Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das „Tagebuch“, das zum „Virtuellen Philosophenstübchen“ gehört. Ich nutze das alte Philosophenstübchen kaum noch, sondern lege auch längere Texte hier ab (meist in verschiedene Beiträge unterteilt). Hier kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei 😉

(Weniger Freude dürfte das neue Protokoll einer Selbst-Zerstörung bringen…)

Viele Grüße
von Annette

P.S. Von aller Werbung auf meinen Seiten distanziere ich mich!

 

Advertisements

War da nicht heute was? Auch ja: Der Klimagipfel in Kattowice. Kümmert das irgendwen? Außer ein paar Journalisten, die nun mal wieder kurz die Titelseiten bekommen?

Wann war es jemals so deutlich geschrieben worden:

„Revolution oder Klimakatastrophe“ (ND, 1./2. Dezember 2018)

 

Einer der neuen Direktoren des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Johan Rockström (wahrscheinlich nur Insidern bekannt als Mitautor der Studien zu den „Planetaren Grenzen„) schreibt dazu:

„Wenn die Regierungen heute ihre Versprechen zur
Stabilisierung unseres Klimas nicht einhalten, so wird man sich über
Generationen hinweg an ihr Versagen erinnern.“

Aber man wird sich nicht nur an das Versagen der Regierungen erinnern. Wer folgt denn derzeit dem allgemeinen Run der Lemminge auf die Weihnachtsgeschenke, wo es nur noch darum geht, ob man das online macht oder wenigstens im Einzelhandel? Grad die Weihnachtszeit wäre eine mögliche Zeit der Besinnung darauf, was uns wirklich wichtig ist. Sind es Berge von umweltverbrauchenden und -vermüllenden Dingen oder eben mehr Zeit für Muße und füreinander?


Hier dazu entsprechende Illustrationen…

Dieser Beitrag gehört zum Text „Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“


Benjamin, Walter. 1942. Geschichtsphilosophische Thesen und Briefe. Liechtenstein: edition archiv in memoriam 1995. (mehr …)

Dieser Beitrag gehört zum Text „Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“


Natürlich ist es sinnvoll, den Weg der Entfaltung von Freiheit und Vernunft weiter zu beschreiten. Aber nichts verbürgt das, außer einer dementsprechenden Praxis der Menschen, für die sie sich bewusst entscheiden müssen und können. Vielleicht ist es angesichts der angestoßenen massiven Veränderungen der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen sogar not-wendig, diesen Weg zu beschreiten und alle anderen Wege sind, zumindest langfristig, abgeschnitten. Not-Wendig ist dann aber auch nur, dass sich massive Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse vollziehen. Wie sie erfolgen, ist noch nicht absehbar. Aus den vorliegenden Bedingungen werden Voraussetzungen für das Folgende. Dazu gehören die noch nicht getroffenen Entscheidungen der Menschen und die Ergebnisse von Kämpfen um die Gestaltung der Zukunft. (mehr …)

Dieser Beitrag gehört zum Text „Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“


Ein Universalschlüssel, der etwa aus den früher gelehrten „dialektischen Grundgesetzen“ konstruiert wurde, erschließt uns weder die Geschichte noch sinnvolle Antizipationen der Zukunft. Natürlich gibt es Widersprüche, bei denen gegensätzliche Momente einer Einheit einander konstituieren. Natürlich können aus quantitativen Veränderungen nach Überschreiten eines Maßes qualitative Zustandsänderungen folgen. Natürlich wird das entstehende Neue das Alte im Prinzip doppelt negieren, weil es gegensätzliche Momente hat, aber das Sich-Verändernde (als „Menschheit“) doch mit sich gleich geblieben ist. In Hegels „Logik“ treibt der Widerspruch zwischen der zuerst erkannten Begriffsbedeutung mit der in ihm implizit enthaltenden weitergehenden, der ersten widersprechenden, Bedeutung zur Weiterentwicklung des Begriffs. In der „Weltgeschichte“ von Hegel werden die geschichtlichen Übergänge konkret untersucht. Beim Übergang zur griechischen Antike betont Hegel die „Berührung der persischen und griechischen Welt“ (HW 12: 273, vgl. 313ff.). (mehr …)

