In der letzten Woche wurde in einer Runde die Meinung geäußert, dass nur die Börse geschlossen zu werden bräuchte, um die Wirtschaft wieder in ein normales Funktionieren zu versetzen. Meine Gegenposition, dass die derzeitige Wirtschaft eng mit dem Finanzwesen verzahnt ist, weil sie wegen ihrem hohen Entwicklungsstand immense Investitionen braucht und dass deshalb eine Trennung in „gute Kredite“ und „schlechte Spekulationen“ nicht möglich ist, wurde nicht anerkannt.

Ich fand nun eine sehr gute Darstellung der gegenwärtigen Krisenprozesse , bei denen die eben genannte Frage ebenfalls angesprochen wird. Ich möchte dazu eine kommentierte (auch erweiterte) Zusammenfassung geben.

Dabei werden wir erkennen, dass wir – speziell in der BRD – dem Finanzsektor letztlich sogar dafür dankbar sein müssen, weil durch ihn eine weitere Produktion möglich war, obwohl das Angebot die „normale“ zahlungskräftige Nachfrage weit übersteigt. Es war gerade die Verschuldung einiger Länder in Europa und von Amerika, welche die europäische und die Weltwirtschaft vor allem zugunsten der exportierenden Länder aufrecht erhielt.

Hyperproduktivität – Überproduktion

Das Erfolgsprinzip des Kapitalismus ist seine ungeheure Dynamik, seine Fähigkeit, die Produktivität der gesellschaftlichen Arbeit so zu steigern, dass neben dem Anwachsen der Profite auch Bedürfnisse weiter Bevölkerungsschichten über Jahrzehnte hinweg gut und immer besser befriedigt werden konnten. Diese Produktivitätssteigerung wird durch die Konkurrenz erzwungen –kein Unternehmen kann längerfristig kostendeckend produzieren, wenn es sich dem Zwang zur Produktivitätssteigerung entzieht.
Die neutrale Abbildung aus Wikipedia lässt uns zufrieden zurück lehnen: Prima: Höhere Produktivität, weniger Arbeit…

Tatsächlich jedoch erleben wir den entgegen gesetzten Trend: Jene, die einen Job haben, stehen immer mehr unter Druck – während immer mehr Menschen gar keinen mehr haben (auch kurzzeitige Entspannungen auf dem Arbeitsmarkt wie derzeit sind inzwischen lediglich Ausnahmesituationen, wie wir weiter unten noch sehen werden).

Die Dynamik des Kapitalismus wurde sogar von Marx bewundert und er sprach von dessen „zivilisierende[n] Einfluß“ (MEW 42: 323). Trotzdem erkannte er einen wichtigen inneren Widerspruch: Letztlich geht es in der kapitalistischen Wirtschaft um die Verwertung des vorhandenen Kapitals. Dazu gehört nicht nur die Herstellung von Waren, sondern auch ihr Absatz. Es werden immer mehr Waren auf den Markt geworfen. „Markt“ heißt, dass sie nicht einfach entsprechend den Bedürfnissen verteilt werden, sondern durch den Flaschenhals der „zahlungsfähigen Nachfrage“ müssen. Aus diesem Grund war zu erwarten, dass bei immer weiter steigender Produktivität die vorhandene Kaufkraft zu klein wird für die Fülle an möglichen Produkten. Da es im Kapitalismus nicht, bzw. nur notgedrungen auch ein wenig um die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse geht, sondern primär um die Kapitalverwertung, beschränken Grenzen dieser Kapitalverwertung die Entwicklung der Produktion. In der Produktion könnten viel mehr Güter hergestellt werden, als profitabel abgesetzt werden können. Überproduktionskrisen entstehen… (mehr darüber gibt’s z.B. in der Zusammenfassung des „Kapitals“ (MEW 25: 2521ff.), 11. Kapitel über die „Entfaltung der inneren Widersprüche“).

Eine Möglichkeit, solche Krisen zu bewältigen, ist die Ausdehnung der Märkte – die sog. „Globalisierung“ ist eine territoriale Ausdehnung. Eine andere Ausdehnungsdimension wird eröffnet, wenn mit neuen technologischen Entwicklungen ganz neue Betätigungsfelder und Märkte entstehen. Die durch neue technologische Schlüsseltechnologien angekurbelten Auf- und späteren Abschwünge kennen wir als sog. „Lange Wellen“ (auch Kontratjew-Zyklus genannt).

