berichts zur Umsetzung des  Leitbildes Energie und Klimaschutz und des Energiekonzeptes der Stadt Jena“ (Monitoring 2018) konnten die CO2-Emissionen bereits um fast 69% gesenkt werden. Dies geschah vor allem durch eine Heizungsumstellung in den 1990 Jahren und durch die Verwendung von Ökostrom. Die Emissionen aus dem Verkehr jedoch blieben auf konstantem Niveau. Was nun? Die bisheren Umstellungen können nicht wiederholt werden. Trotzdem sind weiterhin Reduktionen um jährlich 4,5 bis 5% notwendig, wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen. „Von derartigen Absenkungsraten ist die Stadt Jena momentan weit entfernt“ meint der Monitoring-Bericht.  Deshalb seien „für die Zielerreichung 2050 noch erhebliche Anstrengungen in der Stadt Jena unumgänglich“.

Das sieht nach einer Blockade aus. Einerseits geht es weiter wie bisher, andererseits müssten grundlegende Neuregelungen des gesellschaftlichen Lebens her. Einerseits wird auf  Maßnahmen gepocht, andererseits darf die Dringlichkeit der Lage nicht mit „Notstand“ bezeichnet werden. Würden nicht die Maßnahmen unter dem Titel „Notstand“ viel energischer und tiefgreifender ausfallen, als unter der  Vorstellung „Eigentlich läufts ja, lasst nur die ggf. auch neu eingerichteten Gremien arbeiten…“?

Bei der Beratung der Scientists&ParentsForFuture mit dem OB sprach letzterer häufig von der Notwendigkeit des „Abwägens“. Und mehrmals kam wieder die Denk- und Handlungsbremse der Finanzierbarkeit zur Sprache. Damit sind die Schranken gesetzt für das, was vom einem vielleicht gebildeten Runden Tisch vorgeschlagen werden kann, um dann in den beratenden und letztlich entscheidenden Gremien als „machbar“ „abgewogen“ zu werden und zur „Maßnahme“ zu werden.

Was dort nicht am Tisch sitzt, ist die Zukunft. Die jungen Leute von FridaysForFuture werden ihren Platz am Runden Tisch und in den Gremien bekommen. In die „Abwägung“ gehen aber stets die derzeitigen finanziellen und anderen Bedingungen ein, und ich befürchte, dass die jungen  Leute dort lernen, das einzusehen.

Was ich einsehe, ist natürlich auch die Tatsache, dass keine beliebige Interessengruppierung einfach so an den demokratischen Institutionen vorbei „durchregieren“ können darf. Ob diese Institutionen und Gremien jedoch so wandlungsfähig sind, dass sie den Herausforderungen gewachsen sind, die jetzt auf uns zukommen, wird sich erst noch zeigen müssen. In das „Abwägen“ muss ein Vorbehalt hinein, dass ab jetzt nichts mehr weitere Treibhausgasemissionen befördern darf und alles auf ihre Senkung hinwirken muss… und ähnliches, was ich  jetzt nicht beschlussreif formulieren kann. Dass sich die Stadt Jena diesem Vorbehalt stellt, sehe ich aber noch nicht. Niemand hat wohl verlangt, den „Notstand“ ohne einen Bezug auf die notwendigen Maßnahmen auszurufen. Und die Maßnahmen müssen sich den echten Herausforderungen stellen und dürfen nicht nur symbolische Ansprüche haben. Beides bedarf einander und ein Auseinanderdividieren hilft nicht voran.

Mit diesem Verweis auf die Notwendigkeit dieses Zusammenhangs zitiere ich hier mal einen kurzen Abschnitt aus verschiedenen Mails, die in den letzten Tagen zwischen den Scientists&ParentsForFuture in Jena kursierten:

 

"Liebe Hausbewohner, die Feuerwehr hat kurz nach dem Beginn
des Brandes den Feuernotstand ausgerufen, bitte haben Sie 
Geduld, bis die Feuerwehr sich konkrete Löschmassnahmen 
ausgedacht und organisiert hat, die durch den Notstand 
legitimiert werden und evtl. sogar geeignet sind, 
Ihr brennendes Haus und seine Bewohner zu retten; 
vorausgesetzt die so irgendwann gefundenen 
Notstands-Massnahmen sind personell und technisch umsetzbar, 
wird die Feuerwehr dann aber bestimmt und umgehend zum Löschen 
anrücken."

