Schon ein Vierteljahrhundert ist es her, dass der 7. Oktober der „Tag der Republik“ war. Auch ich hab mich heute kaum daran erinnert. Die DDR hatte, wie wohl alle Staatsordnungen, für unterschiedliche Menschen jeweils eine unterschiedliche Bedeutung. Wenn wir eins gelernt haben sollten aus ihrem Ende, so dass das Über-einen-Kamm-Scheren auf jeden Fall die gelebte Individualität unterdrückt.

Was ich im Besonderen gelernt habe, so ist es die Tatsache, dass „nichts bleibt, wie es ist…“. Nicht das Schlechte, aber oft auch nicht das Gute. Dazu kommt noch die Erkenntnis: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben…“. Ein rechtzeitiges Umschwenken hätte vielleicht mehr Gutes in anderer Form erhalten können. Ich aber habe zu lange auf zu kleine Reformschritte gehofft, anstatt das Ganze rechtzeitig und radikal genug in Frage zu stellen.

Heute gilt das auch wieder. Der Tag, an dem jeweils die erneuerbaren Ressourcen für ein Jahr aufgebraucht sind, liegt für Deutschland im April. Je mehr und schneller wir nun weiter auf dem verhängnisvollen Pfad bleiben, desto heftiger werden die nötigen Einschnitte in ökologischer und dann auch wirtschaftlicher Hinsicht uns und unsere Nachkommen treffen. Der „Tag der Einheit“ wird dann genau so in der vergessenen Geschichte verschwinden, wie einst der „Tag der Republik“.