Die Informations- und Kommunikationstechnologie hat enorme Produktivitätssteigerungen ermöglicht und auch völlig neue Märkte geschaffen. In Erwartung außerordentlicher Gewinne wurde das Kapital, das in anderen Gebieten nicht mehr profitabel anlegbar war, in diese Technologie gepumpt. Diese „Spekulationen“, d.h. die Hoffnung auf künftige Profite in neuen Sphären (territorial oder technologisch) haben den Kapitalismus immer begleitet und sie waren als Investitions-Staubsauger auch immer notwendig gewesen für die Wirtschaft, die sonst angesichts sinkender Profitraten in den „alten“ Sphären ins Stocken geraten wäre. Letztlich erforderte jede neue Technologiestufe auch immer höhere Kapitalmengen an Einsatz – eine Ausnahme war zu Beginn die Internet-Technologie.

Die sog. „Dot.com“-Erwartungswelt platzte im großen Crash ab Jahr 2000 und diese Wendezeit-Jahreszahl markiert auch ziemlich genau das Ende des Funktionierens der „Langen Wellen“. Zwar ist das noch nicht das Ende des Kapitalismus. Die Technologiefelder, in denen neue Wellen erwartet wurden, entwickeln sich auch (zumindest zeitweise) durchaus stürmisch (Biobezogene Technologien, Nanotechnik, Erneuerbare Energien…) – aber alle konnten die Kapitalmassen, die eine profitable Verwertung suchen, nicht ansatzweise aufnehmen, sondern diese flossen bevorzugt in eine neue Blase: die Immobilienblase, wofür der „Zement-Tsunami“ an Spaniens Küsten ein Mahnmal ist (siehe im Film „Lets make money“). Während der Immobilienblase sank übrigens die Arbeitslosigkeit in Spanien deutlich (siehe Bild ). Was also für die Menschen eine Zeitlang gut zu sein scheint, muss im Kapitalismus nicht immer ein gutes Zeichen sein!

Dass die derzeitige Krisenwelle nicht wirklich erst in den 90er Jahren begann, zeigt Tomasz Konicz auch in einem früheren Beitrag : Die taylorisierte, fordistische Massenproduktion und die einsetzende Automatisierung seit den70er Jahren führt dazu, dass erstens die Märkte weitgehend „gesättigt“ wurden und zweitens freigesetzte Arbeitskräfte nicht mehr ausreichend in anderen Bereichen „aufgefangen“ werden können. Die Problematik der nicht mehr profitabel ausweitbaren Märkte zeigt sich vor allem auch im Sinken der Profitrate (Bild dazu).

Wie wurde diese Problematik gelöst? Nicht etwa durch eine Anhebung der Löhne entsprechend der Produktivität, sondern durch eine Entkopplung der Produktivitätsteigerung vom Lohnniveau (siehe Bild). Der Neoliberalismus war entstanden.

Reich technisch-organisatorisch betrachtet, wurde der sog. Fordismus vom sog. Toyotismus bzw. anderen neuen Unternehmens- und Managementmodellen abgelöst. Dies erklärt die weiteren Produktionssteigerungen. Für die Erklärung wirtschaftlicher Entwicklungen reichen die Dimensionen von Technik und Produktionsorganisation jedoch nicht aus, hier spielen soziale Faktoren eine maßgebliche Rolle. Es sind nicht technologische Faktoren, die zu Krisen führen, sondern die gegebenen, d.h. die kapitalistischen „Bedingungen der Welt“. Schon für die Krise 1929 wird John Rascob (hier) zitiert:

„Wir haben die Produktion so erfolgreich vorangetrieben, sodass wir vor dem Problem stehen, wie die Güter, die wir produzieren, zu konsumieren sind. Wir sind genötigt, die Produktionsmaschinerie zu verlangsamen. Wir wagen nicht, ihre latenten Möglichkeiten zu entwickeln. Unsere Fortschritte im Export waren so groß, aber die Bedingungen der Welt setzten diesem Fortschritt ihrer Grenzen.“ (Hervorhebung A.S.)

