Besonders spannend wird die Frage nach dem Verhältnis von Geld und Kapital natürlich für die Antizipation einer nachkapitalistischen Gesellschaft. Können wir mit dem Abschaffen des Geldes gleich den ganzen Kapitalismus abschaffen? Oder anders herum: Müssen wir mit dem Kapital auch notwendigerweise das Geld abschaffen?
Beide Fragen würde ich mit Nein beantworten. Eine andere Frage: Soll damit auch das Geld verschwinden? beantworte ich dagegen mit Ja.
Gehen wir nochmal zurück zur Feststellung, dass die Machtverhältnisse, die sich auf sachliche Abhängigkeit gründen, persönliche Unabhängigkeit wenigstens auf der Zirkulationsebene ermöglichen (MEW 42: 91). Wenn die Grundstrukturen der Gesellschaft nicht verändert werden, würde ein Abschaffen des Geldes nicht zu erwünschten Effekten führt, denn „[r]aubt der Sache diese gesellschaftliche Macht, und ihr müsst sie Personen über Personen geben.“ (MEW 42: 91)

Der Realsozialismus war zwar einerseits so etwas wie ein „Staatskapitalismus“, weil das gesellschaftliche Eigentum des Staates sich als eigenständige Sache gegen die Individuen stellte – andererseits war das wirtschaftliche Handeln stark durch politisches Handeln, die Entscheidung von Planungsträgern bestimmt, also von Menschen mit all ihren Selbstherrlichkeiten, Fehlern und ihrem Unvermögen. Nicht umsonst wird der Realsozialismus mit Bürokratisierung verbunden, und auch mit der entscheidenden Rolle des „Vitamin B“ (Beziehungen, um über direkte Beziehungen zu nötigen Gütern oder Dienstleistungen zu kommen).

Es gibt eine weitere Stelle bei Marx, die zeigt, dass es nicht nur auf das Geld ankommt:

„Das Geld weggestrichen, würde man [….] entweder auf eine niedrigere Stufe der Produktion zurückgeworfen […] oder man würde zu einer höhren fortgehn, worin der Tauschwert nicht mehr die erste Bestimmung der Ware, weil die allgemeine Arbeit, deren Repräsentant [er] ist, nicht mehr nur zur Gemeinschaftlichkeit vermittelte Privatarbeit erschiene.“ (MEW 42: 143)

Damit ist mein erstes „Nein“ begründet gegenüber der Erwartung, dass wir mit dem Abschaffen des Geldes auch den Kapitalismus abgeschafft haben.

Nun zur nächsten Frage, die im letzten Marx-Zitat schon mit angesprochen ist. Wenn die wesentlichen Existenzbedingungen des Kapitals aufgehoben sind, kann zu einer höheren Stufe der Produktion fortgegangen werden. Dann ist aber auch kein „Arbeitsgeld (letztres als sozialistische Form)“ (MEW 42: 58) mehr nötig, denn dieses ist eine „sich selbst auflösende Forderung […], durch die formelle Umwandlung eines Verhältnisses sich über wesentliche Bedingungen desselben wegsetzen zu wollen“ (ebd.)

Noch mal genauer: Es müssen die wesentlichen Bedingungen des Verhältnisses aufgehoben werden, es soll nicht nur formell umgewandelt werden (etwa mit „besserem Geld“). Was waren die wesentlichen Bedingungen? Die Trennung der Menschen von ihren Arbeits- und Lebensbedingungen.

Im Kapitalismus gilt:

„Der Austausch als vermittelt durch den Tauschwert und das Geld setzt allerdings die allseitige Abhängigkeit der Produzenten voneinander voraus, aber zugleich die völlige Isolierung ihrer Privatinteressen und eine Teilung der gesellschaftlichen Arbeit, deren Einheit und wechselseitige Ergänzung gleichsam als ein Naturverhältnis außer den Individuen, unabhängig von ihnen, existiert.“ (MEW 42: 92)

Wenn die Produzenten nicht mehr unabhängig voneinander als „Privatproduzenten“ irgendwelche Waren herstellen und dann den Markt für die Verteilung und den Austausch brauchen, brauchen sie auch keine Vergleichung mehr. Die Vergleichung war nur unter den genannten Voraussetzungen „an der Stelle der wirklichen Gemeinschaftlichkeit und Allgemeinheit“ (MEW 42: 95) getreten. Nur unter diesen Voraussetzungen schenken „die Menschen der Sache (dem Geld) das Vertrauen […], was sie sich nicht als Personen schenken“ (ebd.: 94).

