„Die letzte Arche“, Fortsetzung der „letzten Flut“ von Stephen Baxter fesselte mich beim Lesen mehr als der erste Teil. Schließlich geht es jetzt endlich, wenn auch als verzweifelte Flucht der letzten Menschen, in den Weltraum. Die unendlichen Welten des Weltraums gelten traditionell als Fluchtperspektive, als Widerpart des Unzureichenden auf der kleinen Erde. Also hinaus endlich…


Aber es sind die Menschen von der Erde, die da hinaus ziehen. In den Wirren des Überlebenskampfes gelingt es nicht einmal, die jahrzehntelang vorbereitete Crew vollständig ins Raumschiff zu bringen, sondern Abkömmlinge einflussreicher Cliquen und zuletzt sogar ein paar Eindringlinge aus den Menschenmassen erklimmen die Einstiegsleiter.

Wieder umfasst der Erzählzeitraum fast 40 Jahre. Wir erkennen in der Abfolge der Generationen einige Figuren wieder, aber sie bleiben blass wie schon im ersten Band. Etwas spannender wird es diesmal, weil sich auch aufgrund der überhasteten Abreise der Flug kompliziert gestaltet. Einerseits gibt es da draußen im Universum Überraschungen. So erweist sich der zuerst angeflogene Planet als äußerst ungünstig für eine Ansiedlung. Andererseits sind wahrhaft explosive Spannungen in den Beziehungen zwischen den Personen voraus zu sehen. Dadurch kommt es zu interessanten Entscheidungszwängen… und der Flug der Arche selbst wird zu einer langen Odyssee.

Leider bleibt die soziale Phantasie bei Stephen Baxter weit hinter seiner Kenntnis neuester naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und Hypothesen zurück. Die fortlaufende Einengung der Ressourcen zwingt bei ihm zur stufenweisen Einschränkung von demokratischen und Menschenrechten, zur Unterdrückung von Kreativität und Individualität, die bis zum Schluss hin nur immer alternativloser dargestellt wird.

Damit erweist sich diese Science Fiction gerade nicht als Ermöglichung von innovativem Vordenken sondern wird zur Einübung von alternativlosem Menschlichkeitsverlust.

Die Enttäuschung „1. Ordnung“, also das Wegkommen der utopischen Literatur von freudvollen Zukunftsträumen, finde ich völlig in Ordnung und auch notwendig. Aber „die letzte Arche“ verkörpert eine viel größere Enttäuschung „2. Ordnung“ für mich – sie enttäuscht meine Hoffnung, Science Fiction könne unsere Phantasie auf allen Gebieten erweitern, sie könne produktive Vor-Scheine für eine überlebenswerte Zukunft erzeugen, sie könne uns anregen, das eigene Leben schon vor den Katastrophen kreativ zu verändern.

Ich weiß nicht, ob Baxter noch an einem dritten Band schreibt. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die wirkliche Arche gar nicht von der Erde weggeflogen ist…

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