Wie im ersten Bericht über das Wiener Pfingsttreffen versprochen möchte ich nun über die vorgestellten praktischen Projekte berichten.

Den Anfang machte Bernhard Harrer, der vor allem berichtete, welche Erfahrungen zur Gründung des Instituts für Paradiesgestaltung führten. Es geht darum, (technische, soziale und geistige) Werkzeuge und Techniken für eine Gestaltung der Welt in Richtung einer wünschenswerten Vision bereit zu stellen, die nicht zu Unrecht als „Paradies“ bezeichnet werden kann. Am liebsten würde Bernhard Harrer die jungen Leute nicht mehr VWL studieren lassen, sondern Paradiesgestaltung. Dabei würde das Lernen und Lehren nicht mehr hierarchisch organisiert sein, sondern wie in dem Gedicht von Rabindranath Tagore, der von einer „Universität unter Bäumen“ sprach, durch Selbstlernen und -lehren bestimmt sein.

Ich hatte die Chance, so etwas ganz praktisch mit zu erleben. Franz hatte am Morgen einen Termin mit Menschen in Burjatien und ich nahm an dem Skype-Gespräch teil. Es war schon eigenartig, so einen historischen Moment mit zu erleben.

„Wenn 365 Dörfer mitmachen und jedes Dorf pro Jahr ein Lehrstück, d.h. eine interessante ökologische Tradition, ein selbsterfundenes Werkzeug, eine soziale Kultur den anderen in einer global zugänglichen „Universität der Dörfer“ zur Verfügung stellt, so kann jedes Dorf jeden Tag eine neue Lektion abrufen.“ (Franz N.)

Im Nachhinein ist mir die Idee gekommen, dass ich mich (erst mal) ganz unabhängig vom Interesse anderer Leute selbst als Netzwerkknoten „Philosophenstübchen Milda“ einbringen könnte… Ich hab zwar keine dörflichen Techniken auf Lager, aber vielleicht sollte auch das philosophische Erbe der Menschheit nicht mehr nur in Städten und Akademien verwaltet werden, sondern das normale Leben begeisten/begeistern? Und neue Fragestellungen fordern eh das höchste Können aller Wissens- und Praxisbereiche heraus, warum nicht auch der Philosophie?

Bei der Veranstaltung in Wien berichteten Anton und Hermann dann über die Zusammenarbeit mit Menschen aus dem sog. „Motzenland“ in Rumänien. Die Bezeichnung „motzen“ soll tatsächlich daher rühren, dass die Menschen aus diesem abgelegenen Berggebiet in den Westkarpaten sich gegenüber allen Beherrschungen aufmüpfig verhielten (oder sie wurden deswegen so genannt). Am Anfang der Projekte stand vor etwa 20 Jahren eine engagierte Schulklasse, die ein Rumänienprojekt durchführte. Die recht ärmliche, aber traditionsreiche und ökologische Lebensweise der Menschen dort ist ernsthaft bedroht. Anstatt dieser Entwicklung ihren Lauf zu lassen, wird nun versucht, hier gemeinsam mit den ansässigen Menschen ein „Holotrop“ zu gestalten. Die umsichtige Modernisierung umgeht von vornherein die ebenfalls nicht zukunftsträchtige Fossilisierung der Technik, indem sie beispielsweise bisher dort nicht gebräuchliche Mähmaschinen oder Heuwender einführt, aber diese mit der traditionellen Pferdehaltung verbindet. Dazu werden liegengebliebene alte Maschinen aus ganz Österreich bzw. der Bundesrepublik gesucht, hingebracht und entsprechend umgebaut.

Dass solche Projekte nicht auf „zurückgebliebene“ Regionen beschränkt sein müssen, erwähnte dann auch Franz mit seinem Verweis auf ein Pilotprojekt in Wien. Im Projekt „Green Care“ sollen Gesundheitsförderung und Bildung in und mit der Natur gefördert werden.

Ich erfuhr auch, dass das Projekt „Open Source Ecology“ mit seinem Global Village Construction Set gute Fortschritte macht. 8 von 40 geplanten universellen, mit modularen Bauteilen hergestellte Maschinen für die landwirtschaftliche Nutzung wurden bereits erfolgreich entwickelt und getestet. Alle Konstruktionsunterlagen stehen im Internet frei zur Verfügung. Ein Traktor kann dementsprechend in 6 Tagen zusammen gebaut werden. Es gibt einen sehr inspirativen Auftritt von Marcin Jacubowski, der über dieses Projekt berichtet . (Mehr Videos dazu siehe hier).

Aber man muss gar nicht bis in die USA reisen, um Freie Hardware-Projekte zu sehen. Ich kenne jemanden ;-), der sich in den 80er Jahren selbst einen Computer bastelte, mit Tasten für Modelleisenbahn und selbstgeschriebener Software. Sollte es auch heute noch möglich sein, sinnvolle Computer selbst zu bauen?

Im „Druckraum“ konnte ich so ein Teil bestaunen. Ich hab nicht viel davon verstanden, jedenfalls geht es um einen 16/32-bit Atari-Nachbau. Demnächst werden wir mehr davon berichten.

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