Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Längere Texte werden also nach wie vor im Philosophenstübchen abgelegt, aber hier gibts aktuelle Infos, womit ich mich gerade beschäftige. Und es kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei😉

Viele Grüße
von Annette


Als ich die Texte über Flucht und Migration und den „Untergang der Menschheit“ geschrieben habe, habe ich der Versuchung widerstanden, die Probleme kleinzureden, weil ich selber Angst davor haben muss, obwohl ich sie im Alltagsleben eigentlich noch nicht spüre. Ich bin aber zu DDR-Zeiten noch so erzogen worden, dass mich das Leid der Fremden nicht kalt lässt und gleichzeitig neige ich dazu, gleich in größeren Zusammenhängen denken, als nur das zu sehen, was unmittelbar vor den Augen liegt.

Aber ich verstehe schon: Viele, die jetzt die Flüchtlinge abwehren, wehren vielleicht nur ihre eigene Angst ab, die sie befällt, weil sie wissen, dass die allermeisten Menschen dieser Welt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten in gefährliche Entwicklungen hineingeraten werden und die ersten, denen das passiert ist, die für uns die Boten des Unglücks sind, will man am Liebsten auch außerhalb der Sichtweite haben.

Deshalb hab ich mich durch die traurigen Nachrichten und Informationen gewühlt, habe „im Dreck gebadet“, statt ihn zu meiden. Aber es ist ja nicht nur Harald Welzer, der sein deprimierendes Buch über „Klimakriege“und deren Ausweitung in der Zukunft „in der Hoffnung, dass man Unrecht hat“, geschrieben hat.

Hoffnung
Ich habe in den letzten Tagen meine Literatur über alternative gesellschaftliche Entwicklungen durchforstet danach, ob es darin Anzeichen dafür gibt, dass auch fortschrittliche, das heißt humane und ökologieverträgliche Entwicklungstrends aus den derzeitigen Desastern heraus entwickelt werden können. Die Fallbeispiele in Elinor Ostroms berühmten Buch „Die Verfassung der Allmende“ zeigen z.B., dass es vor allem in Regionen mit knappen und gefährdeten Ressourcen vorteilhaft war und ist, sie als Allmenden, d.h. Commons zu bewirtschaften statt als Privateigentum oder staatlich-öffentliches Gut. Aber ob sich solche Strukturen ausgerechnet aus kriegerisch-aggressiven Situationen heraus überhaupt entwickeln lassen, bleibt offen. (mehr …)

Gestern hab ich mich mal wieder nicht hinter Büchern verdrückt, sondern stand mit bei einer Gegenveranstaltung zu einem Fackelzug der Leute, die meinen, der 20.4. sei ein geeignetes Datum für einen Fackelmarsch. Thügida veranstaltete diesen offen ausländerfeindliche, rassistische Zug und mehr als zehnmal mehr Teilnehmer auf den Gegenveranstaltungen zeigten, dass diese Positionen nicht unwidersprochen bleiben. Auch ich bleibe dabei: Faschismus ist keine (irgendwie zu tolerierende) Meinung, sondern ein Verbrechen.

Jena bunt

Während ich unter den tausenden Teilnehmenden der Gegenveranstaltungen war, die durch die Tumulte weder gefährdet noch betroffen waren, möchte ich hier einen genaueren Bericht dazu verlinken: Unvollständige Nachbetrachtng der JG Stadtmitte

Fotos gibts hier und hier.

Und wer immer noch einen Funken Verständnis für Hetze gegen Ausländer hat, sollte sich hier die Warnhinweise zu Gemüte führen…

Gasparazzo
Bei der Arbeit an den Texten „Kampf und Logik – Klassenkampf reloaded“ und „Klassenkampf in der kapitalistischen Entwicklungsdynamik“ hatte ich einige Zusammenfassungen zu Begriffen wie „Arbeit“, „Arbeiterklasse“ und „Klassenkampf“ geschrieben, die nicht in dieser Ausführlichkeit in den Texten verwendet wurden. Sie beziehen sich vor allem auf die Beiträge der sog. „autonomen Marxisten“ zu diesen Begriffen. Hier werden sie nachgeliefert (obwohl die Ausarbeitung noch nicht als abgeschlossen betrachtet werden kann). (Die Literatur wird in den eben genannten Texten angegeben)