Dieser Beitrag gehört zum Text „Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“


Dass die Fesseln der gesellschaftlichen Verhältnisse immer wieder gesprengt wurden, sieht man aus einer Perspektive des erreichten Entwicklungsstandes, quasi der „Eule der Minerva“, die „erst mit der einbrechenden Dämmerung ihren Flug“ beginnt. (HW 7: 28) Bis zur Gegenwart hat es immer weitere Stufen der Höherentwicklung gegeben. Wenn wir nur diese Stufen betrachten und dieses Strukturmuster des stufenweisen Voranschreitens weiter in die Zukunft antizipieren, entsteht ein recht deterministisches Geschichtsbild. Die Stufen werden abgeleitet aus den „Gesetzmäßigkeiten“ der Geschichte. In dem schon genannten Lehrbuch wird die Argumentationsweise, die dazu führt, offenbart: Die Bestimmung der „Gesetzmäßigkeit der gesellschaftlichen Entwicklung“ werden unmittelbar aus dem „Kapitel über die materialistische Dialektik“ über die Bestimmung der dort verhandelten Gesetzmäßigkeiten abgeleitet (Hahn, Kosing, Rupprecht 1983: 411). Das ist ein methodologischer Kurzschluss (Erpenbeck, Hörz 1977: 50) zwischen unterschiedlichen Ebenen des Erkenntnisprozesses (zwischen der allgemein-philosophischen Ebene der Philosophie und der Verallgemeinerung geschichtlicher Erkenntnisse) und überspringt die notwendigen Studien der „wirklichen Bewegung“ in der Geschichte, d. h. das Studium geschichtlicher Entwicklungen „jede […] für sich“ und ihre Vergleichung. (mehr …)

Dieser Beitrag gehört zum Text „Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“


An diesem Zitat müssen wir natürlich heute zweifeln. Eine „Notwendigkeit des geschichtlichen Fortschritts“ gibt es nicht. Oder doch?
Ellen Meiksin Wood (Wood 2015) kritisiert in ihrem Buch „Der Ursprung des Kapitalismus. Eine Spurensuche“ (2015) jene Sichtweise, bei der die Entstehung des Kapitalismus als quasi notwendige Folge der vorherigen Geschichte angenommen wird. Das bedeutet dann, dass die Entstehung des Kapitalismus eine „Möglichkeit“ sei, „die ergriffen werden muss, wo immer und wann immer es möglich ist“ (ebd.: 14). Das Fehlen des Kapitalismus stellt dann immer „irgendwie ein historisches Scheitern dar […]“ (ebd.: 39) und bei der geschichtlichen Suche nach den Anfängen des Kapitalismus sucht man auf jenen Ansatz, „der immer nur darauf wartete, von äußeren Hindernissen befreit zu werden“ (ebd.: 25). Demgegenüber vertritt Wood die Ansicht, dass es nur in England eigentümliche Bedingungen gab, die zur Ausbildung des Kapitalismus führten. Ganz besondere rechtliche Eigentumsformen unter ganz speziellen Bedingungen führten erst dazu, dass Marktimperative entstanden, die dann auch die Entwicklung der Produktivkräfte beförderten. (mehr …)

Dieser Beitrag gehört zum Text „Trägt oder trügt die Hoffnung aus einer dialektischen Geschichtsphilosophie?“


Die dialektische Entwicklung in der Geschichte verbürgte für viele MarxistInnen ihren Fortschrittsoptimismus. Kuczynski schrieb nach der „Wende“: „Der einzige Trost in der gegenwärtigen Situation ist, daß man weiß, wie auch Engels sagt, daß die Geschichte im Zickzack verläuft, und daß sich letztlich stets die fortschrittliche Zickperiode durchsetzt.“ (Kuczynski 1994: 92) Ist er damit ein „hoffnungsloser Fall von Optimismus“, wie das Buch heißt, aus dem dieses Zitat entnommen ist? Ernst Bloch jedenfalls wusste um die Möglichkeit des Scheiterns (EP: 70), der Vereitelung der Utopie (PH 364): „Also, Hoffnung muß enttäuscht werden können, sonst kann sie keine Hoffnung sein.“ (Bloch 1975: 233) (mehr …)