Nur wenn Peter und Paul das Geld brauchen, weil sie sich selbst kein Vertrauen schenken, kommen wir zu dem (in 1.) diskutierten Problem:

Nehmen wir jetzt eine andere Ware C auf dem Markt. …Es geht darum, die Art und Menge von C zu finden, so dass ihr Gebrauchswert (in Naturalform) äquivalent wird zum Wert von A.

Das fehlende Vertrauen ist natürlich keine Frage von Wollen oder Nichtwollen, sondern ist eingeschrieben in die gesellschaftlichen Verhältnisse und abhängig von der „Entwicklung materieller und geistiger Bedingungen“ (ebd.: 92):

„Die Individuen sind unter die gesellschaftliche Produktion subsumiert, die als ein Verhältnis außer ihnen existiert.“ (ebd.)

Wie sähe eine Gesellschaft aus, in denen die gesellschaftliche Produktion nicht mehr als Verhältnis außer den Individuen existiert? Hierfür gibt es von Marx mehrere Umschreibungen, die nicht allzu konkret sind. Eine konkretes „Ausmalen“ der Zukunft war auch nie sein Anliegen. Wie Menschen in einer nachkapitalistischen Welt ihr Leben einrichten, das kann auch nicht bis ins Einzelne vorausgesagt werden, weil es nicht vorherbestimmt ist. Vorherbestimmt sind lediglich die Rahmen des Möglichen (und Un-Möglichen) und grundsätzliche Prinzipien, die sich aus der bestimmten Negation ergeben. Wir können heute erste Praxisfelder finden, in denen diese Prinzipien im eingeschränkten Rahmen als „Keimformen“ bereits verwirklicht werden, gemeint sind z.B. Praxen der commonsbasierten Peer-Produktion.

Als bestimmte Negation gegenüber den Zuständen im Kapitalismus ergeben sich folgende Bestimmungen:

  • Es geht um eine „unmittelbar gesellschaftlich[e]“ Produktion, d.h. „die gesellschaftliche Produktion ist […] unter die Individuen subsumiert, die sie als ihr gemeinsames Vermögen handhaben.“ (ebd.)
  • Es besteht ein „freier Austausch von Individuen, die assoziiert sind auf der Grundlage der gemeinsamen Aneignung und Kontrolle der Produktionsmittel“ (ebd.)
  • Eine andere Formulierung spricht von „universal entwickelten Individuen, deren gesellschaftliche Verhältnisse als ihre eignen, gemeinschaftlichen Beziehungen auch ihrer eignen gemeinschaftlichen Kontrolle unterworfen sind“ (MEW 42: 95)
  • Die Arbeit eines Einzelnen wäre dann von vornherein allgemeine Arbeit, wenn sie „von vornherein als Glied der allgemeinen Produktion“ gesetzt wäre (ebd.: 103)

„In dieser Voraussetzung würde nicht erst der Austausch ihr den allgemeinen Charakter geben, sondern ihr vorausgesetzter gemeinschaftlicher Charakter würde die Teilnahme an den Produkten bestimmen. Der gemeinschaftliche Charakter der Produktion würde von vornherein das Produkt zu einem gemeinschaftlichen, allgemeinen machen. Der ursprünglich in der Produktion stattfindende Austausch – der kein Austausch von Tauschwerten wäre, sondern von Tätigkeiten, die durch gemeinschaftliche Bedürfnisse bestimmt wären, durch gemeinschaftliche Zwecke – würde von vornherein die Teilnahme des einzelnen an der gemeinschaftlichen Produktenwelt einschließen.“ (ebd.: 103-104)

Oft wird alternativen Wirtschaftskonzepten vorgeworfen, sie würden die Komplexität der gesellschaftlichen Vermittlung unterlaufen wollen durch einen Rückfall in die unvermittelte Unmittelbarkeit. Demgegenüber müsste natürlich mit Marx daran festgehalten werden: „Vermittlung muss natürlich stattfinden.“ (ebd.: 104) Aber es sind zwei grundlegend unterschiedene Typen von Vermittlung zu unterscheiden:

1.

