Der Klimawandel ist kein Thema für die Zukunft, sondern lässt sich bereits seit Jahrzehnten nachweisen. Auf einem Zeltplatz im Harz, auf dem wir einen Urlaub verbracht haben, haben die Betreiber ein Diagramm mit den jährlichen Durchschnittstemperaturen an der Wandzeitung und das entspricht ungefähr der Tatsache, dass die Lufttemperatur in der BRD im Flächenmittel zwischen 1881 und 2013 um 1,2 Grad stieg (Umweltbundesamt 2015: 14). Jedes Jahr beschleunigt sich dieser Anstieg um ungefähr 0,1 Grad. Auch europa- und weltweit ist dieser Trend hin zu höheren Temperaturen eindeutig. Die folgende Abbildung (EEA 2017: 72) zeigt die durchschnittliche Oberflächentemperatur in der Zeit zwischen 1979 und 2015 (oben global, unten für Europa):

Die letzten Extremhitzejahre waren 2003, 2006, 2007, 2014, 2015 und 2016 – in den letzten drei Jahren gab es keine Pause mehr. Für München zeig ein Diagramm, welches die jährliche Anzahl der Tage mit einer Temperatur über 30°C anzeigt, ebenfalls einen deutlichen Anstieg (Höppe 2016: 26):

Diese Häufung der extrem heißen Tage ist eine Folge der Verschiebung der Temperaturverteilung. Es gibt in der folgenden Abbildung (leicht verändert aus Schönwiese 2017: 62) je eine Kurve für die August-Mitteltemperatur im Jahr 1901 (links) und im Jahr 2006 (2006), wobei die Verschiebung dieser Gaußkurve von links nach rechts der Erhöhung der Durchschnittstemperatur entspricht. Die blauen bzw. die roten Flächen geben die Eintrittswahrscheinlichkeit für bestimmte Werte, die auf der x-Achse dargestellt sind (hier 17°C und 22°C), an: Im Jahre 1901 betrug die Wahrscheinlichkeit für das Unterschreiten der Temperatur von 17°C im August 21,6% und diese sank bis zum Jahr 2006 auf 0,3%. Eine höhere Temperatur als 22°C war im Jahr 1901 nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,1% zu erwarten, während diese Wahrscheinlichkeit bis zum Jahr 2016 auf 16,2 % stieg.

Im aktuellen europäischen Bericht über Auswirkungen und die Verwundbarkeit von Europa durch den Klimawandel (EEA 2017) werden folgende zusammenfassenden Ergebnisse aufgeführt:

  • Der Klimawandel vollzieht sich global und in Europa kontinuierlich.
  • Einige Klimavariablen zeigten in den letzten Jahren neue Rekordwerte (Temperatur, globaler Meeresanstieg, Verlust des arktischen Eises).
  • Durch den Klimawandel steigt die Wahrscheinlichkeit extremer Wetter- und Klimaereignisse.
  • Der bisher beobachtete Klimawandel hat bereits weitreichende Auswirkungen auf die Ökosysteme, auf ökonomische Bereiche, die Gesundheit und das Wohlbefinden in Europa.

Obwohl einige Veränderungen sich auch günstig auswirken, so die Verlängerung der jährlichen Vegetationsperiode, überwiegen doch bereits jetzt die negativen Auswirkungen auf Gesundheit, die Stabilität der Ökosysteme und andere wichtige Lebensgrundlagen. 14% aller Naturräume und 13% der Arten unterliegen bereits einem Stress durch den Klimawandel (ebd.: 19). Nicht verschwiegen wird auch, dass sich in Europa auch die Klimawandelfolgen in anderen Gebieten auswirken. Die geschieht vor allem durch den Handel mit landwirtschaftlichen und anderen Produkten, die Abhängigkeit von Infrastruktur- und Transportvernetzungen, durch geopolitische und Sicherheitsrisiken und durch klimawandelbedingte Migration. (ebd.: 13).


