II Streitfall Dialektik

Das Verhältnis von Logischem und Historischem

Wie ausführlich erläutert wurde, vollzieht die Entwicklung bei Hegel eine Bewegung, bei der das zu Entwickelnde vorausgesetzt wird; es ist implizit, der Möglichkeit nach, d.h. „an sich“ bereits im Anfang vorhanden und expliziert sich bis zur Übereinstimmung mit dem Begriff. Obwohl aus diesem Begriff neue Kreisläufe hervorgehen, kann man das Ganze gut als „Kreis von Kreisen“ (HW 6: 571; HW 8: 60) vorstellen. Historische Prozesse jedoch zeigen Verzweigungen: Neues entsteht und geht in Verästelungen ein, wobei die Vielfalt sich nicht in geschlossenen Kreisen einfangen lässt.

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Wird der Hegelschen Dialektik eine zeitliche Interpretation unterlegt, ergibt sich daraus der Vorwurf, Hegels Philosophie stelle nur eine Anamnesis, also eine Wiedererinnerung, dar und bilde dadurch „das zukunftslose, dem Novum entgegengesetzte Rückwärts, das seine Philosophen immer wieder in reaktionäre Statik trieb“ (Bloch TE: 276).

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Im Marxismus-Leninismus wird das Verhältnis von Dialektik in der bewusstseinsunabhän-gigen Welt und dem dialektischen Denken als Widerspiegelungsprozess gedeutet: Die in der bewusstseinsunabhängigen Welt vorliegenden dialektischen Zusammenhänge werden im dialektischen Denken widergespiegelt. Dabei wird das Gemeinsame der objektiven Zusammenhänge und ihrer gedachten Widerspiegelung betont.

Dabei wird angenommen: Was historisch aufeinander folgt, folgt auch in der logisch-systematischen Darstellung aufeinander.

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Morgen gehts weiter…




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