Viele kennen vielleicht die sog. Maslowsche Bedürfnispyramide (hier die erweiterte Form aus Wikipedia):

beduerfnispyramide

Diese Pyramide gibt’s mittlerweile mit weiteren Ergänzungen nach unten: So wird als Grundbedürfnis genannt: „WLAN“ und Witzbolde fanden noch ein tieferes Bedürfnis: „Akku“!

Alexej Leontjew jedoch macht darauf aufmerksam, dass sich spezifisch menschliche Bedürfnisse nicht nur „oberhalb“ der notwendigen physiologischen Bedürfnisse (die er „vitale“ nennt) bilden, sondern sie können auch das Übergewicht haben (Leontjew 1975/1987).

„Es ist natürlich, daß der allgemeine Weg, den die Entwicklung der menschlichen Bedürfnisse durchläuft, damit beginnt, daß der Mensch für die Befriedigung seiner elementaren, seiner vitalen Bedürfnisse handelt. Dann aber wandelt sich diese Beziehung, und der Mensch befriedigt seine vitalen Bedürfnisse, um zu handeln.“ (Leontjew 1975/1987: 187)

Es wird berichtet (Boeree 1998/2006), dass Maslow zu der Vorstellung, einige Bedürfnisse hätten Vorrang vor anderen, gekommen war, als er mit Affen arbeitete. Bei Klaus Holzkampf findet sich eine nette Bemerkung zu dieser Interpretation der Pyramide:

„>Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“< ist eine Maxime des Sich-Abfindens der Unterdrückten mit ihrer eigenen Verkümmertheit, nicht aber eine allgemein-menschliche Reihenfolge.“ (Holzkamp 1983/1985: 310)

Grundsätzlich gilt die „menschliche Natur“ als „Inbegriff spezifisch menschlicher biologischer Entwicklungsmöglichkeiten des konkreten Individuums“ (Holzkamp-Osterkamp 1977: 332) auch für die Bedürfnisse. Auch die Bedürftigkeit unterliegt individuellen Lern- und Entwicklungsprozessen. Die Bedürfnisse der Menschen sind sogar ein „wesentliches Bestimmungsmoment ihrer Subjektivität“ (ebd.: 29). Sie sind „Resultat der individuellen Aneignung gesellschaftlicher Erfahrung, d.h. hier, der individuellen Realisierung gesellschaftlich möglicher Bedürfnisse“ (ebd.: 27).

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