Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Ich nutze das alte Philosophenstübchen kaum noch, sondern lege auch längere Texte hier ab (meist in verschiedene Beiträge unterteilt). Hier kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei 😉

(Weniger Freude dürfte das neue Protokoll einer Selbst-Zerstörung bringen…)

Zum schnelleren Wiederfinden dieses Blogs können Sie sich merken: https://tinyurl.com/Schlemm.

Viele Grüße
von Annette

P.S. Von aller Werbung auf meinen Seiten distanziere ich mich!
(Die wird eingeblendet, weil ich nicht bereit bin, für den Verzicht auf Werbung noch zahlen zu  müssen…)

 

Ich habe in den letzten Tagen das Buch „Die Utopie des Sozialismus…“ von Klaus Dörre gelesen. Dazu werde ich eventuell später noch einiges in eigenen Beiträgen dazu referieren. Zuerst möchte ich jedoch meine Auswertung auf das in meinem Blog zuletzt angestoßene Thema der Klassen fokussieren.

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Im Mai und Juni 2022 habe ich noch einmal mehrere Termine mit Vorträgen von mir. Ich möchte, soweit es örtlich passt, herzlich einladen zu folgenden Veranstaltungen:


18.05.2022, 20 Uhr; Jena SR 314, Carl-Zeiss-Straße 3

Public Climate School Jena

Was ist denn so dramatisch am neuen IPCC-Bericht?

Es wird langsam Ernst. Die IPCC-Berichte wurden von Mal zu Mal dringlicher und die Zeit ist reif, um nicht mehr nur zu hoffen, sondern auch Panik zu schieben, wie Greta Thunberg mal forderte. Was ist denn nun dran an diesen Warnungen? Wie könnte sich die Welt verändern in den nächsten Jahrzehnten, also innerhalb unserer Lebenszeit? Und: Worauf können wir noch hoffen? Was können wir noch oder nun erst recht tun?

Achtung: Vorher (ab 18 Uhr)  trägt Reiner im selben Raum über das Thema des Climate-Engineering vor.


20.-22.05.2022

Klimakongress Oldenburg

21.05.2022, 14:00 bis 16:00; Panel 8: utopie und dystopie:

  • Annette Schlemm: „Utopien in dystopischen Zuständen?“

Die meisten Utopien flüchten auf Inseln oder ferne Planeten, sie sind „Schönwetterutopien“. Außer ein paar Milliardären und Schauspielern sind wir jedoch auf diese ökologisch verwüsteten Erde verwiesen. Bedeutet das ein Ende utopischen Strebens? Oder welche Art Utopie muss verwirklicht werden, um die Zerstörung von Mensch und Mit-Natur zu beenden, bevor menschliches Leben endet?

  • 22.05.2022, 14:30-16:30; Abschlusspodium „konkrete utopien – widersprüche zwischen klimaschutz und systemimmanenz“ u.a. mit Annette Schlemm


10.-11.06.2022

Tagung am Forum für Marx-Forschung Oldenburg: Der Widerspruch zwischen Kapital und Natur

  • Annette Schlemm: „Die Bedeutung der Durchschnittsprofitrate für die Zerstörung der Erde.“

Wenn wir nach der Ursache der Misere der Naturzerstörung im Kapitalismus fragen und wissen, dass es die Wachstumslogik des Kapitalismus ist, dann haben wir nur die halbe Wahrheit in der Tasche. Warum muss der Kapitalismus wachsen? Würde es nicht ausreichen, dass  die  Kapitalseite  sich  mit  ihrem  abgepressten  Mehrwert  aus  der  Ausbeutung  der arbeitenden Menschen zufrieden gibt, solange die sich einigermaßen davon reproduzieren können? Oberflächlich gesehen könnten die Konkurrenz und die dadurch notwendigen Kreditnahmen mit ihren Zinsforderungen, die über die Ausbeutungsergebnisse hinausgehen, „schuld“ sein. Viel tiefer im Maschinenraum des Kapitalismus bleibt etwas Wesentliches meist in der „black box“ versteckt: die Notwendigkeit, sich an der Durchschnittsprofitrate messen zu müssen. Diesen Aspekt möchte ich in meinem Beitrag für die Tagung „Der Widerspruch zwischen dem Kapital und der Natur“ näher beleuchten.


