Jens Brockmeier schlägt vor, anthropologische Fragen durch anthropogenetische Unter-schungen zu klären (Brockmeier 1983: 170).

„Das heißt, daß die Antworten auf die Frage nach dem, was der Mensch sei […], zunächst einmal dort zu suchen sind, wo der Mensch das, was er ist, geworden ist, also in seiner natur- und gesellschaftsgeschichtlichen Genese.“ (Brockmeier 1983: 170)

Diese Untersuchung endet dort, wo die phylogenetische Entwicklung zum Menschen hin beendet ist. Sie führt zur Erkenntnis, dass die Besonderheit des Menschen : „in seiner ihm eigenartigen Weise, seinen Lebensprozeß gegenständlich zu organisieren, ihn in der materiellen Auseinandersetzung mit der Natur, ihrer zunehmenden Beherrschung und Aneignung im gesellschaftlichen Arbeitsprozeß selbst zu entwickeln, und durch die Veränderung der „äußeren Natur“ allmählich auch sich selbst in seiner „inneren Natur“ zu verändern“ liegt (ebd.: 171). Die Menschen passen sich den Bedingungen der Natur nicht nur an, sondern sie produzieren die inneren und äußeren Bedingungen ihres Lebens selbst (ebd.: 172; kursiv AS). Dies tun sie in gesellschaftlichem Zusammenwirken, d.h aus der individuellen Werkzeugherstellung- und Nutzung (die auch schon Tiere zeigen) wird eine soziale/gesellschaftliche Mittelproduktion und Nutzung (vgl. ebd.: 188). Werkzeuge verkörpern „materialisiertes Wissen“ und eröffnen so den Raum zu immer neuen Möglichkeiten einer erweiter-ten/verallgemeinerten/neuen Zwecksetzung…

Es entstand ein für Menschen spezifischer „Entwicklungstypus der erweiterten Reproduktion der gesellschaftlich erarbeiteten Erfahrungen in einer zusätzlichen materiellen Erfahrungsstruktur“ (ebd.: 189, kursiv AS). Seit in der Menschwerdung diese Art, sich zu reproduzieren, bestimmend wurde, konnte der Mensch seine Arbeitsfähigkeit schneller entwickeln als ökologische Systemzusammenhänge sich änderten (ebd.: 190). In der Gegenwart ist es noch offen, ob die menschliche Zivilisation die Folgen der selbst hervorgerufenen Zerstörungen von globalen geophysikalisch-atmosphärisch-biosphärischer Wechselwirkungen ebenfalls konstruktiv zu bewältigen lernt.

(Sehr ausführlich behandelt auch Klaus Holzkamp die Anthropogenese als Basis der Psychogenese des Menschen in seinem Buch „Grundlegung der Psychologie“, vgl. auch die Zusammenfassung in Schlemm 2001b)

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