Die gesellschaftlichen Verhältnisse werden oft mit den Kategorien „Inhalt“ und „Form“ erläutert. Deshalb werden wir diese Kategorien einmal durchdenken (wobei uns Hegelsche Texte direkt helfen können: HW 6: 88ff., und HW 8: 264ff..)

Ein bestimmter Inhalt ist bereits geformt. Das Unbestimmte, das wir meinen, wenn wir uns etwas noch nicht Geformtes vorstellen, wird seit Aristoteles „Stoff“ oder „Materie“ (Stoff = lat. „materia“) genannt. Verwandt damit ist auch die Bezeichnung „Material“. Diese Materie kann Formen annehmen. Die Materie wird dadurch zum Inhalt. Jeder Inhalt ist geformt und jede Form bestimmt einen Inhalt. Inhalt und Form stehen also logisch nicht auf derselben Ebene. Denn der Inhalt ist die konkrete Einheit des Geformten (also der Materie) und der Form und die Form ist ein Moment des Inhalts. Die Formierung des vorher Ungeformten kann auch als Besonderung des vorher abstrakt-Allgemeinen („Materie“ ohne Form) betrachtet werden.
Materie-Form-Inhalt
In dieser Triade finden wir, dass das im ersten Schritt Erfasste lediglich abstrakt vorhanden ist. Abstrahiert von der Form enthält die Materie einen Inhalt nur der Möglichkeit nach. Eine andere philosophische Sprechweise dafür ist das „an sich“. Materie ist erst „an sich“ Inhalt. Im zweiten Schritt erfolgt die Bestimmung – hier durch die Form. Die Form ist etwas, worin sich der Gegenstand in seinen Beziehungen zeigt. Er ist dann „für andere“. Im Verhältnis, der Einheit seiner selbst mit seinen Beziehungen wird er „für sich“.

Für die Gesellschaftlichkeit der Menschen gilt dann, dass alle Menschen, unabhängig von Zeit und Ort, gesellschaftliche Verhaltensweisen zeigen und überindividuelle Strukturen entwickeln. Die „Gesellschaftlichkeit“ ist zwar, wenn man sie mit der Lebensweise anderer Tiere vergleicht, inhaltlich durchaus bestimmt. Aber für alle Menschen betrachtet ist sie eine Gemeinsamkeit, die nichts weiter aussagt über ihre unterschiedlichen konkret-historischen Formen. Deshalb schrieb Marx auch:

„Der Maßstab der „Gesellschaftlichkeit“ muß aus der Natur der jeder Produktionsweise eigenthümlichen Verhältnisse, nicht aus ihr fremden Vorstellungen entlehnt werden.“ (MEGA II.5: 42).

Man kann also z.B. historisch von Zuständen sprechen, in denen die „unmittelbar gesellschaftliche Arbeit“ so stattfindet, dass ein einer bäuerlichen Familie gemeinsam gearbeitet wird und Gemeinprodukte entstehen. In einem anderen Zustand besteht die gesellschaftliche Form in voneinander unabhängigen Privatarbeiten (ebd.: 41). All dies sind Formen der Gesellschaftlichkeit und die abstrakte Gemeinsamkeit kann nicht als Maßstab für gesellschaftliche Konzepte z.B. der Zukunft verwendet werden.

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