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Diese nette Losung gibt es seit einiger Zeit und bezeichnete auch den diesjährigen Kongress des neuen linken Studierendenverbandes „Die Linke. SDS“. Den jungen Wilden dieser ansonsten doch meist nicht besonderes radikal agierenden Wahlpartei gesteht man das zu. Nach einigen Stunden bei diesem Kongress mit 1136 angemeldeten Besuchern hatte ich aber den Eindruck: Die meisten Anwesenden meinen das ernst. Eine neue Generation Studierender engagiert sich nicht nur für sich und ihre Studienbedingungen, sondern hinterfragt die gesellschaftlichen Verhältnisse. Eine neue Organisation versucht den Aufschwung durch die Bildungsstreiks zu nutzen, und den dadurch ausgelösten Höhenflug zu verstetigen. Dazu fanden bei diesem Kongress viele Veranstaltungen zur Thematik ANALYSE, der KRITIK und der AKTIONen statt. Ich selbst war natürlich nicht überall dabei und es gab viel Spannendes.

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Über zwei Veranstaltungen mit Wolfgang Fritz Haug zu Kapitalismus, Kultur und Warenästhetik werde ich in Kürze mehr berichten. W.F. Haug versuchte, gegen die Phrase des „Konsumterrors“ anzureden, aber in der Diskussion tauchte dieses Wort immer wieder auf. Dies zeigt, wie lang der Weg noch ist von kritischer Aufgeregtheit zu begrifflicher Klarheit.

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Wichtige Anfangsgrundlagen wurden aber gelegt, auch in der Veranstaltung mit dem fragenden Titel: „Ist der Mensch zu schlecht für die solidarische Gesellschaft?“ mit Frieder Otto Wolf. Üblicherweise sei dieses Thema ein „philosophisches Restthema“, so der Referent – hier jedoch schob sich die Frage nach dem Mensch-in-Gesellschaft-Sein ins Zentrum. Nachdem wir zuerst aus einem kleinen Seminarraum in einen größeren gewechselt waren, reichte nicht einmal ein ganz großer Hörsaal für alle Interessenten an diesem Thema. Das Konzept der Veranstaltung bot viele Möglichkeiten für die Anwesenden, mitzureden – aus meiner Sicht blieb zu wenig Zeit für den Referenten, das Wichtige dazu zu sagen. Bedeutsam erscheint mir besonders der methodische Zugang zu dieser Frage: Es könne nicht darum gehen, entweder zu sagen der Mensch sei gut oder schlecht für irgend eine Gesellschaft, sondern darum zu begründen, warum es keinen Grund gibt, daran zu zweifeln, dass die Menschen in einer solidarischen Gesellschaft leben können. Aus historischer Sicht legitimierte die These „Der Mensch ist schlecht“ allemal die jeweilige Herrschaftsform.

In einer Veranstaltung über Kritische Psychologie vermisste ich dann die Darstellung der Inhalte dieser marxistischen Subjektwissenschaft. Die dargestellte Kritik an der sog. „bürgerlichen Psychologie“ bliebt deshalb behauptend und konnte inhaltlich nicht ausreichend begründet werden. Der Vortrag war zwar engagiert, aber inhaltlich dünn. Um die Inhalte dieser wichtigen Lehre in die politische Arbeit zu bringen, ist also noch viel Arbeit nötig.

Ich will es dabei belassen. Viele interessante Veranstaltungen konnte ich sowieso nicht besuchen, weil ich mich nicht zerteilen konnte. Ob es gelingt, aus diesen inhaltlichen Auftakten theoretische und praktische Entwicklungen abzuleiten, wird sich zeigen. Der ganze Sonntag vormittag war für die Vorbereitung von Aktionen von Bildungsstreik bis Klimaaktionen vorgesehen. Irgendwann wird der Kapitalismus Geschichte geworden sein – hoffentlich gibt es uns dann als Zivilisation noch. Tun wir das Unsere dafür…

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