15.06.2022,  wird verschoben auf den 21. 09.2022, 19:30, MASCH Wedel

  • Annette Schlemm: Klima-Umbruch: Das ändert alles.

Die Folgen des Klima-Umbruchs sind unübersehbar: Heiße Sommer, verheerende Waldbrände, Wetterextreme; diese Aufzählung bleibt unvollständig. Haben wir die „globalen Grenzen“ der Naturzerstörung bereits überschritten? Die Lage ist ernst. Wir sind als Menschheit gerade dabei, eine sichere Zone von Umweltbedingungen zu verlassen, die uns 11000 Jahre in unserer Entwicklung getragen und unterstützt hat.

Erdgeschichtlich wird dieses temperaturstabile Zeitalter Holozän genannt. Die internationale Wissenschaft konstatiert das Ende dieser erdgeschichtlichen Epoche, es findet der Übergang in eine Anthropozän zu nennende statt. Das Neue daran ist, dass die Wirtschaftsweise der Menschheit verantwortlich ist für Tempo und Tiefe der Veränderungen und Zerstörungen der natürlichen Lebensgrundlagen der Gattung.


Dieses Jahr nahm ich nicht nur als Vertreterin des „Klimanetzes Jena und Umgebung“ an der Veranstaltung „Dein Tag im Paradies“ teil, sondern auch das Klimanotstands-Zentum beteiligte sich. Wir kooperierten mit „Health for Future“ und informierten über den Zusammenhang von Klimaveränderungen und wachsender Hitzegefahr, und was das für die Gesundheit bedeutet und wie man sich schützen kann.

Klimanotstands-Zentrum und Health for Future
beim „Tag im Paradies“ in Jena

Dieser Beitrag gehört zum Text über „Klassenanalyse bei Werner Seppmann“


Am Ende dieses langen Textes frage ich mich wieder einmal: Und nun? Was bringts? Werner Seppmanns Buch und seine Analysen verfestigen das Wissen um die Bedeutung des Klassenverhältnisses, aber können nicht wirklich Hoffnung aufkommen lassen.

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Dieser Beitrag gehört zum Text über „Klassenanalyse bei Werner Seppmann“


Der Weg von der Klassenstruktur über das Klassenbewusstsein hin zu Klassenpolitik ist weit und vermittelt. „Aus der ökonomischen Strukturierung und den daraus resultierenden objektiven Widerspruchstendenzen lässt sich kein automatisches Klassenhandeln ableiten.“ (Seppmann 2017: 13) Marx erklärt, dass die Bezeichnung „Klasse“ letztlich aber an das klassengemäße Handeln gebunden ist: „Die einzelnen Individuen bilden nur insofern eine Klasse, als sie einen gemeinsamen Kampf gegen eine andere Klasse zu führen haben…“ (MEW 3: 54). Für die Kapital-Klasse ist das klassengemäße Handeln unübersehbar: „Es herrscht Klassenkampf, und meine Klassen gewinnt“ (Warren Buffet). Aber auch die Kämpfe der Lohnabhängigen kann nur übersehen, wer bewusst wegschaut. Beverly Silver untersuchte die im globalen Maßstab sichtbaren Zyklen von Arbeitskämpfen (zwischen 1870 und 1996) ausführlich (Silver 2005[1]). Die von ihr untersuchten „Arbeiterunruhen“ beziehen sich eher nicht auf Lohnkämpfe, es geht um „Handlungen von Menschen, die dagegen Widerstand leisten oder darauf reagieren, dass sie als Ware behandelt werden“ (Silver 2005: 226, fett von A.S.).

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Dieser Beitrag gehört zum Text über „Klassenanalyse bei Werner Seppmann“


Insofern eine Klasse von ihrer Lage her eine „Klasse gegenüber dem Kapital“ (MEW 4: 181) ist, sich also durch den Nichtbesitz an Produktionsmitteln kennzeichnen lässt, kann sie als „Klasse an sich“ (Burzan 2004: 17) bezeichnet werden. Sie kann dann zu einer „Klasse für sich selbst“ (ebd.) werden, wenn sie ein Klassenbewusstsein und entsprechende Handlungsweisen ausbildet.

