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Ein erfahrener Zukunfts- und Utopienerforscher, Rolf Schwendter, arbeitet weiter an einem alten Projekt und stellte hierfür bereits vor 14 Jahren seine „30 Thesen“ vor. In diesen Thesen analysiert er die Entwicklung des real existierenden Kapitalismus und die Gegenbewegungen, denen ja seine Sympathie und auch viel Engagement gilt.

Er schreibt dem Kapitalismus noch ein großes Entwicklungspotential zu, falls die Gegenbewegungen nicht stark anwachsen. Der kapitalistische, durch Kapitalakkumulation getriebene Expansionsdrang wird in Zukunft neue Trends eröffnen; diese sieht Schwendter in der Ökologie und Biotechnik. Dass es sich tatsächlich in diese Richtung bewegt, erleben wir heutzutage überdeutlich im Kampf gegen die Gentechnik.

Rolf Schwendter erarbeitete seine Thesen ausgehend vom Marxschen „Kapital“. Da wir auch gerade wieder in Kapital-Studien stecken, fällt es uns nicht allzu schwer zu erkennen, dass die neue, auf Öko und Bio beruhende „lange Welle“ ein Problem hat: nämlich keine zahlenden Kunden! Die bisherigen Innovationswellen des Kapitalismus waren außer von der In-Wert-Setzung neuer Ressourcen auch immer von dem Ausstoß neuer Produkte gekennzeichnet, wobei immer gleichzeitig auch die Konsumenten in die Lage versetzt wurden, diese Produkte zu kaufen (im sog. „Fordismus“ erzielte die Arbeiterschaft jeweils so viel mehr Einkommen, dass sie die massenproduzierten Waren auch abnehmen konnte – die „Konsum-und-Wegwerfgesellschaft“ war geboren.).

Die aktuelle Wirtschaftskrise entstand, weil aus Kapitalakkumulationsgründen nicht auf den Konsum nicht verzichtet werden konnte, obwohl die Menschen schon nicht mehr das nötige Geld dafür verdienten. (vgl. die Analyse von Rainer Rupp). Trotz aller Stützungsversuche vollzieht sich diese Krise sogar noch rasanter als einst die Krise von 1929.

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Die nebenstehende Abbildung zeigt die Entwicklung des Welthandels zwischen 1929 und 1934 (durchgezogene Linie) und im Winter 2008/2009 (gepunktete Linie) jeweils ausgehend von 100 %. (Quelle: junge welt 28.Oktober)

Man kann erst recht nicht beliebig Geld drucken, um das Kapital für den Schutz der Umwelt und des Klimas zu bezahlen – und ohne Bezahlung verzieht es sich schleunigst „scheu wie ein Reh“.

Die Umwelt und das Klima sind keine Kundschaft. Die privatkapitalistisch organisierte Wirtschaft produziert die Probleme; sie könnte vielleicht auch umweltangepasste Lösungen entwickeln – aber sie erzeugt nicht gleichzeitig zahlungsfähige Käufer dafür.

Das ist ein wichtiger Punkt, der die jetzige Situation grundlegend von der zu Beginn anderer „langer Wellen“ unterscheidet: die fehlende zahlende Kundschaft. Im Bereich der Erneuerbaren Energien konnte z.B. im Bereich der Photovoltaik-Industrie ein Durchbruch durch geeignete Fördermaßnahmen erreicht werden. Aber langfristig ist dies nicht für alle Gegenden der Welt und alle ökologischen Erfordernisse machbar. Wie wir erleben, erst recht nicht einmal für grundlegende gesundheitspolitische Maßnahmen oder für die Versorgung der Menschheit mit Nahrungsmitteln. Wo nichts verdient werden kann, versagt die kapitalistische Wirtschaft – im Zeitalter der Globalisierung lässt sie aber kaum noch Alternativen zu. In einer immer produktiver und reicher werdenden Welt können immer mehr Menschen nicht einmal mehr ihre elementaren Grundbedürfnisse befriedigen – dieses Problem wird sich potenzieren, wenn die ökologischen Schäden noch mehr Lebensgrundlagen zerstören. Auf jeden Fall geht die Schere zwischen den Lebensnotwendigkeiten für Menschen und der Logik der kapitalgesteuerten Wirtschaftsweise immer weiter auseinander.

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(Sturzwelle aus Schmetterlingen – Revolution mit „Schmetterlingseffekten“)

Teil II kommt morgen.

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