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Ich arbeite gerade sehr heftig an Beiträgen für ein Bloch-Wörterbuch, dabei fallen mir nette Zitate oder ganze Abschnitte ein, die einfach auf treffende Weise Erfahrungen und Weisheiten ausdrücken. Das macht auch den besonderen Reiz des Lesens der Texte von Ernst Bloch aus. Leider braucht man dafür eigentlich mehr Ruhe und Gelassenheit, Zeit und Muße – als sie wohl die meisten von uns aufbringen werden.

Hier also Ernst Blochs Ausführungen über Stallhasen-Menschen (von 1919):


„Nur ein Freies kann sich gefangen fühlen, stößt sich daran wund. Der Stallhase aber ist wirklich einer in seinem Schlag, und draußen hoppelt er nicht weit. Ist er ein Mensch, so hält er Abgerichtetes für Gelerntes, kastrierte Horde für Kommune. Doch ist auch nur ein Funke Vermissung geblieben, dann ist dadurch sogleich mehr da als sie selber. Gewiss ist sie nur implicite mehr, kann in heillos falscher Richtung stoßen, ist als noch unklare gefährlich betrügbar. Nur: über sich selber, als Zustand, ist sie nicht betrügbar, und dem Mann, indem er im Sklaven geblieben ist, kann geholfen werden.

„Vermissung enthält die Bewegung aufs Vermißte; denn dieses selber ist in ihr utopisch anwesend. Die Ablehnung hündisch machender, immer neu, wenn auch unter selber neuem Namen, entfremdender Verhältnisse setzt einen mindestens vorbewußten Standort jenseits dieser voraus, von dem her und an dem gemessen abgelehnt werden kann. Der an Tisch und Glas Bleibende empfindet keine Schranke, dagegen: der an sie Stoßende zog eben in diesem Stoß bereits über sie hinaus. Nichts also könnte in der Welt als menschlich unangemessen empfunden, beurteilt, bekämpft, aufgehoben werden, wenn ein ungekommenes glücklich-würdiges Leben nicht dennoch maßgebend vorschwebte.“ (PA: 78)

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