Ich hatte zusammen mit Christian Siefkes einen Interview-Beitrag für die Zeitschrift „Widersprüche“ geschrieben. Im Blog Keimform.de wurde er ebenfalls veröffentlicht und es begann eine rege Diskussion.

Hier meine Reaktion darauf (auch im Keimformblog):

Danke für die Diskussion, die interessanterweise genau an den noch offenen Fragen ansetzt. Insofern diese Fragen nicht gleich mit vorgefertigten Uraltantworten zugemauert werden, sollten wir die Herausforderung weiter annehmen. Das Eigentumsthema ist noch längst nicht „gegessen“. Ich bin vor einigen Monaten daran gescheitert, etwas größeres Zusammenhängendes dazu auszuarbeiten. Was mir aber aufgefallen ist: Wir sollten unterscheiden, wer welchen Eigentumsbegriff verwendet und uns nicht gleich Inhalte aus verschiedenen Bedeutungen um die Ohren klatschen.

Ich denke, es geht einerseits im allgemeinen Sinne um das (schon von mir zitierte) „bewußte Verhalten… zu den Produktionsbedingungen als den seinen“ (MEW 42: 401) und andererseits um eine spezifische Rechtsform in der bürgerlichen Gesellschaft, die eine bestimmte Eigentumsform privilegiert. Um mich gleich mal zu outen: Die in der Commonsdebatte übliche Unterscheidung von (nur als rechtliches Verhältnis betrachtetemund als solches abzulehnendem) Eigentum und Besitz (als die bessere Form der Beziehung zu den Dingen) ist mir zu einfach und entspricht weder der Vielfalt der realen Formen des „bewußten Verhaltens… zu den Produktionsbedingungen als den seinen“ noch den (historisch weit zurückreichenden) Debatten darum.

In der Diskussion wurde oft gegeneinander gestellt: „praktische Veränderung der Produktion“ gegen „Eigentumsfrage“. Dahinter stehen tatsächlich Strategien, die sich häufig primär gegeneinander definieren. Entweder: „Zuerst enteignen und dann…“ versus „Sich um das Neue kümmern und hoffen, dass das Alte (Eigentumsverhältnis) sich dabei auch erledigt…“. Letztlich sind das aber Aspekte ein und derselben Sache, was auch HHH betont („Konstruktion eines Gegensatzes von Produktionsweise und Aneignungsrechten (ist) unsinnig“).

Trotzdem sind Produktionsverhältnisse (PV) und Eigentumsverhältnisse (ETV) auch nicht auf der gleichen Ebene angesiedelt: ETV sind Moment der PV und nicht umgekehrt.

Historisch und praktisch haben wir nun zwei Strategien: einmal das Primat der Veränderung der Eigentumsverhältnisse (Sozialismusversuche, wobei der „Rest“ der PV recht unverändert blieb) und nun die Bevorzugung der Veränderung der Produktionsverhältnisse (wenigstens in den uns zugänglichen Nischen bzw. aus den überschüssigen Kräften heraus). Der erste Weg veränderte einen Teil (die Eigentumsverhältnisse), aber nicht das Ganze (die Produktionsverhältnisse) und ging schief – jetzt wird versucht, das Ganze anzupacken (wenn auch aus Nischen heraus), und die Veränderung der Eigentumsverhältnisse ist darin enthalten.
Denn ich kann ganz und gar nicht verstehen, wieso „Feierabend-Peerproduzenten“…“die Eigentumsfrage nicht antasten“. Sie machen die ganze Zeit genau das. Sie machen es aber auf eine andere Weise, als es die Strategie der „Expropriation der Expropriateure“ macht.

Ich habe schon im Beitrag betont, dass für mich die neue Qualität der „commonsbasierten Peer-Produktion“ genau darin besteht, dass hier die Fragen der neuen Produktionsweise mit der Eigentumsfrage zusammen geht. Ich habe gehofft, dass „beide Aspekte… nicht gegeneinander ausgespielt“ werden, was in den Kommentaren leider doch wieder geschieht.

Das kann ich bedauern, aber gleichzeitig möchte ich auch selbst noch mal nachhaken: Ich frage mich auch, ob das „weitere Arbeitsvermögen“, auf das ich aufmerksam mache und das von Wolfram und Stefan auch aufgegriffen wurde, wirkungsmächtig genug ist, um den „Kapitalismus auszukooperieren“ und was dazu noch nötig ist. Reicht uns der Ausschuss und der Überschuss, der aus dem Kapitalismus herauströpfelt oder -sprießt?

Wie können jene, die sich für das „Lösen der Eigentumsfrage“ stark machen, hier beitragen? Wie würde sich die Commons/Peer-Diskussion und -praxis verbessern, wenn wir (mit ihnen gemeinsam) ihre Forderung erfüllen; die Eigentumsfrage als sehr entscheidende Fragestellung zu verstehen?


Weitere Beiträge zum Eigentum im Philosophenstübchen-Blog

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