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J.H. Fowler

Diese Verkettung ist kein Designer-Halsschmuck, sondern stellt die netzwerkartige Verkettung von Glück und Traurigkeit in sozialen Netzwerken dar. Wie James H. Fowler und N.A. Christakis vom Departement of Political Science der University of California in 20 Jahren herausbekamen, ist die beste Strategie, glücklich zu werden – sich mit glücklichen Menschen zu umgeben.


BMJ 2008

BMJ 2008

Es mag ja einigermaßen fragwürdig sein, menschliche Gefühle mathematisch genau auf einer Skala festlegen zu wollen (hier wurde die Skala zur Messung von depressiven Verstimmungen des Center for Epicemiological Studies: CES-D) verwendet). Aber manche Ergebnisse dieser Bemühungen stimmen sogar einigermaßen mit unserer Intuition überein. Noch interessanter wirds, wenn angesichts der übermäßigen Bedeutung von Geld in unsrer heutigen Welt eine mehr oder weniger verdrängte Tatsache ans Licht kommt: Eine Umgebung glücklicher Menschen macht glücklicher als Geld!

So steigert ein Geschenk von 5000 Dollar das Glück* nur um 2 Prozent. Sind wir dagegen mit einem glücklichen Menschen direkt bekannt, so steigert das das eigene Glück um 15 Prozent. Sogar eine Bekanntschaft „um zwei Ecken“ erhöht das Glück noch um 6 Prozent.

Solche Zusammenhänge werden visualisiert in dem angegebenen Bild. In ihm werden mit blau traurige Stimmungen und mit gelb glückliche Stimmungen dargestellt, und wie sie sich gegenseitig beeinflussen.

Hoffnungsvoll stimmt, dass sich gute Stimmungen besser fortpflanzen als die negativen. Als Fortpflanzungsmechanismen gelten Mimikry und „emotionale Ansteckung“.

Wichtig ist auch die Entfernung: Freunde, die weniger als 0,8 km entfernt leben, haben einen stärkeren Effekt als weiter entfernte, denn die Ausbreitung des Glücks hängt mehr von der Häufigkeit der sozialen Kontakte ab, als von der „Tiefe“ der sozialen Beziehung.

Als Ergebnis wird festgestellt, dass Glück keine individuelle Eigenschaft ist, sondern eher sozialen Gruppen zugerechnet werden kann. „Cluster of happy people“ – wahrscheinlich die beste Psychotherapie, die es gibt!

Für mich persönlich bestätigt das meine sozialen Erfahrungen. Die meisten traurigen Menschen sind isoliert oder von ebenfalls traurigen Menschen umgeben. Glück dagegen entsteht eigentlich nie in der Isolation und natürlich auch so gut wie nie zwischen unglücklichen Menschen. Glück wie Unglück ist ansteckend. Sich „runterziehen“ oder eine gemeinsame erhebende Atmosphäre genießen – wir alle kennen das.

Ist das trivial? Wenn es das wäre, würden wir viel sorgsamer mit der Auswahl und Gestaltung unserer sozialen Beziehungen umgehen. Also: Umgeben wir uns mit glücklichen Menschen und geben unser Glück weiter…

glueck31

* Genau genommen erhöht sich nicht das Glück selbst, sondern die Wahrscheinlichkeit, selbst glücklich zu sein

P.S.:

Todte Gruppen sind wir, wenn wir hassen / Götter, wenn wir liebend uns umfassen (Friedrich Schiller, Philosophische Briefe)

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