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„Wir sehnen uns nach etwas, wir suchen etwas, wir gehen auf etwas zu. Wir gehen in ein großes Warenhaus (dem entspricht die Geschichte der Wissenschaften), und da wird alles mögliche angeboten. Wir aber wollen etwas, ohne schon zu wissen, was es sei.

Das hat Brecht in Mahagonny ausgedrückt mit dem kurzen Satz: Etwas fehlt. Was fehlte, konnte Jimmy nicht sagen; aber etwas fehlt, und das sucht er, das ist es, worauf er aus ist. Dann werden ihm also Cord-Hosen angeboten und Schuhe und Pfeifen und Schränke und Tabak und Zigaretten und Häuser und Eigentumswohnungen. Doch auf all das waren seine Wünsche gar nicht gerichtet.

Und er weiß immer noch nicht, was wer will, was er kaufen will. Irgend etwas wird ihm schließlich aufgeredet, das gerade vorrätig ist. Und da er ganz und gar schon abgetrieben ist von seinem Erstaunen, seinem Erregtsein, seinem Verwundern, so bescheidet er sich und geht weg. Die Urfrage, die er hatte, ist vergessen.“

 

Quelle: Bloch Ernst: „Geist der Utopie“. Interview mit Francesco Coppellotti. In: Münster, Arno: Tagträume vom aufrechten Gang. Sechs Interview mit Ernst Bloch. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag. 1977. S. 165.

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