Und wieder gibt es eine Alarmmeldung aus der Treibhausgasmessung: Im Jahr 2016 stieg die CO2-Emission um 50% schneller an als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Auch in Deutschland stiegen die energiebedingten CO2-Emissionen im Jahr 2016 gegenüber 2015 um 0,9 Prozent. Auch Peak Oil rückt in die Nähe bzw. wurde für konventionelle Ölförderung wohl schon überschritten. Es wird eigentlich Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Die globalen Gefahren aller Art, wie der Klima-Umbruch, die Versauerung der Meere u.a. spielen außer in fernen Regionen für fremde Menschen bei uns nur ausnahmsweise eine kleine Rolle. Ansonsten wird weiter gemacht, wie bisher… Die Koalitionsverhandlungen stocken nicht zufällig auch gerade beim Thema des Umgangs mit dem Klimawandel. Bei der Wahl spielte das Thema noch keine Rolle, noch nicht. Dass die AfD so weit nach vorn springen konnte, hat noch nicht den Grund, dass sie sich mehr Sorgen um die Zukunft machen würde als andere. Das kann sich aber ändern.

Denn es werden Situationen kommen, in denen gefragt wird, wer nun Orientierung geben kann. „Die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie wird das zentrale Thema des 21. Jahrhunderts“, so schrieb ein „Landolf Ladig“ 2012 und beschreibt eine Strategie, die nur darauf wartet, dass das derzeitige Wirtschaftssystem aufgrund des baldigen Fehlens von billigem Öl zuerst den Verkehr einschränkt und durch das Zerbrechen des Just-in-Time-Systems schließlich auch von ernsten Produktions- und Versorgungsengpässen bedroht ist und damit auch eine „allgemeine und langanhaltende Vertrauenskrise gegenüber zentralen staatlichen Institutionen und der Problemlösungsfähigkeit der Politik“ entsteht. Dann „wird eine politische Revolution denkbar“ freut sich der Autor, dessen Wortwahl und Inhalte auffallend Formulierungen von Björn Höcke ähneln, dem Thüringer AfD-Politiker (Kemper 2016). Die „kleine politische Avantgarde […], die in der Lage ist, dieser Welt den Weg aus der kapitalistischen Sackgasse zu weisen“, von der er schon 2011 schrieb, bekommt dann ihre Chance: „Systemkrisen bieten Systemoppositionen die Möglichkeit der Einflußnahme“ (Ladig 2011). Und: „Wenn der große Hunger eine neue Wolfszeit einleitet, wird der heute herrschende Humanitarismus lange vergessen sein.“ Dieser Satz steht mitten im Text, woanders hat der Wolf noch einen Schafspelz. Die „identitäre Systemopposition“ (Ladig 2012) will einen „freudigen Aufbruch“, die Ökodiktatur wird „Ordnungsrahmen“ genannt, den „der Staat setzen muß, um einen kollektiven Bewußtseinswandel zu unterstützen bzw. abzusichern“. Der Zusammenbruch des globalen Transportsystems mangels billigem Öl käme ihnen nur recht. Und Gesellschaften, die – die Anführungsstriche stammen aus dem zitierten Originaltext (Ladig 2011) – „tolerant“ und „offen“ sind, hätten dann ausgespielt, denn die dazu nötige „kontinuierliche Verbesserung der individuellen Lebensumstände“, so wird unterstellt, sei dann nicht mehr möglich. Die AfD will – und das sieht Höcke (2017) als „historische Mission“ an, dann die Führung unternehmen auf Grundlage „bewährter raumorientierter Konzepte mit Ideen der Postwachstumsgesellschaft“ (wobei die „Raumorientierung“ direkt aus der NPD kommt).

Menschen, die dies nicht wollen, müssen sich jetzt wirklich endlich selbst mit den drängenden Problemen unserer Zeit beschäftigen und Antworten entwickeln.

Literatur:

Kemper, Andreas (2016): “… die neurotische Phase überwinden, in der wir uns seit siebzig Jahren befinden”. Zur Differenz von Konservatismus und Faschismus am Beispiel der „Historischen Mission“ Björn Höckes (AfD).

Höcke, Björn (2017): „Gemütszustand eines total besiegten Volkes“. Der Tagesspiegel 19.1.2017.

Ladig, Landolf (2011): Krisen, Chancen und Auftrag. Volk in Bewegung. 5-2011, S. 6-9.

Ladig, Landolf (2012): Die Krise des Liberalismus. 1-2012, S. 12-15.

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