Ich habe eben beim Surfen einen ganz wunderbaren Film über die Anti-Castorproteste im Wendland gefunden. Die Filmaufnahmen sind zwar schon aus den 90er Jahren, aber die Zusammenstellung gibt ganz genau die Stimmung wieder, die ich auch in den letzten 10 Jahren immer wieder erlebt habe.

Bitte, schaut Euch den Film an und nehmt ihn als Gleichnis für die Kämpfe, die uns weiterhin bevorstehen werden. Als Gleichnis für die Härte, als Gleichnis für die Lebensfreude die trotz alledem und gerade deswegen entsteht.

Der Film heißt

DAS GORLEBEN-GEFÜHL

Ungefähr um die Minute 14 könnt Ihr die Stimmung erleben, wenn Klaus der Geiger  loslegt.

Die ziemlich realistischen schlimmen Szenen um Minute 20 dokumentieren, was passiert, wenn die Strecke schließlich für den Castor freigeräumt wird. Im Jahr 2008 hats mich auch ziemlich schlimm erwischt. Allerdings möchte ich hier betonen, dass es zumindest bisher doch immer möglich war, sich vorher – nach den zu Anfang des Films gezeigten Warnungen der Polizei – zu entfernen. Von den anderen Demonstrierenden und Blockierenden wird dies auch unterstützt – niemand verlangt mehr, als man zu riskieren bereit ist.

Man muss ja ergänzen, dass viele der Akteure sich schon vorher oder vor Ort in sog. „Bezugsgruppen“ organisieren (mehr zur Organisation siehe hier),  in denen dann auch besprochen wird, wie es jeder Person geht, wie weit sie gehen möchte, wo sie die Unterstützung der Gruppe braucht usw. Diese Methoden haben sich inzwischen auch bei anderen Protesten bewährt, so bei den Blockierungen der G8 in  Heiligendamm oder auch Anti-Nazi-Aktionen.

 

Ich möchte den am Ende des Films gesprochenen Text hier notieren, er gefällt mir sehr gut.

Das Gorlebengefühl

Und während wir geschlafen haben,
nahmen sie uns unser Zuhause weg
und alles verwandelte sich in Disneyland und Marionetten
und Roulettetische und Speichel.

Keine netten, ziellosen Spaziergänge (sind) mehr erlaubt,
keine langen, durchwanderten Nächte mehr,
entflammt mit Möglichkeiten, Wundern und Freuden.

Hier nicht, nein, nicht mit den blitzenden Polizeilichtern
und den kontrollierten Parkanlagen und Vergnügungsvierteln,
mit dem ganzen „Ja, ihr könnt hier leben aber… ihr könnt hier nicht leben.“
Ich meine, ihr könnt eure Mieten zahlen und ein bißchen hin und her gehen
aber das ist auch schon fast alles, Leute. Vergeßt es ja nicht.

Und wir lernten die Regeln nur allzu gut
und sie veränderten die Art, wie wir fühlten und lebten und sogar die Art, wie wir atmeten.
Oder wir überbrachten manchmal Verkündigungsbotschaften oder drängende Ängste
auf fotokopierten Blättern, seidenen Filmleinwänden oder auf CD-ROMs.

Wir fanden manchmal Antworten auf den leeren Plätzen
wie einen Vogelscharm, der aus toten Gebäuden auffliegt,
unter dem blinden weißen Loch der Sonne.

So wie Bäume, die durch Zäune wachsen oder
ein zurückgelassener Krug, der mit dem rostigen Wasser eines Sommers gefüllt ist –
dort draußen hinter dem Ort, wo die schweren Züge rollen.

Und wir fanden Hoffnung in dem Gedanken von der vergeblichen Geste
und wir nahmen manchmal Gestalt an mit Steinen in den Händen.
Und wir bauten etwas, trotz allem.

Und wir werden uns das von ihnen nicht so leicht wegnehmen lassen.

Also bitte, lasst uns bitte überlegen, was genau wir hier genau erbauen können
auf verdörrtem und brachliegendem Boden,
während wir von vornherein wissen
dass früher oder später ihre Bulldozer kommen und alles niederreißen werden.

Doch wir können es erbauen, trotzdem verstaubte Botschaften hinterlassen
von unseren vergangenen Reisen

Und Widerstand wuchs aus zahlreichen Orten
und wir kämpften den guten Kampf,
wann immer er unsere einsamen und gewundenen Straßen herunterkam

P.S.  Wer nicht weiß, was der Titel mit diesem Bericht zu tun hat,
hat den Film nicht gesehen 😉

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