(Bildquelle)

Niederschläge nahmen in der Bundesrepublik im gleichen Zeitraum um 10,6% zu, allerdings sehr ungleichmäßig verteilt und die Niederschlagsmenge im Winter ging im selben Zeitraum um 28% zurück. (UBA 2015: 16) Für die Nord- und Ostsee ist ein Anstieg der Wassertemperatur nachgewiesen worden, was bereits zu Verschiebungen der Verbreitung bestimmter Arten geführt hat. Bis in die 90er Jahre lag die gemittelte jährliche Oberflächentemperatur der Nordsee meist unter 10°C, danach fast durchgängig darüber (ebd.: 64).

Durch die Wärmeausdehnung und das Abschmelzen von Gletschern und Eisschilden der Pole stieg der globale mittlere Meeresspiegel zwischen 1901 und 2010 um etwa 19 cm an. Die Rate dieses Anstiegs vergrößerte sich: In den letzten 20 Jahren verdoppelte sich die Steigerungsrate (ebd.: 66). Die folgende Abbildung (aus Rahmstorf 2009) zeigt das:

Während zwischen 1993 und 2003 der Meeresspiegel um ca. 3,1 (± 0,7) mm pro Jahr anstieg, betrug der Anstieg zwischen 1993 und 2008 3,4 (± 0,4) mm pro Jahr (IPCC 2007: 5-7). Der steigende Meeresspiegel zeigt sich zuerst in einer höheren Gefährdung durch Sturmfluten, „die häufiger und mit höherer Intensität auftreten können“ (EEA 2017: 66). Zunehmende Küstenerosion ist die Folge und die Wattenmeere sind durch Überflutung direkt bedroht.

Die Natur stellt sich letztlich schneller als bestimmte Klimawandelleugner oder -ignoranten auf die Veränderungen ein.

„Der Beginn des phänologischen Frühlings, Sommers und Herbstes hat sich in den letzten 61 Jahren im Jahresverlauf nach vorne verschoben. Der Winter ist deutlich kürzer, der Frühherbst deutlich länger geworden.“ (Umweltbundesamt 2015: 90)

Für manche Tierarten vollzieht sich diese Verschiebung zu schnell, um sich anpassen zu können. So ging die Population der Trauerschnäpper in den Niederlanden zurück, weil die Nestlingsaufzucht nicht mehr mit dem optimalen Nahrungsangebot zusammen passt (Both et al. 2006: 1861f.). Durch die Erwärmung haben auch wärmeliebende Vogelarten Vorteile, während kälteliebende Arten seltener werden (Umweltbundesamt 2015: 92). Dasselbe zeigt sich in der Fischerei. Der kälteliebende Kabeljau ist aus der südlichen Nordsee beinah verschwunden (ebd.: 153). Insgesamt ist global der Verlust von 20% aller Tier- und Pflanzenarten zu befürchten (WBGU 2009: 11). In der Landwirtschaft der BRD zeigen sich die Veränderungen ebenfalls. So blühen Raps und Äpfel ca. 20 Tage zeitiger als in den 70er Jahren, was aber auch die Gefährdung der Apfelblüten durch Spätfröste erhöht (Umweltbundesamt 2015: 103). Bei Getreide machen sich starke Ertragsschwankungen bemerkbar, vor allem steigt die Wahrscheinlichkeit von negativen Abweichungen (ebd.: 104). Hier zeigen sich die Folgen der häufigeren und stärkeren Extremwettersituationen wie Trockenheit und Starkregen mit Erosion.

Die Landwirtschaft muss sich darauf einstellen, dass der Bodenwasservorrat sinkt (ebd.: 78). Besonders kritisch ist dies für einjährige Pflanzen (z.B. Getreide), die durch Trockenstress leiden. Durch die Verstärkung von Regen-„Starkereignissen“ nimmt die Bodenerosion zu, wobei besonders die nährstoff- und humusreichen Bodenteile verweht werden – z.B. in Flüsse und Seen, wo sie die Gewässereutrophierung verstärken.

Denn zu den sich eher kontinuierlich in eine Richtung entwickelnden Veränderungen ist vor allem ein Ansteigen der Häufigkeit und Stärke von Extremwetterlagen zu beobachten.

