Bisher entwickelten sich Physik, Chemie, Biologie, Kognitions- und Informationswissenschaften ziemlich unabhängig voneinander. Im ganz Kleinen bestehen ihre Gegenstände aber alle aus Nanobojekten. Auf dieser Grundlage wird nun erwartet, dass besonders Nano-, Bio-, Informations- und Kognitionswissenschaften ineinander übergehen, wenn ihre Objekte auf Nanoebene erforscht und manipuliert werden. Dies wird „NBIC“-Konvergenz genannt oder auch „Emerging Technologies“ .

Mit dieser Konvergenz wichtiger Wissenschaftszweige wird die Erwartung eines neuen Zeitalters begründet, das eine neue „lange Welle“ der wirtschaftlichen und Menschheitsentwicklung einleiten kann.

(Quelle)

Damit ist diese NBIC-Konvergenz eine Form von Techno-Futurismus, wenn darunter all jene technikbestimmten Visionen verstanden werden, „die nicht nur eine sehr langfristige Pespektive – zumeist von mindestens ein bis zwei Jahrzehnten – haben, sondern zudem einschneidende und umfassende Veränderungen der sozialen Wirklichkeit oder der Grundlagen menschlicher Existenz voraussagen.“ (Coenen 2004)

Ein Film soll diese Erwartungen illustrieren:

Es wird nicht nur eine verstärkte Interdisziplinarität versprochen, sondern die Grenzen zwischen den bisherigen Fachbereichen sollen in einer Konvergenz zerfließen. So schreibt Mihail C. Roco, Direktor der amerikanischen Nanotechnologie-Initiative (NNI):

„The unity of nature at the nanoscale provides the fundamental basis for the unification of science, because many structures essential to life, computation, and communiation are based on phenomena that take place at this scale. Thus, much of the impact of nanotechnolgoy will occur through its convergence with other fields, especially biotechnology, information technology, and new technologies based on cognitive science.“ (vgl. auch: Roco, Bainbridge 2003: 5)

Dies ist nach Schummer eine „Großoffensive auf die gesamte akademische Disziplinenlandschaft“ (Schummer 2003: 83) „Nanotechnologie“ steht „gleichsam für die wissenschaftspolitische Idee, die klassischen disziplinären Grenzen, einschließlich der Grenzen zwischen Naturwissenschaft und Technik aufzuweichen oder gar zu überwinden“ (ebd.: 80). Damit werden die Grenzen zwischen Real- und Informationswissenschaften, zwischen Natur- und Technikwissenschaften einerseits und Geistes- und Sozialwissenschaften andererseits und die Grenzen zwischen Natur und Technik sowie zwischen Naturding und Artefakt (ebd.: 93) aufgebrochen. Die Gleichheit, die in allen diesen Bereichen zugrunde gelegt wird, beruht darauf, dass jeweils die Objekte aus einer Art „Klötzchen“ bestehen und dass ihre Formierung durch jeweils durch eine äußerliche Zweckbestimmung bestimmt ist. Demgegenüber hatte Aristoteles gemeint, dass ein Naturding im Unterschied zum Menschen das Prinzip seiner Bewegung in sich selbst trage. Es geht nicht zuletzt auch um die Grenzüberwindung zwischen Mensch und Maschine (ebd.: 95). Im Konzept des „mind-upload“ wird menschlicher Geist als Träger der personalen Identität ununterscheidbar von einer Maschine (ebd.: 96) und ihre Vernetzung würde dann eine neue Superintelligenz schaffen.
Die Nanotechnologie wird somit zum Katalysator und zugleich zum Kern der neuen Wissensordnung (ebd.: 84).

Die Ergebnisse eines Workshops aus dem Jahre 2001 stellen eine ausführliche Zusammenfassung und Begründung dieser Erwartungen dar.

Die Inhalte und Richtung der NBIC-Konvergenz-Debatte werden wie auch schon für die frühen futuristischen Nanovisionen stark durch militärische Interessen und transhumanistische Konzepte bestimmt (Schummer 2003: 85 f.). In der EU sollten die Ziele zuerst unter stärkerer demokratischer Beteiligung ermittelt werden, aber inhaltlich geht es inzwschen in dieselbe Richtung wie in den USA (vgl. BMBF, Zur Diskussion eines europäischen Konvergenzkonzepts siehe Nordmann 2004).

Vorsichtige Kritik gibt es vom Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB); „Hier hat man es anscheinend nicht mit rational verhandelbaren sozialutopischen Ambitionen zu tun (…), sondern mit religiös anmutenden Erlösungshoffnungen, in denen sich eine missionarisch wirkende Technikbegeisterung und stark normative (Vor-)Aussagen zur Technikentwicklung“. Es gilt offensichtlich:

„.Wer „Nanotechnologie“ sagt, hat damit immer schon das von der amerikanischen Wissenschaftspolitik abgesegnete Assoziationspaket aus der Populärkultur übernommen, wozu eben auch die NBIC-Konvergenz gehört.“ (Schummer 2003: 87)