Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das “Tagebuch”, das zum “Virtuellen Philosophenstübchen” gehört. Längere Texte werden also nach wie vor im Philosophenstübchen abgelegt, aber hier gibts aktuelle Infos, womit ich mich gerade beschäftige. Und es kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei ;-)

Viele Grüße
von Annette



Ich habe schon erwähnt, dass die jungen Leute in den digitalen Spielen bestimmte Eindrücke und Erfahrungen sammeln, die Meinungen und Überzeugungen über die Welt außerhalb der Spiele stark prägen.

„Games show them how the world works.“ (Beck, Wade 2006: 133)

Für die soziale Welt gilt dabei z.B.: Es geht immer um Wettbewerb und im sozialen Bereich gibt es Unterordnung sowie Konkurrenz und Verbündete. Die Gamer lernen auch, mit welchen Strategien sie in einer solchen Welt ihren Heldenstatus immer weiter festigen und sich verbessern können.
Sie lernen hier, dass das Leben in einem freien Markt nicht fair ist, und dass nur das von Wert ist, wofür andere zu bezahlen bereit sind (ebd.: 150) Wenn soziale Beziehungen durchgespielt werden, so geht es jeweils um ein begrenztes, unpersönliches Ziel (ebd.: 118). Und nach Beck und Wade ist das gut so, denn: „so is business“.

„Man spiele, was die Gesellschaft sowieso von den Bürgern möchte: Aufbau, Leistung, Konkurrenz, Weiterkommen. Nur mache es in diesem Fall Spass.“ (P.M. Ong, zitiert in Quelle)

(mehr…)


Die jungen Menschen der Gamer-Generation haben viele Stunden mit den digitalen interaktiven Spielen verbracht. Und sie haben darin agiert und viel leichter gelernt als durch Bücher oder Worte. Sie haben beim Spielen gelernt, wie die Welt funktioniert und wer sie sind.

„Bathing in a powerful interactive media technology, for hundreds and even thousands of hours each, during their most formative years – how could that not have an effect?“ (Beck, Wade 2006: 15)

Was haben sie aus den Spielen über die Welt gelernt? (mehr…)


Die Autoren Beck und Wade sehen in der Generation, die in eine Welt voller digitaler Spiele über Konsole oder PC hineingewachsen ist, eine deutlich von der vorigen Generation, den Baby-Boomern, zu unterscheidende Kultur. Diese Generationen vertreten recht unterschiedliche Weltanschauungen (Beck, Wade 2006: 19), was mit den Unterschieden ihrer Leitmedien zusammen hängt. Während die Boomer geprägt sind vom Fernsehen, sind die Gamer von den digitalen Spielen geprägt, deshalb wachsen sie anders auf, spielen, lernen, fühlen und denken sie anders (ebd.: 177).

Beck und Wade werten eine Umfrage unter tausenden Gamern und Boomern unterschiedlicher Altersgruppen aus und fanden deutliche und scharfe Differenzen zwischen diesen Gruppen bezüglich Zielstrebigkeit, der Art der Erfahrung, der speziellen Fähigkeiten (ebd.: 44).
(mehr…)


Inhalte sind noch zweitranging

Für Lesefans sind Spiele meist inhaltlich zu leer und aussagelos. Gamer meinen aber, dass es auf die Inhalte gar nicht ankommt, sondern auf „die Möglichkeit, Welten auf Bildschirme zu zaubern, auf die der Spieler in irgendeiner Form einwirken kann“ (Mertens, Meißner 2002: 73).

„Romane beschreiben, wie Menschen sich fühlen, wenn sie auf ihr bisheriges Leben zurückschauen und daraus für ihr weiteres Leben Konsequenzen ziehen wollen. Computerspiele beschreiben die Möglichkeiten, die sich jeden Moment ergeben und die man genau dann nutzen muß. Man kann nicht darüber nachdenken, sondern muß handeln. So oft und so viel es geht. Alles kann Möglichkeiten bieten, alles muß erforscht werden, es muß immer weiter gehen, es gibt keine Pause.“ (Mertens, Meißner 2002: 86)

(mehr…)


Spiele vs. Bücher

Spielen liegen inzwischen häufig auch Erzählungen zugrunde. Wie auch beim Miterleben von Abenteuern in Büchern, können auch in Spielen Abenteuer, die im wirklichen Leben nicht möglich sind, erlebt werden (Mertens, Meißner 2002: 189). Bei Büchern können die Lesenden sich von der wirklichen Welt ablösen, man kann ihr den Rücken zukehren. Dafür gilt eigentlich auch, was Meißner für Spiele formuliert: „Der Kick […] besteht […] darin, daß du Realität abschalten und verlassen kannst, sobald du keinen Bock mehr auf sie hast, und dir aus einem möglichst großen Fundus von Alternativrealitäten eine aussuchen kannst, in der du jetzt lieber sein möchtest.“ (Meißner 2001: 153) (mehr…)


Ich habe sogar zu DDR-Zeiten schon mal ein Computerspiel gespielt. Wir hatten irgendwoher ein Wochenende lang ein Leihgerät aus der kleinen Auswahl von Kleinrechnern und ich wanderte in einer Burg mit Wänden aus lauter „x“-en auf schwarzem Grund umher und wich den Monstern aus und suchte Schätze. Weil mein Mann mir heimlicherweise einfach durch eine kleine Änderung im Quellcode den Zugang zum Keller versperrt hatte, kam ich trotz aufgezeichneter Raumpläne über mehrere Etagen irgendwann nicht mehr weiter. Ich habe dabei auch die Erfahrung gemacht, dass es mir gar nicht passte, wenn die Schwiegermutter zum Essen rief und mich aus dem Erlebnis rausriss…!

Die Welt der Videospiele in Kneipen und Gaststätten kannten wir nicht. Hier sollen die ersten Computerspiele für viel Furore gesorgt haben (z.B. Pong, Arcade). (mehr…)


Gamer lösen die Boomer ab

Die junge Generation kann man fast durchgängig als Gamer bezeichnen. In den USA gibt es ca. 183 Millionen aktive Gamer, die mehr als 13 Stunden pro Woche spielen, in China spielen 6 Millionen Menschen mehr als 22 Stunden pro Woche, was ja schon einer Teilzeitbeschäftigung entspricht (McGonigal 2012: 11f.). Beim Spielen von World of Warcraft haben alle Spieler zusammen genommen bereits 5,93 Millionen Jahre aufgebracht (ebd.: 73) und 30% aller Südkoreaner spielen Online-Spiele (BBC News, 10. Aug. 2005). Auch bei uns begleiteten wenigstens Gameboys die meisten jungen Leute im Alltag und Streitereien über Stubenhocker vor der Spielekonsole oder dem PC-Spiel gehören zu den alltäglichen Begleiterscheinungen in Familien mit Kids. Man kann wohl tatsächlich von einer „Sozialisation durch Computerspiele“ sprechen. Spielwelten sind heutzutage wichtige Orte, an denen Jugendliche aufwachsen (Beck, Wade 2006: 59) und sie sind für sie in keiner Weise irreal, sondern genauso real wie die Welt aus Stoffen und Energien.

PC-Spiele(Quelle)
(mehr…)

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 45 Followern an