Lernkurve

Das EEG soll die Installation und den Betrieb von PV-Anlagen fördern. Wenn dadurch die Menge der PV-Anlagen wächst, kann die Herstellungsindustrie durch Skaleneffekte (Einsparungen bei der Massenproduktion) und Lerneffekte, die sich in der sog. „Lern- oder Erfahrungskurve“ zeigen, die Herstellungskosten pro Solaranlage senken. Hinzu kommt die Möglichkeit, Gewinne in Forschung und Entwicklung für die weitere Kostensenkung zu stecken, was gerade einer der Hauptentwicklungswege der PV-F&E darstellt. Es wird damit gerechnet, dass bei einer Verdopplung der installierten Leistung 15-20% der Herstellungskosten reduziert werden. Dieser Effekt ist bereits aus der Mikroelektronikindustrie bekannt.

Abbildung 2: Zusammenhang des Wachstums von installierter PV-Leistung und sinkenden Kosten (Quelle, mehr Infos zu Lernkurven in der PV-Industrie siehe Kruck, Eltrop 2007: 27 ff.)

 
Wie in dieser Abbildung schon ersichtlich, basiert die PV-Lernkurve auf einem großen Wachstum der Menge von PV-Anlagen. Marktausbau sowie Kostensenkung nahmen in den letzten 10 Jahren einen ungeheuren Aufschwung. Das EEG war damit auch sichtlich erfolgreicher als die vorherige Politik, lediglich Forschung und Entwicklung zu fördern, weil bestimmte neue Ansätze nur im Rahmen von industrieller Massenproduktion weiter entwickelt werden können und „Laborbasteleien“ nicht ausreichend sind. Eine Förderung des Solarstroms ist notwendig, weil sich aufgrund der hohen Kosten ein Betreiben sonst nicht lohnt. Je geringer die Kosten werden, desto mehr kann die Förderung sinken.

Grid Parity und Wettbewerbsfähigkeit

Ein wichtiges Maß auf dem Weg zur Wettbewerbsfähigkeit ist die sog. Grid Parity (Netz-Parität). Diese ist gegeben „wenn Strom aus einer Photovoltaikanlage zum gleichen Preis wie der Endverbraucherpreis von Steckdosenstrom angeboten werden kann.“ (Quelle) Wie wir in der Abbildung 3 sehen, sinkt der Preis für PV-Strom im Laufe der Zeit – abhängig von der geographischen Lage und damit der Sonneneinstrahlzeit – während der normale Strom (Spitzen- und Laststrom) mehr oder weniger langsam steigt. Wenn die fallende Kurve des PV-Stroms die Normalstromkurve schneidet, ist die sog. Grid Parität erreicht.

Abb. 3: Grid parity: Preis von PV-Strom trifft Preis des konventionellen Stroms (Quelle: BSW-Solar)

 
Das bedeutet noch nicht, dass PV damit voll wettbewerbsfähig ist, denn das würde einen Vergleich der Produktionskosten für Solarstrom und konventionell erzeugten Strom erfordern. Aufgrund der bereits übernommenen Investitionskosten für Atom- und Kohlestrom beim Bau sind die reinen Produktionskosten für Atom- und Kohlestrom recht gering. (3 bis 8 Cent/kWh, sogar unter Einbeziehung der CO2-Zertifikate). „Erst wenn Solarstrom zum selben Preis wie diese hergestellt werden kann, ist er unabhängig von Fördermaßnahmen wettbewerbsfähig.“ (ebd.)

Dann kann der in Teil I dieses Textes Regelkreis sich selbst finanzieren und eine zusätzliche Förderung wird unnötig.

Der Korridor-Paragraph

Aber noch ist es nicht so weit. Die Grid-Parity könnte in diesem Jahrzehnt noch erreicht werden. Aufgrund des Erfolgs des alten EEG wurden neue Regelungen notwendig. Seit 6. Juni 2008 wurde das es abgelöst durch das „Gesetz zur Neuregelung des Rechts der erneuerbaren Energien im Strombereich und zur Änderung damit zusammenhängender Vorschriften“ . Für unsere aktuelle Debatte ist daraus der sog. „Korridor-Paragraph“ wichtig. Dementsprechend wird die Senkung der Vergütung an den Ausbau von PV-Anlagen angepasst, weil davon ausgegangen wird: Je mehr PV-Installation, desto mehr Solarmodul-Produktion, desto billiger in der Herstellung. Die Kostenregression dient also vorwiegend als Druckmittel auf die Industrie zur Kostensenkung und damit zur Verhinderung einer sog. „Überförderung“. Eine „Überförderung“ wäre beispielsweise in einer Situation gegeben, wo aufgrund der guten Förderung der Zuwachs so enorm wachsen würde, dass der Aufwand für die Vergütung (der auf den Strompreis umgelegt wird, den also wir alle tragen) doch merklich so groß wird, dass es Widerstand dagegen gibt. In Spanien wurde aus solchen Gründen 2008 plötzlich die vorher sehr großzügige Förderung abrupt reduziert, was längere Zeit viele Unsicherheiten in die Marktsituation für die Solarfirmen brachte.

Der Sinn einer Senkung der Einspeisevergütung lässt sich grundsätzlich mit folgender Abbildung 4 sehr gut verdeutlichen:


Abbildung 4: Das Prinzip der Degression der Einspeisevergütung im EEG
(Quelle: FOCUS MONEY 5/2009, S. 5)

 
Da also seit 2005 die PV-Erzeugungskosten weiterhin absinken, so sollten auch die Vergütungen dementsprechend sinken.

Da die Kostensenkung nicht direkt gemessen werden kann, wurde im Gesetz die Reduzierung der Vergütung an die pro Jahr installierte PV-Leistung gebunden – wie wir wissen, gibt es über die Lernkurve einen Zusammenhang zwischen wachsender installierter Leistung und sinkenden Kosten. Steigt die installierte Leistung pro Jahr um ein gewisses Maß, kann davon ausgegangen werden, dass die Kosten der Herstellung sinken und wenn die über den Preis weiter gegeben werden, bleibt für potentielle Betreiber die Anschaffung einer PV-Anlage weiterhin rentabel bis lukrativ.

Der Korridorparagraph jedenfalls sieht eine Abhängigkeit der Senkung der Vergütung entsprechend der installierten PV-Leistung im Vorjahr vor:

Jahr 2010 Jahr 2011
Die Degression erhöht sich… um 1 % in 2011, wenn der Markt stärker gewachsen ist als 1 700 MW um 1 % in 2012, wenn der Markt stärker gewachsen ist als 1 900 MW
Die Degression reduziert sich… um 1%, wenn der Markt schwächer gewachsen ist als 1 100 MW um 1%, wenn der Markt schwächer gewachsen ist als 1 200 MW

Tabelle 1: Der „Korridor-Paragraph“ im neuen EEG

 
Übermorgen mehr zur aktuellen Situation…