Für die Temperaturen verschieben sich dabei die Extreme: Die Anzahl der kalten Extreme nahm ab, die Anzahl der warmen Extreme nahm zu (ebd.: 17; siehe Abbildung ebd.: 19).

Die Anzahl der heißen Tage mit mindestens 30°C stieg von 0,6 Tagen im Jahr 1857 auf 19 Tage im Jahr 2003 (Umweltbundesamt 2016); seit 2005 wurden jedes Jahr 4 bis 16 Hitzewarnungen ausgerufen, was bedeutet, dass die gefühlte Temperatur an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwischen 32°C und 38°C beträgt (Umweltbundesamt 2015: 28).

Dass diese „gefühlte“ Hitze auch zu tatsächlichen Beeinträchtigungen führt, zeigt die für Hessen ermittelte Zahl von 781 Menschen im Hitzesommer 2003, die zusätzlich zur durchschnittlich üblichen Sterberate starben (ebd.: 29). Solche Zahlen der „Übersterblichkeit“ (ebd.) gibt es auch für andere Länder und ganz Europa aus dieser Zeit. Die folgende Abbildung (aus Höppe 2015: 3) zeigt die Verteilung der Hitzebelastung in Europa.

Die folgende Abbildung zeigt die Anzahl der in Europa Verstorbenen im Zeitraum von Juni bis September 2003 im Vergleich zur durchschnittlichen Sterbezahl. Die starke Hitzewelle in der ersten Augusthälfte zeigt sich an den bis zu 5000 zusätzlichen Toten pro Tag. Insgesamt sind der Hitzewelle zuzuschreiben:
In Frankreich: 15 000 Verstorbene, in Deutschland 7 000, in ganz Europa: 70 000
(Robine et al 2007, vgl. etwas andere Zahlen bei Larsen 2003)

Die folgende Tabelle zeigt eine Einschätzung der bereits zu beobachtenden Trends und der Erwartungen für ihren weiteren Verlauf (leicht verändert aus Höppe 2012: 11):

Die für Deutschlang genannten Veränderungen brauchen noch keine Angst zu machen. Der erhöhten Wahrscheinlichkeit für mehr Hitzetage wird ein neues Hitzewarnsystem entgegen gestellt und Land- und Forstwirtschaft beginnen, sich auf die Veränderungen einzustellen. Wenn nicht mehr passiert, als eben beschrieben, bestehen noch keine großen Gefahren in unserem Land. Aber falls dies erst der Anfang ist vom Ausbrechen aus dem Holozän, wäre eine voreilige Beruhigung unangemessen.

Die Grenze von 2 Grad Temperaturanstieg, die nicht überschritten werden soll, ist daraus entstanden, dass eingeschätzt wurde, welche Temperaturerhöhung unsere Umwelt verkraften könne. Damit soll eine „gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems“ vermieden werden. So gilt:

„Bei einer globalen Erwärmung über 2 °C droht der beschleunigte Verlust von genetischer Vielfalt, Arten und Ökosystemen, da dann in vielen Weltgegenden in sehr hohem Tempo klimatische Bedingungen erreicht werden, wie es sie seit mehreren Jahrmillionen nicht gegeben hat.“ (WBGU 2009: 11).

Viele Menschen auf der Welt leiden bereits stark unter den Veränderungen. Hier nur einige wenige Beispiele:

  • Menschen in Ländern wie Nigeria leiden bereits massiv unter den Folgen des Klimawandels. Die Wüste breitet sich z.B. mit dem Sinken des Wasserspiegels im Tschadsee um 90% aus – gleichzeitig verheeren Überschwemmungen das Land. (Frielinghaus 2017) Oxfam Deutschland schätzt ein, dass bisher allein 2014 mindestens 20 Millionen Menschen aus solchen Gründen in die Migration gezwungen wurden (AI u.a. 2013: 12).
  • Auf den Cartaret-Inseln sind die Palmwälder entwurzelt und die Bananenplantagen durch den steigenden Meeresspiegel vernichtet worden – die Menschen müssen evakuiert werden (ebd.: 10).
  • Die Beispiele lassen sich fortführen. Auf der Website von Oxfam wird über die Folgen des Klimawandels auf einer interaktiven Weltkarte informiert.
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