Hermann Cropp, der uns am Abend zuvor bereits Sappho vorgestellt hatte, nahm auf der AlterUni in Jena die Hetztiraden der Boulevardmedien gegen Griechenland zum Anlass, auf einige Auffälligkeiten in der Beziehung zwischen Griechenland und Europa, insbesondere Deutschlands, zu verweisen.

Genauso unappetitlich sind die vielen anderen Pressemeldungen. So titelte BILD: „Gebt uns Korfu, dann gibt’s Kohle“. Hermann Cropp hierzu:

Die Insel Korfu war in Ihrer Geschichte mehrfach deutschen Interessen ausgesetzt …der Bayrische König ..und im 3. Weltkrieg die Bombardierung durch Deutschland, zerszört wurden Kirchen, Wohnhäuser, Parlament, Theater und viele denkmalgeschützte Häuser. Auch wurden 1700 Juden von Korfu nach Auschwitz deportiert, von denen 122 überlebten. Nun streckt das übelste Hetzblatt in Deutschland wieder die Hand aus nach Korfu. (H. Cropp)

Die Situation in Griechenland lockt Stimmen hervor, die man schon längst überwunden glaubte. So wird im Focus unverfroren in rassistischer Weise davon geschrieben, dass wir zwar den Griechen „die Demokratie…, die Tragödie, die Philosophie, die Olympischen Spiele, das Symposion und den geschriebenen Vokal“ zu verdanken haben (Quelle), aber dann wird ein umstrittener Orientalist aus dem Jahr 1830 zitiert, der darauf hingewiesen habe, dass „kein Tropfen des alten Heldenblutes … in den Adern der jetzigen Neugriechen“ fließe.

Hermann Cropp stellte uns eine andere Kulturlinie vor: So blickt die die anarchistische Anthropologie von einem völlig anderen Standpunkt aus auf die Geschichte:

„Die Anthropologie sei besonders geeignet für die Offenlegung alternativer Strukturen, da sie die einzige und letzte Wissenschaft ist, die sich mit staatenlosen Gesellschaften beschäftigt und gezeigt hat, dass der Staat nur in einer sehr kurzen Spanne der Menschheitsgeschichte in Erscheinung getreten ist…“ (Quelle)

Hermann nahm dann den aktuellen Stein des Anstoßes, SCHULDEN, zum Anlass, historische Wurzeln dieses gesellschaftlichen Verhältnisses zu zeigen. Wir lasen dazu abwechselnd Texte aus den klassischen griechischen Epen und Tragödien über Schuldknechtschaft und Sklaverei. Weil Sklaven nicht getötet wurden, „schuldeten“ sie ihrem Herrn ihr Leben.

Der Begriff von Schuld dient also der Legitimation von Gewalt. Damals wie heute.

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