Am späten Samstag Nachmittag fand das Abschlussplenum der Ferienuni Kritische Psychologie 2014 statt. Vom Plenum aus hat man einen guten Blick auf die erhöhten Hörsaalreihen. Das erlebte ich, weil ich aufs Plenum eingeladen worden war, von dem aus aus verschiedenen Perspektiven berichtet wurde, was wir uns von der Ferienuni erwartetet hatten, was wir erlebten und wie es weitergehen könnte. Was ich da ungefähr sagte, berichte ich morgen.

Von den anderen Beiträgen habe ich auch keine Mitschrift, sondern ich habe mich entspannt und nur einige besonders interessante Bemerkungen mitgeschrieben. Vom Tag vorher hatte ich schon die Erkenntnis eines Teilnehmers von einem die Ferienuni begleitenden Nachtspaziergangs aufgeschnappt:

Liebe ist nicht knapp.

Wenn nämlich Liebe im immer tiefer gehenden und weiter reichenden Verständnis des anderen besteht, so führt das immer nur zur gegenseitigen Bereicherung. Weiter gedacht, würde die Liebesbeziehung zwischen mehr als zwei Menschen niemandem etwas wegnehmen, sondern könnte alle bereichern. Abgesehen davon, dass die Pflege dieser Beziehungen Zeit und andere Ressourcen voraussetzt, die leider doch begrenzt sind, scheint es aber noch andere Schwierigkeiten zu geben…

Bei den folgenden mitnotierten Äußerungen vom Abschlussplenum kann ich meist nicht mehr unterscheiden, welche der Aussagen vom Podium, und welche danach aus der Runde der Teilnehmenden im Hörsaal kam.

Ich habe viele Wörter, die ich bisher nur aus Büchern kannte, im Gebrauch erlebt und habe auch jeden Tag 10 Literaturempfehlungen bekommen.

Als Problem wurde auch vom Orga-Team aus die Schwierigkeit, mit den unterschiedlichen Voraussetzungen bei den Beteiligten – von Anfänger*innen bis hin zu den versierten und auf die Kritische Psychologie fokussierten „Alten Hasen“ – beschrieben. Zwischendurch wurde dann auch geäußert:

Manchmal wird auch Quatsch geredet und an der Uni kommt das verstärkt vor. 😉

Auch über das Verhältnis der spezifischen, sich auf die Arbeiten von Klaus Holzkamp im marxistischen Kontext berufende Kritische Psychologie mit Groß-K und andere Varianten kritischer Psychologie (mit klein-k) wurde wiederholt gesprochen. Ich empfinde es schon so, dass die Ferienunis weit offen für sehr vieles sind, was nicht affirmativ oder konservativ ist, aber auch den eigentlich einzigen Raum erhalten will, in dem sich jene intensiv austauschen können, die sich auf die Groß-K-Kritische Psychologie beziehen wollen. Die Ferienuni war nicht nur Ort des Lernens aus Vorgetragenem, sondern auch ein Ort des allgemeinen Austauschs der Anwesenden, insbesondere auch durch den „Social Space“ in einem der Innenhöfe der FU. Als ich mal eine Veranstaltungszeit „schwänzte“, merkte ich aber auch, dass alle in die Seminarräume verschwanden und sich nicht im Freien „verschwatzten“, so wichtig waren ihnen die Veranstaltungen. Die Zeit des Open Space am Freitga abend lag ungünstig… und auch andere Vorschläge für die nächsten Ferienunis wurden gemacht, so die Durchführung eines Worldcafés zu Beginn oder am Ende, um alle miteinander ins Gespräch zu bringen. Warum bin ich nicht schon auf diese Idee gekommen? Das würde perfekt passen im Sinne einer „Selbstanwendung“ des Wissens aus der Kritischen Psychologie auf unsere eigenen Handlungen.

Bezugnehmend auf das Motto der Ferienuni wurde geäußert:

„Den Gegenstrom schwimmen“ heißt doch, um den ganzen Strom zu kämpfen, die Richtung und vielleicht auch die Temperatur des Wasser.. 😉

Fast als Abschlusswort könnte der Appell aufgefasst werden:

Die Ferienuni sollte ein Teil der sozialen Bewegung sein, die mehr will, als bisher möglich ist.

Die Ferienuni als Teil der sozialen Bewegung… ob es dazu ausreicht, sich auf den therapeutischen und berufspraktischen Handlungsfeldern zu bewegen?

Diese eine Woche jedenfalls war schon auf Grund der besonderen Kultur eine Art Gegenwelt. Einer der Podiumsteilnehmer sagte etwa:

Es war wie eine Erfrischungskur. Am Donnerstag morgen um 4 Uhr dachte ich: Wann geht es denn endlich wieder los? – Aber ich musste noch etwas schlafen.

Ein Teilnehmer konnte hier ausnahmsweise mal wieder eine Situation persönlichen Wachstums erleben. Und schon einen Tag vorher sagte mir jemand:

Ich gewöhne mich langsam daran, dass dies hier die Realität sein könnte… und habe echt keine Lust, am Montag wieder in die normale Welt zurück zu müssen.

Ferienuni 2014_4

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