„Im erstren Fall, der von der selbständigen Produktion der einzelnen – sosehr diese selbständigen Produktionen durch ihre Beziehungen zueinander sich post festum [im Nachhinein A.S.] bestimmen, modifizieren –, findet die Vermittlung statt durch den Austausch der Waren, den Tauschwert, das Geld, die alle Ausdrücke eines und desselben Verhältnisses sind. […]

In dem ersten Fall wird der gesellschaftliche Charakter der Produktion erst durch die Erhebung der Produkte zu Tauschwerten und den Tausch dieser Tauschwerte im Nachhinein gesetzt.“ (MEW 42: 104) (Mehr zur Bestimmung des allgemeinen Interesses als „Allgemeinheit der selbstsüchtigen Interessen“ in dieser Gesellschaftsform siehe MEW 42: 168ff..)

2.

„Im zweiten Fall ist die Voraussetzung selbst vermittelt; d.h. eine gemeinschaftliche Produktion, die Gemeinschaftlichkeit als Grundlage der Produktion, ist vorausgesetzt. Die Arbeit des einzelnen ist von vornherein als gesellschaftliche Arbeit gesetzt. Welches daher auch immer die besondere materielle Gestalt des Produkts sei, das er schafft oder schaffen hilft, was er mit seiner Arbeit gekauft hat, ist nicht ein bestimmtes besonderes Produkt, sondern ein bestimmter Anteil an der gemeinschaftlichen Produktion. Er hat darum auch kein besonderes Produkt auszutauschen. Sein Produkt ist kein Tauschwert. Das Produkt hat nicht erst in eine besondere Form umgesetzt zu werden, um einen allgemeinen Charakter für den einzelnen zu erhalten. Statt einer Teilung der Arbeit, die in dem Austausch von Tauschwerten sich notwendig erzeugt, fände eine Organisation der Arbeit statt, die den Anteil des einzelnen an der gemeinschaftlichen Konsumtion zur Folge hat. […]

Im zweiten Fall ist der gesellschaftliche Charakter der Produktion vorausgesetzt, und die Teilnahme an der Produktenwelt, an der Konsumtion, ist nicht durch den Austausch voneinander unabhängiger Arbeiten oder Arbeitsprodukte vermittelt. Er ist vermittelt durch die gesellschaftlichen Produktionsbedingungen, innerhalb deren das Individuum tätig ist.“ (ebd.)

Erst im zweiten Fall können die Menschen innerhalb der historischen Entwicklung der Menschheit eine weitere Stufe ihrer Entwicklung erklimmen nach der ersten Stufe der persönlichen Abhängigkeit und der zweiten Stufe der sachlichen Abhängigkeit:

„Freie Individualität, gegründet auf die universelle Entwicklung der Individuen und die Unterordnung ihrer gemeinschaftlichen, gesellschaftlichen Produktivität als ihres gesellschaftlichen Vermögens, ist die dritte Stufe.“ (MEW 42: 91)

Nun liegt es angesichts der Unkonkretheit, der Kaum-Vorstellbarkeit der gesellschaftlichen Vermittlungsformen auf dieser dritten Stufe nahe, eine Abkürzung zu versuchen. Eine Möglichkeit dafür ist die Einführung von sog. „Stundenzetteln“ oder alternativen Währungen wie heutzutage bei den Tauschringen. Marx geht an vielen Stellen kritisch auf diese Konzepte ein. Neben der Unpraktizierbarkeit, die entsteht, weil die sich unterschiedlich verändernde Arbeitsproduktivität einbezogen werden muss, betont Marx auch eine fundamentale Kritik:

„Die Arbeit des einzelnen also unmittelbar zum Geld machen zu wollen […] heißt, sie unmittelbar als allgemeine Arbeit zu bestimmen, d.h. eben die Bedingungen negieren, unter denen sie zu Geld und Tauschwerten gemacht werden muß und vom Privataustausch abhängt. Die Forderung kann bloß befriedigt werden unter Bedingungen, worin sie nicht mehr gestellt werden kann.“ (ebd.: 104-105)

Es kommt ganz grundsätzlich darauf an, alle Verhältnisse abzuschaffen, in denen Menschen irgendeinem Geld mehr vertrauen als sich selbst.

