Ich habe sogar zu DDR-Zeiten schon mal ein Computerspiel gespielt. Wir hatten irgendwoher ein Wochenende lang ein Leihgerät aus der kleinen Auswahl von Kleinrechnern und ich wanderte in einer Burg mit Wänden aus lauter „x“-en auf schwarzem Grund umher und wich den Monstern aus und suchte Schätze. Weil mein Mann mir heimlicherweise einfach durch eine kleine Änderung im Quellcode den Zugang zum Keller versperrt hatte, kam ich trotz aufgezeichneter Raumpläne über mehrere Etagen irgendwann nicht mehr weiter. Ich habe dabei auch die Erfahrung gemacht, dass es mir gar nicht passte, wenn die Schwiegermutter zum Essen rief und mich aus dem Erlebnis rausriss…!

Die Welt der Videospiele in Kneipen und Gaststätten kannten wir nicht. Hier sollen die ersten Computerspiele für viel Furore gesorgt haben (z.B. Pong, Arcade).

Ohne die Spiele wären auch die Heimcomputer wohl nicht so schnell massenhaft gebaut worden und entsprechend im Preis gesunken. (Neil Gershenfeld hatte im Jahr 2000 auf einer Webseite, die leider nicht mehr online ist, vorausgesehen, dass digitale Fabrikatoren (auf Grundlage generativer bzw. additiver Fertigungsverfahren) auf ähnliche Weise kleiner und billiger werden würden. Es gibt zwar tatsächlich inzwischen bereits bezahlbare Fabber und sie haben unbestreitbaren Reiz beim Herumprobieren, was man sich alles ausdrucken lassen kann. Aber sie weisen viele Faktoren der digitalen Spiele, die im Folgenden noch genauer beschrieben werden, nicht auf.)

Eins der allerersten Computerspiele war „Spacewar!“ gewesen. Steward Brand berichtete , wie dieses Spiel einst von Hackern ab 1961 am MIT für die ersten Minicomputer erarbeitet wurde. Es verbreitete sich über andere Forschungszentren ziemlich schnell. Bezahlspiele wurden zuerst in Unicafeterien eingerichtet. Durch die Einbettung dieser Entwicklungen in ARPA (Advanced Research Projects Agency, später DARPA ) erhielten viele Computerspezialisten eine Spielwiese für so etwas. Brand erhoffte sich, dass mit sinkenden Preisen für die Hardware die „Hacker übernehmen“ würde. Da gabs noch kein Microsoft, kein Google und kein Facebook…

Wie die Evolution der Spiele dann weiter ging, kann man sich in einem Youtube-Filmchen anschauen:

So wie ich durch meine Bibliothek laufe und mich anhand der Buchrücken erinnere, welche Bedeutung welche Bücher für mich hatten, so können andere das anhand dieses Durchlaufs der Computerspiele.
Das Spiel, das ich an dem Wochenende bei meinen Schwiegereltern beim Wickel hatte, war ein typisches Adventure-Spiele. Zuerst waren diese nur textbasiert und sollten (im Westen) wohl vor allem die ersten Computerbesitzer ansprechen, d.h., wohlhabende Akademiker.

„Für diese Gruppe war Lesen eine bevorzugte Freizeitbeschäftigung, so daß ein Spiel, das nur aus Text bestand und sich beinahe wie ein Roman benahm, eine logische Erweiterung dieser Beschäftigung darstellte.“ (Mertens, Meißner 2002: 103)

Eins dieser Spiele war Zork . Das sah dann so aus:
Zork

Auch die entsprechenden Graphikspiele bestanden darin, sich durch fremde Welten zu bewegen und Rätsel zu lösen. Später war es das Spiel „Myst“, durch das Bücherlesende zum Computerspielen gebracht werden sollten, was bei mir auch wieder gelang.

In anderen Spielen wie Sims können schon 10-Jährige verschiedene Familiencharakteristika- und -entwicklungen durchspielen und damit etwas wie „social engineering“ (Pete Markiewicz, zit. in Emrich 2005) ausprobieren.

Über die anderen Spiele und ihre Genres möchte ich mich jetzt nicht weiter auslassen, das kann man auch woanders nachlesen oder weiß es selbst. Erwähnen möchte ich aber noch, dass es viele Verbindungen zwischen Filmen und digitalen Spielen gibt. Beim Spiel zum Film „Ghostbusters “ konnte man „seine Identifikation mit den Kinofiguren ausleben“ (Mertens, Meißner 2002: 115) und „Man spielte den Film weiter und erlebte nicht bloß einen lauen Aufguß des Films in einem Spiel“ (ebd.).

Letztlich wurde mit verbesserter realistischer Graphik in den Spielen der Film zum „eigentlichen Verwandten“ des Spiels (Mertens, Meißner 2002: 178ff.). Ich beziehe mich im Folgenden trotzdem wieder auf den Vergleich mit Büchern.