Das Zitat war aus dem Buch „Am offenen Meer“ von August Strindberg. Als Nebenbeilektüre wanderte es aus dem Umsonstladen zu mir und wird seinen Platz in der künftigen Bibliothek finden.

Das vergilbte Bändchen, Ausgabe 1984, war damals an mir vorbei gegangen und jetzt fand ich Inhalte wieder, die auch in meinen Jugendgefühlen Resonanz finden. Der junge Protagonist, neugierig und schaffensheiß in die Welt strebend, seinen Platz suchend… – gibt es solche Menschen heute noch? (deshalb meine Frage vorgestern).

In der Story geht es nicht glücklich weiter. Unser Held findet den Ankerplatz nicht, von dem aus er die Welt erobern könnte. Von den Menschen, vor allem seinen potentiellen wissenschaftlichen Kollegen (Kolleginnen gab es damals noch nicht, hätte Strindberg auch nicht gut geheißen) wird er zurück gestoßen.

Man kann das nun lesen als: „Siehste, warst halt zu überheblich und jetzt bekommst Du die Quittung dafür!“ (insbesondere gegenüber Frauen zeigt der Protagonist hier ziemlich üble Ansichten und Praktiken). Aber das Unheil folgt gerade seinen Versuchen, sich an die Gegebenheiten anzupassen, ohne sich selbst dabei aufzugeben.

„Nur zwei Monate lang Reibereien mit anderen Menschen, und er hatte durch das Gesetz der Anpassung den besten Teil seines Ichs eingebüßt, hatte sich, um Streit zu vermeiden, daran gewöhnt, einzulenken, hatte sich geübt, ausweichend zu antworten, um einen Bruch abzuwenden; er hatte sich zu einem charakterlosen, geschmeidigen Gesellschaftsmenschen entwickelt.“

Es ist in seiner Welt nicht möglich, sich selbst zu entfalten auf Grundlage der Selbstentfaltung anderer, weil diese so gar keine Anstalten in dieser Richtung machen und ihn deshalb auch überhaupt nicht brauchen können. Er stört sie bloß.

Dies macht ihn nun wiederum hart. „Ihre Feindschaft machte ihn frei, ihre Freundschaft würde ihn nur in ihren Schmutz herabziehen.“ Hart, verbittert und verloren. Nicht mal in der Natur findet er Trost.

„Aber die Natur, die er früher gesucht hatte, war nun tot für ihn, denn das Zwischenglied, der Mensch, fehlte.“

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