Warum ich mich schon längere Zeit so schwer tue, mal wieder was Ordentliches zu produzieren, hängt auch mit den derzeitigen Arbeitsbedingungen zusammen. Alles braucht ja letztlich irgendwie auch angemessene Bedingungen, deswegen will ich hier auch mal was dazu schreiben. Zu den Bedingungen gehört bei mir dazu, dass ich gehofft hatte, in diesem Sommer alle meine Bücher in eine schöne Bibliothek einsortieren zu können. (Das Bild nebenan zeigt mich in unserer ersten (Um- und Ausbau-) Wohnung aus dem Jahr 1988, die wir leider nach 1990 verlassen mussten).

Unsere jetzige Wohnung – 1994 saniert, Stadtzentrum – ist eigentlich nicht schlecht. Sie war damals optimiert für das Mitwohnen meiner Mutti und die Räume wurden seitdem mehrmals umfunktioniert (die bisherigen realen Philosophenstübchen kann man sich hier anschauen). Aufgrund der schrägen Wände überall usw. ist jetzt aber nichts mehr zu optimieren. Mein jetziges Arbeitszimmer befindet sich im Wohnzimmer (Suchbild: wo sind die zwei Katzen?):

Weder die Bücherregale noch andere Ordnungsstrukturen können die Fülle an Material, das sich in den letzten 20 bis 25 aktiven Lebensjahren angesammelt hat, aufnehmen.

Wegschmeißen geht bei vielen neueren Sachen, die hoffentlich im Internet archiviert werden – ältere Papiere und erst Recht Bücher werden aber zum Teil umso wertvoller, weil sie sonst aus dem Blickfeld verschwinden. Gerade deshalb möchte ich mindestens die Hälfte meines Papierarchivs erhalten. Es muss aber grundlegend neu sortiert werden. Das Ordnungssystem aus der Einzugszeit in diese Wohnung ist natürlich längst überholt, jetzt beginnen sich alle möglichen Ecken in der Wohnung mit diesem oder jenen Stapel zu füllen. Seit über einem Jahr gelingt es mir nicht mehr, Papiere, etwa zum Thema „Kritik der Politischen Ökonomie“ geordnet abzulegen oder ältere Sachen zu finden.

Da auch mein Mann seine Laborräume (mit Vakuum- und Plasmatechnik)

sowie die Werkstatt für solche „Alternativen Flitzer“

endlich mal in der Nähe zur Wohnung haben möchte und nicht nach der Arbeit auch ständig nur im Auto hin- und herfahren will, sind wir seit über einem Jahr auf der Suche nach einem Hausobjekt. Nach 1990 hatten wir uns eher auf ein späteres Gemeinschaftswohnprojekt hin orientiert statt auf eigenen Privatbesitz, aber da hat sich nichts getan und das wird es – zumindest für unsere jetzigen Bedürfnisse – auch nicht mehr. Deshalb sind wir etwas „spät“ dran…

Wir besichtigten bereits mehrere Häuser, alle natürlich außerhalb Jenas, ländlich, bauernhofmäßig (Nebengebäude für Labor und Werkstatt…), manchmal ein ehemaliger Gasthof, wo sich dann der Gastraum als Traumbibliothek anbietet.

Leider war das Richtige noch nicht dabei. Wir dachten eigentlich, dass unsere Bedürfnisse was den Sanierungszustand u.ä. anbetrifft, recht niedrig sind. Aber die Elektrik muss funktionieren, neuere Fenster werden gebraucht, Wärmedämmung ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. Und statisch stabil muss auch alles sein. Von verkrusteter Schweinescheiße von vor über 20 Jahren ließen wir uns nicht abschrecken. Manch Schwalbennest hätte ich gern „gerettet“.

Aber manch bröckelnde Dachbalken gingen dann doch nicht. Einmal waren wir schon so weit, mit den Vorbesitzern abzusprechen, dass wir ihre Katze mit „adoptieren“. Ein andermal war die Wohnung noch nicht ausgeräumt und das Leben der gerade verstorbenen Vorbesitzerin spiegelte sich in ihrer Wohnungseinrichtung und machte sie fast vertraut. Oder es hängt wenigstens noch die übliche Schürze auf dem Dachboden…

Aber es nützt alles nichts. Die Kosten für Kauf und Sanierung entsprachen noch nicht dem, was wir dafür bekommen konnten. Wir erleben hier ganz deutlich den Spagat, den man machen muss, wenn es um Kauf und Verkauf geht. Ich kann es der alten Dame absolut nachfühlen, dass sie auf den Friedhof geht und mit ihrem verstorbenen Mann abspricht, dass sie mit dem Preis nicht mehr runter gehen kann. Ich weiß sogar (Verwandte von mir haben auch so ein Generationenhaus in den letzten Jahrzehnten immer wieder auf Vordermann gebracht), was für eine Lebensleistung da „bewertet“ wird. Aber angesichts der noch notwendigen Sanierungskosten vor allem bei den Nebengebäuden „rechnet es sich nicht“ für uns.

Mehrmals gab es auch noch alte Bilder vom früheren Zustand der Bauerngehöfte. Wir hätten ein solches Bild dann gern übernommen, um uns in die Tradition einzuleben, die so ein Haus verkörpert. Rein praktisch erscheint es selbstverständlich, dass die einen den Preis hochhandeln, die anderen runterbringen wollen. Es geht um eine Zahl. Für die einen bewertet sie das, was sie abgeben wollen/müssen, für die anderen den Aufwand, den sie aufbringen wollen/können (immer Kaufpreis plus Sanierungsaufwand an Geld und Zeit). (Und dabei gehen wir schon mal nur von einem reinen Gebrauchswert-Wert-Verhältnis aus und betrachten die Immobilie nicht als Kapitalanlage). Da wir eh ein bestimmtes Limit haben, erledigen sich weitere Überlegungen oft. Aber ich bin immer hin- und hergerissen: Einerseits beginne ich mich in das Haus „hineinzufühlen“, zu „kosten“, ob es uns Heimat werden könnte…, andererseits entscheiden ja doch ganz andere Kriterien und ich muss hinnehmen, was sich daraus ergibt. Da ich außerdem gerade auf Jobsuche bin und nicht ewig weit mit einem Auto fahren will, sind wir jetzt auch wieder stärker auf das nähere Umfeld von Jena verwiesen, während wir früher schon mal mehr auf die Gegend in Richtung der Autobahn nach Chemnitz orientiert waren.

Tja, so sieht es aus. Für dieses Jahr sind eventuelle Bau-Aktivitäten schon mal abgesagt, ich muss schauen, wie ich noch viele Monate mit meinen Papierstapeln leben kann. Routine kann so nicht aufkommen. Ruhe und Sicherheit allerdings auch nicht. Kreativität und Dynamik wird ausgebremst durch die Abhängigkeit von unbeeinflussbaren äußeren Faktoren (Immobilien- und Arbeitsmärkte)… Durchwursteln ist also weiter angesagt.

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