Defizitkonjunktur

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich möglich gewesen wäre, an dieser Stelle die Löhne so zu steigern, dass die Überproduktion aufgrund der Produktionssteigerung zahlungskräftige Abnehmer finden kann. Wenn es jedoch möglich ist, Profite zu generieren, ohne die Mehrwert-Kasse anzutasten (also die Löhne zu steigern), wird das natürlich genutzt. Wegen der gleichzeitig angewachsenen Sockelarbeitslosigkeit stand ein starkes Erpressungspotential gegenüber Forderungen nach höheren Löhnen zur Verfügung.
Welchen anderen Ausweg gibt es angesichts der auf Vermarktung wartenden „Über-“ Produktionskapazität bzw. der nach profitablen Investitionen suchen Kapitalüberschüsse? Vor allem die Verschuldung. In den USA entkoppelte sich die Staatsverschuldung deutlich vom Bruttoninlandsprodukt (siehe Bild).

Wenn nicht seit den 70er Jahren die Staatsverschuldung z.B. in den USA überproportional zugenommen hätte, wäre die große Krise bereits Jahrzehnte früher ausgebrochen.
Die Methode, durch staatliche Verschuldung die Rezession einer Volkswirtschaft zu mildern, bzw. zu beheben, wird auch deficit spending genannt. Gelingt damit die Ankurbelung einer Konjunktur, entsteht sogar eine „Defizitkonjunktur“.
Auf jeden Fall gelang es in vielen Ländern, die Krise durch solche Verschuldungen zu verzögern. Wenn sich jemand verschuldet, steht demgegenüber ein Guthaben, bzw. ein Verkäufer der mit dem Kreditgeld gekauften Güter. Dies ist für die hoch verschuldeten Länder wie Griechenland vor allem die BRD.

Exportweltmeister Bundesrepublik

In der Bundesrepublik konnte die Produktivität bei stagnierenden Löhnen immer weiter gesteigert werden (siehe folgendes Bild).

Deutschland hat die niedrigsten Lohnstückkosten (siehe hier eine Abbildung dazu).

Durch den Euro konnten die anderen Länder auf den Exportüberschuss der Bundesrepublik nicht mehr mit Abwertungen ihrer Währungen reagieren (durch eine solche Abwertung wären die eigenen Produkte billiger und wieder exportfähig gewesen). Dies verstärkte die Exportfähigkeit der Bundesrepublik. Die relative wirtschaftliche Stabilität verdankt Deutschland also neben der hohen Produktivität auch den niedrigen Löhnen (durch die Drohung mit Hartz IV), dem Euro und der Möglichkeit der Verschuldung (Niedrigzinsen) für die importierenden Länder.

Die EU bricht auseinander

Auf die eben geschilderte Weise entstand ein asymmetrischer Wirtschaftskreislauf, bei dem einige Länder Verlierer und wenige andere Gewinner waren. Man soll sich nicht täuschen lassen: Der gewöhnliche Blick sieht nur: „Wir arbeiten hart, schnallen unseren Gürtel enger und beliefern die anderen mit unseren Waren – aber die anderen konsumieren nur auf Pump.“ Nicht nur Boulevard-Medien und bestimmte Politiker räsonieren auf diese Weise, sondern diese Vorstellung ist weit verbreitet.

Tatsächlich jedoch verläuft wie so häufig die Trennungslinie einerseits gar nicht zwischen den Nationen („hart arbeitende“ und „nur Schulden machende“), sondern zwischen Oben (Unternehmenseigner) und Unten (Lohn- und Transferabkommensabhängige). Außerdem konnten die exportierenden Länder Umsatz und damit Profite für ihre Unternehmen generieren, während sich auf Seiten der importierenden Länder die Schulden anhäuften, weil sie früherer Regulierungsmechanismen (wie der Währungsabwertung) beraubt wurden. Auf diese Weise soll systemisch erzwungen werden, dass alle Länder wie die Bundesrepublik Löhne und soziale Aufwendungen minimieren und die gleiche Produktivität erreichen wie diese. „Sachzwänge“ engen den Spielraum der demokratischen Regulierungsmechanismen in den einzelnen Ländern immer weiter ein, die „bürgerliche Demokratie“ wird immer mehr zur Farce.

