Herzlich Willkommen,

in meinem Blog. Dies ist das “Tagebuch”, das zum “Virtuellen Philosophenstübchen” gehört. Längere Texte werden also nach wie vor im Philosophenstübchen abgelegt, aber hier gibts aktuelle Infos, womit ich mich gerade beschäftige. Und es kann natürlich über die Kommentare diskutiert werden. Viel Spaß dabei ;-)

Viele Grüße
von Annette



verloren
Ich habe die kommunikativen Möglichkeiten des Internets als eine der Ersten, bereits 1995 mit eigener Homepage, sehr schätzen gelernt. Damals waren wir, die sich da tummelten, noch irgendwie Pioniere, die sich gegenseitig allein deswegen schätzten, weil wir uns da aufhielten und trafen. Oft begrüßten wir BetreiberInnen inhaltsähnlicher Webseiten uns einfach mal mit einem freundlichen Hallo und auch die ersten Gästebücher atmeten diesen freundlich-kooperativen Geist. Dann mussten wir alle nach und nach die Gästebücher abschalten, weil Gemeinheiten und Ablästereien zu dominieren begannen. (mehr…)


Es ist nicht einfach abzuschätzen, wie viele Schriftrollen es in der Antike gab. Aber die Produktion dieser Schriften und ihre Aufbewahrung hatte keinen kontinuierlichen Verlauf. Es wird angenommen, dass im 4. und 5. Jahrhundert viel weniger Bücher produziert wurden als davor bzw. danach (Wikipedia). Auch vorher vorhandene Bibliotheken verschwanden, wobei die Ursache oft nicht klar ist. Die folgende Abbildung zeigt den Einbruch der vorhandenen Literatur in der Spätzeit der klassischen Antike.

Bibliotheksbestände
(Quelle)

Es wird z.B. ein Zusammenhang mit dem Untergang der „gebildeten, wohlhabenden weströmischen Elite“ während des Gotenkrieges vermutet (Wikipedia).

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Morris Berman sieht die eben vorgestellten 4 Faktoren (nach Tainter) einer untergehenden Zivilisation auch beim Untergang des römischen Reiches. Ich ergänze seine Ausführungen dazu mit ein wenig zusätzlichem Halbwissen aus meiner Bibliothek. Die geschichtliche Forschung ist sich selbst nicht ganz im Klaren, welche Faktoren zum Untergang dieses vorher recht stabilen Weltreichs geführt haben; über 200 Faktoren werden genannt. Einig sind sich die meisten darin, dass zwar die Einfälle der „Barbaren“ von außen letztlich den Ausschlag am Ende dieser Zivilisation gaben, dass aber „die Barbarei längst von innen heraus gesiegt hatte“ (Weber 1896). (mehr…)


Morris Berman geht nun davon aus, dass die derzeit auf der Erde vorherrschende Kultur „seine Grundlagen verloren hat und – ähnlich wie das antike Rom – immer stärker ins Dysfunktionale driftet.“ Zu dem Vergleich mit dem alten Rom kommen wir später noch zurück. Bermann nimmt sich alle 4 Kollapsfaktoren nach Tainter vor und findet sie auch für die Gegenwart, speziell in US-Amerika, vor:

1. Eine sich beschleunigende gesellschaftliche und wirtschaftliche Ungleichheit

Zu diesem Thema machte gerade das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ von Thomas Piketty Furore. In ihm wird die Schere zwischen den steigenden Einkommen der wenigen Superreichen und des sinkenden Einkommens der großen Mehrheit diskutiert.

Die folgende Abbildung zeigt diese Schere:

share of capital
(Quelle)

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„Durchwursteln ist das, was wir im Augenblick in Wahrheit tun, aber wir können nicht davon ausgehen, daß wir dies auf unbestimmte Zeit tun.“ (Berman)

Wir leben in einer innovationsträchtigen Zeit. Nie hat sich das Alltagsleben so rasant verändert, wie heutzutage. Wir halten uns immer öfter in digitalen Umwelten auf, das Arbeitsleben und insgesamt die Lebensplanung verlangen eine für frühere Generationen unglaubliche Flexibilität. Wir haben unerhörte Möglichkeiten des weltweiten Reisens und der Informationsbeschaffung und gleichzeitig werden früher selbstverständliche kulturelle Maßstäbe der Gesellschaft durch ökonomische „Sachzwänge“ und technische Regulierungen außer Kraft gesetzt. Wir sind ganzaußer Atem und kommen in dem ganzen Prozess des „Schneller – Höher – Weiter“ gar nicht mehr dazu zu fragen, WOHIN wir rasen… (mehr…)


Sven Birkerts Buch „Die Gutenberg Elegie“ über das „Lesen im digitalen Zeitalter“ beschreibt vor allem, was verloren geht, wenn wir kaum noch Bücher lesen, sondern uns an die digitalen Medien gewöhnen. Wir sind jetzt, über 20 Jahre nach dem Schreiben dieses Buches noch viel weiter drin in dieser Situation . Junge Leute kennen die „Nur-Lese-Zeit“ gar nicht mehr und auch unsereins sitzt auch in der Freizeit mehr am Computer als über Büchern. (mehr…)


Sven Birkerts, über dessen „Gutenberg Elegien“ ich seit einigen Tagen schreibe, bemerkte die Veränderungen zuerst als Literaturdozent mit seinen Studenten. Diese hatten schon in den frühen 90ern immer mehr Probleme, romanhafte Literatur in dem Maße zu verstehen, wie er es von früheren Studierendengenerationen kannte. Der Kulturkritiker Morris Berman beschreibt ähnliche Erfahrungen und fasst zusammen, dass auch höhere Ausbildungsgrade inzwischen zur bloßen Unterhaltung degradiert und Collegedozenten nach dem Maß ihrer Unterhaltsamkeit geschätzt werden und auch von Kollegen und Vorgesetzen ein zu hoher Anspruch an die Lernenden abgelehnt wird.

„“Denken“ bedeutet jetzt nichts anderes als den letzten mentalen Vergnügungspark zu durchstreifen.“ (Berman 2003)

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