Ich könnte es auch akzeptieren, wenn Menschen bzw. Menschengruppen auch nach dem Ende des Kapitalismus dieses Vertrauen noch nicht haben, und sich in einer Übergangszeit mit solchen Stundenzetteleien zu behelfen versuchen. Ich denke, sie werden selbst bemerken, dass sie sich damit nur unnötigen Aufwand aufhalsen. Wichtig ist, dass keine Gutschrift in welcher Währung auch immer das Recht auf eine „Verfügung über fremde Arbeitskraft“ (MEW 3: 32) gewähren darf.

„Der Kommunismus nimmt keinem die Macht, sich gesellschaftliche Produkte anzueignen, er nimmt nur die Macht, sich durch diese Aneignung fremde Arbeit zu unterjochen.“ (MEW 4: 477)

Braucht Arbeitsteilung Geld?

Wenn man Menschen, die nicht an eine Abschaffung des Geldes glauben, fragt, warum sie das Geld als notwendig ansehen, antworten sie zumeist mit der Problematik der Arbeitsteilung. Innerhalb komplexer Arbeitsabläufe kann man ja letztlich kaum ein fertiges Produkt von Anfang bis Ende allein herstellen, das man selber nutzen oder weiter geben könnte. Man muss dazu motiviert werden, einen kleinen Anteil innerhalb eines schier unüberschaubaren Arbeitsprozesses zu leisten und wie soll das funktionieren ohne Geld? Auch bei Marx gibt es wenigstens ein Zitat, bei dem er die Entwicklung der Arbeitsteilung und der Tauschwertlogik in einem Satz verbindet:

„Das Bedürfnis des Austauschs und die Verwandlung des Produkts in reinen Tauschwert schreitet voran im selben Maß wie die Teilung der Arbeit, d.h. mit dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion.“ (MEW 42: 81)

Dies bezieht sich aber an dieser Stelle ausdrücklich auf den Kontext des Kapitalismus mit der Voraussetzung des getrennten Eigentums an Arbeitskraft und Produktionsmitteln. Dafür, dass eine komplexe arbeitsteilige Produktion nicht von sich aus Geld als Vermittlungsinstanz braucht, sprechen nicht nur die Praxen von Freier Software, Creative Commons und der Peer-Ökonomie, sondern die Möglichkeit der nicht geldvermittelten Vereinbarung und Koordination beweist sich auch täglich innerhalb von Großunternehmen mit zigtausenden Arbeitenden. Zwar versuchen viele Unternehmen, auch innerbetrieblich marktwirtschaftliche Praxen einzuführen, aber letztlich laufen die allermeisten Abstimmungen und Koordinierungen nicht über innerbetriebliche Märkte, sondern über die kooperativen Fähigkeiten der Menschen, die vielfältigste Informations- und Kommunikationstechniken nutzen können. So argumentiert auch Andreas Exner:

„Die innerbetriebliche Arbeitsteilung ist bereits ein schlagendes Argument gegen die notwendige Verknüpfung von Geld und Arbeitsteilung […]. In einem Konzern kooperieren tausende von Menschen ohne die Dazwischenkunft von Geld. Es gibt zwar eine Tendenz, innerbetrieblich einen Markt zu simulieren, indem Profitcenter definiert werden etc. Doch ist das erstens eine ziemlich neue Tendenz, zweitens nicht konzernprägend. Die Kooperation im Betrieb erfolgt grundsätzlich ohne Geld. Sie beruht auf der Eigenmotivation und der Fähigkeit der Selbstorganisation der dort Tätigen – wie ohnehin alle wissen, die mal in einem Betrieb gearbeitet haben. “Dienst nach Vorschrift” ist eine Drohung. Daran sieht man, dass die Kooperation im Betrieb auch nicht von oben verordnet wird.“ (Andreas Exner)

Geld zur Verteilungsoptimierung?

Eine andere Begründung, die anscheinend für die Notwendigkeit von Geld spricht, ist das sog. „Allokationsproblem der Ressourcen“. Es geht darum, die als knapp angesehenen Produktionsfaktoren optimal zu verteilen. Dafür werden (z.B. in Wikipedia ) im Wesentlichen drei Mechanismen als möglich betrachtet: Zentralwirtschaft, Kapitalistische Marktwirtschaft und Sozialistische Marktwirtschaft. Alle diese Mechanismen nutzen letztlich Geld.

