Bei meinen letzten Beiträgen zur außerplanmäßigen Senkung der Solarstrom-Einspeisevergütung stand für mich noch in Frage, inwieweit die Solarmodulpreissenkungen mit realen Kostensenkungen zusammen hängen, oder ob der Effekt eher ein Effekt eines Überangebots ist. Jetzt fand ich die Antworten in einer Studie , die das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V. im Februar herausgegeben hat. Hier wird eigentlich erstmals sachlich fundiert begründet, dass

  1. eine außerplanmäßige zusätzliche Senkung der Einspeisevergütung gerechtfertigt ist, dass sie
  2. aber niedriger sein müsste als geplant und
  3. wird ein Umdenken in der PV-Förderpolitik angemahnt.

In einer Studie untersuchte das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft e.V. die Problematik der Absenkung der Solarstrom-Vergütung. Darin wurde anerkannt, dass es berechtigt ist, die Vergütung stärker zu senken, als im Einspeisegesetz vorgesehen.

(Nochmal kurz) die Grundlagen

a) In jedem Jahr wird entsprechend dem Einspeisegesetz die Vergütung, die ein Solarstromhersteller ins Netz gibt, gesenkt (Der für das jeweilige Installationsjahr geltende Vergütungswert bleibt dann 20 Jahre lang konstant). Es wird erwartet, dass die Herstellungskosten und damit auch die Preise für die Solarmodule immer weiter sinken, so dass eine ausreichende Rendite auch bei kleiner werdender Vergütung gewährleistet ist. (Dass die Kosten fallen, liegt an Skaleneffekten durch Massenproduktion und technologischen Entwicklungen). Im Jahr sank so die Vergütung für Aufdachanlagen um 5 %. (siehe zur Degression der Einspeisevergütung)


Das Prinzip der Degression der Einspeisevergütung im EEG
(Quelle: FOCUS MONEY 5/2009, S. 5)

 

b) Es gibt eine weitere Klausel in diesem Gesetz (der „Korridorparagraph“):
Wenn in dem vergangenen Jahr wesentlich mehr Anlagen installiert werden, als bis dahin erwartet, sinkt die Vergütung noch weiter. Wie weit genau, wurde festgelegt. Weil im Jahr 2008 die Installationen viel stärker boomte, als erwartet, zog diese Klausel bereits 2009 und so sank die Vergütung ab Anfang 2009 um 9 % (für Anlagen bis 100 kWp).

c) Jetzt kommt nun das, was alle Gemüter erregt: Seit Ende 2009 wird diskutiert, wohl angestoßen durch Verbraucherschutzverbände, die sich darum sorgen, dass alle Stromkunden die Vergütung für die Solaranlagenbesitzer finanzieren müssen, die Vergütung „außerplanmäßig“ noch weiter zu senken. Der Hintergrund ist ein enormer Preisverfall für die Solaranlagen, so dass bei geringeren Investitionskosten auch geringere Vergütungen noch rentabel zu sein versprechen. Gefordert wurde zu Beginn eine Senkung von zusätzlichen 30%! Konkret stehen jetzt eine Senkung 15% für Aufdachanlagen (der Termin wird inzwischen der 1. Juli diskutiert) zur Debatte; diesen Wert nannte Bundesumweltminister Röttgen am 20. Januar 2010.

Schauen wir uns an, was das bedeutet: In zwei Jahren (Mitte 2008 – Mitte 2010) sinkt, wenn die jetzigen Pläne (bzgl. c) durchgesetzt werden, die Vergütung für eine kWh Solarstrom als Anlagen kleiner 30 kW von 46,75 Cent auf 33,33 Cent. Das ist eine Senkung um 28,7 %.

Sind nun die Modulpreise in dieser Zeit ebenso gesunken?
Ich hatte schon einmal eine Abbildung gezeigt, die einen großen Preisrutsch seit dem letzten Quartal 2008 zeigt; die mit neueren Zahlen so aussieht:


Fallende Preise für PV-Anlagen (Quelle: BSW-Solar)

 
Neue Zahlen bestätigen das:

  1.Qu.2008 Mai 2009 März 2010
Kristallin Europa 3,26 €/Wp 2,62 €/Wp 1,93 €/Wp
Kristallin China 3,02 €/Wp 2,17 €/Wp 1,50 €/Wp

Preis in Euro pro W(peak) (Quellen 1, 2)

Wenn man die Überlegung des Regelkreises zugrunde legt, den ich schon einmal gezeigt hatte, und wir davon ausgehen, dass die gesunkenen Modulpreise auch an die Endkunden (Photovoltaikanlagen-Betreiber) weiter gegeben werden (was beispielsweise in der Zeit von 2005 bis 2009 nicht ausreichend der Fall war), könnte man nun schließen, dass eine außerplanmäßige Senkung der Einspeisevergütung mehr als berechtigt ist.