ZeroWorks
Arbeit im Kapitalismus
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Stell dir vor, irgendwo gibt es einen Planeten,
auf dem intelligente Wesen leben.
Sie sehen vielleicht genauso aus wie wir.
Und auf diesem Planeten gibt es Bibliotheken,
voll mit Büchern, geschrieben von Dichtern, Philosophen und Wissenschaftlern,
und vielleicht, wenn auf der Welt der Haß und die Gier so groß werden,
dass nichts, aber auch nichts mehr sie retten kann, dann vielleicht
gibt es dort auch ein Buch, das heißt: Der Untergang der Erde.
Es wird über uns berichten, über unser Leben, über unsern Tod
und über Feuer, das so groß war, dass keine Tränen es löschen
konnten bis hin zur letzten Sekunde, als die Erde aufhörte zu existieren.
(Puhdys: Das Buch)

Lasset alle Hoffnung fahren…

„Das Buch“ ist geschrieben worden. Es wird nicht ganz so schlimm, wie von den Puhdys besungen. Nicht die ganze Erde wird aufhören zu existieren, sondern nur das menschliche Leben in der Weise, wie wir es kennen und lieben. (mehr …)

Sascha Reh hat einen Roman über ein zeitgeschichtliches Paradoxon geschrieben, das weitgehend unbekannt ist. Das Paradoxon besteht darin, dass in einer Zeit, in der nur wenige Großrechner existierten und in Chile fast gar keine, unter der Regierung Allende ernsthaft versucht wurde, die staatlichen Produktionsbetriebe zu vernetzen und durch eine Echtzeitkommunikation die Produktion flexibel zu planen.

IBM 360
IBM 360 (Quelle: Wikipedia)

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Klimafluechtlinge_klein(Bildquelle: Gerhard Mester) „Globale Probleme der Menschheit“, so wurde schon vor einem Vierteljahrhundert der Komplex von drohenden Gefahren für die gesamte Menschheit genannt. Die Kriegsgefahr, vor allem angesichts der globalen Verbreitung von Atomwaffen, war das „Globale Problem Nummer Eins“. Gleich danach kam dann die allgegenwärtige Umweltvergiftung in West wie Ost, erkennbar am Baumsterben und vergifteten Flüssen. Auch die Endlichkeit von Ressourcen ließ eine „Grenze des Wachstums“ erahnen.

Seit ungefähr dieser Zeit erreichte auch der real existierende Kapitalismus eine neue Entwicklungsstufe: Der Neoliberalismus fegte seitdem in aller Welt Sozialsysteme und nichtkapitalistische Lebensformen hinweg. Alle vorher geschützten öffentlichen Lebensbereiche wie Gesundheitswesen und Bildung werden weitgehend kommerzialisiert, aber der Profit reicht nicht aus, die Kapitalakkumulationserwartungen aus der vergangenen und gegenwärtigen Ausbeutung heraus zu erfüllen. Stattdessen werden ungedeckte Anleihen aus einer erwarteten zukünftigen Ausbeutung zur Grundlage der Wirtschaft.

Verlorene Jahrzehnte für 99 % der Menschen, denen andere Lebensgrundlagen entrissen wurden und die von nicht ausreichend vorhandener Lohnarbeit abhängen. Stagnation der Gehälter und Prekarisierung für die immer härter Arbeitenden und Verelendung für die anschwellende Arbeitsreservearmee. Dem steht ein unermeßlicher Reichtum auf der anderen Seite gegenüber, begleitet vom weiteren Aushebeln der bisherigen bürgerlich-demokratischen Ausgleichsmechanismen. Verlorene Jahrzehnte auch für die meisten „unterentwickelten“ Regionen dieser Erde beim „Nachholen“ der Entwicklung.

Hier gehts weiter (pdf-Datei).

In Zukunftswerkstätten entwickeln Menschen gemeinsame Projekte zur Gestaltung eines besseren Lebens in vielen Bereichen. Menschen, die Zukunftswerkstätten planen und moderieren, treffen sich regelmäßig zu ihrem Jahrestreffen. Das Jahrestreffen 2016 wird in der Lausitz stattfinden.
zw
An diesem Treffen sollen sich nun auch Menschen, die als Geflüchtete in die Region kamen, beteiligen können. Das erfordert einige Ressourcen, z.B. für Dolmetscher. Die Initiatorin Petra Eickhoff hat dafür ein Crowdfunding-Projekt organisiert und ich bitte um die freundliche Beachtung dieses Projekts:

„Flüchtlinge als Ideengeber in Zukunftswerkstatt beteiligen.“

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