Der Themenstrang „Gesellschaftskritik“ auf der Ferienuni Kritische Psychologie wurde durch Bernd Röttger und Christina Kaindl eröffnet. Bernd Röttger betonte, dass für die Analyse der gegenwärtigen Lage die Kritik der Politischen Ökonomie (wie durch Robert Kurz) nicht ausreicht, sondern eine Gesellschaftstheorie zusätzlich die vielfältigen Kämpfe mit berücksichtigen muss, die sich nicht automatisch aus den Gesetzen der Politischen Ökonomie ergeben.

Letztlich führen Krisen des Kapitalismus nicht automatisch zu seinem Ende, sondern können immer wieder – auf verschiedene Weise, die von den jeweiligen Kämpfen abhängt – systemimmanent (relativ und für eine gewisse Zeit) gelöst werden.

Dabei skizzierte er die verschiedenen Krisen des Kapitalismus und ihre jeweiligen systemimmanenten Lösungsformen. Während die Überproduktionskrise in den 30er Jahren durch den keynesianistische Lösungen entschärft werden konnte, entstand aus der Krise der Kapitalproduktivität in den 70er Jahren die Dominanz der neoliberalen Konzepte. Letztlich gibt es bei jeder Krise einen bestimmten Korridor, innerhalb dessen um die jeweiligen Lösungsformen gekämpft wird. Dass in den 30er Jahren der Korridor in Richtung des Keynesianismus wies, nach den 70er Jahren jedoch in Richtung des Neoliberalismus, scheint allen Kämpfen zum Trotz bereits durch andere Bedingungen entschieden gewesen zu sein.

Auf die Frage nach einer geeigneten Gesellschaftstheorie musste Bernd dann bekennen, dass es dafür (noch?) keine vollständige Theorie gäbe, sondern nur Desiderate und er zitierte an solchen Stellen dann Antonio Gramsci, der erste Ansätze für eine solche Theorie geliefert hatte. Festzuhalten sei auf jeden Fall, dass nicht nur die Strukturen untersucht werden müssen, sondern auch die Handlungsträger bedeutsam sind. Letztlich jedoch gäbe es „keine Kochrezepte“… „es muss erkämpft werden“.

Advertisements