Wer sich jemals mit der sog. Grünen Ökonomie (Green Economy) beschäftigt, die derzeit als neue Losung für die Rio+20-Prozesse ausgerufen wird, sollte ein Beispiel immer mit bedenken: Die Wirklichkeit der Grünen Ökonomie in Mexiko. Andere Beispiele sind bekannt – ich möchte dieses nur erwähnen, weil eine Mexikanerin uns beim diesjährigen BUKO-Kongress in Erfurt davon berichtete (ich selbst war gar nicht in dem Workshop zu diesem Thema, erfuhr aber in einem anderen Workshop davon).

Die Frau aus Mexiko berichtete folgendes: Sie kommt aus einem Gebiet, das ca. 300 000 Hektar groß ist. Die Menschen leben hier vorwiegend auf bäuerlich-handwerklicher Grundlage. Auf 200 000 Hektar sollen nun im Auftrag ausländischer Investoren Windkrafträder gebaut werden. Die Menschen vor Ort wehren sich gegen diese Umnutzung ihrer Ländereien, sie verlieren ihre Existenzgrundlage. Sie erklären, dass sie nicht gegen erneuerbare Energien sind, aber gegen diese neue Technik als Grundlage für die Profiterwirtschaftung für Konzerne. Für sie ist das keine akademisch-theoretische Frage, sie sind auch keine „linken Besserwisser“, die der „denunziatorischen Unterstellung“ zu verdächtigen wären. Sie treiben keine „ideologischen Suppenkaspereien“ (alles Vorwürfe in Kommentaren gegenüber links-internationalistisch-emanzipativen Kritiken am „Nachhaltigkeits-„ und „Green Economy“-Kurs), sondern sie kämpfen um ihr Überleben.

In Bezug auf die vorher in unserem Workshop diskutierten Frage, wer die Subjekte einer ökologischen Wende sein könnten, antwortete sie: Wir sind es, die Menschen die vor Ort leben und von der neuartigen Naturvernutzung betroffen sind, die weder einen Nutzen aus dem erzeugten Windstrom haben (weil sie ihn nicht brauchen), noch gefragt worden sind. Sie erleben die „schöne, grüne Ökonomie“ als eine „neue Phase des Raubkapitalismus“, der neue Orte der Naturausbeutung und neue Nischen für die – natürlich profitbringende – Kapitalanlage sucht in ihrer schroffen Wirklichkeit.

Es ist kein Streit der Theorien oder Ideologien, es geht eigentlich nur um eine einfache Parteinahme: Für die Ausgeraubten und Unterdrückten oder für jene, die uns glauben machen wollen, in Fragen der Ökologie und des Klimawandels würden wir alle an einem Strang ziehen…

Mehr Infos zu den Kämpfen gegen die Windenergieparks in Mexiko:

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