Damit endete das vorige Kapitel. Wichtig ist hier die Verwendung des Modalverbs „kann“. Wenn, wie sich im vorigen Jahrhundert gezeigt hat, die Arbeiterklasse nicht die von vielen erwartete Handlungsweise zur Erfüllung ihrer „historischen Mission“ (revolutionäre Abschaffung des Kapitalismus) erfüllt hat, kann das daran liegen, dass diese Zielerwartung falsch war, dass es gar keine Arbeiterklasse (mehr) gibt oder dass sie eben diese mit dem „kann“ ausgesprochene Möglichkeit nicht ergriffen hat. Im letzten Fall stellt sich die Frage: Warum? Dies macht Werner Seppmann. Weiter fragt er nach den Bedingungen dafür, dass sich das ändern kann.

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Dieser Beitrag gehört zum Text über „Klassenanalyse bei Werner Seppmann“


Milieu, Lebensstil, Habitus

Es wurden in den letzten Jahren vielfältige weitere Vermittlungsbegriffe entwickelt. Werner Seppmann schreibt: „Während die ››objektivierbaren‹‹ Parameter (etwa Bildungstitel und Leistungsprofile) an Bedeutung verlieren, werden ››weiche‹‹ Faktoren wie die Distinktionstechniken fördernde Herkunft, Selbstdarstellungsfähigkeiten und Durchsetzungsvermögen wichtiger im sozialen Positionskampf“ (Seppmann 2017: 96). Unter „Klassenmilieu“ sind z.B. komplexe, empirisch konkrete Konfigurationen spezifischer Klassenlagen, Handlungs- und Denkmustern […] zu verstehen“ (Ritsert 1998: 155). Bourdieu lehnt es ab, „von säuberlich geschiedenen, neben- oder übereinander stehenden gesellschaftlichen Gruppen“ zu sprechen, erfasst aber die bisher mit dem Klassenbegriff gemeinten sozialen Strukturen mit dem Begriff des „sozialen Raumes“ mit einer „gesellschaftlichen Topologie“ (Bourdieu 1992: 35).

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Dieser Beitrag gehört zum Text über „Klassenanalyse bei Werner Seppmann“


Klasseninteressen

Der Begriff der Interessen ist ein Vermittlungsbegriff, der die Brücke vom Objektiven ins Subjektive schlägt. Jürgen Ritsert fasst den „Zusammenhang zwischen den allgemeinen gesellschaftlichen Strukturen und Tendenzen, besonderen Institutionen (institutionellen Mechanismen) bis hin zu einzelnen Lebensäußerungen der Individuen“ mit dem Vermittlungsbegriff „Interesse“ (Ritsert 1998: 77).Ich verwende auch in meinem Text über diesen Begriff (Schlemm 2021) die Bestimmung des Interesses als „als Konkretisierung der Bedürfnisse im Kontext des komplexen gesellschaftlichen Hintergrunds“ (Auer 2010: 16, kursiv AS). Es geht darum, wie je individuelle Bedürfnisse sich in gemeinsamem Handeln zusammenfügen, in welcher gemeinsamen Form als bloß der Summe der Bedürfnisse sie den Menschen auch bewusst werden können. Ich habe ein Bedürfnis, gut zu wohnen – und deshalb ein Interesse an Wohnungsbau in der Gesellschaft. Ich habe ganz persönlich das Bedürfnis, mich viel in der Natur zu bewegen – deshalb habe ich ein Interesse, dass die wirtschaftlichen Tätigkeiten die Natur nicht zerstören. Da besteht immer ein Unterschied zwischen Bedürfnis und Interesse. Politisch wird nicht bloß für eine Summe der Bedürfnisse gekämpft, sondern für gemeinsame Interessen.

