Oder: Gesellschaftsformationen im Verhältnis von Allgemeinem, Besonderem und Einzelnem

Vollständige Bestimmung von Allgemeinem oder Allgemeines als Ganzes von Teilen

Ich habe bereits schon einmal darauf verwiesen, dass sich Allgemeines auf mindestens zwei Weisen unterteilt. Einmal enthält die Unterteilung alle möglichen Teile vollständig (wenn die Teilung entlang einer vollständigen Gesamtheit von Bestimmungen erfolgt). Das betrifft z.B. die dargestellte Begriffskaskade nach Porphyrios:

Die besonderen Bestimmungsmerkmale (körperlich, beseelt…) sind insoweit vollständig, als alle einzelnen Gegebenheiten einsortiert werden können. Wenn es eins der Bestimmungsmerkmale nicht gäbe, wäre das Allgemeine nicht mehr dieses Allgemeine, das es ist. Alle Bestimmungen gehören dem Allgemeinen notwendigerweise an. Dieses Allgemeine, das seine Besonderungen selbst aus sich hervorbringt, wird auch „Totalität“ genannt. Es ist ein Allgemeines gegenüber seinen besonderen Bestimmungen.

Eine andere Art des Allgemeinen wäre so etwas wie die Abstraktion „Menschheit“ oder „Gesellschaft“ gegenüber den Individuen. Alle Menschen gehören zur Menschheit bzw. zur Gesellschaft. Zwar gehört jeder einzelne Mensch dem Allgemeinen an, aber das Allgemeine ist bezüglich der einzelnen Menschen nicht vollständig bestimmt. Ob es den einen oder anderen einzelnen Menschen gibt, verändert das Allgemeine nicht, es ist nicht notwendig (sondern kontingent), dass es diesen oder jenen Menschen gibt. Dasselbe gilt für die Menschheit als geschichtlichen Prozess. Wenn die gesellschaftliche Entwicklung als das Allgemeine genommen wird, so sind ihre besonderen Entwicklungssstadien bestimmt durch die Gesellschaftsformationen.

Aber die Menschheitsgeschichte ist nicht durch eine Vollständigkeit der Gesellschaftsordnungen bestimmt, sie ist keine Totalität. Die Menschheitsgeschichte der Menschheit ist Menschheitsgeschichte, egal, ob sie diese oder jene Gesellschaftsformationen durchlaufen hat oder durchlaufen wird.

Wenn dieser Unterschied missachtet wird, kann die Vollständigkeit auch in die Kette der Gesellschaftsformen hineingedeutet werden und es entsteht die Vorstellung, dass die Abfolge der Gesellschaftsformationen sich danach richtet, dass die Gesellschaftsformationen quasi vollständig werden, d.h. alle möglichen Formen einnehmen (müssen oder dass wenigstens die Entwicklung dahin ausgerichtet ist).


Dieser Text gehört zu den „Geschichtsphilosophischen Fragmenten“


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