Die Abbildung des steigenden CO2-Gehalts der Atmosphäre und der wachsenden Temperaturen (leicht verändert nach Wikipedia: Globale Erwärmung) kann zu der Meinung verleiten, dass es auf ein wenig oder noch mehr nun auch nicht mehr ankomme.

Die Katastrophe ist bisher nicht gekommen, warum sollte sie also später doch kommen?

Es gibt in komplexen Systemen jedoch Rückkopplungen und Kipp-Elementen. Viele Rückkopplungen stabilisieren das Klimasystem und wie wir sehen, sogar über tausende von Jahren lang. Stabilisierende Rückkopplungen, sog. Negative Rückkopplungen, federn Störungen ab. Etwas „Negatives“ hat hier günstige Wirkungen für das Leben auf der Erde. Das Stefan-Boltzmannsche Gesetz z.B. beschreibt z.B., dass die Wärmeabstrahlung eines Körpers mit zunehmender Temperatur ansteigt, was die Temperatur auf dem Planeten lange ziemlich stabil gehalten hat. Auch die Pflanzendecke, die durch etwas mehr CO2 in der Luft besser wächst und dabei den CO2-Gehalt senkt, ist so ein stabilisierender Faktor. Diese sich selbst stabilisierenden Rückkopplungen funktionieren aber nur in begrenzten Bereichen. Wenn bestimmte Schwellwerte überschritten sind, zerfallen sie und es können sog. „positive“ Rückkopplungen entstehen, die leider nicht günstig für eine stabile Lebensumwelt sind, sondern zu einem Aufschaukeln der Störungen bis hin zum Systemzerfall führen können. So wird beim Auftauen des Permafrosts ein enormer Speicher für Treibhausgas (Methan) geöffnet, das dann zusätzlich beschleunigend auf den Treibhauseffekt einwirkt. Kipp-Elemente sind nach Schellnhuber „Stellen im Erdsystem, wo unter dem Einfluss menschlicher Störungen die Dinge völlig aus dem Ruder laufen könnten.“ (Schellnhuber 2015: 477). Solche Kipp-Punkte (siehe dazu auch UPI 2013) zeigt die folgende Abbildung (aus WBGU 2014: 21):

Es sieht so aus, als näherten wir uns mit den derzeitigen Treibhausgasemissionen, die über viele Jahre akkumuliert werden, gerade einer „Brandmauer“, hinter der die positiven Rückkopplungseffekte und Kipp-Elemente bereits zu wirken beginnen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass die bisher über 10 000 Jahre stabilen Holozän-Bedingungen verlassen werden. Wir stellen damit ein gewaltiges Experiment mit unserer hochkomplexen und verletzlichen Zivilisation an.

Wie Schellnhuber schreibt, sind wir gerade dabei „mit unserem Fossilvehikel gewissermaßen ein ökologisches Stoppschild nach dem anderen“ zu überfahren (Schellnhuber 2015: 502). Die Folgen werden nicht nur sein, dass es „ein wenig wärmer“ wird.

„Der Untergang der Holozän-Natur infolge einer drastischen globalen Temperaturerhöhung dürfte sich keinesfalls graduell vollziehen, sondern als Folge von Untersystem-Zusammenbrüchen.“ (Schellnhuber 2015: 476)

Und obwohl Schellnhuber z.B. der Kanzlerin Merkel viel zugutehält für ihre klimapolitischen Bemühungen, ist sein Interview mit der „ZEIT“ übertitelt mit „Manchmal könnte ich schreien…!“.

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