Vorgestern flog mein Blick über die erste Seite meiner Tageszeitung:

„jüngster Weltklimabericht…
Es ist an der Zeit, sich umfassend auf die umfassend auf die unaufhaltsamen Veränderungen einzustellen„.

Ich denke, das ist das erste Mal, dass ich so deutlich lese, dass es schon „5 nach 12“ ist und wir keine Zeit mehr haben werden Schlimmes zu verhindern, höchstens noch das Schlimmste. Wo die Grenze liegen wird – welches Schlimmste wir verhindern können – , haben die meisten Menschen aus ihrem Alltag heraus sowieso nicht im Griff.

Während ich noch zum ausführlichen Artikel über den neuen Klimabericht der Europäischen Umweltagentur vorblättere, dringt aus den Radionachrichten der Satz an mein Ohr:

Trump lockert den Klimaschutz.

Blödheit ist aber nicht auf Trump und seine Wählerschaft beschränkt, auch die AfD ist hier voll dabei. Und mal ehrlich, bei den allermeisten von uns spielt diese düstere Zukunft keine Rolle, außer dass wir sie zu ignorieren versuchen und den Boten beschimpfen statt den Ernst der Lage zu durchdenken. Letzteres ist auch wesentlich schwerer, als viele noch denken. Es geht nicht nur darum, hier und da im persönlichen Lebenswandel umweltfreundlicher zu sein. Letztens hielt ich ein Päckchen mit Blumensamen in der Hand: „Blumen gegen Klimawandel“. Diese Verharmlosung spielt mit unserer Zukunft.

Und ich muss zugeben, die warmen Tage schon im März gefallen mir auch. Sie werden von „wetter.de“ als „ungewöhnliche und kaum fassbare Extreme“ gesehen. Den Prognosen nach sollen auch Mai und Juni wieder zu warm werden. Ich hoffe, es wird nicht wieder so schwül, dass ich mich nicht mal im Schatten auf dem Hof aufhalten mag, sondern mich wieder ins Haus flüchen muss – trotz bzw. sogar wegen des „schön warmen“ Wetters.

Wieso es trotzdem in vielen Regionen auch zu Kälteeinbrüchen über lange Zeiten hinweg kommt, und warum sich die extremen Wetterlagen tage- oder gar wochenlang so festsetzen, berichtet der Artikel aus der Zeitung „junge Welt“ von Wolfgang Pomrehn.

Die Jetstreams beeinflussen die Bewegung der Hoch- und Tiefdruckgebiete. Diese sitzen quasi in den „Falten“ des sich mal mehr oder weniger schnell bewegenden Jetstreams. Die Bewegung des Jetstreams und auch, ob die Falten größer oder kleiner sind, wird durch die Temperaturdifferenz zwischen Polgebieten und den Tropen bestimmt.

Und obwohl das Wetter der einzelnen Tage nicht direkt vom Klimawandel bestimmt wird, sind bereits deutliche Auswirkungen der wärmeren Polregion auf die Dynamik des Jetstreams mit ihren entsprechenden Wetterfolgen spür- und messbar.

Der Trend ist auch deutlich: Es geht auf und ab, aber insgesamt in Richtung höhrerer Temperaturen (Bild aus dem genannten Bericht der Eur. Umweltagentur, S. 72):

(Klimabericht der Europäischen Umweltagentur (S. 72))

Auch die Weltorganisation für Meteorologie zeigt in ihrem Bericht über das globale Klima von 2016 erschreckende Trends. Die durchschnittliche Temperaturerhöhung seit Beginn des Industriezeitalters dümpelt nicht mehr bei unter 1 Grad dahin und lässt Hoffnung auf eine Anstiegsbegrenzung auf 2 oder gar 1,5 Grad – sondern es sind bereits 1,1 Grad durchschnittlicher Temperaturanstieg erreicht. Auch einige der sog. „Kipppunkte“ sind höchstwahrscheinlich schon überschritten. Auch beim Golfstrom gibt es nach einer zeitweisen Entwarnung wieder starke Befürchtungen. Die Folgen sind vor allem an den außergewöhnlich starken El Nino-Effekten 2015/2016 zu spüren.

(Weltorganisation für Meteorologie 2016)

Aber auch in Europa dürften sich Hitzesommer wie 2003 mehren. Auch in dem jW-Bericht werden die zigtausend Toten dieser Zeit erwähnt. Ich bin in einem  Beitrag für die Zeitung „Der Rabe Ralf“ auch schon darauf eingegangen:

Gerade hat uns ein vermutlicher Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin aufgeschreckt. Das plötzliche Ereignis macht unmittelbar betroffen und führt zu oft recht scharfen Reaktionen. Was würde wohl passieren, wenn in Deutschland innerhalb einer Woche 7 000 Menschen umkämen, in Europa sogar 70 000? Solche eine Katastrophe mit so vielen Toter scheint unvorstellbar. Aber genau das ist passiert. Und zwar im Hitze-Sommer 2003. Nach einer Studie führte die Hitze im August 2003 dazu, dass ca. 70 000 Menschen in Europa starben, die ohne die Hitzewelle nicht gestorben wären (Robinet et al. 2007). (Schlemm 2017)

Wahrscheinlich ist demnächst das Gesundheitssystem nicht ganz so schlecht auf diese Situationen vorbereitet, aber das normale zivile Leben wird für immer mehr Menschen und Regionen auf die gewohnte Weise nicht mehr auf Dauer aufrecht erhalten werden können.  Wie gehen wir damit um? Wie sind wir darauf vorbereitet, in einer Welt, wo sich immer mehr abschotten gegen das Elend anderswo? Die ersten Tests unserer Mitmenschlichkeit zeigen widersprüchliche Ergebnisse. Willkommenskultur gegen Abschiebepraxis. Eine wirkliche Bereitschaft zur Suche nach neuen Lebens- und Wirtschaftsweisen, bei denen niemand untergeht, vermisse ich noch. Auch das, was  als Alternativen diskutiert wird,  hat sich noch nicht einmal zum Crashtest angemeldet…

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