Geht’s uns nicht gut? Während mehr als die Hälfte der bundesrepublikanischen Bevölkerung in „Zuwanderung und Migration“ ein Problem sieht und etwas weniger als die Hälfte im Thema „Kriminalität, Frieden, Sicherheit“, zählen nur ein Fünftel der Bevölkerung Umwelt- und Klimaschutz zu den wichtigsten Problemen (UBA 2017).

(Joe Webb)

Wenn wir heute nachmittag wieder einmal beim Vereins- und Kinder- und Rad- und Umweltfest stehen mit unserem Stand des „Klimanetzes Jena und Umgebung“, so wird mir ständig ein Gedicht Bertold Brecht im Kopf herumgehen. Da geht einer in ein brennendes Haus und fordert die Menschen auf, hinauszugehen. Die haben es aber gar nicht eilig:

„Einer fragte mich, während ihm schon die Hitze die Brauen versengte, wie es draußen denn sei, ob es auch nicht regne, ob nicht doch Wind ginge, ob da ein anderes Haus sei. Und so noch einiges.“

Was kann man da tun?

„Ohne zu antworten, ging ich wieder hinaus. Diese, dachte ich, müssen verbrennen, bevor sie zu fragen aufhören. Wirklich Freunde, wem der Boden noch nicht so heiß ist, dass er ihn lieber mit jedem anderen vertausche, als dass er da bliebe, dem habe ich nichts zu sagen.“ (Brecht 1981: 24f.)

In meinem Tagebuch aus den letzten Wochen steht auch der Satz: „Warum schreiben? Ohne Hoffnung, dass es etwas bewirken könnte. Warum die Leute ängstigen. Besser wäre zu schweigen.“

Und trotzdem stehe ich mir unbeachtet die Beine in den Bauch am Stand unserer Gruppe. Die Leute wollen Spaß haben am Samstag Nachmittag…Niemand will schlimme Nachrichten hören oder lesen, aber alle sollen die Möglichkeit gehabt haben alles zu wissen. Es sind die Kinder, die hier bespaßt werden, die einst fragen werden, warum wir im brennenden Haus geblieben sind.

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