Für unser Herbstwochenende der „Zukunftswerkstatt Jena“ in Bad Sulza hatten es natürlich nicht alle 5 Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschafft, den ganzen Text des Gesprächs über die „Vermessung der Utopie“ von Elmar Altvater und Raul Zelik zu lesen. Aber es reichte für eine längere anregende Diskussion. Alle Schwerpunkte des Gesprächs – die gegenwärtige Finanzkrise, der vergangene Sozialismus sowie Prinzipien einer emanzipativen Utopie und politischer Zielstellungen bis dahin – erinnerten uns an ähnliche Diskussionen und boten Anknüpfung für das eigene „Weiterspinnen“ der Gedanken.


Da N. aus der Kapital-Runde zu uns gekommen war, hatten wir Gelegenheit, auf Nachfrage hin genauer in unserem Gedächtnis zu kramen, wann wir bereits welche Fragestellungen bearbeitet und was wir auch praktisch gemacht haben. Seit den 80er Jahren beschäftigten einige von uns die sog. „Globalen Probleme“, aber auch die Selbstorganisations-Theorien waren lange Zeit wichtig. Katja erinnerte sich an eins ihrer ersten Seminare, jenes über die Rolle der Frauen in der Geschichte. Der real existierende Sozialismus war auch immer ein Thema, an dem wir uns immer wieder „abarbeiteten“, vor allem dann, wenn wir jeweils zu neuen Erkenntnissen gekommen waren, die uns seit 1990 durch links-alternative Treffen und Literatur zugänglich wurde. Ein Schwerpunkt unserer Themen wurde, wohl auch durch die berufliche Dominanz von PhysikerInnen, das Thema Energie, Umwelt und Klima.

Aus alle diesen Sichtweisen heraus fanden wir im Gespräch zwischen Altvater und Zelik sehr viele Übereinstimmungen. Gleichzeitig ist klar, dass vieles nicht vollständig zu klären ist und auch in diesem Gespräch zwischen den beiden unterschiedlich beurteilt wird. Bei uns hakten wir uns an der Verwendung der Begriffe „Politik“ und „Macht“ fest.

Solche Begriffe sind selbst nicht außerhalb machtpolitischer Interessen festgelegt und ihre inhaltliche Bedeutung spiegelt oft gedankliche Festlegungen wieder, die durch die gesellschaftlichen Strukturen festgeklopft sind. Ein kritisches Hinterfragen ist unabdingbar. Im Hintergrund stand dabei auch schon immer das Wissen um die wertkritische Ablehnung der Worte „Arbeit“ und auch „Politik“ für außerkapitalistische Gesellschaftsformen. Diese Thematik wurde notiert auf dem „Parkplatz“ und wir wollen darauf zurück kommen.

Eine Idee entstand beim Lesen des Gesprächs für uns auch noch: Vielleicht ist es Zeit, auch unsere Ergebnisse mal wieder in irgend einer Weise nicht nur fragmentarisch, sondern etwas zusammenhängend darzustellen. Lesbar wie das Altvater-Zelik-Gespräch muss es auf jeden Fall bleiben…

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