 

Dies gehört zu meinem Bericht von der Langen Nacht der Wissenschaften am PIK Potsdam.


Dass der Golfstrom, der das Klima in Nordeuropa stark beeinflusst, schwächer werden könnte, wurde früher einmal vermutet und dann wurde jedoch Entwarnung gegeben. Neuerdings jedoch kommt er wieder ins Gespräch. In einem sehr guten Vortrag von Stefan Rahmstorf, bei dem er von Darstellungen der Klimakatastrophen in Filmen ausging, erklärte er, dass sich der Golfstrom tatsächlich seit 50 Jahren um ca. 15% abgeschwächt hat. So schwach war der Golfstrom seit mindestens 1000 Jahren nicht. Das folgende Bild zeigt, wie sich (links) die Wassertemperaturen verändern, wenn man eine Verdopplung des CO2-Gehalts annimmt (das warme Wasser staut sich dann an der Ostküste der USA) und (rechts) was die Messdaten an Veränderungen seit 1870 zeigen:

(mehr …)

Am 15.6.2019 konnte ich während der Langen Nacht der Wissenschaften das PIK (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung) besuchen. Am Eingang empfing uns ein stolzes Foto mit der Bundeskanzlerin und der Bemerkung, dass diese erst am Donnerstag zu Besuch gewesen wäre, aber „Heute sind SIE es“. Na prima. Ich hoffe, wir haben mehr gelernt als sie…

Klima-Simulationen

Da ich gerade beruflich mit Simulationen arbeite (und auch an einer Philosophie der simulierenden Wissenschaften interessiert bin), schaute ich mir zwei Präsentationen zur Modellierung und Simulation unter dem Motto „Meet a Model“ an. Zuerst über die Simulation des Abschmelzen des Ross-Schelfeises in der Antarktis (hier eine andere Veröffentlichung dazu), danach über die Modellierung der Rolle der Biosphäre in den Klimaprozessen. Die Tochter des Referenten führte uns „praktisch“ vor, wie man „Bäume in Computer“ bekommt, indem sie einen Lego-Baum „diskretisierte“ und in den „Computer“ steckte… 😉

Zu den folgenden Themen werde ich noch kurze  Berichte bloggen:

Außerdem zum

Zum Abschluss möchte ich noch einen Film aus der „Climate Media Factory“ empfehlen, die während der Langen Nacht der Wissenschaften ihre Filme zeigte. Leider gibt es sie alle nur auf  Englisch… Hier also nun: The Earthbook:

 

Dies gehört zu meinem Bericht von der Langen Nacht der Wissenschaften am PIK Potsdam.


Wir schauten uns am PIK noch die „Wetter-Küche“ an, das Bildungs- und Informationszentrum zu Wetter und Klima. Hier interessierte mich vor allem das Projekt zur Umweltbildung am PIK. Viele Lernmaterialien können im Internet abgerufen werden. Am Spannendsten ist das interaktive Web-Portal KlimafolgenOnline-Bildung.Hier kann z.B. ermittelt werden, wie sich bei einem schwachen Klimaschutz der Ertrag von Winterweizen im Jahresmittel entwickeln könnte:

Ein weiteres Tool, das ich am PIK irgendwo fand, ist der Global Calculator. Auch mit dem kann man „Gott spielen“, in dem man bestimmte Parameter der Lebensweise und Wirtschaft ändert und schaut, welche Folgen sich daraus ergeben:

Dies gehört zu meinem Bericht von der Langen Nacht der Wissenschaften am PIK Potsdam.


