Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Längere Texte werden also nach wie vor im Philosophenstübchen abgelegt, aber hier gibts aktuelle Infos, womit ich mich gerade beschäftige. Und es kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei 😉

Viele Grüße
von Annette


Die folgenden Texte sind eine Antwort auf den Kommentar von Simon in diesem Blog. Diese Antwort untergliedert sich in mehrere Schwerpunkte, für die ich jeweils einen Blogbeitrag einstelle. Da in einem Blog jeweils das zuletzt Eingestellte zuerst erscheint, füge ich die Beiträge hier so aneinander, dass sie von oben nach unten gelesen werden können.

Als Vorrede noch eine Bemerkung: ich nehme hier häufig gegenüber früher von mir selbst vertretenen Standpunkten die Rolle des Advocatus Diaboli ein, auch wenn die Kritiken scheinbar andere treffen. Wenn ich bestimmte Standpunkte in Frage stelle, so sind das meist Überlegungen, die mir zumindest auch schon gekommen sind, die ich aber als zu einseitig oder in der Konsequenz doch als fragwürdig empfinde.

Es gibt folgende Beiträge:

Dieser Text gehört zur „Langen Antwort an Simon“ zu seinem Kommentar hier im Blog. Insgesamt gehören mehrere Blogbeiträge zu dieser Antwort.


Ich denke, im Punkt 1 des Kommentars von Simon („Es gibt keine geschichtsphilosophische Notwendigkeit zum Kommunismus, wohl aber eine Möglichkeit“) sind wir uns tatsächlich einig. Es kann übrigens sein, dass es diese Notwendigkeit gegeben haben wird. Wenn es in Zukunft diesen Kommunismus gibt, werden die Nachkommenden in der Rückschau wahrscheinlich für unsere Zeit oder kurz danach Bedingungen rekapitulieren, aus denen sich eine Entwicklungsnotwendigkeit ergeben haben wird. Letztlich heißt Notwendigkeit, dass die Gesamtheit der Bedingungen für das Notwendige realisiert ist. Für die Zukünftigen hat es die Gesamtheit der Bedingungen dafür gegeben, dass ihre Wirklichkeit entstanden ist. Und da wir antizipierende Wesen sind, können wir uns „virtuell“ schon mal auf den Standpunkt der zukünftigen Eule der Minerva stellen (mehr dazu siehe hier).

Wo wir da stehen werden, können wir von heute aus aber nicht sicher bestimmen. Wir werden sinnvollerweise einen Standpunkt wählen, der der von uns gewünschten Zukunft entspricht (weil wir genug Gründe haben, andere abzulehnen) – dies müssen wir dann transparent machen anstatt so zu tun, als wäre von vornherein dieses „Ziel“ in unsere Geschichte eingeschrieben.

Dieser Text gehört zur „Langen Antwort an Simon“ zu seinem Kommentar hier im Blog. Insgesamt gehören mehrere Blogbeiträge zu dieser Antwort.


Simon, Du siehst in Deinem Kommentar richtig, dass wir im 2. Punkt Differenzen haben: „Der Mensch strebt aufgrund seiner menschlich-allgemeinen (abstrakten) Situation zum Kommunismus.“ Das scheinen auch viele bekannte Philosophen so zu sehen: Aristoteles: Der Mensch strebt nach dem sittlich Guten. Plotin: Das Bestreben der Menschen besteht im Aufstieg zum „Einen“ (woher sie kamen). Thomas von Aquin: ethisch gutes Verhalten zielt auf die Vervollkommnung in Richtung dessen, was das Wesen ausmacht. Fichte: Der Endzweck des Menschen besteht darin, eine völlige Übereinstimmung mit sich selbst zu erreichen. Schelling: „Gebt dem Menschen das Bewußtseyn dessen, was er ist er wird bald auch lernen, zu seyn, was er soll“ (siehe hier). Seit Augustinus wird jedoch auch die Ambivalenz betont: Der Mensch hat auch die Möglichkeit, das Gute zu verfehlen: Während Gott immer gut ist, steht der Mensch vor der Wahl: Er kann gut sein. Man kann das unterschiedlich lesen: Er kann wenigstens gut sein, es ist nicht ausgeschlossen. Oder aber: Er kann auch nicht gut sein. Dass Veränderung typisch für Menschen ist, meinen auch andere: Der Praxisphilosoph Flego: „Das Wesen des Menschen ist nicht das, was er schon ist, sondern das, was er noch werden kann“. Bloch: „der Mensch…invariant gerade als das sich … stets überschreitende Wesen“ (Mehr zum Begriff des Menschen bei Bloch). Sartre: „Der Mensch ist also durch seinen Entwurf definiert.“ Obgleich auch diese Philosophien den Entwurf und die Überschreitung als Weg zu etwas Besserem unterstellen, wird es vorsichtiger formuliert. (mehr …)