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Dieser Beitrag gehört zum Text über „Klassenanalyse bei Werner Seppmann“


Klassenlage

Aus der Struktur der gesellschaftlichen Verhältnisse ergibt sich für Individuen ihre Klassenlage. Diese ist objektiv als ihre Stellung zu den Produktionsmitteln bestimmt (Seppmann 2017: 45)[1] und zeigt sich auch sich auch in den) Lebensverhältnissen, die noch mehr umfassen (ebd.: 147). Die Klassenlage der Lohnabhängigen ist davon bestimmt, nicht im ausreichenden Maß eigene Subsistenz- und Produktionsmittel zu besitzen, um ihr Leben daraus zu bestreiten. Sie müssen deshalb ihre Arbeitskraft an Akteure jener Klasse, die diese Produktionsmittel ,besitzt verkaufen. Sie werden dabei 1. ausgebeutet und 2. bestimmen die Produktionsmittelbesitzenden letztlich über den Zweck der Produktion. Letztere tun dies nicht frei entsprechend ihrer Willkür, sondern sind daran gebunden, die Durchschnittsprofitrate ihrer Branche zu erreichen und zu übertreffen, so dass die Profitmacherei systemisch erzwungen ist. Interessengegensätze ergeben sich schon aus dem Kampf um den Anteil am erzeugten Mehrwert, aber auch mehr und mehr an der im Kapitalismus erzwungenen Orientierung an Wachstum von Profit, Produktion und Naturzerstörung, die gegen die Interessen letztlich aller Menschen ist.

Daraus ergibt sich, was Marx schon feststellte: „Die ökonomischen Verhältnisse haben zuerst die Masse der Bevölkerung in Arbeiter verwandelt. Die Herrschaft des Kapitals hat für diese Masse eine gemeinsame Situation, gemeinsame Interessen geschafften. So ist diese Masse bereits eine Klasse gegenüber dem Kapital, aber noch nicht für sich selbst.“ (MEW 4: 181). Marx führt den später oft verwendeten Unterschied von „Klasse an sich“ (nur der objektiven Lage nach) und „Klasse für sich“ (mit Selbstbewusstsein) nicht explizit ein; Jürgen Ritsert sieht die Schwelle des Übergang zur Klasse für sich, wenn „irgendein Gespür für soziale Ungerechtigkeit“ sich abzeichnet (Ritsert 1998: 69) (siehe hier weiter im Abschnitt zu Klassen-Bewusstsein).

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Dieser Beitrag gehört zum Text über „Klassenanalyse bei Werner Seppmann“


Kapitalismus kann vielfältige Formen annehmen. Seit der Krise Mitte der 70er Jahre des 20.Jhd. begann die Phase des sog. „Neoliberalismus“. In ihm fand eine tiefgreifende „Neustrukturierung der Klassengesellschaft“ (Seppmann 2017: 28) statt.

„Traditionelle Gliederungsraster haben sich verändert, ohne dass die großen Konfrontationslinien verschwunden wären. Sie haben sogar an Profil gewonnen – aber vor dem Hintergrund einer stärkeren Differenzierung  innerhalb der Hauptblöcke.“ (ebd.: 69)

Dementsprechend sind die „Prekarisierungs- und Verarmungsprozesse […] Ausdruck einer grundlegenden Veränderung der klassengesellschaftlichen Regulationsformen“ (ebd.: 150). Uwe Hück, ein Porsche- Gesamtbetriebsrat, meinte dazu, dass und die Globalisierung nur eins gebracht habe, nämlich „dass die Arbeitgeber sich nach den Gehältern der Amerikaner richten und die Arbeitnehmer sich nach denen der Chinesen. (nach isw-wirtschaftsinfo 37 (2005): 27) Bei der Privatisierung des Nahverkehrs in Münster sollten die Arbeitenden Lohneinbußen von ca. 35% hinnehmen. (Meyer 2004: 104) Im Gesundheitswesen entstand endgültig eine Zweiklassenmedizin: „Schwarzwaldklinik für die Reichen, Grundversorgung für die Armen. Die Utopie einer klassenlosen Gesellschaft, wie es sie in Westdeutschland nur im Gesundheitswesen gab, wird als vermeintlicher Sozialballast entsorgt.“ (Gillen 2004a: 222)

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