Mein zweiter Berlinaufenthalt stand ganz unter dem Thema Commons“. In der Rosa-Luxemburg-Stiftung fand ein Workshop zum Thema „Commons und die Linken“ statt. Besonders nett fand ich den „Einstieg“, der als kleines Filmchen vorstellte, wie Gilles Deleuze die „Linken“ charakterisiert.

Danach sprach Stefan Meretz über „Commons und die Linke(n)“ (Präsentation als pdf).

Wichtig finde ich zwei Präzisionen gegenüber den bekannten Darstellungen von Commons:

  1. Es geht nicht nur im natürlich vorhandene Ressourcen, sondern auch um von Menschen produzierte Ressourcen. Diese Fokussierung auf Produkte, Produktionsweise und Produktionsmittel (vor allem im Konzept commons-basierte Peer-Produktion) könnte dann eine Spezifik einer linken Beschäftigung mit Commons sein.
  2. Ein bekanntes Bildchen, das als „Bausteine“ der Commons genannt werden Ressourcen, communities und die selbstgegebenen Regeln, sollte modifiziert werden: 1. sind die Menschen eindeutig hier keine „isolierten Einzelnen“, 2. geht es nicht nur um gegebene Ressourcen, sondern um Produkte und die Produktionsverhältnisse.

Etwas konträr wurde dann die Frage nach dem Verhältnis von Commons und dem „Öffentlichen“ diskutiert. Die Darstellung, dass das „Öffentliche“ zu stark an den Staat gebunden sei, wurde in Frage gestellt (Zur Frage des Öffetnlichen siehe z.B. die Veröffentlichung „Krise der Privatisierung. Rückkehr des Öffentlichen“) . Außerdem ist es vor allem aus der Sicht der linken Kommunalpolitik noch nicht ersichtlich, was das Konzept der „Commons“ nützen kann. Meines Erachtens zeigt sich hier eine große Differenz zwischen den antikapitalistischen Bewegungen in der Welt, die noch von nichtbürgerlichen Gemeinschaften ausgehen können und unseren Regionen, in denen solche autonomen Gebilde seit vielen Generationen gar nicht mehr erlebt wurden, höchstens als rückschrittlich wahrgenommen werden und traditionell auf andere „Institutionen“ wie Staaten, NGOs oder „die Arbeiterklasse“ usw. gesetzt wird. Vor allem wurde bezweifelt, dass die Erfahrungen mit den Commons „verallgemeinert“ werden können. Das heißt: Können auch komplexere Probleme als kleinräumig-regionale Fragen damit bearbeitet werden, oder brauchen wir dazu nicht doch wieder Staaten und so etwas wie die UNO?

Für mich war der Abend dann noch nicht zu Ende. Anlässlich eines Treffens mit Judith Dellheim begleitete ich sie zu einem Treffen der Berliner Gruppe, die sich für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr in Berlin einsetzt. Da es in Jena auch ähnliche Überlegungen und Projekte gibt, interessierte mich natürlich, wie die Initiative hier vorgeht. Der Ausgangspunkt war wohl das Sozialforum Berlin, und hier wurde richtig ausgiebig geplant: Gespräche während öffentlicher Veranstaltungen (wobei Vertreter_innen anderer Gruppen direkt angesprochen wurden), Vorbereitung von Aktionen zu wichtigen Terminen, die im Herbst anstehen (klimapolitisch)… Da kommt gewaltig was auf uns zu, wenn wir so etwas auch organisieren wollen.

Aber damit war Berlin noch nicht „abgearbeitet“. Am Donnerstag vormittag traf ich mich noch mal mit Stefan und Uli, um das Seminar vom Wochenende auszuwerten und das nächste zu einem ähnlichen Thema im Herbst vorzubereiten. Über die Fortführung des Projekts „Commons und die Linke“ haben wir natürlich auch gesprochen.

Stefan Meretz hatte am Abend einen Vortrag zum Thema „Commons und Peer-Production“ in der Zwille. Kurz vorher gab es ein paar Telefonate, weil nicht ganz klar war, ob der Abend stattfinden kann. Das Ganze basiert auf wenig Verpflichtung, jemand war auch krank geworden… aber letztlich fand es doch statt.

Ich selbst verbrachte wunderschönen Sommernachmittag zuerst in einem Eiskaffee am Alex, war beschäftigt mit dem Lesen von „Das Kapital 1.3: Briefe über das Kapital“, das ich mir kurz vorher am Bücherstand vor der Uni gekauft hatte. Und dann bin ich angesichts des wunderschönen Wetters auf die wohl doch recht dumme Idee gekommen, dass ich vom Alex zur TU (Zwille) auch laufen könnte. Natürlich nicht langweilig die Hauptstraße entlang, sondern etwas südlich… Naja, der erste Verlaufer kam gleich…, kostete etwas Zeit. Und dann… die Fanmeile! Blöd wie ich war, lief ich zweimal in so eine dämliche Absperrung, bekam von Polizisten eine irreführende Wegangabe und musste Riesenumwege in Kauf nehmen, bei denen ich mich dann auch noch beinahe verlaufen hätte.

Total k.o. kam ich dann eine Stunde zu spät in der „Zwille“ an und erlebte nur noch den Schluss der Diskussion über „Commons“. Ein Teilnehmer konnte mit dem Thema überhaupt nichts anfangen, weil es für ihn überhaupt kein Problem ist darauf zu vertrauen, wie ohne Kapitalismus die Menschen miteinander ein neues Leben und Produzieren aufbauen. Warum jetzt darüber nachdenken, wo es doch erst mal darum geht, sich gegen die Zumutungen zu wehren?

So unterschiedlich ist das also. Ich jedenfalls las am Abend noch in einem Buch von Umberto Eco und fraß mich am nächsten Tag bis zur Zugabfahrt noch weiter durch einen Text von Dieter Wolf, bei dem seine eigenen Positionen doch bei aller Polemik recht deutlich ausgedrückt werden. Und damit schließt sich der Kreis meiner Berlin-Themen. Nach dem Aufarbeiten von Mails, anderer Post, Kocherei, Backerei, Saubermachen und Job werde ich wohl irgendwann nächste Woche mal wieder dazu kommen, inhaltlich weiter daran zu arbeiten.

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