Ich hatte seit vorigem Wochenende mehrere Termine in Berlin, wobei ich zwischendurch aber zwei Tage lang auf Arbeit zurück nach Jena fahren musste. Glücklicherweise war schönes Wetter und alle Reiseverbindungen klappten.

Zuerst fand in der „Hellen Panke“ das Wochenendseminar „Hegel, Marx und die mögliche Aufhebung des Kapitalismus“ statt. Wie erwartet, war der Freitag-Abend-Beitrag von Dieter Wolf streitbar, da er direkt auf die geäußerten Fragestellungen der Gruppe „Wege aus dem Kapitalismus“ einging.

Die Themen- und Fragestellung ist sehr komplex, wird unter linken Theoretiker_innen seit Jahrzehnten konträr diskutiert und so wäre es ein Wunder gewesen, wenn dieser eine Abend endgültigen Aufschluss gebracht hätte. Ich selbst habe mir dort das Buch „Gesellschaftliche Praxis und ihre wissenschaftliche Darstellung“ gekauft und in den nächsten Tagen zur Hälfte gelesen. Das Buch „Der dialektische Widerspruch im ‚ Kapital'“ hatte ich schon länger, da habe ich mich aber ziemlich in den vielen Streitgesprächen „verirrt“.

Dieser oder jener hat in diesem oder jenen Unrecht und ich soll nun gleich wissen, was dieser oder jener für ein Konzept vertritt, wie das, was kritisiert wird, da einzuordnen ist und warum er nun weswegen unrecht hat. Das, wovon Dieter Wolf in seinen Kritiken selbst ausgeht, sein eigenes Konzept, ist aus diesen Debatten nur schwer herauszukristallisieren. Was denkt er denn nun selber? Wie ist es in sich begründet? Ohne ein Studium aller seiner Texte, die er natürlich auch zitiert, ist das kaum möglich – aber wer kann das schon leisten?

An diesem Vortragsabend hörte ich, durch eine Debatte mit ihm selbst, an der wir wohl ziemlich aneinander vorbei debattierten, sensibilisiert, einiges heraus, aus dem sich mir langsam der Zusammenhang einiger seiner Argumente erschloss. Ich werde wahrscheinlich demnächst auch hier mehr dazu posten. Das Hauptproblem für die Ausgangsfrage, ob und wie gerade das „Kapital“ von Marx hilft, aus dem Kapitalismus hinauszufinden, konnte – soweit ich auch danach mit einigen herausgehört habe – für viele Teilnehmende nicht vollständig geklärt werden.

Am nächsten Tag stand der Bericht einer ehemaligen Studentin von Viktor A. Vazjulin, die schon ein Buch von ihm übersetzte, auf dem Programm. Gudrun Havemann berichtete vor allem von dem neuen Projekt, in dem es direkt um Geschichtsphilosophie geht. In dieser Richtung soll auf jeden Fall weiter diskutiert werden und der Kontakt zu G. Havemann aufrecht erhalten werden.

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