Ergebnisse der Studie

Das stimmt auch grundsätzlich (und meine bisherigen Blogbeiträge versuchen auch um Verständnis dafür zu werben), aber es gibt einige kleine Probleme:

1. Die Studie macht darauf aufmerksam, dass dem Preisrutsch auch drei „magere“ Jahre vorausgingen, in denen aufgrund hoher Preise für Silizium die Preise für Solaranlagen kaum gesunken sind. Damals wurde die vorgesehene Senkung der Einspeisevergütung (nach a) trotzdem vorgenommen (allerdings kompensiert sich dieser Effekt mit der eben erwähnten Nichtweitergabe der Kostensenkung an den Preis, was übrigens nicht in der Studie steht). Außerdem gibt das zu denken: Die theoretische „Lernkurve“ wird in der Praxis nicht eingehalten, man kann die Vergütungssätze nicht direkt an kurzfristigen Schwankungen messen. Vor allen ist es einseitig, bei schnellerer Preisreduktion die Vergütung auch gleich mit zu senken, bei Preisstagnation aber trotzdem zu senken. Die Studie schlägt deshalb vor, die PV-Vergütung nicht an den Marktpreisen zu orientieren, sondern an den „PV-Anlagenpreisen, die effizient arbeitenden deutschen PV-Unternehmen einen profitablen und damit nachhaltigen Betrieb ihrer Produktion ermöglicht“ (ich störe mich hier mal nicht an der komischen Ineinssetzung von Profitabilität und Nachhaltigkeit, die mal wieder beweist, dass auch im Ökosektor wirtschaftlich unter Nachhaltigkeit primär das Finanzielle gesehen wird).

2. Nun aber zur Kernfrage: Entsprechen die gesunkenen Preise tatsächlich gesunkenen Herstellungskosten?
Dazu nutzt die Studie des ISE eine weitere Studie von EuPD Research , die anscheinend nicht öffentlich ist. Das Problem besteht ja darin, dass es eine große Preisspanne von plus minus 25 % gibt und es etwas unfair wäre, das billigste Angebot als Grundlage zu nehmen. Im Ergebnis jedenfalls kommen folgende Einschätzungen heraus:

  • Wie an abstürzenden Umsätzen der wichtigsten Solarzellenhersteller zu sehen ist, war im Jahr 2009 nicht mehr gewährleistet, dass die Kosten so stark wie die Preise gesenkt werden konnten. Der Grund für die sinkenden Preise ist ein Überangebot von Solarzellen, nicht wirklich die Kostensenkung entsprechend der Lernkurve. Dieses wiederum lässt sich begründen erstens aus Reduzierungen der PV-Förderung z.B. in Spanien und 2. aus den sehr günstigen Preisen, die aus China angeboten werden und als deren Ursachen „scheinbar unlimitierter Zugang zu Fremdkapital“, eventuell „unzulässige Subventionen“ und „uvermeidliche Wettbewerbsvorteile“ wie geringere Lohn- und Energiekosten und Steuern zählen. Es wird auch davon gesprochen, „dass chinesische Hersteller die Strategie verfolgen, mit vorübergehend sehr günstigen Preisen die europäische Konkurrenz zu verdrängen“. (Die Lohnkosten in der BRD haben an den Gesamtkosten auch grad mal einen Anteil von 5%)
  • Es wird eingeschätzt, dass in den letzten 9 Jahren jährlich eine reale Kostenreduktion von 5% – 10 % erreicht wurde (für Lernkurven wird meist von 15-20% gesprochen, in der PV-Branche wurde lange Zeit 20% für das selbstverständliche Mindestmaß angesehen).

Daraus ergibt sich nun die Empfehlung, dass eine „zusätzliche Absenkung der Einspeisevergütung im Jahr 2010 in Höhe von 6% für Anlagen bis 100 kW. angemessen“ ist.

