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In der Wissenschaftszeitschrift „Spektrum“ gibt es einen schönen Essay zum Thema „Virtuelle Gartenzwerge im Web 7.0“ von Gunter Dueck.


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In diesem Essay wird das frühe Web 1.0 verblichen mit „Versuchen, in einem neu entdeckten Urwald Laubhütten und Lehmhäuser zu bauen. Überall Dilletanten, Proben, ungepflegte Sites, inzwischen vergessen wir Gräber oder desolate Gärten, die digital verschimmeln“. Dazu zählt dann wohl auch mein „Virtuelles Philosophenstübchen“ auf HTM-Basis. Dueck bezeichnet die AutorInnen dieser Sites als „introvertiert“, weil sie „vor sich hin werkelten“. Ich denke, diese Kennzeichnung stimmt nicht, aber er hat schon Recht, dass das Web 2.0 eine neue Art von Extovertiertheit mit sich brachte (deshalb werde ich wohl auch nicht warm damit).

„Der Web-2.0 Schrebergarten wirkt so, wie wenn jeder Mensch in der Tageszeitung oder in der Promigazette „Gala“ kostenlos alles über sich selbst publizieren könnte.“

Im Web 2.0 sind „extrovertierte Menschen im Netz permanent auf Schnäppchenjagd. Sie wollen etwas billig oder völlig kostenlos erbeuten, was es ansonsten im Laden nicht so billig gibt. Nach Herzenslust klauen sie und schauen, studieren und kopieren, lauschen und Tauschen.“

Wie geht das nun weiter? Mit dem Web 3.0 soll ein „semantisches Netz“ entstehen, in dem die „verfallenen Laubhütten des Web 1.0 kartographiert“ werden und deren „nützliches Restwissen extrahiert und aufbereitet“ wird. „Web 1.0 war schön wie einst der Rucksacktourismus. Aber die Web 3.0-Gurus wollen diese bunte Dschungelwelt begradigt wissen wie Hotelsilhouetten auf Mallorca“. Will ich das?

G. Dueck jedenfalls denkt schon weiter. Er kennt die Web 7.0-Bewohner noch nicht, die er „webvertiert“ nennt, aber eins weiß er:

„Früher war unsere Welt traditionell orientiert und hatte die Kraft, etwas Vernünftiges hervorzubringen. Heute ist sie finanziell ausgerichtet. Deshalb wird das Vernünftige nur dann erlaubt, wenn dafür eine profitable Geschäftsidee gerechnet werden kann.“

cc

Ich denke, mit der Freien Software– und Freie-Kultur-Bewegung unter dem Zeichen von Creative Commons
sind wir gerade auf dem Weg in eine andere Zukunft – hin zum Web_für_alle und darüber hinaus auch zur Welt_für_alle!

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