Der „Spiegel-Mechanismus“, der Gewinner und Verlierer immer weiter auseinander driften lässt, wird deutlich, wenn man den Leistungsbilanzüberschuss z.B. von Deutschland mit den entsprechenden Defiziten in den anderen Ländern vergleicht (Quelle):

Insofern kann die Aufschrift auf dem T-Shirt des Marathonläufers aus der Abbildung von ganz oben nur ironisch gemeint sein.

Ein wichtiges „Stellglied“ in diesem Mechanismus ist, wie schon erwähnt, die gemeinsame Währung. Der Euro ist es, der den anderen Ländern die Möglichkeit zur Währungsabwertung nimmt und so zur wichtigen Ursache des wachsenden Exportüberschusses der BRD geworden ist. Dieses Wachstum gewann mit Beginn der Währungseinheit eine besondere Dynamik (siehe das Bild hier). Tomasz Konicz nennt deshalb die EU eine „Transferunion zugunsten der deutschen Exportindustrie.“

Durch diese sich wechselseitig verstärkenden Gegensätze gerät die EU in eine Zerreißprobe.

Die Systemstrukturen der EU befinden sich in Auflösung, da alle wichtigen Akteure derzeit verstärkt bemüht sind, ihre Interessen durchzusetzen, ohne die zuvor üblichen Kompromisse einzugehen.“ (Tomasz Konicz)

In dem folgenden Bild sind die erwähnten Zusammenhänge zusammen gefasst:


Allgemeine Krise der (kapitalistischen) Weltwirtschaft

Auch im globalen Maßstab finden gleichartige Prozesse statt. Hier ist die USA Hauptschuldner und vor allem China profitiert von den Exporten. Die Verschuldung vor allem der USA war ein starker Antrieb für die Weltwirtschaft. Alle Konjunkturprogramme nach dem Wirtschaftseinbruch von 2009 verstärken die Verschuldungsspirale zugunsten eines relativ kurzeitigen Aufschubs des krisenhaften Einbruchs. Mittlerweile explodiert die Staatsverschuldung der USA.

Es sind letztlich die überbordenden Produktivitätsquellen, die zu den sog. Finanz- und Spekulationsblasen führen, nicht nur subjektive Gier oder verfehlte Politik. Zuerst entstanden vor allem Finanzblasen, die durch privates Kapital gefüttert worden. Dieses setzte in durchaus üblicher Tradition auf die Hoffnung, in bestimmten Sphären (Internetökonomie, Immobilien) später Profite einfahren zu können. Nach der Finanzkrise von 2008 und dem Wirtschaftseinbruch von 2009 mussten vor allem die Staaten selbst einspringen, was 2010 prompt zu den gegenwärtigen Krisen der Staatsfinanzen führte.

Wenn man sich die Entwicklung des „Dow Johnes Index“ betrachtet (leicht verändert nach Bildquelle),

so fällt die krisenhafte Entwicklung seit 2000 ins Auge (leicht verändert nach Bildquelle):

In der Phase 1 verpuffte die Dotcom-Blase. Von 2002 bis 2007 gelang ein neuer Aufschwung (Phase 2), wesentlich befördert durch eine Niedrigzinspolitik, die u.a. auch eine Immobilienblase mit sich brachte. Diese Blase begann im Sommer 2007 zu platzen (Phase 3) und die Krise begann ab Herbst 2008 in die Realwirtschaft überzugreifen. Durch massive Konjunkturförderprogramme begab sich der Index ab 2009 wieder auf den Weg nach oben (Phase 4), bis er im Mai 2010 wieder absackte und zu den aktuell beklagten Krisen führte.

Und nun?

Ist das jetzt das Ende der Fahnenstange? Wer den Kapitalismus als „Ende der Geschichte“ betrachtet, wird auf irgend einen neuen Aufschwung hoffen und setzen (müssen). Derzeit wird immer offensichtlicher, dass die Auswege durch die politischen Machthaber in einer Forcierung der Umverteilung von „Unten“ nach „Oben“ gesucht werden. Damit bricht die große Konkurrenz untereinander aus – alle versuchen, nicht nach „unten“ zu rutschen und positionieren sich gegen alle anderen. Sozialrassismus kommt zu allen Übeln dieser Welt noch dazu, Frustrationen schlagen in Aggression um, ein barbarischer Kampf aller gegen alle ist eröffnet…Der nationale Chauvinismus, gerade gegen Griechenland angeheizt, kann das Hauen und Stechen vielleicht eine Weile „exportieren“, aber seine Ursachen nicht beseitigen.