Wenn wir als Menschheit in den nächsten Jahrzehnten nicht unter einem enormen Klima-Umbruch leiden wollen, müssen wir die Emission von Treibhausgasen, insbesondere Kohlenstoffdioxid so schnell wie möglich reduzieren. Man kann ziemlich genau ausrechnen, bei wieviel CO2-Emissionen bestimmte Erwärmungswerte überschritten werden und wir wissen, wieviel CO2 wir schon emittiert haben. Daraus können wir ermittelt, wieviel wir noch emittieren „dürfen“, bevor die Erwärmungswerte unwiderruflich überschritten werden. Stefan Rahmstorf hat es in seinem Blog ausführlich erläutert:

Wenn wir mit einer Wahrscheinlichkeit von 67% unter einem Anstieg der globalen durchschnittlichen Temperaturen um 1,75 Grad bleiben wollen, können wir (ab Anfang 2018 gerechnet) noch 800 (oder bei anderer Berechnung 880) Gigatonnen CO2 emittieren. Für Deutschland stünden, entsprechend dem Bevölkerungsanteil, davon 1,1% zur Verfügung. Das sind ab Anfang 2019 7,3 Gigatonnen. Wenn wir dies bis 2035 erreichen wollen, müssen, wie die Abbildung aus dem Rahmstorf-Blog zeigt, die Emissionen jährlich um 6% gesenkt werden!

Bei der Langen Nacht der Wissenschaften am PIK wurde ein Tool vorgestellt, mit dem man sich zu diesen Effekten informieren kann, das  „Senses Tookit“. Für drei Szenarien sind im folgenden Bild CO2-Reduktionspfade dargestellt:

Sie alle beinhalten bereits, dass nach 2050 ausreichend leistungsfähige Techniken zur Entfernung bereits emittierten Kohlendioxids genutzt werden. Deutlich zu erkennen ist, dass ein späterer Beginn der Reduktionen eine jeweils noch stärkere Reduktion pro Jahr erfordert. (siehe auch im folgenden Bild aus der Präsentation von S. Rahmstorf bei der Langen Nacht der Wissenschaften – hier nur bis 2050 dargestellt).

Hätten wir also schon viel eher mit einer  Reduktion begonnen (angemahnt wurde sie schließlich schon seit Anfang der 90er Jahre), hätten wir viel gemächlicher „aussteigen“ können; jetzt ist bereits so etwas wie eine „Vollbremsung“ notwendig. So weit musste es kommen, bis wenigstens die Kinder aufgewacht sind.

P.S. Die einzige Region, in der ein scharfer Knick in der CO2-Emissionsentwicklung erreicht werden konnte, ist übrigens China!

 

Dies gehört zu meinem Bericht von der Langen Nacht der Wissenschaften am PIK Potsdam.


Dass sich Wetterextreme häufen, erläutert Stefan Rahmstorf in einem Artikel. Da ja wie üblich kaum jemand diesen Links folgen wird, hier eine Zusammenfassung der Inhalte:

  • Hitzewellen nehmen seit den 80er Jahren stark zu. Es gibt heute schon fünfmal mehr Hitzewellen, als vor dieser Zeit.
  • Die Veränderung der Niederschläge ist „räumlich und zeitlich sehr heterogen“. Vor allem Starkregen nehmen stark zu. Genaueres dazu gibt’s in einem Blogbeitrag von S. Rahmstorf.

Die folgende Abbildung zeigt die Anzahl der Tagesrekorde bei den Niederschlagssummen weltweit, relativ zu der Anzahl, die durch Zufall bei einem unveränderten Klima auftreten würde (Zuwachs in Prozent) (nach einer Veröffentlichung von J. Lehman et al. 2015):

Die schwarze Linie zeigt gemittelt die Zahl der Rekorde, der blaue Bereich den natürlichen Schwankungsbereich. (mehr …)

Dies gehört zu meinem Bericht von der Langen Nacht der Wissenschaften am PIK Potsdam.


Durch ein Plakat wurde ich an das Thema des „Jetstreams“ erinnert. Hier wurden Bilder aus der Veröffentlichung von Michael E. Mann verwendet, die auch gerade in der „Spektrum der Wissenschaft“ erschienen ist. (Hier wird dies genauer erklärt (Engl. Youtube-Video und deutscher Text))

(mehr …)