Das erscheint mir ganz vernünftig, auch wenn es schade ist, dass zwei Studien, die zur Überprüfung der Angaben gebraucht würden, nicht öffentlich erhältlich sind.

Veränderung der Förderpolitik

Nun kommt aber, um das Thema „rund“ zu machen, eine weitere Problemstellung dazu. Bis zum Ende der 90er Jahre gab es zwar eine Forschungsförderung für Photovoltaik, aber kein Markeinführungsprogramm. Das brachte aber weltweit keinen Durchbruch. Erst als in der Bundesrepublik ein 100 000 –Dächer-Investitionsförderprogramm aufgelegt und schließlich das EEG (Erneuerbare Energiengesetz) verabschiedet wurde, das die Markteinführung fördert, wurde der Solarboom ausgelöst, der die deutsche PV-Industrie an die Spitze der Welt brachte. Sachlich gesehen lag das daran, dass bestimmte Forschungs- und Entwicklungsschritte nicht mehr in kleinen Labors gemacht werden können, sondern große Anlagen brauchen. Es wurde quasi an den großen Industriemaschinerien gleich mit geforscht. Ein noch größerer Effekt war wohl dann auch der sog. Skaleneffekt, dem entsprechend beim Einsetzen von Massenproduktion die Produktionskosten stark sinken. Das zusammen ermöglichte den großen Aufschwung der PV-Industrie.

Jetzt sieht es durch die Globalisierung so aus, dass an der Förderung der Inbetriebnahme von Solaranlagen in der Bundesrepublik gar nicht mehr nur/so sehr die deutschen Solarzellenhersteller (und ihre Zulieferer) profitieren, sondern die ausländischen Anbieter, die immer mehr Marktanteile bei uns übernehmen. Wem das nationale Interesse wichtig ist, denkt da schon kritisch drüber nach… (schließlich bezahlen wir die Vergütung für die PV-Anlagenbetreiber auch aus unseren Stromkosten). Aus umweltpolitischer Sicht ist das vielleicht weniger wichtig, aber worum geht es in dieser Welt?

Worauf es ankommt und was aus meiner Kenntnis sachlich absolut stimmt: Es geht zwar in der Konkurrenz der Unternehmen wie immer primär um die errungenen Marktanteile. Aber auf dem Markt bleibt (und wächst vielleicht) sowieso nur derjenige, der dem enormen Innovationsdruck standhält. Letztlich reicht es auch für die „normalen“ Lernkurveneffekte nicht aus, einfach nur quantitativ mehr zu produzieren, sondern es muss eine ständige qualitative Innovation erfolgen. Außerdem müssen die realen Kostensenkungen den jetzt schon erreichten Preissenkungen so schnell wie möglich und so weit wie möglich hinterherhetzen und sie künftig noch weiter unterschreiten, wenn nicht durch neue Preisanstiege der Markt und die Branche ins Stocken geraten sollen. (Wann die in einer Lern- bzw. Erfahrungskurve dann doch irgendwann kommende relative Stagnation in einem bestimmten Kostenbereich erreicht ist, ist natürlich unbekannt).

Das wird im Moment zwar einerseits auch durch weiter wachsende Märkte erreicht (mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Investition in Forschung und Entwicklung…), aber für die nationale Förderpolitik scheint der Punkt erreicht, an dem es sinnvoll ist, wieder mehr direkt in die Forschung und Entwicklung der Photovoltaik zu investieren. Dies formuliert auch die Studie: „Die deutschen Hersteller sind gegenüber den asiatischen Herstellern nur dann konkurrenzfähig, wenn sie die technologische Führung innehaben, was einen deutlichen Ausbau der Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen und die Erhöhung der Forschungsförderung voraussetzt.“

Mir würden zwar noch andere Ideen kommen, wie auf Mehrfacharbeit in konkurrierenden Unternehmen, die Einhegung von Wissen durch Patentierung, Demotivierung durch die blockierenden Umstände der Arbeit (… hier trage jede/r selber ein, was sie/ihn da grad blockiert…) und andere Kreativitätsbremsen verzichtet werden könnte… aber darum kann es erst mal noch nicht gehen.

Wer auf andere Verhältnisse nicht warten will, kanns ja schon mal

  • mit einer Do-it-yourself-Solarzelle versuchen
  • … und noch eine..,
  • … und noch mehr dazu …
    • (Wenn jemand echte Creative-Commons-Solartechnik-Seiten findet, bitte in den Kommentaren ergänzen!)

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