Auch im Kommunismus bleibt nach Marx vor allem die „Ökonomie der Zeit“ wichtig (MEW 42: 105). Marx geht auch von einer „Buchführung“ darüber aus (MEW 25: 859). Zusätzlich muss auch davon ausgegangen werden, dass der Energieverbrauch und die Umweltnutzung den natürlichen Bedingungen entsprechend angepasst werden müssen. Gerade hier zeigt sich aber, dass eine gleichmacherische Äquivalenzwährung dafür keinesfalls geeignet ist. Auch bei der „Ökonomie der Zeit“ ist davon auszugehen, dass sie sich für die jeweils verschiedenen Tätigkeiten in je unterschiedlicher Weise zeigt. Entsprechend den jeweils unterschiedlichen produktiven Bedürfnissen möchten einige Menschen vielleicht mehr tätige Zeit mit Kindern verbringen, andere im Garten, in der Küche oder der Bibliothek. Dafür soll an anderen Stellen Zeit eingespart werden (z.B. beim Kloputzen). Dies gelingt aber nicht mittels gleichmacherischer Stundenzählerei, sondern nur durch konkrete Vereinbarungen und Kooperationen, sowie technische Veränderungen in den unerwünschten Bereichen (selbstreinigende Klos ;-)).
Eine Voraussetzung muss dafür jedoch gegeben sein: Die durchschnittliche Arbeitsproduktivität muss so hoch sein, dass nicht der größte Teil der Lebenszeit für die notwendige Reproduktion aufgebraucht wird. Marx warnt davor, dass ohne eine ausreichende Entwicklung der Produktivkräfte „nur der Mangel verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen und die ganze alte Scheiße sich herstellen müßte“ (MEW 3: 34-35).

Angenommen, trotz eines Umbaus der Produktionsmittel und Produktionstechnologie, der aus ökologischer und auch menschlicher Sicht unbedingt notwendig sein wird, kann die durchschnittliche Arbeitsproduktivität beibehalten werden, so stellt sich der Produktionsfaktor Arbeitskraft kaum noch als „knapp“ dar. Im Gegenteil, die herrschende Gesellschaftsordnung ist gerade davon gekennzeichnet, dass sie einen Rationalisierungsgrad durchgesetzt hat, dass die Arbeitslosigkeit in fast allen Regionen sehr hoch ist. Lassen wir noch alle Arbeiten weg, die heute nur wegen dem Profit oder der Notwendigkeit des Geldverdienens gemacht werden, sind wir sicher noch einmal mindestens die Hälfte der Arbeit los. Speziell das Weglassen des Geldes spart uns viele, viele Bank- und Büroarbeitsstunden.

Einen wirklichen Mangel an Produktionsmitteln ist auch kaum festzustellen, nicht einmal in solchen Wachstumsbranchen wie der Photovoltaik. Zumindest unter kapitalistischen Verhältnissen wird gerade in dem berühmten Unternehmen Q-Cells die Hälfte der Produktionskapazität für Solarzellen stillgelegt. Dem Produktionsmittel Boden allerdings droht durch massive Landaufkäufe und –Umnutzungen (z.B. für Agrosprit) gerade eine verhängnisvolle Verknappung, die aber nichts mit seiner Naturalform zu tun hat, sondern in den herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen begründet ist.

In der Zukunft wird es wohl vor allem notwendig sein, eine Bilanzierung und einen bewussten Umgang mit dem Energieverbrauch und der Umweltnutzung zu realisieren. Vielleicht machen auch Äquivalente wie das CO2–Äquivalent für die klimaschädliche Wirkung von Klimagasen Sinn, aber die Umrechnung in finanzielle Werte ist grundsätzlich unangemessen, wenn auch zwecks Skandalisierung und Aufrüttelung vielleicht wirksam.

Aus diesen Gründen gibt es keinen Grund, davon auszugehen, dass Geld nach dem Kapitalismus weiterhin nötig ist. Es ist weder nötig, noch wünschbar. Denn solange Geld notwendig ist, bedeutet dies, dass wir uns nicht als Menschen vertrauen.

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