Ich arbeite gerade an der Vorbereitung eines Vortrags, den ich nächste Woche in Berlin halten will. Unerwarteterweise rutschte er in der Planung auf einen prominenten Platz; er leitet zwei Tage ein, in denen es um das „Jenseits des Kapitalismus“ geht. Fast könnte man sich wundern, wie genau wir das Ende der kapitalistischen Normalität, wie wir sie kannten, voraus sahen.

„Aufstehen! Der Kapitalismus ist tot!!“ „Scheiße!! Hab total verpennt !!“ (Quelle: Eulenspiegel 2/09)

„Aufstehen! Der Kapitalismus ist tot!!“ „Scheiße!! Hab total verpennt !!“ (Quelle: Eulenspiegel 2/09)

Aber leider ist der gezeigte Witz kein Witz, sondern harte Realität. Wir bangen doch genau so wie die Kapitalisten, dass es nicht ganz zu Ende geht. Auch wenns uns nicht ums große Geldverdienen geht, wollen die meisten von uns doch weiter unsre Brötchen im Supermarkt holen können und weder in einer ungeordneten Barbarei noch in einer DDR-ähnlichen Mangelwirtschaft enden, sobald das letzte Stündchen des Kapitalismus geschlagen hat.

Wenn wir jetzt schon nicht bereit sind, alternative Lebens- und Wirtschaftskonzepte zu verwirklichen oder wenigstens in die breite Debatte zu bringen, wann dann? Was brauchen wir denn noch?
Ich selbst fühle, dass zwei Entwicklungen, die ich verfolge, leider noch viel zu weit auseinander liegen. Das ist einerseits die theoretische Debatte, wie in keimform.de und andererseits soziale und politische Bewegungen.

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Bei allem Pessimismus – im Vergleich zu den 90er Jahren erleben wir derzeit erstaunlich viel Hoffnungsvolles. Man mag meckern und kritteln an allem, was konkret geschieht, aber dass es geschieht, öffnet neue Räume von Möglichkeiten.

Ein wichtiger solcher Raum war das Weltsozialforum 2009, von dem Silke Helfrich heute in Jena berichtete. Die Forderungen nach einem von den Menschen selbst bestimmten „Guten Leben“ und nach der Wiedergewinnung der Gemeingüter konkretisieren das Motto der Sozialforen „Eine andere Welt ist möglich“. Die Bewegungen ringen um eine Konvergenz, die ihre Diversität nicht beschädigt. Sie sind auf dem Weg, so oder so. Wir können abseits bangen, oder mit ihnen und in ihnen hoffen.

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