Am nächsten Morgen verließen wir die gastlichen Räume der „Offenen Arbeit“ in Erfurt und gingen in die schneebedeckten Straßen um Menschen danach zu befragen, wie sie die Fähigkeit und Bereitschaft von Menschen bzw. sich selbst zu notwendigen Veränderungen einschätzen.

Wir kamen wieder mit interessanten Berichten. Fast alle Menschen, die sich auf ein Gespräch mit uns einließen, waren optimistisch. Sie meinten, die nötigen Veränderungen würden in Angriff genommen und Menschen würden dies auch von sich aus tun. Ein Niederländer sagte uns zum Beispiel: „Ihr hier im Osten müsstet es doch am Besten wissen.“

Wir werteten die auf Kärtchen mitgeschriebenen Erlebnisse so aus, dass wir uns fragten, welche menschlichen Ressourcen jeweils aus den Antworten herauslesbar sind und klebten die entsprechenden Kärtchen auf die gestern gemalten negativen „Menschenbilder“.

Dabei entstanden Motive wie:

  • Menschen können sich ändern.
  • Den Kindern soll es besser gehen.


In der darauf basierenden Utopiephase drückten wir in verschiedenen Gruppen eine für uns utopische, wünschenswerte Situation aus. Das Verhältnis von individueller Eigenständigkeit und Gemeinschaftlichkeit stand dabei oft im Zentrum, ebenso die individuelle Vielschichtigkeit. Auf dieser Grundlage trugen wir nun zusammen, was zu folgenden Fragen passt:

Bewusstsein/Erkenntnis: Wie werden sich Menschen ihrer Mächtigkeit bewusst?

  • Gemeinschaft
  • Außenseiter einbeziehen
  • sich ausprobieren
  • Versuch & Irrtum
  • Individualität & Kooperation/Gemeinschaft
  • Einladung annehmen
  • Zeit für Entwicklung
  • das eigene Tempo ist wichtig
  • eigene Stimme haben
  • gemeinsame Rhythmen fühlen/finden aus der Unterschiedlichkeit heraus
  • Musik als Ausdruck des eigenen Tempos
  • Zuhören bereichert mich und die anderen
  • Impulse setzen, die von anderen aufgegriffen werden
  • Geschenke annehmen
  • aus dem Trott aussteigen
  • trotz unterschiedlicher Schritte eine Richtung gehen
  • Vielschichtigkeit des Menschen ermöglichen
  • Helfen & Teilen

Antrieb/ Handeln: Wie wollen Menschen ihre Selbstverwirklichung stärken?

  • Ergebnisse sehen wollen
  • Zeiten des Haltens und Loslassens
  • Realität gestalten
  • sich ausprobieren
  • Hut (Verantwortung) abgeben dürfen
  • sich ausdrücken
  • Erlaubnis zu chaotischer Individualität
  • Dissonanzen zulassen und aushalten
  • Bedürfnis innerer Entwicklung nach außen tragen
  • Leute nehmen Aufgaben wahr
  • Annehmen Genießen
  • Verändern als Lebendigkeit (als Notwendigkeit)
  • eigene Erkenntnisse weitergeben
  • jeder lässt den anderen sich sein
  • Gemeinschaft
  • mit anderen zusammen sein
  • Ausprobieren
  • Dualität nach innen und außen
  • Musik ist das halbe Leben
  • Streit
  • jeder tut, was ihm am meisten Spaß macht
  • in Resonanz gehen
  • Schenken
  • Interaktionsmöglichkeiten
  • Vielschichtigkeit des Menschen ermöglichen

Vision/Ziele: Was wollen Menschen erreichen?

  • konkrete Ergebnisse
  • Gemeinschaft
  • Befriedigung
  • Kreativität, Ausdruck
  • sehen dass etwas real wird/ Gestalt annimmt
  • sich den Hut aufsetzen können
  • Unterschiedlicher Klang & Rhythmus gibt eine Gemeinsamkeit
  • Balance
  • Gerechtigkeit
  • Gleichheit
  • Kommunikation
  • gemeinsamen Nenner finden
  • Leben besteht als Rhythmen/Zyklen von Begierden und Befriedigungen; Koordination
  • eigene Erkenntnisse weitergeben
  • Andere zur Teilnahme anregen
  • unterschiedliche Tätigkeiten nicht auf- und abwerten
  • Helfen

Aus diesen zusammen getragenen Stichpunkten schnitten wir mit Scheren jene aus, die besonders gut als Antworten zutrafen auf die Fragen:

  • Wie schaffen wir Räume für Selbsterkenntnis / Bewusstsein über Macht und Möglichkeiten?
  • Wie sorgen wir für ein Wachstum an Willen zur Selbstbestimmung/-verwirklichung/-entfaltung?
  • Was regt an, wohlbekannte Muster zu unterbrechen, zu verändern und mit ihnen zu experimentieren?

Die Antworten klebten wir auf Holzpfeile, die ungefähr doppelt so groß waren wie eine Hand. Die brauchten wir dann für die nächste Aufgabe: Die Ziele wurden an das eine Ende des Raumes an die Tür geklebt und wir sollten auf die Pfeile tretend, vom anderen Ende des Raumes dahin gelangen. Aber nicht zu einfach:

  • Jeder Tritt-Pfeil musste immer in Körperkontakt (Hände oder Füße) bleiben, sonst wird er aus dem Spiel genommen.
  • Niemand darf etwas daneben berühren, sonst werden ihm die Augen verbunden.

Es dauerte eine Weile, bis wir heraus hatten, wie wir alle auf den Pfeilen ans Ziel kommen können: immer zwei Füße (von verschiedenen Leuten) auf einem Pfeil und gute Abstimmung beim Weitertreten… Nach einigen Kommunikationsschwierigkeiten und Gleichgewichtsstörungen gelangten alle Mitspielenden ans Ziel.

Was wir weiter daraus entwickelten, wird hier morgen berichtet…

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