Drei Tage Utopenkonferenz „Utopia Now 2010“ und mindestens drei Berichte werden dazu benötigt. Natürlich kann das Lesen dieser Berichte die Teilnahme nicht ersetzen, aber vielleicht dazu anregen, ähnliches zu organisieren und sich bei den weiteren Projekten, die z.T. über die Links gefunden werden können, zu beteiligen. Speziell die Zukunftswerkstatt Jena engagiert sich auch weiter für viele der angesprochenen Themen (Zukunftswerkstatt, Utopie, commonbasierte Peer-Produktion…).

Im weiteren Bericht erwähne ich auch diejenigen Veranstaltungen, bei denen ich nicht anwesend sein konnte, die ich lediglich aus der abendlichen Auswertung kenne. Ergänzungen von anderen sind sehr erwünscht.

Am Samstag vormittag wurden zwei Veranstaltungen zusammen gelegt, was interessante, unerwartete Gedankenkombinationen ergab. Das nebenstehende Bild zeigt die Referentinnen im angeregten Gespräch.

Zuerst sprach Julia Bonk, Landtagsabgeordnete für die LINKEN in Sachsen zum Thema „Luxus für alle“, womit die Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum, besonders in Form eines bedingungslosen Grundeinkommens gemeint ist. Sie nahm dabei auch Stellung zur aktuellen Programmdebatte der LINKEN. Sie kritisiert die darin behauptete „Vorzugsstellung“ der Erwerbsarbeit, indem sie auf die Rolle der familiären Erziehung und Sorge und der anderen gesellschaftlichen Tätigkeiten verweist und darauf, dass vieles, was noch als Beitrag zur „Produktivkraftentwicklung“ gewertet wird, in Wirklichkeit die Destruktivkräfte verstärkt (z.B. Rüstungswirtschaft).

Danach sprach Silvia Mazzini von der Ernst-Bloch-Assoziation über die Frage, wie uns Utopien Auskunft aus der Zukunft geben können. Dabei unterschied sie zwischen jenen Utopien, die abstrakt am grünen Schreibtisch entstehen und nicht aus den Träumen und Wünschen der Menschen erwachsen. Diese nannte sie „abstrakt“ und „gewaltsam“ und diese werden mit Recht abgelehnt. Im emanzipativen Sinn kann es nur um „konkrete Utopien“ gehen. Das Thema Utopien steht immer im Spannungsfeld von Freiheit und Ordnung, von Vernunft und Phantasie, von Technik und Traum. Ihr Resümeé: Auskunft aus der Zukunft können wir bekommen, wenn wir in den gegebenen Situationen das Mögliche erkunden und daraus einen Entwurf für das Zukünftige entwickeln. Dabei gilt Blochs Spruch:

Utopie ist nicht ein Mythos,
sondern ein Kampfbegriff… (Ernst Bloch)

In der Diskussion wurde vor allem der Begriff der „Freiheit“, der beiden Vorträgen als Bezugspunkt zugrunde lag, diskutiert. Er ist recht unbestimmt, kennzeichnet gleichermaßen einen Traum wie auch einen umkämpften Begriff. Silvia Mazzini erinnerte an die hilfreiche Unterscheidung zwischen einer „Freiheit VON“ und einer „Freiheit ZU“.

Eine weitere wichtige Basis, die Selbstentfaltung und Selbstbestimmung, wurde ebenfalls hinterfragt: Was, wenn Menschen sich nicht selbstbestimmen wollen, wenn sie „Angst vor der Freiheit“ haben?

Nun aber zu den Veranstaltungen, an denen ich nicht teilnehmen konnte:

Passend im Kunsthaus Erfurt fand die Gesprächsrunde „Kunst und Utopie“ mit Guillaume Paoli. Hier ging es zum großen Teil um die Darstellung von Utopie in der Kunst, z.B. im Film. Dabei zeigt es sich, dass realisierte Utopien meist widerspruchsfrei und damit langweilig werden.

Andrej Holm berichtete über das Konzept bzw. die Kampagne des „Rechts auf Stadt“

Es geht um die Gestaltbarkeit der Zukunft der Stadt durch ihre Bewohner. Es geht dabei um Rechte auf Zentralität, Differenz und Mitbestimmung.

Als ein Beispiel für die Inanspruchnahme des Rechts auf Selbstgestaltung der Stadt gab es am Nachmittag den Projektbeitrag „Urban Gardening“, geleitet von Ella von der Haide.

Wie zu erfahren war, wird Erfurt in der nächsten Zeit durch Pflanzen und Blumen geziert sein, die bei dieser Aktion gepflanzt wurden und mit dem Schild

„Gieß mich, ich bin ein Guerilla-Garden…“

um Aufmerksamkeit und Aktion in Erfurt bitten. Einen passenden Abschluss fand diese Aktion beim diesjährigen Eröffnungsfest der „Lagune“ in Erfurt.

Informationen über all diese Aktionen können natürlich direkt zwischen den Menschen, übers Internet, aber auch übers Radio vermittelt werden. Das Radio F.R.E.I. bot einen Workshop an, bei dem Menschen in der Stadt Erfurt befragt wurden und dies als Radiobeitrag weiter bearbeitet wurde.

Das Wichtigste bei solchen Veranstaltungen kann ich leider hier im Internet nicht vermitteln: die netten Gespräche und Debatten, das Kennenlernen und Wiedersehen, und auch den Abend beim Wein in der „Offenen Arbeit“ , einem der Veranstaltungsorte, an dem wir bestens versorgt wurden.

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