Und sogar wenn es gelänge, durch restriktive Sparprogramme auf Kosten der sozialen Stabilität den Schuldenanstieg zu dämpfen, bleibt die Überproduktions-Kapazität erhalten bzw. wird durch den Konkurrenzdruck in Richtung Produktivitätssteigerung noch erhöht. Wenn die Produktionskapazität nicht in den Genuss der bedürftigen Menschen kommt, weil diese von sich aus keine „zahlungsfähige Nachfrage“ generieren können, wohin dann damit?

Man könnte den Druck auf die ökologische Vernutzung der Welt wegnehmen (also weniger produzieren); man könnte auch Kapazitäten in die Regenerierung ökologischer Ressourcen stecken. Das einzige Problem damit ist nur: Damit wird kein Profit generiert, weil die Natur nicht „zahlungskräftig nachfragen“ kann. Die notwendige Finanzierung solcher Projekte würde lediglich die Verschuldungsspirale weiter treiben (das wäre dann wenigstens beinah eine sinnvolle Verschuldung). Auch das Verteilen der Güter an Bedürftige, das Verteilen der Gelder über ein Garantiertes Grundeinkommen und ähnliches wäre zwar wünschenswert – würde aber den Grundzweck des kapitalistischen Wirtschaftens verfehlen: Profit zu generieren, um das eingesetzte Kapital zu vermehren.

„Die Politische Klasse kann systemimmanent nur zwischen weiterer Verschuldung bis zu Staatsbankrott wählen, oder den Weg harter Sparprogramme einschlagen, die in Rezession mitsamt einsetzender Deflationsspirale führen.“ (Tomasz Konicz)

Vielleicht lassen sie sich noch einige andere Möglichkeiten einfallen. Da sie derzeit dem Trend verfallen sind, vorwiegend auf die „da unten“ zuzugreifen, verschärft sich eine irrsinnige Situation: Das grundlegende Problem besteht in einer die zahlungskräftige Kaufkraft übersteigenden Produktivität – die Folgen sind eine immer stärkere Verarmung der einfachen Menschen. Armut entsteht infolge von Reichtum.

„Der Kapitalismus ist deswegen „defizitär“ und nur noch vermittels ausufernder Verschuldung als globales System aufrecht zu erhalten, weil er gewissermaßen an seinem eigenen „Erfolg“, an seiner eigenen Produktivität zugrunde geht.“ (Tomasz Konicz)

Kann es sein, dass dieser Irrsinn sich noch so verstärkt, dass er unübersehbar und unleugbar wird? Dass uns bald die Augen aufspringen und sich alle fragen, warum sie das nicht schon längst erkannt haben und einen Tag später behaupten, sie hätten es schon immer gewusst?

Wenn man also tiefer gräbt bei der Suche nach den Ursachen der Krise, als nur Schuldenzahlen gegeneinander abzuwägen, sondern den wirtschaftsbestimmenden Faktor der Kapitalakkumulation mit in Betracht zieht, kann der Gordische Knoten gelöst werden: Die Lösung kann nur in einer Veränderung des Zwecks und der Organisationsweise des Produzierens bestehen und damit auch der Verfügungsgewalt über Ressourcen und Produktionsmittel.

Menschen vor Profit!

Angesichts des Produktivitätsfortschritts, der sinnlich wahrnehmbaren Überfülle an Waren und überflüssigem Arbeitsvermögen muss der derzeitige Flaschenhals der „zahlungskräftigen Nachfrage“ beseitigt werden. „Alles für Alle“ ist offensichtlich möglich. Das Herstellen der zu einem guten Leben notwendigen Güter muss neu organisiert werden, entsprechend den Bedürfnissen der Menschen und entsprechend ihren Möglichkeiten, sinnvoll und sorgsam mit ihren und den Natur-Ressourcen umzugehen. Eine andere Welt, eine andere Lebensweise und neue Gesellschaftsform ist möglich und sie ist notwendig. Eine Wirtschaft, in der um der Bedürfnisse willen und nicht der Kapitalvermehrung willen produziert wird, ist das „Einfache, das so schwer zu machen ist“ (Brecht).

OccupyWallstreet Proteste (Bildquelle)

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