Ich erfülle gern die Bitte und veröffentliche Bitte um Unterstützung des  Hilfsfonds für prekäre ArbeiterInnen in Japan:

Angesichts der enormen Zerstörungen durch das Erdbeben und die Tsunamis
am 11. März 2011 sowie angesichts der nach wie vor drohenden nuklearen
Katastrophe durch das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima I, hat die
FAU-IAA beschlossen einen Hilfs- und Solidaritätsfond für prekäre
ArbeiterInnen in Japan – den «Freeters Solidaritätsfond» ins Leben zu
rufen. Als anarcho-syndikalistische Basis-Gewerkschaft gilt unsere erste
Sorge den vielen prekären ArbeiterInnen (Freeters), die schon vor der
Katastrophe ausgegrenzt und zu vielfach miserablen Arbeits- und
Lebensbedingungen gezwungen waren. Die FAU-IAA hat kurzfrístig einen
Grundstock für den Fond zur Verfügung gestellt. Sie ruft darüber hinaus
zu Spenden für den Hilfs- und Solidaritätsfond auf, dessen Mittel in
enger Absprache mit der «Freeter Zenpan Roso», einer Selbstorganisation
prekärer ArbeiterInnen in Japan, eingesetzt werden sollen. Spenden
nehmen wir über das Konto: FAU, Konto 96152201, Postbank Hamburg (BLZ
200 100 20) unter dem Stichwort «Freeters»
entgegen. Jeder noch so
kleine Beitrag als Ausdruck gelebter Klassen-Solidarität ist willkommen.

Wer sind die «Freeters»?

Prekäre ArbeiterInnen sind die Kehrseite der glitzernden Fassaden der
japanischen Export-Wirtschaft. Es gab sie schon lange, durch die
neoliberalen Reformen der 90er Jahre und durch die aktuelle
Wirtschaftskrise ist ihre Zahl jedoch geradezu explodiert. Unter ihnen
sind hunderttausende, die sich irgendwie von einem schlecht bezahlten
Gelegenheitsjob zum nächsten durchschlagen. Viele sind jung, viele haben
akademische Ausbildungen. Sie sind gesellschaftlich stigmatisiert und
ausgegrenzt, häufig in Wohnbaracken am Rande der Großstädte zusammen
gepfercht, viele obdachlos. Manche von ihnen nennen sich selbst
«Freeter», ein Kunstwort, das aus einer Zusammenziehung von „Freelancer“
und „Arubaito“ (von deutsch: Arbeit) dem japanischen Begriff für
Tagelohn oder Leiharbeit, entstanden ist. Freeter sind es auch, die in
Japan rekrutiert werden, wenn es darum geht, als „Wegwerfarbeiter“
dreckige und gefährliche Arbeiten für ein Minimum an Lohn auszuführen.
Auch unter den Arbeitern, die derzeit versuchen, die Katastrophe durch
die zerstörten Atomreaktoren des AKW Fukushima I einzudämmen, sollen
sich „Wegwerfarbeiter“ befinden. Seit einigen Jahren versuchen sich
Freeter selbst gewerkschaftlich zu organisieren und gegen die Hölle aus
Ausbeutung und gesellschaftlicher Ausgrenzung vorzugehen.

Warum der Hilfs- und Solidaritätsfond?

Manche mögen sich fragen, warum wir einen eigenständigen Hilfs- und
Solidaritätsfond zur Unterstützung von Freetern ins Leben gerufen haben.
Wir haben das getan, weil wir aus der Vergangenheit wissen, dass im
Angesicht der Katastrophe eben niemals alle gleich sind. Wer Geld oder
Einfluss hat, der hat eher Möglichkeiten, mit den Folgen zurecht zu
kommen. Wer aber sowie schon mittellos und an den Rand der Gesellschaft
gedrängt war, der hat auch im Falle einer natur- oder menschengemachten
Katastrophe die deutlich schlechteren Karten. Das ist die Klaviatur von
Katastrophenmanagement unter kapitalistischen Bedingungen. Wir verstehen
den Fond deshalb als Akt der direkten Solidarität unter ArbeiterInnen.
Wir wissen, dass es angesichts des Ausmaßes der Katastrophe und
angesichts der nuklearen Bedrohung viel zu wenig ist, was wir tun
können. Aber wir werden nicht vergessen, dass Freeter in verschiedenen
japanischen Städten im Jahr 2010 auf die Straße gegangen sind, um die
FAU Berlin in ihrem Arbeitskampf beim Kino Babylon Mitte und dem
drohenden faktischen Gewerkschaftsverbot zu unterstützen.

Wozu sollen die Gelder verwendet werden?

Über die Verwendung der Solidaritätsgelder aus dem Fond entscheiden wir
auf Basis unserer bestehenden Kontakte und in Absprache mit
Selbstorganisationen der Freeter, wie der «Freeter Zenpan Roso». Wie das
im konkreten Einzelfall aussehen wird, hängt davon ab, wie sich die
Katastrophe weiterentwickelt. Möglich ist es z.B. dass ein Teil der
Gelder dazu verwendet wird, angesichts der schlechter werdenden
Versorgungslage Lebensmittel anzukaufen und zu verteilen. Für den Fall,
dass die radioaktive Verseuchung sich noch weiter ausbreitet, werden
künftig die Preise für weniger belastete Lebensmittel steigen. Auch hier
könnte sehr bald Unterstützung notwendig werden. Es gibt auch Freeter,
die angesichts der Katastrophe das Land verlassen oder sich in zunächst
weniger betroffene Landesteile in Sicherheit bringen möchten. Auch das
ist für viele von ihnen nicht zuletzt eine Frage des Geldes für
Transport und eine Unterkunft. Wir haben bereits damit begonnen,
japanische GenossInnen dabei zu unterstützen.

Wie kann ich mich weiter informieren?

1. Für aktuelle Informationen rund um den «Freeters Solidaritätsfond»
haben wir eine Sonderseite eingerichtet. Dort werden wir in den nächsten
Wochen auch über den Stand der Spenden und aktuelle Entwicklungen im
Zusammenhang mit dem Fond informieren.

2. Hintergrundinformationen über die Freeter und die
Freeter-Gewerkschaft «Freeter Zenpan Roso» finden sich z.B. unter:

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