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Menschen haben Bedürfnisse, aber welche Bedürfnisse sie haben, verändert sich im Verlauf der Geschichte:

„Unsere Bedürfnisse und Genüsse entspringen aus der Gesellschaft; wir messen sie daher an der Gesellschaft; wir messen sie nicht an den Gegenständen ihrer Befriedigung. Weil sie gesellschaftlicher Natur sind, sind sie relativer Natur.“ (MEW 6: 412)

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Weltgeschichte getrieben vom Streben nach Bedürfnisbefriedigung?

Wird die Weltgeschichte überhaupt vom Streben nach Bedürfnisbefriedigung vorangetrieben? Vielleicht ist das eine Vorstellung, die aus unseren Wünschen stammt: Wir wünschen uns eine Gesellschaft, deren Entwicklung sich aus den gemeinsam verfolgten Anstrengungen zur Erfüllung unser aller Bedürfnisse ergibt. Bisher war es wohl eher so, dass andere Faktoren die Geschichte vorangetrieben haben. Natürlich waren alle Handlungen der Menschen irgendwie bedürfnisvermittelt (weil Menschen bedürftige Wesen sind, wie Du, Simon, in Deinem Kommentar zur Bestimmung des Menschen schreibst), aber bestimm(t)en sie wirklich den Gang der Menschheitsgeschichte? (mehr …)

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Verhältnis einer kategorialen Theorie des Menschlichen zur (transformierenden) Praxis

… (vorheriger Abschnitt siehe oben)… Damit sind wir innerhalb unseres Dialogs im Zusammenhang mit dem Kommentar von Simon bei der Frage des Verhältnisses von Theorie und Praxis. Dies ist derzeit im Umfeld der Keimform-Debatten wichtig. Bei der Diskussion der Vorstellung von progressiven nachkapitalistischen Verhältnissen kommt das Gespräch häufig ins Stocken, weil Gegenargumente vorgebracht werden, die in den Bedingungen der jetzigen Verhältnisse begründet sind. Deshalb schlug Stefan Mz. vor, zwei Diskurse zu unterscheiden: Der „Diskurs 1“–- der „Commonismus-Diskurs“ – bezieht sich auf die Zukunftsvorstellung und das allgemein-Menschliche, während der „Diskurs 2“ den „Transformationsdiskurs“ darstellt. Beide Diskurse haben einen theoretischen Anspruch (nicht umsonst sind sie „Diskurse“), aber der zweite verbindet sich stärker mit praktischen Handlungen. Es gibt eine Verbindung: Aus der „kategorialen Analyse“ sollen Kriterien gewonnen werden, „die für unser heutiges Handeln relevant sind, also Gegenwart mit Zukunft verbindet“. An anderer Stelle schreibt Stefan nochmal, dass wir „Kritieren der (Selbst-)Entwicklungsrichtung“ brauchen. Die kategoriale Analyse im Diskurs soll keine konkretistische „Auspinselung“ einer Wunschwelt sein, sie soll auch nicht lediglich in einer abstrakten Kritik (etwa der Aussage „Ende jeder Herrschaft“) stecken bleiben. (mehr …)

Dies ist ein Titel eines SF-Roman aus dem Jahr 1987, der die Welt nach dem ökologischen und sozialen Zusammenbruch in den späten 90er Jahren beschreibt. Ich habe ihn jetzt erst gefunden, als ich in utopischen und SF-Schriften nach dem Umgang mit Geld in Beschreibungen möglicher zukünftiger Welten fragte.

Ich finde es verblüffend, wie in diesem Roman, der vor 30 Jahren geschrieben wurde, auf heutige Fragen geantwortet wird. Was kann alles passieren, wenn ökologische und Wirtschaftskrisen so stark zuschlagen, dass das Leben, wie wir es kennen, nicht mehr möglich ist und auch wir, die wir die Flüchtlinge größtenteils lieber abwehren, zu Flüchtenden werden? (mehr …)