Im Köpenicker Rathaus, in Erinnerung an den „Hauptmann von Köpenick“

Ich komme kaum hinterher und der Sonntag, von dem ich berichte, ist schon über eine Woche her. Am 27.3. jedenfalls nahm ich während meiner Berlinreise an einer Sitzung zum „Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus“ teil.

Die Arbeitsweise verlangt die vorherige Lektüre der besprochenen Beiträge, was mir auch möglich war, da ich nach meiner Anmeldung die entsprechenden Texte zugeschickt bekam. Es lagen mehrere Exposés und Entwürfe für Artikel aus dem Buchstabenbereich P und L vor. Verschiedene Teilnehmer_innen hatten jeweils für einen Artikel Voten vorbereitet. Diese wurden dann vorgetragen und die Autor_innen konnten nach einer weiteren kurzen Diskussion aller Beteiligten darauf eingehen. Diese Arbeitsweise gefällt mir sehr gut.

Inhaltlich erlebte ich Debatten zu den Stichworten „Langer Marsch“, „Linguistic turn“, „Liberalismus“„Kritische Psychologie“ und „Leitung“. Die Ausarbeitung eines Artikels zum Thema „Langer Marsch“ (in China) will einerseits der Verherrlichung dieses Geschehens in China selbst nicht unkritisch folgen, aber andererseits auch der antikommunistischen Verteufelung etwas entgegen setzen. Ich kann hier nicht auf alle Debatten dieses Tages eingehen.

Der Beitrag zur „Kritischen Psychologie“ interessierte mich besonders. Das Exposé von Morus Markard schildert schon recht ausformuliert die Inhalte dieses methodischen Konzepts. Deshalb kritisierte Frigga Haug bereits den Stil der Arbeit. Sie forderte insbesondere, dass solch ein Text nicht behauptend im Sinne: „So ist es!“ geschrieben sein sollte, sondern auf die Kämpfe, in denen sich das Konzept entwickelt hat und entwickelt, darstellen und die Inhalte daran aufweisen soll. Solch ein Text solle eher ein „Zeige- und Kampftext“ sein als eine „Verteidigungs- und Verkündigungsschrift“. Allerdings wurde hier, wie schon erwähnt, kein fertiger Text, sondern nur die erste zusammenfassende Exposé-Skizze diskutiert.

Insgesamt wurde in der Debatte häufig auf schon lange geführte Diskussionen verwiesen, die ich nicht im einzelnen kenne. Einiges würde ich gern nachvollziehen, mal sehen, ob mir dies noch gelingt. Wenn jemand mag und kann, würde ich mich über Literaturhinweise zu den Debatten um das Thema „Ideologie“ und „Subjekt“ freuen…

Nadine Müllers Exposé zum Thema „Leitung“ war nur stichpunktartig ausgeführt und ließ für manche Votanten keine geeignete Struktur erkennen. Mir gefiel es aber recht gut. Ich denke, ihre Dissertation, die auch als Buch erschien, könnte sehr interessant sein. In der Diskussion zeigten sich zwei entgegengesetzte Tendenzen: Einerseits wurde darauf verwiesen, dass so etwas wie Leitung immer und überall aus rein sachlichen Gründen notwendig wäre und auf der anderen Seite wurde davon ausgegangen, dass aufgrund der Beziehung von Leitung zu Herrschaftsstrukturen freie Organisierungsformen auch ohne Leitung auskämen. Hier wird es noch spannend, wenn weiter diskutiert wird, z.B. zum Verhältnis (und Unterschied!) von Kooperation und Leitung.

Zum „Anfüttern“ gibt’s die HKWM-Texte übrigens in der „Inkritpedia“ – die Volltextversion leider nur kostenpflichtig.

Während ich mich bei diesem Treffen schon mit zwei Freund_innen aus Jena getroffen habe, konnte ich über die besonders interessanten Fragestellungen dann am Spätnachmittag gleich noch bei S. und H. weiter diskutieren.


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